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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1365 posts

Posts by André Pitz

Gesehen: The Bikeriders (2023)

Gesehen: The Bikeriders (2023)
(c) Universal Pictures International Germany

Ich verstehe sofort, was Jeff Nichols zu diesem Projekt hingezogen hat. Seine Faszination für Gruppendynamiken in familienähnlichen Gefügen thront auch hier über allem.

Der faszinierende Aspekt ist hier der Motorradclub, der fast schon anarchistisch eingestellt ist und außerdem die Gesellschaft mit ihren Regeln und Normen nicht nur verachtet, sondern ablehnt und deren einzige Maxime Freiheit (auf dem Motorrad) zu sein scheint.

Dabei ist es genau der Club mit seinen Gesetzen, die noch viel restriktiver, gar völkisch bis faschistoid zu sein scheinen und seine Mitglieder in eine Werte- und Moralregression befördern. Doch wer einmal Teil dieses durch Aggression und Gewalt geprägten Systems geworden ist, ist für immer gefangen. Das System erhält sich selbst durch Kompromat gegen jedes einzelne Mitglied.

All das versucht Nichols mit einer Art ALMOST FAMOUS-MacGuffin zusammenzurühren. Wirklich organisch oder elegant fühlt sich das für mich jedoch nie an. Vielmehr wirkt es viel zu distanziert vom eigentlichen Geschehen. Leider zu oft irritiert hat mich die übermäßige Affektiertheit des Films. Überzeichnet sind viele der Figuren, das ist aber nicht mein Problem. Mein Problem sind Tom Hardy und Jodie Comer, die selbst in dieser Melange durch ihr elend bemühtes Spiel noch unangenehm hervorsTechen.

★★★½☆

US, R: Jeff Nichols, D: Jodie Comer, Tom Hardy, Austin Butler, Michael Shannon, Mike Faist, Boyd Holbrook, Norman Reedus, Damon Herriman, Karl Glusman, Toby Wallace, Trailer, Wikipedia
The Bikeriders - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: C'era una volta il West (1968)

Gesehen: C'era una volta il West (1968)
(c) Paramount Pictures Deutschland

Was mir erst im Vorspann bewusst wurde: Sergio Leone hat diese Geschichte zusammen mit Bernardo Bertolucci und Dario Argento geschrieben. Wow.

…diese strenge horizontale Kameraarbeit, die wenigen Worte, die sTechenden Blicke, das Ein-, vor allem aber auch das Aussetzung von Ennio Morricones Score…

Diese formale Klarheit hat mich umgehauen. Denn dadurch wird auf virtuose Art und Weise nicht nur großartige Spannung erzeugt, sondern gleichzeitig auch die absurde Qualität des Genres Italowestern humorvoll vor Augen geführt, das Kräfteverhältnis und Machtgefüge an der American Frontier vermessen.

★★★★½

IT/US, R: Sergio Leone, D: Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robards, Charles Bronson, Gabriele Ferzetti, Paolo Stoppa, Frank Wolff, Trailer, Wikipedia
Spiel mir das Lied vom Tod - Stream: Jetzt online anschauen
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Gesehen: Close to Vermeer (2023)

Gesehen: Close to Vermeer (2023)
(c) NEUE VISIONEN

Ein Werbefilm? Ja, klar. Aber eben schon einer, der in der Lage ist, auch mal einen Schritt zurückzugehen und wirklich zu beschreiben, was Johannes Vermeer so ausgemacht hat, warum er bis heute eine so exponierte Stellung in der Geschichte der Malerei einnimmt, wie die Wissenschaft Kunstgeschichte eigentlich funktioniert und mit welchen Herausforderungen sie sich heutzutage konfrontiert sieht.

Dabei geht es um so viel mehr als die wohl niemals endgültig klärbare Urheberschaft eines Werkes. Es geht auch um diesen perversen Auswuchs, der sich Kunstmarkt nennt. So darf sich Junge Frau am Virginal nicht nur in der Privathand von Thomas Kaplan befinden, Kaplan kann das zur wissenschaftlichen Untersuchung aus seinem Rahmen herausgelöste Bild auch mit seinen bloßen Pranken anpacken und damit in den Händen wild herumgestikulieren, während den Kunsthistoriker*innen um ihn herum die Ärsche auf Grundeis gehen.

Dem Film gelingt es hier, das Spannungsfeld zwischen privatem Kunstmarkt und öffentlicher Hand aka Museen mit sehr filmischen Mitteln klar zu umreißen, ohne es mit Texttafeln, Voiceovers oder Talking-Heads erklären zu müssen. Die Bilder sprechen hier für sich.

Die Arbeit, die in Museen wie eben dem Rijksmuseum in Amsterdam geleistet wird, ist der eigentliche Star dieses Films. Gregor J. M. Weber, Co-Kurator der Vermeer-Megaausstellung, macht schon sehr früh klar, dass es natürlich auch um das Spektakel der reinen Anzahl von Vermeers an einem Ort geht, aber dass das alles nichts wert ist, wenn dabei nicht auch neue (wissenschaftliche) Erkenntnisse erarbeitet werden.

NL, R: Suzanne Raes, Trailer
Vermeer - Reise ins Licht - Stream: Jetzt online anschauen
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Gesehen: Earth Mama (2023)

Gesehen: Earth Mama (2023)
(c) A24

Ich bin schwer davon beeindruckt, wie ruhig dieser Film ist und wie selbstbewusst er in sich ruht, obwohl das Geschehen absolut eskalierende Wut rechtfertigen würde.

Wir sehen also hier eine sehr zurückhaltende, dadurch aber nicht weniger scharfe Untersuchung eines vermeintlichen Absicherungssystems, das letztlich doch dafür geschaffen wurde, genau die verlieren zu lassen, denen auf den Papier geholfen werden soll.

Schon sehr früh im Film braucht es nur wenige Sätze, um darzulegen, dass dem so ist. Wir sehen eine hochschwangere junge Frau, die offenbar aufgrund ihres Drogenkonsums in der Vergangenheit ihre beiden Kinder nur unter Aufsicht für eine Stunde in der Woche sehen kann. Ihre Sozialarbeiterin rügt sie dafür, dass sie mit ihren Unterhaltszahlungen im Verzug sei und das der Situation mit ihren Kindern nicht helfen werde. Daraufhin entgegnet die junge Mutter, dass sie gar keine Zeit habe, um noch mehr zu arbeiten, weil sie sonst die verpflichtenden „Kurse“ zur Trauma-, Suchtbewältigung usw. nicht schaffe.

Es ist eine selbsterfüllende Prophezeiung des Scheiterns.

Hier greifen so viele kleine und große Zahnräder des American Dream ineinander: transgenerationale Traumata, Rassismus, Kapitalismus, soziale Sicherungsnetze, die dieser Bezeichnung kaum würdig sind und steinzeitliche Vorstellungen von Mutterschaft und Familie.

★★★★☆

US/GB, R: Savanah Leaf, D: Tia Nomore, Erika Alexander, Keta Price, Doechii, Sharon Duncan-Brewster, Bokeem Woodbine, Trailer, Wikipedia
Earth Mama - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Kopenhagen belohnt klimafreundliche Tourist*innen

Kopenhagen belohnt klimafreundliche Tourist*innen
(c) VisitCopenhagen

Wie cool ist das denn? Wer sich als Tourist*in klimafreundlich durch Kopenhagen bewegt, wird dafür belohnt – zum Beispiel mit einem kostenlosen Kaffee im Park, einem Freigetränk in der coolen Rooftop-Bar oder einem Workshop zu plastischer Kunst in der Nationalgalerie.

Das Projekt nennt sich CopenPay und soll zunächst vom 15. Juli bis zum 11. August getestet werden. Geht sich das alles aus, soll daraus ganzjähriger Standard werden.

Earn rewards at Copenhagen attractions ranging from a free lunch or a cup of coffee to a kayak tour or even a free entrance to a museum. All you need to do is, for instance, bike instead of drive, help maintain the city, work in an urban garden, or pledge to sustainable behaviour.

(via Katharina Kanzan, die drüben auf Bluesky jeden Tag eine gute Nachricht postet)

Zum Zustand und der Prioritätensetzung der ARD-Mediathek

Zum Zustand und der Prioritätensetzung der ARD-Mediathek
(c) ARD Design

Heute ab 20.15 Uhr ist EVERYTHING EVERYWHERE ALL AT ONCE verfügbar. Darauf wird in der Pressemitteilung zu den Juli-Highlights auf neunter Position hingewiesen. Aufgemacht wird mit REHRAGOUT-RENDEZVOUS.

ARD Mediathek - Die Highlights im Juli 2024
München (ots) - Rehragout-Rendezvous (ARD Degeto/BR) Spielfilm (120 Min.) Ab 22. Juli 2024 | in der ARD Mediathek Lineare Ausstrahlung: 22. Juli 2024 | 20:15 Uhr | Das Erste…