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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1365 posts

Posts by André Pitz

Gesehen: Zielona granica (2023)

Gesehen: Zielona granica (2023)
(c) Alive AG

Agnieszka Holland redet nicht um den heißen Brei herum, benennt kaputte Mechanismen, Fehler im System, rechtsextreme Arschlöcher und den menschenfeindlichen Diktator Alexander Lukaschenko, ohne dabei auch nur eine Sekunde in sperriger Didaktik zu versumpfen. Gleichzeitig schafft es Holland auch weitestgehend, die Geflüchteten und deren Geschichten nicht für eine Art geopolitischen Thriller auszubeuten.

Stattdessen fokussiert sie die Energie ihres Films darauf, wozu Menschen fähig sind – zu Empathie, Rechtschaffenheit, Reue und großes Leid für geliebte Mitmenschen auszuhalten, trotz aller Widrigkeiten zu überdauern, aber auch zu Gewissenlosigkeit, Sadismus, Neid und Hass.

Durch die multiperspektivische Erzählung von Geflüchteten, Zivilgesellschaft und Grenz-"Schutz" braucht der Film jedoch ziemlich lang, um in die Gänge zu kommen, bis der Dominostein am großen Motiv angekommen, der Rhythmus gefunden ist und sich aus dem Wirrwarr der Katastrophen ein produktives Bild ergibt.

Außerdem: Ich kann mit bewussten Entscheidungen für Schwarz-Weiß-Bilder in der Regel viel anfangen. Aber hier ist das der Erzählung irgendwie nicht gerecht geworden. Es hat sich für mich angefühlt, als ob dadurch jede Menge Energie einfach verpufft ist – besser kann ich es noch nicht in Worte fassen.

★★★½☆

BE/CZ/FR/PL/US, R: Agnieszka Holland, D: Jalal Altawil, Maja Ostaszewska, Behi Djanati Atai, Tomasz Włosok, Mohamad Al Rashi, Dalia Naous, Jaśmina Polak, Monika Frajczyk, Trailer, Wikipedia
Green Border - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Anil Dash: Don't call it a Substack.

Anil Dash: Don't call it a Substack.
(c) Joanna Kosinska / Unsplash

Als ich Wordpress in die Tonne gehauen habe, habe ich für den Bruchteil einer Sekunde auch über Substack als Alternative nachgedacht. Auf dem Papier ist das immerhin ein sehr mächtiges und Feature-Set, das hier angeboten wird: Blog in magaziniger Aufmachung, Newsletterversand, Podcast- und Videohosting. Und das zum verführerischen Preis von 0 Euro.

Aber über diese Nazi-Sache ist einfach kein Hinwegkommen.

Anil Dash hat jetzt noch einmal zu einem scharfzüngigem Rundumschlag ausgeholt, bei dem jeder einzelne Absatz einfach sitzt.

Email's been here for years. But the reason Substack wants you to call your creative work by their brand name is because they control your audience and distribution, and they want to own your content and voice, too. You may not think you care about that today, but you will when you see what they want to do with it.
Don’t call it a Substack. - Anil Dash
A blog about making culture. Since 1999.

Gesehen: Bis zur Wahrheit (2024)

Gesehen: Bis zur Wahrheit (2024)
(c) NDR / Boris Laewen / Roland Stuprich

Ich glaube, dieser Film ist für eine ganz bestimmte Zielgruppe gemacht und von daher entsprechend inszeniert und erzählt. Ich bin nicht Teil dieser Zielgruppe, da Pi mal Daumen 30 Jahre zu jung. Also erkenne ich an, dass hier akribisch ein so drängendes Thema allumfassend bearbeitet wird, mit dem ich mich vielleicht schon länger auseinandersetzen mag, besagte Zielgruppe aber nicht den ganzen Tag kluge Stimmen in Podcasts und auf [Soziales Netzwerk] hört bzw. liest.

Wenn ich den Film jedoch losgelöst von jeglicher statistischer Erhebung bezüglich des Durchschnittsalters linearer Programme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk betrachte, bleibt für mich sehr schnell nicht mehr viel übrig.

Ästhetisch rangiert der Film auf dem Niveau eines Vorabendkrimis – mit aalglatten Bildern, abgegriffenen Motiven und untermalt von durchgehend profillos vor sich hinsäuselnder Musik.

Keine Figur hat eine wirkliche Agency. Weitestgehend wird wie an Marionettenfäden vor sich hin reagiert, aber bis auf einen großen Moment praktisch nie agiert. Das mag im Fall der Protagonistin vor allem auf einer metaphorischen Ebene aufgehen. Aber es sind aus unerfindlichen Gründen einfach alle Figuren betroffen.

Als wirklich filmischer Moment ist mir lediglich eine Szene im Kopf geblieben – die, in der sich Maria Furtwänglers Martina auf die Tanzfläche des Clubs begibt, den ihr Vergewaltiger kurz zuvor verlassen hat. Sie erobert sich hier nicht ihren Raum zurück. Sie entreißt ihrem Täter einen vermeintlichen Rückzugsort, macht klar, dass er immer weniger Raum hat, in dem er sich mit seinen Lügen sicher fühlen kann.

Nach SCHWEIGEND STEHT DER WALD habe ich mir mehr davon erhofft.

★½☆☆☆

DE, R: Saralisa Volm, D: Maria Furtwängler, Damian Hardung, Pasquale Aleardi, Uwe Preuss, Margarita Broich, Luna Winter, Trailer

Der Film steht noch bis zum 20. November 2025 in der ARD-Mediathek:

Bis zur Wahrheit - hier anschauen
Zwei befreundete Paare, ein gemeinsamer Nordsee-Urlaub mit ihren Kindern: Was als Idyll beginnt, wird zur Tragödie, als die Chirurgin Martina (Maria Furtwängler) von dem Sohn ihrer besten Freundin vergewaltigt wird. Martina versucht, ihre Erinnerungen an das Geschehene zu verdrängen. Als sie endlich zu sprechen beginnt, reagiert ihr Umfeld wütend. Ihre Freundin Jutta (Margarita Broich) versucht ihren Sohn Mischa (Damian Hardung) zu verteidigen. Sie will Martinas Erzählung keinen Glauben schenken. Martina kämpft sich in ihr Leben zurück – mit allen Mitteln. Bewegendes Familiendrama von Regisseurin Saralisa Volm.
Bis zur Wahrheit - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Goodbye Wordpress!

Goodbye Wordpress!
(c) Lavi Perchik / Unsplash

Lange Jahre lief diese Seite in ihren verschiedensten Iterationen auf einer selbst gehosteten Wordpress-Instanz. Ich wollte im Hintergrund nicht von einer Plattform abhängig sein, gleichzeitig die Kontrolle über meine Seite behalten und dafür den Weg des geringsten Widerstands gehen. Und Wordpress ist, wenn man einmal einen Webspace hat, vergleichsweise einfach einzurichten und bietet dann umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten. Da ich keine einzige Zeile Code beherrsche, war das für mich immer der größte Selling Point. Ja, Wordpress wurde über die Jahre hinweg wirklich immer weiter aufgeblasen. Gestört hat mich das nie großartig.

Was mich jedoch extrem stört, ist Matt Mullenwegs Verhalten und die potenziellen Folgeschäden für das freie Internet. Die Kolleg:innen von The Verge haben einen übersichtlichen Story-Stream zum Nachlesen des ganzen Mad-King-Arcs zusammengestellt. Theo Browne hat auch ein kurzweiliges Video darüber gemacht.

All das hat dazu geführt, dass ich mich nach sehr langer Zeit mal wieder nach Alternativen umgesehen habe. Ghost sah sehr verführerisch aus, funktioniert aber nicht einfach so mit meinem aktuellen Hosting-Vertrag. Kirby macht mich auch ziemlich an, aber um das meinen Bedürfnissen anzupassen, reicht Stack Overflow auch nicht 😅 Also bin ich in der Welt der Static Site Generatoren gelandet. Am wohlsten habe ich mich letztlich mit Hugo gefühlt. Damit lassen sich datenbanklose Blogs bauen, die mit simpel aufgebauten Markdown-Dokumenten gefüttert werden. Text ist Text und lässt sich dadurch viel leichter von System zu System umziehen.

Wie sinnvoll es ist, darauf zu achten, habe ich beim Export aller meiner Beiträge von Wordpress gemerkt. In den Posts waren so viele Tags irgendwelcher Auszeichnungssprachen „versteckt", dass ein Import in ein anderes Blogsystem alles, nur kein ansehnliches Ergebnis produzierte.

Wie gesagt, ich beherrsche keine einzige Zeile Code. Aber zumindest kann ich meine grundlegenden Vorstellungen einem LLM mitteilen. Jedenfalls hat mir ChatGPT ein paar Skripte geschrieben, mit denen ich den Wordpress-Export erst bereinigen und dann in ein Hugo-verträgliches Layout überführen konnte.

Und da sind wir jetzt.

Ich habe mich bewusst für eine noch minimalistischere Optik als zuvor entschieden und hoffe, dass alles den Umzug gut überstanden hat. Denn knapp 1.000 Posts wollte ich nach dem Konvertieren dann auch nicht noch mal händisch überprüfen. Schreibt mir gerne, falls euch Fehler auffallen. Kommentare gibt es leider (noch) nicht, aber das baue ich später noch ein.

Gesehen: Megalopolis (2024)

Gesehen: Megalopolis (2024)
(c) Constantin Film

Ich habe das Gefühl, vorab noch einmal extra betonen zu müssen, dass ich das wirklich ohne jeden Funken Sarkasmus meine: MEGALOPOLIS wirkt wie das Projekt einer Gruppe von Highschoolern, die einen Film von Baz Luhrmann zu viel gesehen haben und schließlich total inspiriert unbedingt eine Oper in seinem Stil als Abschlussstück des Schuljahres inszenieren wollten. Aus Budgetgründen mussten jedoch viele Hintergründe mit OpenAIs Sora hergestellt werden. Am Tag der Premiere, als alles zum ersten Mal zusammengerührt funktionieren muss, sind die Darsteller:innen ob des Clusterfucks, durch den sie sich bewegen sollen, vor allem damit beschäftigt, grenzdebile Lachanfälle zu unterdrücken. Ich schwöre, Laurence Fishburne war in einer Szene wirklich so 🤏 kurz davor.

Dass gerade heute niemand substanzielle Summen in diese Produktion stecken wollte, wundert mich nicht wirklich. Denn es scheint, als ob Coppola seit den 1980ern nur sehr wenig dafür getan hat, das Drehbuch zu entstauben.

Denn wenn der verkommene Exzess dieser herrschenden Klasse New Romes in ach so skandalösen Bildern wie Männer in Kleidern, sich küssende Frauen und ein paar Lines Koks auf der Party Ausdruck findet, dann ist das an verinnerlichter Prüderie und Kontaktverlust mit der tatsächlichen gesellschaftlichen Realität nur schwer zu überbieten.

Das einzige Update des Stoffes scheinen mir die klar trumpesken Züge einzelner Figuren zu sein. Aber das geschieht auf einer super einfältigen, fast schon infantilen und nie produktiven Ebene.

Es ist absolut wild, dass dieser Film so existiert. Und es ist absolut wild, wie ernst er sich nimmt. „So schlecht, dass es schon wieder gut ist" lehne ich als Zuschreibung ab. Aber das hier ist wirklich einfach a beautiful mess. Denn dass dem ganzen auch eine gewisse Musik innewohnt, kann ich auch nicht abstreiten.

★★☆☆☆

US, R: Francis Ford Coppola, D: Adam Driver, Nathalie Emmanuel, Giancarlo Esposito, Aubrey Plaza, Shia LaBeouf, Jon Voight, Laurence Fishburne, Trailer, Wikipedia
Megalopolis - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Gesehen: Il Buco (2024)

Gesehen: Il Buco (2024)
(c) Doppio Nodo Double Bind / Rai Cinema / Essential Films / Société Parisienne de Production / ZDF / Arte France Cinéma

Die Klarheit der Bilder ist eine Illusion. Die Klarheit dieser Bilder ist eine Illusion.

Der Versuch etwas zu verstehen, zu durchdringen ist auch immer mit einem Eindringen verbunden und hat invasive sowie übergriffige Qualitäten. Das löst unweigerlich eine Gegenreaktion des Gegenstands der Betrachtung aus, provoziert sie mitunter auch bewusst – und zieht so bereits die erste Ebene der Diffusion ein.

Werden wir jemals die reine Essenz einer Entität beschreiben können? Denn letztlich ist ein klarer Blick unmöglich. Der Blick an sich ist bereits Akt der Zerstreuung, Erzählungen, Zeichnungen, Fotos, Filmaufnahmen erst recht. Und ihnen wohnt auch immer etwas Ausbeuterisches Inne, was nie ohne Reaktion bleiben wird.

Das ging mir hier durch den Kopf. Ein Fass ohne Boden.

★★★★☆

DE/FR/IT, R: Michelangelo Frammartino, Trailer, Wikipedia

Der Film steht noch bis zum 23. Dezember 2024 in der Arte-Mediathek:

Il Buco - Ein Höhlengleichnis - Film in voller Länge | ARTE
Die 1960er Jahre sind für Italien wie für den größten Teil Westeuropas eine Zeit des Aufschwungs. Doch in den Bergen Kalabriens, an der Südspitze des italienischen Stiefels, wirkt die Zeit wie stillgestanden. Eine Gruppe von Höhlenforschern macht sich hierher auf, um den Abisso del Bifurto zu erkunden. - Eine dokumentarische Fiktion (2021) und eine Meditation über das Leben.
Ein Höhlengleichnis - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Ein Höhlengleichnis” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.