Jack Lemmon als Felix Ungar und Walter Matthau als Oscar Madison // (c) Paramount
Stellenweise hat es mich an UNCUT GEMS erinnert, wie hoch hier das Energielevel unter anderem durch die unglaublich temporeichen Wortwechsel gehalten wird. Es liegt eine Spannung in der Luft, die nie abzureißen droht.
Inmitten dieses Wirbelsturms gelingt es dem Film, fast schon unbemerkt nicht mehr nur Kumpelkomödie zu sein, sondern ganz plötzlich auch Rollenbilder, den Männlichkeitsbegriff, Geschlechterverhältnisse und die Bedeutung von Freundschaft zu verhandeln sowie deren Grenzen auszuloten.
★★★★☆
US, R: Gene Saks, D: Jack Lemmon, Walter Matthau, John Fiedler, Herb Edelman, David Sheiner, Monica Evans, Carole Shelley, Trailer, Wikipedia
Christian Bale als Burt Berendsen, Margot Robbie als Valerie Voze und John David Washington als Harold Woodman // (c) Leonine Studios Spielfilm
Eine durch und durch fahrige Warnung vor dem alten und dem neuen Faschismus. Nazis doof, Rassismus doof, Korruption doof, Sexismus doof, Sozial- und Gesundheitspolitik doof – die Eigenschaften des für alte und neue Rechte so fruchtbaren Bodens benennt der Film zielsicher, interessiert sich aber maximal oberflächlich für die Verflechtungen.
Dazu versucht David O. Russell seinen Inszenierungsstil in ein von Wes Anderson geschneidertes Gewand zu kleiden. Nahezu jede Figur im Bild ist ein bekanntes Gesicht und immer ein bisschen quirky. Doch die Anordnung gleicht mehr einer seelenlos zusammengeklöppelten Parade, was besonders deutlich wird, weil Christian Bale, Margot Robbie und John David Washington zusehends damit beschäftigt sind, aneinander vorbeizuspielen und bloß keine chemische Reaktion aufkommen zu lassen.
Dann doch lieber noch mal THE GRAND BUDAPEST HOTEL schauen.
★★☆☆☆
US, R: David O. Russell, D: Christian Bale, Margot Robbie, John David Washington, Alessandro Nivola, Andrea Riseborough, Anya Taylor-Joy, Chris Rock, Matthias Schoenaerts, Michael Shannon, Mike Myers, Taylor Swift, Timothy Olyphant, Zoe Saldaña, Rami Malek, Robert De Niro, Trailer, Wikipedia
Das Konzentrationslager Auschwitz (c) absolut MEDIEN
Als ob Alain Resnais und Jean Cayrol eine knappe halbe Stunde lang versuchen, diese Monstrositäten in Worte zu fassen und auf den letzten Zentimetern ob der Singularität des Holocausts das Handtuch werfen und dann die drastischen Aufnahmen des Grauens sprechen zu lassen.
Jetzt ein Urteil zu fällen, ob diese halbe Stunde nun angemessen, gut oder schlecht ist, halte ich nicht für angebracht. Von 2025 aus zu urteilen, wäre leicht. Aber der zeitliche Kontext spielt eine immense Rolle in der Betrachtung von NUIT ET BROUILLARD. Denn ist es nicht bemerkenswert, dass es mehr als zehn Jahre nach Kriegsende weiterhin so an Worten fehlte, um mit dem Geschehenen umzugehen?
Primo Levi und Jean Améry hatten viel gemeinsam: Vom Widerstand über die Lagererfahrung bis zum Versuch ihrer Bewältigung. Doch als Schriftsteller zogen sie aus Auschwitz unterschiedliche Schlüsse und gingen mit der Lesart des anderen ins Gericht.
Für mich war es sehr bereichernd, diese beiden verschiedenen Biografien nebeneinander zu sehen, die selbst die Shoah, der Holocaust nicht auf eine gemeinsame Bahn bringen konnte. Wie beide unterschiedlich mit ihrem Judensein umgingen und haderten. Was der naturwissenschaftliche Hintergrund Levis und der geisteswissenschaftliche Amérys für ihr (Über-)Leben in Auschwitz bedeuteten. Was die unterschiedlichen Verhältnisse zur deutschen Sprache im Konzentrationslager in ihnen ausgelöst und ihr Denken auch nach der Befreiung beeinflusst haben.
Christiane Paul als Zeugin 9 // (c) Leonine Studios Spielfilm
Die Statik des Ganzen, die Reduktion auf allen Kanälen hat mir wirklich gut gefallen? Denn wie fehl am Platze wäre hier eine überdramatische Inszenierung, bei der die Darsteller*innen auf Teufel komm raus auch für die sinnbildlich hintersten Ränge spielen? Deshalb irritiert es hier auch so sehr, wenn plötzlich Darsteller*innen mit spürbar nuancierterem Spiel, als wir von deren Kolleg*innen sehen, ans Mikrofon treten. So entsteht die ein oder andere Unwucht.
Als ziemlich zuträglich hat sich für mich das strikte Festhalten an dieser klaren Aktstruktur erwiesen. Denn das raubt der Geschichte nicht die schreckliche Dimension, verhindert aber, sich von ihr überwältigen zu lassen. Hier wird sich die Zeit genommen, Dienststube für Dienststube, Baracke für Baracke, Krematorium für Krematorium herauszuarbeiten, wie diese deutsche Maschinerie des Todes funktioniert hat, was geschehen sein muss.
Die schiere Wiederholung von Aussagen, Zuschreibungen, Beobachtungen und Ausflüchten lässt immer klarer ein perfides wie perverses System durchscheinen. Es sind die Überlebenden, die diese Geschichte erzählen dürfen. Die Täter können praktisch keine eigenen Narrative setzen – und wenn doch, dann werden sie umgehend dekonstruiert.
Es zeigt die Scheinheiligkeit, tief sitzende Unsicherheit und Brüchigkeit der Naziideologie, der Selbstbezeichnung als unfehlbare Herrenrasse mit globalem Anspruchsdenken. Dieser nach außen getragenen Überzeugung diametral entgegen steht die Realität, in der die Nazis überall Mechanismen verankerten, um im Fall einer Niederlage die eigenen Gräueltaten abstreiten und sich die Hände in glaubhafter Abstreitbarkeit reinwaschen zu können.
Absurderweise habe ich während der knapp vier Stunden DIE ERMITTLUNG immer wieder an die Bühneninszenierung O von Cirque du Soleil gedacht, von der ich bei Arte mal eine Aufzeichnung gesehen habe. Denn beide Werke sind in ihrer Gesamtheit sicherlich beeindruckend. Nur kann eine Aufzeichnung diese Gesamtheit nie sonderlich effektiv transportieren und kann sich ihr nur durch Montage nähern. Dadurch geht, glaube ich, viel verloren.
DE, R: RP Kahl, D: Rainer Bock, Clemens Schick, Bernhard Schütz uvm., Trailer, Wikipedia
Die Stolpersteine von Philipp, Rahel und Felix Nussbaum in Osnabrück // (c) 19XAVO90 unter CC BY-SA 4.0
Ich war immer davon beeindruckt und bis es noch, wie gut die Kolleg*innen von „Die Sendung mit der Maus" sehr schwierige und komplexe Themen in einfachen Worten zu erklären und ihnen dabei praktisch nie ungerecht werden.
Auch den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust umschifft die Maus-Redaktion nicht und findet mit dem Künstler Felix Nussbaum, der nach Auschwitz deportiert und dort wahrscheinlich von den Nazis ermordet wurde, einen cleveren Zugang. Denn an seiner Person lässt sich nicht nur die Geschichte der Verfolgung von Jüd*innen durch die Nazis erzählen, sondern auch die von verlorenen, aber auch bis heute überdauernden oder zum Leben erweckten Kunstschätzen.
Für die Maus haben Animationskünstler*innen nun ein Trickfilmdrehbuch von Felix Nussbaum und Michael Loewen, das zu deren Lebzeiten nicht mehr verwirklicht werden konnte, umgesetzt. Konkret heißt es in der Wikipedia:
Im Jahr 1936 konzipierte Felix Nussbaum gemeinsam mit seinem Freund Michael Loewen eine Kindergeschichte für einen Zeichentrickfilm. Der Trickfilm mit den Figuren Pit und Peggs kam zu ihren Lebzeiten allerdings nie zustande. Es blieben jedoch 29 Schwarzweiß-Fotografien der Originalzeichnungen erhalten.
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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