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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde: Berit Glanz' Newsletter zum Mitlesen

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde: Berit Glanz' Newsletter zum Mitlesen
Am Snæfellsjökull auf Island beginnt die Reise ins Innere der Erde.

Berit Glanz hat ein tolles neues Projekt: sozusagen ein Read-Along zu Jules Vernes Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1864) mit angeschlossenem Gedanken(aus)tausch.

Meine Idee ist, dass ich jede Woche ein Kapitel des Buches per Newsletter schicke, dazu einige Absätze mit Gedanken und Fragen, die sich mir beim Lesen gestellt haben. Ich werde dazu die im Projekt Gutenberg vorhandene Version verwenden (das ist die 1874 bei Hartleben veröffentlichte deutsche Übersetzung).

Das erste Kapitel ging heute raus und Berit lädt direkt ein, durch das Hamburg der Vergangenheit zu flanieren, auf „die Poesie von Wortreihungen, die Steine und auch die vielen Namen wichtiger Entdecker und Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts" zu blicken sowie zu überlegen, was eigentlich ein Stock mit Nußknackerkopf sein soll.

Außerdem: Leipzig mentioned!

Schon in diesem ersten Kapitel zeigt sich einerseits die Begeisterung und das authentische Interesse von Jules Verne an den Naturwissenschaften, aber auch der liebevolle Spott für diejenigen, die sich ausschließlich damit befassen. “…im Jahre 1853 war zu Leipzig von Otto Lidenbrock eine Abhandlung über Transcendentale Krystallographie in Großfolio mit Abbildungen erschienen, welche jedoch nicht die Kosten deckte.“
Die Reise zum Mittelpunkt der Erde | Berit Glanz | Substack
Wir lesen gemeinsam “Die Reise zum Mittelpunkt der Erde” von Jules Verne. Click to read Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, by Berit Glanz, a Substack publication with hundreds of subscribers.
Reise nach dem Mittelpunkt der Erde
Projekt Gutenberg | Die weltweit größte kostenlose deutschsprachige Volltext-Literatursammlung | Klassische Werke von A bis Z | Bücher gratis online lesen

Ein Appell nach zehn Jahren Filmlöwin

Ein Appell nach zehn Jahren Filmlöwin
(c) Mandy Henry / Unsplash

Es schmerzt, diese schonungslos ehrlichen Zeilen von Filmlöwin-Gründerin Sophie Charlotte Rieger zum zehnjährigen Bestehen des feministischen Filmmagazins zu lesen. Denn ich selbst bin auch seit ein paar Jahren Leser und schätze die von den Autor:innen dort aufgezeigten Perspektiven sowie deren Expertise enorm.

10 Jahre FILMLÖWIN - und (k)eine Party - Filmlöwin
Zehn Jahre FILMLÖWIN - wir haben viel erreicht und stehen trotzdem vor dem Aus. Nur mit euch kann es weitergehen.

Ein Projekt aus schierer Leidenschaft ehrenamtlich umzusetzen, ist die eine Seite. Auf der anderen stehen ökonomische Realitäten, die dazu führen, dass sich nur wenige dieser Leidenschaft in diesem Umfang Zeit einräumen können.

Ich sehe das ja schon hier bei mir in meinem ganz bescheidenen und längst nicht so ambitionierten Blog. Wäre es mir finanziell möglich, würde ich nichts anderes machen, als hier den ganzen Tag lang coolen Kulturkram zu verbloggen. Aber das kann ich mir nicht leisten – daraus ein richtig professionelles Magazin wie eben die Filmlöwin eins ist aufzuziehen schon gar nicht.

Sophie Charlotte Rieger schreibt...

Der Großteil des FILMLÖWIN Rudels arbeitet ehrenamtlich und daher nach eigenem Ermessen. Es gibt keine Verpflichtung, Artikel zu verfassen oder sich anderweitig zu beteiligen. Damit das Magazin dennoch eine Leser*innenschaft aufrechterhalten, auf Social Media und bei Veranstaltungen präsent oder auch regelmäßig einen Newsletter verschicken kann, muss es Menschen geben, die sich durchgehend verantwortlich fühlen und diese Aufgaben verlässlich und kontinuierlich übernehmen. Das ist ein Job.

...und warnt:

Mit den aktuellen Einnahmen über Steady und Kooperationen können wir den Status Quo nicht aufrechterhalten. Und dieser ist ja bereits eine reduzierte Version unseres vorherigen Engagements: Wir decken deutlich weniger Kinostarts ab als vor der Pandemie, insbesondere im Bereich des Mainstreamkinos. Der Newsletter erscheint statt ursprünglich wöchentlich inzwischen monatlich und unser Podcast mit Rebecca Görmann und Lara Keilbart liegt bis auf Weiteres auf Eis. Tatsächlich haben uns in den letzten Jahren immer wieder Bitten erreicht, wieder mehr aktuelle Kinostarts zu besprechen, denen wir aus Kapazitätsgründen schweren Herzens nicht entsprechen konnten.

Ich kann auch nur meinen bescheidenen Teil beitragen, indem ich hier diesen „Hilferuf" teile und auf die großartige Arbeit auf Filmlöwin hinzuweisen.

Bei Steady bieten wir Monatsabos ab 2,50 Euro an. Selbst wenn nur ein Viertel unserer monatlichen Leser:innen oder Social Media Follower:innen solche Abos abschließen würde, könnten wir eine Redaktionsleitung ausreichend honorieren, um das Fortbestehen von FILMLÖWIN zu sichern.

Gesehen: Competencia oficial (2021)

Gesehen: Competencia oficial (2021)
Antonio Banderas, Penélope Cruz und Oscar Martínez // (c) Studiocanal, Arthaus

Künstler*innenklischees sind natürlich eine Low Hanging Fruit. Mainstream vs. Arthouse, die „echte" Kunst vs. Massenkultur, die empfundene Verachtung von Kunst durch das Publikum, Method Acting vs. eher klassisches Schauspiel, die Obszönität der Stargagen vs. Hungerlöhne für den ganzen Rest – die Filmbranche und ihre Akteur*innen bieten selbstverständlich unzählige Reibungsflächen.

Aber was hier wirklich nachhallt, ist letztlich eine Warnung. Denn wenn die Kunstfreiheit irgendwann nur noch auf dem Papier besteht, weil in der Realität die Entstehung von Kunst nur noch durch die Mittel von Milliardär*innen mit einem schwarzen Loch statt eines Herzens in der Brust ermöglicht wird, ist die Kunst nicht mehr frei.

Dann ist sie eine Feder, mit der sich Menschen schmücken, die schon längst nicht mehr in unserer Realität leben. Dann ist sie ein zahnloser Tiger, der sich an den seidenen Schlips seiner Gönner*innen schmiegt, anstatt mit voller Absicht draufzutreten.

Eine Gesellschaft, die diese Zustände zulässt, schubst die Kunst mit Ansage vom Dach.

★★★½☆

AR/ES, R: Gastón Duprat, Mariano Cohn, D: Penélope Cruz, Antonio Banderas, Oscar Martínez, José Luis Gómez, Manolo Solo, Nagore Aranburu, Irene Escolar, Pilar Castro, Koldo Olabarri, Trailer, Wikipedia
Der Beste Film aller Zeiten - Stream: Online anschauen
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Gesehen: Napoléon (1927) - Technischer Wahnsinn

Zwischen bahnbrechendem Handwerk und emotionaler Verkrüppelung

Gesehen: Napoléon (1927) - Technischer Wahnsinn
Foto: Studiocanal, Arthaus

Alleine aus technischer Sicht herausragend, was hier passiert: Die dynamische Kamera, die sich stellenweise mitten ins Geschehen begibt und sich etwa auf einem rauschenden Fest von den Tanzenden mitreißen lässt. Die unglaubliche Bandbreite an Kulissen, Locations und die schiere Masse an Statist*innen. Die Collagierung, bei der teilweise drei Bilder nebeneinander montiert werden, um die Illusion eines Breitbildes zu erzeugen. Wie mit Transparenzen und Überlagerungen gearbeitet wird. All das zahlt ein auf den Wahnsinn, dem Napoleon gewissermaßen immer weiter verfällt.

Gleichzeitig findet der Film auch immer wieder in den vermeintlich leisen Momenten die Zeit und Ruhe, nicht nur die Taten, sondern auch das Innere Napoleons zu ergründen. Wie die Umstände seines Aufwachsens einen emotionalen Krüppel formten, der seinen Selbstwert aus militärischer Dominanz zog und in Gegenwart einer Frau weiterhin agiert wie das Kind von früher, um dessen emotionale Entwicklung sich niemand gekümmert hat: naiv, unbeholfen, obsessiv, besitzergreifend, trotzig, mit falscher Anspruchshaltung.

★★★★☆

🇫🇷, R: Abel Gance, D: Albert Dieudonné, Vladimir Roudenko, Edmond van Daële, Alexandre Koubitzky, Antonin Artaud, Gina Manès, Nicolas Koline, Annabella, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Studiocanal, Arthaus

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A ★★★★ review of Napoleon (1927)
Alleine aus technischer Sicht herausragend, was hier passiert: Die dynamische Kamera, die sich stellenweise mitten ins Geschehen begibt und sich etwa auf einem rauschenden Fest von den Tanzenden mitreißen lässt. Die unglaubliche Bandbreite an Kulissen, Locations und die schiere Masse an Statist*innen. Die Collagierung, bei der teilweise drei Bilder nebeneinander montiert werden, um die Illusion eines Breitbildes zu erzeugen. Wie mit Transparenzen und Überlagerungen gearbeitet wird. All das zahlt ein auf den Wahnsinn, dem Napoleon gewissermaßen immer weiter verfällt. Gleichzeitig findet der Film auch immer wieder in den vermeintlich leisen Momenten die Zeit und Ruhe, nicht nur die Taten, sondern

DVG sammelt „Zehn Dinge, um nicht zynisch zu werden und demokratisch zu bleiben"

DVG sammelt „Zehn Dinge, um nicht zynisch zu werden und demokratisch zu bleiben"
(c) Jon Tyson / Unsplash

Als Donald Trump gestern als Präsident vereidigt wurde und Elon Musk zweimal nacheinander den Hitlergruß zeigte, kippte meine Bluesky-Timeline. Es gab viele treffende, richtige und wichtige Kommentare, aber eben auch genügend, die einfach nur der Empörung wegen die Clips immer und immer wieder teilten.

Seitdem frage ich mich wieder, wie ich die kommenden Jahre – nicht nur in Bezug auf Trump und seine Fascho-Clique – in Sachen Psychohygiene auf Social Media angehen soll. Bisher sträube ich mich noch dagegen, reihenweise Menschen zu entfolgen. Denn meine Timeline habe ich eigentlich gut kuratiert und möchte diese Stimmen auch in Zukunft nicht missen.

Außerdem möchte ich es weiterhin vermeiden, bestimmte Begriffe dauerhaft zu muten. Die berufskrankhafte FOMO wäre dann einfach zu groß 😅 Deshalb flatterte der neue Blogpost von Dirk von Gehlen auch zur gerade richtigen Zeit in meinen RSS-Reader.

Zehn wichtige Erkenntnisse aus zehn verschiedenen Texten. „Zehn Dinge, um nicht zynisch zu werden und demokratisch zu bleiben."

Wie reagierst du auf die Weltlage ohne zu resignieren? Mir sind in den vergangenen Tagen einige Texte in die Timeline gespült worden, die konstruktive Ansätze versammeln – um sie nicht zu verlieren habe ich hier einige Auszüge übersetzt: Zehn Dinge, um nicht zynisch zu werden und demokratisch zu bleiben.

Nummer 7 ist bei mir aus offensichtlichen Gründen auf sehr fruchtbaren Boden gefallen:

Pass auf dich auf! Es sind herausfordernde Zeiten. Die Rettung der Demokratie wird viel Energie, Leidenschaft und Durchhaltevermögen erfordern. Achte auf deine Gesundheit. Schlafe viel. Trinke viel Wasser. Beweg dich. Wir sitzen alle im selben Boot – auf lange Sicht.
Zehn Dinge, um nicht zynisch zu werden und demokratisch zu bleiben – Digitale Notizen

Gesehen: Alphaville (1965)

Gesehen: Alphaville (1965)
Eddie Constantine und Anna Karina in „Alphaville" // (c) Studiocanal, Arthaus

Es ist ein Ankämpfen gegen einen politischen und gesellschaftlichen Konservatismus, gegen den hier angekämpft wird. Wer nicht gegen die Teufel:innen ankämpft, macht sich mitschuldig, wenn sich das autoritäre Regime festwurzeln, Menschen entmündigen und eine demokratische Errungenschaft nach der anderen einreißen. Danach braucht auch niemand mehr selbstständig zu denken, denn das übernimmt die totalitäre Spitze der Gesellschaft für dich.

Mich holen diese Gedankengänge nie sonderlich hinterm Ofen hervor, aber ich kam nicht darum herum, gerade diesen Godard auf das Filmbusiness zu beziehen. ALPHAVILLE lässt sich auch als wütende Abrechnungen mit einer Branche lesen, die nur mit der Vergangenheit oder der Zukunft beschäftigt ist, sich jedoch kaum mit den drängenden Fragen der Gegenwart auseinandersetzt, den Status quo nicht infrage stellen will.

Das lässt sich dann natürlich wiederum vom Filmbusiness lösen und auf eine gesamtgesellschaftliche Betrachtungsebene ziehen.

★★★½☆

FR/IT, R: Jean-Luc Godard, D: Eddie Constantine, Anna Karina, Akim Tamiroff, Trailer, Wikipedia
Lemmy Caution gegen Alpha 60 - Stream: Online anschauen
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