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Filmkritik

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Gesehen: All the Old Knives (2022) - Formal in die Grauzone

Gesehen: All the Old Knives (2022) - Formal in die Grauzone
Chris Pine // © Amazon Studios

Natürlich ist das kein sich sonderlich weit aus dem Fenster lehnender Agent:innenthriller, der aber immerhin selbstbewusst durchinszeniert ist und auch formal etwas versucht.

Lange arbeitet dieser Film mit gestochen scharfen, kristallklaren und kontrastreichen Bildern. Dadurch wird transportiert: Die Dinge liegen klar auf der Hand und es bedarf nur unseres Ausnahmeprotagonisten, alles zu einem Gesamtbild zusammenzuführen.

Nun muss man kein:e Hellseher:in sein, um das Puzzle für sich bereits vorher zusammenzusetzen und zu begreifen, dass die vermeintliche Klarheit natürlich nur die halbe Wahrheit ist.

Aber es ist interessant zu sehen, wie schließlich auch die Bilder dem Geschehen folgen, zunehmend entsättigter und verwaschen werden, die Grauzone auch auf ästhetischer Ebene zu vollziehen. Das war immerhin ganz nett.

★★½☆☆

🇺🇸, R: Janus Metz, D: Chris Pine, Thandiwe Newton, Jonathan Pryce, Laurence Fishburne, Corey Johnson, Jonjo O’Neill, Ahd Kam, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Amazon Studios

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Gesehen: The Capsule (2012) - Frauen wie Möbel

Gesehen: The Capsule (2012) - Frauen wie Möbel
© The Match Factory

Möbel gebären Frauen hinein in einen Raum, in dem sie lernen, selbst ein Möbelstück zu sein: unterworfen, dekorativ, ohne Widerworte eine Aufgabe erfüllend. Die Zügel vermeintlich in der Hand hat eine andere Frau. Die ist jedoch offenbar selbst Teil eines weiteren unterdrückenden, noch mächtigeren Systems als es dieser schier endlose Durchlauf von Möbelfrauen durch ihr Gefängnis zwischen Raum und Zeit ist. Doch auch sie ist längst gebrochen und davon überzeugt, ihrem Purgatorium nur entkommen zu können, indem sie andere Frauen noch härter bricht. Auch so wird Misogynie internalisiert.

🇬🇷, R: Athina Rachel Tsangari, D: Ariane Labed, Clémence Poésy, Isolda Dychauk-Ott, Evangelia Randou, Aurora Marion, Deniz Gamze Ergüven, Sofia Dona, Ying Gao, Aleksandra Waliszewska, Trailer, Wikipedia, Letterboxd, Foto: The Match Factory

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Gesehen: Futura (2021) - Ein therapeutischer Zukunftsblick

Gesehen: Futura (2021) - Ein therapeutischer Zukunftsblick
© Mubi

Rein formal ein toller Film, der durch seinen analogen Look – es spielt keine Rolle, ob nun emuliert oder echt – eine zusätzliche Ebene an Empathie, Warmherzigkeit und Wohlwollen einzieht.

Spannend ist die Entscheidung, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits super instabile und von rechten Ideen durchdrungene Politik bis auf wenige Halbsätze aus dem Film zu streichen. Jedenfalls glaube ich, dass diese Momente auf der Schlachtbank über die Klinge gesprungen sind. Denn spätestens bei einer Gruppe eindeutig linker Student:innen ist es für mich nur schwer vorstellbar, dass dort nichts konkret benannt wurde.

Vielleicht ist das ein Verschließen der Augen vor den Henker:innen der Zukunft, vielleicht aber auch eine gelungene Verengung der Perspektive auf die jeweils sprechenden Jugendlichen. Es ist wie in der Therapie: Du kannst nur für dich selbst sprechen. Aber selbst das würden die (Post-)Faschist:innen thematisch infiltrieren, wenn sie die Gelegenheit dazu bekämen.

Wer bei sich bleibt und hier für sich selbst spricht, spricht oft von einer Welt ohne (politische) Grenzen und einer Welt, in der sie gesehen und wertgeschätzt werden.

🇮🇹/🇺🇸, R: Alice Rohrwacher, Pietro Marcello, Francesco Munzi, Trailer, Letterboxd, Foto: Mubi

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Gesehen: The Wild Robot (2024) - Konsum, Kapitalismus und unehrliche Bilder

Gesehen: The Wild Robot (2024) - Konsum, Kapitalismus und unehrliche Bilder
© Universal Pictures Germany

Die an der Oberfläche treibenden Themen von Freundschaft, Familie und Liebe sind auch hier total abgegriffen und kaum interessant. Besonders originell ist meine Lesart des Films als Allegorie auf Konsum und Kapitalismus wahrscheinlich auch nicht. Aber sie bietet letztlich doch mehr Futter und zeitgeistige Reibungsfläche.

Der anfangs noch gar nicht so wilde Roboter knallt auf den abgelegenen Planeten und beginnt umgehend damit, jedem dahergelaufenen Tier ungefragt seine Rabattcodes wortwörtlich ins Gesicht zu drücken – wie ein wandelnder Podcast und immer in der Annahme, sich erwartungsgemäß zu verhalten.

Doch es gibt offensichtlich Lebewesen, die gar nicht nach dem erwarteten Muster funktionieren, die nicht von Werbung verführt, von Konsum befriedigt und von wirtschaftlichem Wachstum mit Glückshormonen überschüttet werden. Konsum und die enge Verzahnung mit dem Kapitalismus sind folglich kein naturgegebener Zustand, der hinzunehmen ist, sondern etwas, das erlernt und antrainiert ist. Im Umkehrschluss lässt sich diese lebensraumzerstörende Misere also auch überwinden.

Jede Szene, in der Ausschnitte aus dem Lebensraum der Menschen zu sehen sind, zeichnet kein erstrebenswertes Bild. Metropolen sind längst im übertragenen und ganz konkreten Sinne untergegangen. Zitadellenähnliche Fabriken zieren die karge Landschaft. Ein Werbespot verspricht allen Menschen nahezu grenzenlose Freizeit, solange es nur genügend Roboter für die Drecksarbeit gibt.

Dieses auf höher, schneller, weiter, number go up und grenzenloses Wachstum ausgelegte System sieht es nicht vor, dass eine:r aus dem Rahmen fällt. Denn dann gerät alles nicht ganz so hoch, etwas langsamer und kürzer als prognostiziert. Doch das ist in der kapitalistischen Logik nicht vorgesehen.

Das war es also, was mich bei diesem Film bis zum Schluss vorrangig umgetrieben hat.

Mit der Ästhetik der Bilder hadere ich jedoch. Dieser winzige Hauch von Impressionismus, der hier durch die Animation weht, gefällt mir sehr. Gleichzeitig wurde jedoch eine perfekte Maschine geschaffen, deren einziges Ziel es ist, vermeintliche Imperfektion zu produzieren. Das finde ich auf eine gewisse Art unehrlich und löst in mir ein befremdliches, komisch unangenehmes Gefühl aus.

★★★☆☆

🇺🇸, R: Chris Sanders, D: Lupita Nyong’o, Pedro Pascal, Kit Connor, Bill Nighy, Stephanie Hsu, Matt Berry, Ving Rhames, Mark Hamill, Catherine O’Hara, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Universal Pictures Germany

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Gesehen: Digger (2020) - Wem gehört das Land?

Gesehen: Digger (2020) - Wem gehört das Land?
Vangelis Mourikis und Argyris Pandazaras // © Mubi

Georgis Grigorakis stellt die Frage: Wem gehört das Land? Gemeint ist sowohl das kleine Fleckchen Waldgrundstück seiner Figuren als auch das gesamte Griechenland angesichts der Staatsschuldenkrise, der folgenden Austeritätspolitik und der Verstümmelung des (Sozial-)Staates samt den psychosozialen Folgen.

Die Konfliktlinie zwischen den Generationen verläuft hier entlang der Themen Autonomie, Stolz, Fremdbestimmung und Solidarität auf dem Grund und Boden, über dessen Kontrolle gerungen wird.

Letztlich schade ist ob dieser spannenden Gemengelage dann doch die Entscheidung zum Vollzug dieser Kreisbewegung zwischen Vater und Sohn, die dem ganzen dann doch etwas Radikalität raubt.

★★★☆☆

🇩🇪/🇫🇷/🇬🇷, R: Georgis Grigorakis, D: Vangelis Mourikis, Argyris Pandazaras, Sofia Kokkali, Theo Alexander, Vasilis Anastasiou, Vasilis Bisbikis, Michalis Iatropoulos, Pavlos Iordanopoulos, Koukoulis Konstantinos, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Mubi

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Ti-West-Triple im Kino: X, Pearl & MaXXXine

Ti-West-Triple im Kino: X, Pearl & MaXXXine
Fotos (v.l.n.r.): capelight Pictures (X), Universal Pictures International Germany (PEARL, MAXXXINE)Fotos (v.l.n.r.): capelight Pictures (X), Universal Pictures International Germany (PEARL, MAXXXINE)

Als Teil des Ti-West-Triples zusammen mit den beiden anderen Ablegern der Reihe im Leipziger Luru Kino geschaut. Was besonders deutlich wird, wenn man die drei Filme so geballt sieht, ist, wie detailversessen Ti West ist und wie das niemals reiner Selbstzweck bleibt, sondern auch immer wieder dafür genutzt wird, die drei Filme und ihre Themen miteinander in Beziehung zu setzen, sie zu verweben.

Beim ersten Mal X habe ich vor allem auf die Auseinandersetzung mit Moral und Gesellschaft geachtet. Nun, beim zweiten Mal, ist mir vor allem die krankhafte Obsession der Figuren mit der ewigen Jugend, dem Ekel vor dem Alter, dem Schein und nur selten dem Sein, das letztlich auch wortwörtlich unter die Räder kommt, ins Auge gesprungen.

Die Kraft des Technicolor-Idylls ist mir selbstverständlich bereits beim ersten Mal PEARL aufgefallen. Nachgedacht habe ich hingegen vor allem über das Verhältnis zwischen Sexualität und Selbstermächtigung. Nun, beim zweiten Mal, bin ich wieder auf die Farben zurückgekommen. Denn es sind diese komplett übersättigten, sich intensiv einbrennenden Farben, die so eng verknüpft sind mit Filmen wie THE SOUND OF MUSIC (1965) oder THE WIZARD OF OZ (1939) und damit auch mit Hoffnung und einem so implizierten Aufstiegsversprechen, mit dem PEARL radikal bricht.

Gesehen: Pearl (2022)
PEARL ist ein wunderbares Companion Piece zu X, das viele Themen des Vorgängers aufgreift, sie jedoch in die jeweils fast schon entgegengesetzte Richtungen laufen lässt. ️ Im Geiste vereint sind beide Figuren bei Film. Für X-Mia Goth eine Möglichkeit, aus ihrem Leben, also von etwas zu fliehen. Für PEARL-Mia Goth ein

MAXXXINE habe ich beim ersten Mal vor allem durch die Brille des Spiels mit der eigenen Medialität und die einer Reflexion der Frauenrolle in Kunst und Gesellschaft gesehen. Jetzt war es die Flüchtigkeit von Ruhm, die Austauschbarkeit des Menschen im Gefüge der (Kultur-)Industrie und die Erotik bzw. Erotifizierung von Gewalt. Auch die zahlreichen Giallo-Anleihen sind mir jetzt erst so richtig bewusst geworden.

Gesehen: MaXXXine (2024)
Es ist schon ganz cool, wie der Film mit seiner eigenen Medialität spielt, dabei drei Ebenen – den Film im Film, den eigentlichen Film und wir vor der Kinoleinwand/dem Bildschirm – aufzieht und so auch Querverbindungen zur Gegenwart sichtbar macht. Denn die heutigen Bestrebungen evangelikaler Christ*innen, vor allem in den
Fotos (v.l.n.r.): capelight Pictures (X), Universal Pictures International Germany (PEARL, MAXXXINE)

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Pearl - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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