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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Sterben (2024)

Gesehen: Sterben (2024)
(c) Wild Bunch Germany

Viel Zeit nimmt sich Matthias Glasner, um dieses Bild vom Umgang mit dem Tod im Kontext unserer Zeit – geprägt von sich verändernden Vorstellungen von Familiengeflechten und zunehmender Enttabuisierung psychischer Erkrankungen – zu zeichnen. Und die braucht es, um sich nicht ungewollt in grobschlächtigen Schuldzuweisungen und/oder moralisierenden Predigten zu ergehen.

Am Ende mag das eine Frage des Geschmacks und der Erwartungshaltung sein. Aber wie sehr dieser Film auf die Psyche seiner Figuren bedacht ist und das der einzige Einfallswinkel dieser Betrachtung zu sein scheint, dass es lediglich Innenwelt und kaum Außenwelt in diesem Geflecht zu geben scheint, keine wirkliche Wechselwirkung zwischen diesen Sphären zu bestehen scheint, sondern im Außen nur aus dem Inneren heraus provozierte Bewegungen entstehen.

Und am Ende erscheint mir persönlich die Erkenntnis, dass erst der Tod das Leben zum Leben macht, in dieser Form jedoch einigermaßen banal.

Außerdem hat dieser Film auch nichts an meiner Haltung zu Lars Eidingers Schauspiel geändert. Das funktioniert nämlich erstklassig im Theater, ist aber vor einer Kamera ziemlich konstant eine mittelschwere Katastrophe.

★★★☆☆

DE, R: Matthias Glasner, D: Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Lilith Stangenberg, Ronald Zehrfeld, Robert Gwisdek, Hans-Uwe Bauer, Anna Bederke, Saskia Rosendahl, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: if... (1968)

Gesehen: if... (1968)
(c) Paramount Pictures Deutschland

Wer das Individuum ausrotten und durch kadavergehorsame Puppen ersetzen will, der arbeitet am Faschismus. Besonders gut klappt das, wenn institutionalisierte Religion aka Kirche, Militär und das Bildungssystem als „verlängerter Arm" des Staates schön zusammen an einem Strang ziehen. Insofern geht der Plan der Unterdrücker:innen doch wunderbar auf, als sie unweigerlich ins Gras beißen müssen.

★★★½☆

GB, R: Lindsay Anderson, D: Malcolm McDowell, David Wood, Richard Warwick, Christine Noonan, Peter Jeffrey, Robert Swann, Trailer, Wikipedia
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Mein kleiner Jane-Schoenbrun-Altar

Mein kleiner Jane-Schoenbrun-Altar
Jane Schoenbrun im Interview für den Teddy Award 2024 // (c) Teddy Award unter CC BY 3.0

Jane Schoenbrun gehört easy zu den interessantesten Filmschaffenden auf mindestens diesem Planeten. I SAW THE TV GLOW gehörte zu meinem Lieblingsfilmen 2024 und wenn ich mich darauf festnageln lassen müsste, würde der Film wahrscheinlich unangefochten an der absoluten Spitze stehen.

Auf they aufmerksam geworden bin ich durch Lucas Barwenczik, der mehrfach Schoenbruns WE'RE ALL GOING TO THE WORLD'S FAIR bei CUTS erwähnte. Danke, Lucas!

Jetzt gibt es ein neues Special von CUTS, in dem es um Jane Schoenbruns Schaffen geht. Neben Lucas sind dabei Christian Eichler und Hylia. Die mehr als dreieinhalb Stunden gibt es für Supporter'innen ab 4 Euro im Monat, die sich meiner bescheidenen Meinung nach mehr als lohnen.

In diesem Special zeichnen Christian, Lucas und Hylia nach, wie Schoenbrun die Ideenwelt zwischen Transness, Fiktion, Realität, Fanfiction, Internet, dem Festhalten und dem Loslassen, dem Annehmen und dem Ablehnen von Identitätsangeboten über die frühe Filmografie entwickelt.

Wer nicht zahlt, bekommt im normalen Feed immerhin auch einen kostenlosen Teaser, dessen gute halbe Stunde – insbesondere durch Lucas' hervorragende Einführung zu Leben und Schaffen Jane Schoenbruns – bereits ziemlich bereichernd ist.

A review of The School Is Watching (2015)
Letztlich ist diese Morning-Announcement-Collage eine Aneinanderreihung von Dissonanzen. Es ist die krampfhafte und nur selten gelingende Seriosität, die hier auf banalste Inhalte trifft. Es sind ernste Themen wie die sexuelle Belästigung einer Cheerleaderin vor der halben Schule, die im Cringe der Aufmachung untergehen. Es sind Bruchstücke, die nicht recht zusammenpassen wollen, aber trotzdem mit Gewalt in eine Form gepresst werden. Alles ist irgendwie entrückt. Vielleicht mag diese Lesart mit dem Wissen darum, dass Jane Schoebrun eine nichtbinäre trans Person ist, auf der Hand liegen. Vielleicht überlagert das weitere spannende Aspekte dieser sechseinhalb Minuten. Aber für mich klickt das einfach, weil
A review of A Self-Induced Hallucination (2018)
Diesen Found-Footage-Dokumentarfilm als Desktop-Film einzuführen, ist formal betrachtet ein ziemlich interessanter Hook – weil es die Medialität des Gezeigten noch einmal hervorhebt und einen zusätzlichen Kontrast schafft. Deshalb finde ich es ziemlich schade, dass über diesen anfänglichen Hook hinaus nichts mehr versucht wird. Davon abgesehen bedient sich Schoenbrun einer letztlich uralten Kulturtechnik, indem sie bestehende Inhalte und Bilder kuratiert, so zueinander in neue Beziehung setzt, Kontext schafft und neue Kontrastierungen ermöglicht. Nur hat sich die Nutzung dieser Kulturtechnik im digitalen Zeitalter verlagert. Heute sind es Reposts, Newsletter, (immer noch und schon wieder) Blogger*innen, Youtuber*innen usw., durch die coole Inhalte einem
A ★★★★ review of We’re All Going to the World’s Fair (2021)
Hier lässt sich sicherlich ein Feuerwerk der Interpretationen abbrennen. Meins geht so: Wir sehen das Porträt einer Jugend in Trumps Amerika. Anna Cobbs Casey ist die einzige Überlebende eines Amoklaufes an ihrer Schule – darauf lässt sich von einem ihrer Videos, das einen Titel à la „Rundgang durch meine Highschool“ trägt, sie aber tatsächlich über einen Friedhof gehend zeigt, schließen. Ihr gesamtes Umfeld ist aus dem Leben gerissen worden und jetzt ist sie alleine, macht Videos gegen das eigene Verschwinden in der verzweifelten Hoffnung gehört zu werden, schreit unablässig in den schier endlosen Äther hinein, aus dem heraus nichts und
A ★★★★½ review of I Saw the TV Glow (2024)
Nach WE’RE ALL GOING TO THE WORLD’S FAIR konnte ich noch nicht so richtig in Worte fassen, was mich an Jane Schoenbruns Art und Weise des Filmemachens so fasziniert. Aber hiernach war es mir plötzlich glasklar: Schoenbrun verweigert komplett der Rezeptionsgeschichte anderer Filme, Serien, Musik oder Erzählmustern. Schoenbrun kann nicht gegen den Strich bürsten, als trashig wahrgenommene Elemente ironisch einsetzen oder mit Nostalgie verklären, weil Schoenbrun nicht auf diesen Ebenen arbeitet. Schoenbrun behält sich einen wertfreien Blick auf all diese Werkzeuge und nutzt sie völlig losgelöst von den Zuschreibungen anderer. Genau deshalb wirken Schoenbruns Filme auf mich so anders und

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Gesehen: The Zero Theorem (2013)

Gesehen: The Zero Theorem (2013)
(c) Leonine Studios Spielfilm

Terry Gilliams Spieltrieb und Stilwille ist natürlich wie immer ursympathisch und mitreißend. Als ob er 15 Jahre lang davon geträumt hat, die Szene im „Circus Circus"-Casino aus FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS auf Spielfilmlänge zu strecken und nun endlich die Gelegenheit bekam.

Dass jedoch für ein Projekt von Terry Gilliam nicht ganz untypisch auch dieser Film ein Ticken zu lange in der Development Hell schmorte, ist leider nicht zu übersehen. Denn was hier hinsichtlich Plattformkapitalismus, Überwachung durch staatliche und privatwirtschaftliche Akteur*innen, der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums und des zunehmend transaktionalen Charakters zwischenmenschlicher Beziehungen, scheint angesichts des Erscheinungsjahres nicht sonderlich weit aus dem Fenster gelehnt.

Trotz aller visueller Opulenz wird hier eine Welt beschrieben, deren Überspitzung in weiten Teilen eine Behauptung bleibt. Alles mag überhöht wirken, aber bei genauerem Hinsehen wird klar, dass der Film durch schickes Bleiglas relativ nüchterne Aussagen trifft. Das macht sie nicht weniger klug oder falsch. Zu einer wirklichen Vision reicht es jedoch leider nicht.

★★★☆☆

FR/LU/RO/GB/US, R: Terry Gilliam, D: Christoph Waltz, David Thewlis, Mélanie Thierry, Lucas Hedges, Matt Damon, Ben Whishaw, Tilda Swinton, Trailer, Wikipedia
The Zero Theorem - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: The School Is Watching (2015)

Gesehen: The School Is Watching (2015)
(c) The Eyeslicer, Jane Schoenbrun

Letztlich ist diese Morning-Announcement-Collage eine Aneinanderreihung von Dissonanzen. Es ist die krampfhafte und nur selten gelingende Seriosität, die hier auf banalste Inhalte trifft. Es sind ernste Themen wie die sexuelle Belästigung einer Cheerleaderin vor der halben Schule, die im Cringe der Aufmachung untergehen. Es sind Bruchstücke, die nicht recht zusammenpassen wollen, aber trotzdem mit Gewalt in eine Form gepresst werden. Alles ist irgendwie entrückt.

Vielleicht mag diese Lesart mit dem Wissen darum, dass Jane Schoebrun eine nichtbinäre trans Person ist, auf der Hand liegen. Vielleicht überlagert das weitere spannende Aspekte dieser sechseinhalb Minuten. Aber für mich klickt das einfach, weil es sich mit diesem Hintergrundwissen tatsächlich anfühlt, als ob hier erste Schritte darin getätigt werden, das Innerste nach außen zu kehren.

US, R: Jane Schoenbrun

Gesehen: Její tělo (2023)

Gesehen: Její tělo (2023)
(c) Busch Media Group

Eine wahre Geschichte macht noch keine gute Geschichte und schon gar keine gut erzählte. So offensichtlich wie dieses Statement, so wenig überraschend ist die große Erkenntnis dieses Films: Hochleistungssport und Sexarbeit sind geprägt von der Ausbeutung des Körpers. Selbstwert wird hier schnell verwechselt mit dem Wert, den andere dem eigenen Körper zuschreiben.

Der Film weigert sich jedoch, tiefer in die komplexe Psychologie der Figuren und ökonomischen Zusammenhänge dieser Welten einzutauchen und begnügt sich damit, mit ein paar explizite Sexszenen vermeintliche Grenzen zu überschreiten. Doch das kann den aus allen Ecken hervorquellende Biedermeier auch nicht kaschieren.

★½☆☆☆

CZ/SK, R: Natálie Císařovská, D: Natalia Germani, Denisa Barešová, Cyril Dobrý, Zuzana Mauréry, Martin Finger, Zuzana Stivínová, Trailer, Wikipedia
Her Body - A True Porn Story - Stream: Online anschauen
Wie und wo du “Her Body - A True Porn Story” online auf Netflix und Prime Video ansehen kannst – einschließlich kostenloser Optionen.
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