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237 Seiten, erschienen bei Claassen, ISBN 978-3-546-10038-0

Durch diese Geschichte zieht sich eine melancholische und ganz merkwürdig hoffnungsvolle Stimmung, obwohl eigentlich vom hinausgezögerten, aber letztlich unweigerlichen Ende erzählt wird.

Vielleicht liegt es daran, dass hier eine Gesellschaft beschrieben wird, die jegliche Menschlichkeit outgesourct hat. Die jegliche Bezüge zu Zeit, Körper und Gefühlen gekappt hat und damit gar nicht mehr in der Lage ist, den Schrecken des hausgemachten Endes wahrzunehmen. Die verkannt hat, dass der Mensch ohne den Schmerz – oder zumindest die Möglichkeit des Schmerzes – verkümmert.

Schmerz und Trost sind so eng miteinander verbunden, dass die Abwesenheit von Schmerz unendliche Trostlosigkeit nach sich zieht.

Das verwebt Bov Bjerg mit jeder Menge kleiner präziser Beobachtungen zu Klasse, die alles in allem darauf hinauslaufen: Eine soziale Oberschicht, die sich durch ökonomische Überlegenheit definiert, grenzt sich nicht durch Eigentum ab, sondern durch die genutzten Codes – Codes, die mitunter einer sogenannten Niederschicht entrissen wurden.

Zentrales Merkmal dieser Oberschicht ist das Wissen um die Nutzung dieser Codes. Doch da die Bedingungen dafür aus eben jener Oberschicht heraus definiert werden, die Regeln jederzeit verändert werden können, ist ein Aufstieg aus der Niederschicht aus eigener Kraft unmöglich.

★★★½☆