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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Désordre (1986)

Gesehen: Désordre (1986)
(c) mk2 Films

Ein Coming-of-Age, das ich so noch nicht oft gesehen habe: Diese jungen, stürmischen Menschen, die Künstlerinnen sein und in der Musik ihren Ausdruck finden wollen. Bei denen jede*r was mit jeder*m hat und der Zweck immer die Mittel heiligt. Deren gesamte Existenz gegen gesellschaftliche Konventionen zu bürsten scheint. Und deren Streben trotz allem so sehr auf bürgerliche Kategorien ausgerichtet ist: ein gesichertes Einkommen, eine monogame Beziehung, zusammen im gemeinsamen Heim alt werden, auf dem Weg vielleicht sogar eine Familie gründen und in Harmonie die Welt der Lebenden verlassen. Diese Figuren sind regelrecht durchzogen vom Anti-Punk, ob sie sich das eingestehen wollen oder nicht.

Letztlich ist es der Tod und das stückweise Ankommen in diesen bürgerlichen Kategorien, die diesen Leben die Energie entzieht. Der Ausdruck in der Musik will nicht mehr gelingen, niemand kann sich mehr fallen lassen, ein leidenschaftliches Seelenfeuer in Gang kriegen und nach außen kehren.

Dabei stolpert der Film immer mal wieder über die eigenen Füße, mäandert vor sich hin, verliert sich in Wiederholungen und schafft es oft nicht, sich einer gewissen Ziellosigkeit zu entledigen. Das mag zwar Abbild der Figuren sein, aber formal betrachtet ist das mehr irritierend als produktiv.

★★★☆☆

FR, R: Olivier Assayas, D: Wadeck Stanczak, Ann-Gisel Glass, Lucas Belvaux, Rémi Martin, Corinne Dacla, Simon de La Brosse, Etienne Chicot, Philippe Demarle, Juliette Mailhe, Étienne Daho, Trailer, Wikipedia
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Videospiele sind keine Kunst...

Videospiele sind keine Kunst...
(c) Ben Neale / Unsplash

...sagt Christian Eichler of CUTS- und Geister-Fame. Und ich glaube, ich stimme ihm zu. Denn wer wie Christian ein bisschen Abstand nimmt von der etwas kulturkämpferischen Gemengelage rund um das Medium Videospiel, wird schnell merken: Games sind keine Kunst, aber sie können Kunst sein.

[...]Aber wenn „Neva", wenn „The Last of Us", wenn „Journey" für euch Kunst sind, weil die Musik laut aufgedreht ist, weil sie aussehen wie ein Film oder ein Gemälde. Und wenn das endlich zeigt, dass Videospiele Kunst sind... Sorry, dann sind Videospiele keine Kunst.

In meinen laienhaften Worten: Kunst definiert sich (für mich) über mehr als rein ästhetische Kategorien. Dem müssen auch Videospiele gerecht werden, wenn sie Kunst sein wollen.

(Eine ähnlich gelagerte Debatte darüber, was eigentlich Spaß im Kontext von Games ist, hat Christian auch beleuchtet. Lohnt sich ebenfalls!)

Gesehen: Liebe ist kälter als der Tod (1969)

Gesehen: Liebe ist kälter als der Tod (1969)
(c) Zweitausendeins Edition Deutscher Film

Erst die Widmung an die halbe Nouvelle Vague, dann diese unverfrorenen Zitate, was zusammengenommen fast schon satirische Ausmaße annimmt – das ist schon irgendwie cool. Es ist gewissermaßen eine große Ehrerbietung, ein Verneigen vor den Filmschaffenden der Nouvelle Vague und die Beweisführung, dass Nachahmer*innen diesen Gigant*innen des Kinos niemals gerecht werden können.

Niemand inszeniert derart ungezwungen coole Figuren, die gleichermaßen lässig wie getrieben von revolutionären Gedanken, vom Nonkonformismus sowie vom Aufbegehren gegen Autoritäten und den Status quo durch die Welt gehen. Niemand scheint ungeachtet gesellschaftlicher Konventionen eine derart klare Sicht auf Moral, Sexualität und das Verhältnis zwischen Frau und Mann zu haben.

Dieses Kino ist unnachahmlich – auch für einen Rainer Werner Fassbinder.

★★★☆☆

DE, R: Rainer Werner Fassbinder, D: Ulli Lommel, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder, Trailer, Wikipedia
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A funny thing about the future: Steven Soderberghs Miniserie „Command Z"

A funny thing about the future: Steven Soderberghs Miniserie „Command Z"
(c) Singani 63, Extension 765, Steven Soderbergh

Vergangenes Jahr hat Steven Soderbergh die Command Z umgesetzt. „A funny thing about the future", wie Soderbergh es selbst mit Understatement beschreibt. Lange gab es die acht kurzen und kurzweiligen Episoden nur bei Soderbergh selbst mit Kreditkarte zu kaufen. Mittlerweile jedoch – und das ging total an mir vorbei – steht die Serien komplett kostenlos bereit.

Command Z — COMMAND Z

Ich habe sie mir angeschaut, weil ich mir alles von Steven Soderbergh anschaue, weil Steven Soderbergh einfach ein unglaublich inspirierender Filmemacher ist. Länger als anderthalb Stunden braucht es dafür nicht, aber das macht das Projekt nicht weniger nachhaltig.

Command Z wirkt wie Black Mirror, nur eben ohne den Ballast von Black Mirror auf den Schultern. Es ist eine Serie, die zwar einfach, aber trotzdem präzise und mit einem Augenzwinkern die (digitalen) Grabenkämpfe unserer Welt zuspitzend beschreibt.

Jeder Episode liegt ein bestimmtes Thema zugrunde, zu dem Soderbergh dann mit Ausnahme des Finales am Ende drei passende Filme empfiehlt. Es ist ein nobler Gedanke, dass wir die Welt durch Filme nicht nur besser verstehen, sondern vielleicht sogar zu einem besseren Ort machen können.

Steven Soderbergh empfiehlt...

...für weitere Informationen über Zeitreisen:

  • The Terminator
  • Brother Future
  • Lola rennt

...für weitere Informationen über den Klimawandel:

  • Soylent Green
  • The Day After Tomorrow
  • Ice Age: The Meltdown

...für weitere Informationen über die Wall Street:

  • Wall Street
  • American Psycho
  • Hustlers

... für weitere Informationen über Hunde:

  • Snoopy Come Home
  • Turner & Hooch
  • Hotel for Dogs

...für weitere Informationen über Social Media:

  • The Social Network
  • Ingrid Goes West
  • Die Influencers Die!

...für weitere Informationen über Kernkraft:

  • The China Syndrome
  • Chernobyl
  • Atomic Hope

...für weitere Informationen über Gott:

  • The Ten Commandments
  • Oh God! You Devil
  • Evan Almighty
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Gesehen: House by the River (1950)

Gesehen: House by the River (1950)
(c) UCM.ONE

Es geht um hegemoniale Männlichkeit und die hässliche Fratze, mit der Menschen genüsslich andere herabwürdigen, wenn sich ihnen auch nur der Hauch einer Chance dazu bietet.

Aber vor allem ist es spannend, den Film durch unsere aktuelle Gesellschaftsdiskurs-Brille zu schauen. Denn auch hier tobt unterm Strich ein uns doch mehr als gut bekannter Kulturkampf: Justiz vs. Gericht der öffentlichen Meinung. Es wird lauthals (vor allem am rechten Rand) darüber gestritten, ob nun „Im Zweifel für die/den Angeklagt*en" oder „Wir müssen Opfern glauben" gilt. Dabei schließt sich das doch gar nicht aus. Aber solange das Gebrüll nur laut genug ist, können sich Täter*innen im Hintergrund unbemerkt und vor allem ungesühnt davonstehlen.

Der Film beweist damit: seine zeitlosen Qualitäten und die Existenz des von mindestens mal konservativen Kräften angetriebenen diskuriven Hamsterrads, aus dem wir nicht herauszukommen scheinen.

★★★½☆

US, R: Fritz Lang, D: Louis Hayward, Jane Wyatt, Lee Bowman, Dorothy Patrick, Ann Shoemaker, Jody Gilbert, Trailer, Wikipedia
Das Todeshaus am Fluß - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Das Todeshaus am Fluß” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.

Kinotagebuch: The Lord of the Rings: The War of the Rohirrim (2024)

Kinotagebuch: The Lord of the Rings: The War of the Rohirrim (2024)

Der Film stößt ziemlich schnell mit einigermaßen beeindruckender Härte vor den Kopf. Denn warum genau hier die handgezeichneten Figuren durch eine derart billig aussehende 3D-Welt, laut Credits aus der Unreal Engine gefallen, geschoben werden, erschließt sich mir aus ästhetischer Sicht überhaupt nicht. Wahrscheinlich hat es tatsächlich damit zu tun, dass es auch im finanziellen Sinne billig ist. Jedenfalls sieht dieser Film insgesamt schon ziemlich fürchterlich aus.

Ziemlich uninspiriert kam mir auch die Entscheidung vor, hier mit einer Emanzipationsgeschichte zu beginnen – jedenfalls in dieser erzählerisch abgegriffenen Art und auch im Mittelerde-Kontext nicht neu. Das lässt die Figuren und vor allem die Protagonistin zu Beginn erschreckend klein und den Horizont der Welt ermüdend eng wirken.

Aber dann wechselt die Brennweite und es stehen immer mehr Gier, Macht, blinder Gehorsam und gefährliches Ehrengelaber im Zentrum der Geschichte und Entwicklung der Figuren. Es ist eine Auseinandersetzung damit, dass oftmals von Ehre schwadronierende Menschen genau gegensätzlich zu den dadurch beschworenen Werten leben und handeln. Dass es Fortschritt zum Wohle aller Menschen Herz und keine harte Hand braucht. Und somit liegt alledem ganz implizit doch eine Geschlechterfrage zugrunde.

Ganz schön war eigentlich, die Geschichte von Helms Klamm weiter ausgebreitet zu bekommen und zu erfahren, warum diese Feste ein derart identitätsstiftender Ort für die Menschen von Rohan ist. Aber das trägt noch keinen ganzen Film und ist, jedenfalls in dieser Form, nicht viel mehr als Andickungsmittel für Peter Jacksons Trilogie und alle, die noch nicht jede einzelne Zeile Tolkiens verschlungen haben.

★★½☆☆

JP/NZ/US, R: Kenji Kamiyama, D: Brian Cox, Gaia WiseLuke Pasqualino, Laurence Ubong Williams, Lorraine Ashbourne, Shaun Dooley, Benjamin Wainwright, Yazdan Qafouri, Miranda Otto, Trailer, Wikipedia
Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim - Stream: Online
Wie man “Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim” auf Netflix & anderen Streaming-Diensten ansehen kann – einschließlich kostenloser Optionen.