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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gruschel mich! Die StudiVZ-Story – erzählt von Zapp

Gruschel mich! Die StudiVZ-Story – erzählt von Zapp
StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani mit Mark Zuckerberg // (c) NDR/privat

Fritz Lüders hat für das NDR-Medienmagazin Zapp einen kurzweiligen Einstünder über Aufstieg und Fall von StudiVZ sowie die prägenden Figuren des damaligen Unternehmens produziert. Die Aufmachung ist flashy, etwas netflixy und für meinen Geschmack mit ein bisschen zu viel erzwungenem Humor unterlegt. Trotzdem kehrt der Film diesen Fiebertraum, zu dem nicht nur das Gruscheln und coole Gruppennamen, sondern eben auch sexuelle Belästigung, unmoderierte Nazipropaganda, Bro-Culture und strukturelles Chaos gehören, ganz gut zusammen.

Für die Doku spricht Autor Fritz Lüders erstmals mit allen wichtigen Akteuren der Unternehmensgeschichte wie dem Gründer Ehssan Dariani, der sich bis dahin jahrelang aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. (Pressemitteilung)

Von manchen Gesprächspartner:innen hätte ich mir jedoch mehr erhofft. Nun kenne ich natürlich die Rohaufnahmen nicht, sondern nur das, was letztlich im Film gelandet ist. Aber gerade Christian Stöcker lediglich als Headlinewiederkäuer zu verramschen und die letzte VZ-Geschäftsführerin Agneta Binninger zwischen Yoga und bedeutungsschwangerem Herumstehen auf dem Balkon der eigenen Luxusvilla einmal das Wort „Chaos" in den Raum werfen zu lassen, scheint dann doch verschenktes Potenzial.

Gruschel mich! Die studiVZ-Story - hier anschauen
Ein irrer Facebook-Deal und Ärger ums Gruscheln: studiVZ stieg in den Nullerjahren im Wahnsinnstempo zum größten sozialen Netzwerk Deutschlands auf. Den US-Konkurrenten Facebook trieb das in den Wahnsinn. So sehr, dass der studiVZ-Gründer Ehssan Dariani samt Mitgründern im Silicon Valley auf Mark Zuckerberg traf und ein Angebot vorgelegt bekam, das in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Doch auf einen Aufstieg wie im Rausch folgt ein dramatischer Absturz – des Netzwerks und seines wichtigsten Gründers. In der Doku geht es um Skandale, persönliche Verlustgeschichten und die Frage: Hatten die studiVZ-Gründer alles nur geklaut?

P.S.: Meine Lieblingsgruppe war „Jede zweite meiner Bewegungen ist ein Move".


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The Substance-Q&A mit Coralie Fargeat und Guillermo del Toro

The Substance-Q&A mit Coralie Fargeat und Guillermo del Toro
Guillermo del Toro und Coralie Fargeat // Screenshot: Mubi

Eine tolle Paarung, die Mubi da für ein Q&A zum großartigen THE SUBSTANCE zusammengebracht hat: die Regisseurin Coralie Fargeat und Guillermo del Toro. Die beiden sprechen unter anderem über die Brachialität des Films, über die ich nach dem Kino auch noch länger nachgedacht habe. Denn es geht hier laut Fargeat darum, eben nicht irgendwelchen (patriarchalen) Benimmregeln zu gehorchen, sondern mit Gewalt nach außen zu kehren, was schon lange in ihr brodelte.

Die knappe Viertelstunde ist eigentlich viel zu wenig, denn man merkt, wie viel sich die beiden zu sagen haben und dass das nicht nur weichgespültes Marketinggewäsch, sondern auch ein Abnerden untereinander ist.


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Gesehen: Abschied von gestern (1966)

Gesehen: Abschied von gestern (1966)
Alexandra Kluge als Anita G. // (c) Edition Filmmuseum

Diese deutsche Gegenwart lässt sich nicht ohne den Blick in die deutsche Vergangenheit erzählen. Wo alte Naziseilschaften sich auch nach der sogenannten Entnazifizierung über Jahrzehnte hinweg weiter halten, dadurch teilweise weiterhin auf einflussreichen Positionen sitzenbleiben und folglich auf die gesellschaftliche Entwicklung haben konnten. Wo statt wirklicher Aufarbeitung viel eher ein Totschweigen der Vergangenheit die Regel ist, weil man ja sonst mit sich selbst, der eigenen Familie, den Freund:innen und Nachbar:innen ins Gericht gehen müsste. Dort kann es weiterhin keinen trittfesten Boden für Jüd:innen egal welches Alters geben. Und das steckt in jeder Pore dieses Films.

★★★★☆

🇩🇪, R: Alexander Kluge, D: Alexandra Kluge, Günter Mack, Hans Korte, Werner Kreindl, Eva Maria Meineke, Edith Kuntze-Pellogio, Palma Falck, Trailer, Wikipedia

Abschied von gestern - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Tuesday (2023)

Gesehen: Tuesday (2023)
Julia Louis-Dreyfus // (c) Stage 6 Films

Der Film hat genau das gleiche Problem wie eine seiner beiden Protagonistinnen: Er traut sich einfach nicht, dahin zu gehen, wo es wirklich wehtut, wo die Trauer überwältigend ist und unendlich scheint.

Am meisten selbst im Weg steht sich der Film mit seiner zentralen Metapher, die sich bereits nach zehn Minuten quasi totgelaufen hat und dieser Anordnung keinen Millimeter weiterhilft. Es ist die Flucht in die Einfältigkeit, weil in diesem Film zwar extrem komplexe Emotionen und Verhaltensmuster zugrunde liegen, von denen wir als Publikum jedoch kaum etwas mitbekommen. Es wird viel behauptet, aber wenig geliefert.

Von unter anderem Tod, Verlust, Einsamkeit und Mutterschaft könnte dieser Film erzählen. Stattdessen verlässt er sich auf die „Erkenntnis", dass der Umgang mit dem Tod nur leichter wird, wenn man sich ihm stellt. Es gibt sicherlich Unmengen an Möglichkeiten, nuanciert auf dieses Ergebnis hinzuarbeiten. Doch hier bleibt durch die fehlende Unterfütterung ein Gefühl absoluter Banalität übrig.

★½☆☆☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Daina Oniunas-Pusić, D: Julia Louis-Dreyfus, Lola Petticrew, Arinzé Kene, Leah Harvey, Trailer, Wikipedia

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CineNerdle – Das Wordle für Cineasten

CineNerdle – Das Wordle für Cineasten
(c) Hans-Peter Gauster / Unsplash

Gerade höre ich die wie immer unterhaltsame Vorhersagen-Episode von CUTS mit Christian Eichler, Lukas Barwenczik und Tino Hahn. Am Rande wird CineNerdle erwähnt und ich frage mich, wie das laut Urheber*innenvermerk auf der Seite seit mindestens zwei Jahren an mir vorbeigehen konnte.

Wie der Name vermuten lässt, ist CineNerdle eine Variation von Wordle und es geht darum, jeden Tag einen neuen Film in so wenigen Schritten wie möglich zu erraten. Der Antwort nähert man sich über das Aufdecken von Bildausschnitten. Ist das komplette Motiv aufgedeckt, ist die Runde verloren.

CineNerdle
Inspired by Wordle. Can you guess the movie from a single frame?
Screenshot: cinenerdle.app

Gefällt mir auf jeden Fall irgendwie besser als Framed, das nach einem leicht anderen Prinzip funktioniert, aber auch den Wordle-Hintergrund hat.


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Gesehen: Sachertorte (2022)

Gesehen: Sachertorte (2022)
Maeve Metelka und Max Hubacher // (c) Amazon Studios, DCM Stories

Der Film hat mich auf ganzer Linie verzückt und es ist mir egal, dass ihr das jetzt wisst! Wie zuckersüß war das bitte?

SACHERTORTE ist ein Film, dessen Weg von Beginn an glasklar gezeichnet ist. Die Romcom ist ein derart abgegriffenes Genre, dass mittlerweile einfach das gesamte zur Verfügung stehende Werkzeugarsenal aus Tropen besteht.

Dieser Film weiß das. Er benennt seine Vorbilder, macht keinen Hehl aus seiner Inspiration und versucht erst gar nicht genau diese Idole zu dekonstruieren. Das wäre ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben.

Der Film ist sich der Grenzen des Genres und des Settings bewusst. Aber innerhalb dieser Grenzen bewegt er sich unheimlich selbstbewusst, charmant und durch viele schöne, kleine und vor allem ehrliche Momente.

Außerdem: Wie toll ist bitte Maeve Metelka? Kommt sie ins Bild, vereinnahmt sie sofort das ganze Bild, schafft es aber trotzdem, niemals die Szene zu ersticken. Sie scheint einen sehr authentischen Zugang zu ihrer Figur gefunden zu haben.

★★★½☆

🇦🇹/🇩🇪, R: Tine Rogoll, D: Max Hubacher, Maeve Metelka, Detlev Buck, Maria Happel, Karl Fischer, Cornelius Obonya, Johannes Zirner, Krista Stadler, Hilde Dalik, Sarah Elena Koch, Samuel Koch, Michaela Saba, Paul Basonga, Trailer, Wikipedia

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