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Filmkritik

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Gesehen: Import/Export (2007) - Empathielos nah dran

Gesehen: Import/Export (2007) - Empathielos nah dran
Ekateryna Rak // © Alamode Filmverleih

Ein schonungslos harter Blick auf die unfassbar große ökonomische Ungleichheit, die innerhalb von Europa herrscht. Auf die regelrecht neokolonialen Strukturen, die sich aus den wirtschaftlichen Machtgefällen heraus ergeben, die ökonomisch schwächeren Menschen also für die vermeintlich niederen Arbeiten abgestellt und ausgebeutet werden. Auf die Abhängigkeitsverhältnisse, in die sich diese Menschen begeben müssen und ihre Existenz damit jedoch nur scheinbar abgesicherter als zuvor ist.

Weniger hätte ich von einem Ulrich-Sleidl-Film auch nicht erwartet.

Es ist nur schade, dass diesem Film kaum ein empathischer Blick auf seine Protagonist:innen gelingt. Denn deren Umgeben hat selten mehr als Verachtung für sie übrig. Der Film scheint eben mehr Teil dieser Umgebung zu sein als in (kritischer) Distanz zu ihr zu stehen. Dabei bedient er mitunter selbst xenophobe Stereotype.

★★½☆☆

🇦🇹/🇸🇰/🇺🇦, R: Ulrich Seidl, D: Ekateryna Rak, Paul Hofmann, Michael Thomas, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Alamode Filmverleih

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Gesehen: All the Old Knives (2022) - Formal in die Grauzone

Gesehen: All the Old Knives (2022) - Formal in die Grauzone
Chris Pine // © Amazon Studios

Natürlich ist das kein sich sonderlich weit aus dem Fenster lehnender Agent:innenthriller, der aber immerhin selbstbewusst durchinszeniert ist und auch formal etwas versucht.

Lange arbeitet dieser Film mit gestochen scharfen, kristallklaren und kontrastreichen Bildern. Dadurch wird transportiert: Die Dinge liegen klar auf der Hand und es bedarf nur unseres Ausnahmeprotagonisten, alles zu einem Gesamtbild zusammenzuführen.

Nun muss man kein:e Hellseher:in sein, um das Puzzle für sich bereits vorher zusammenzusetzen und zu begreifen, dass die vermeintliche Klarheit natürlich nur die halbe Wahrheit ist.

Aber es ist interessant zu sehen, wie schließlich auch die Bilder dem Geschehen folgen, zunehmend entsättigter und verwaschen werden, die Grauzone auch auf ästhetischer Ebene zu vollziehen. Das war immerhin ganz nett.

★★½☆☆

🇺🇸, R: Janus Metz, D: Chris Pine, Thandiwe Newton, Jonathan Pryce, Laurence Fishburne, Corey Johnson, Jonjo O’Neill, Ahd Kam, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Amazon Studios

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Gesehen: The Capsule (2012) - Frauen wie Möbel

Gesehen: The Capsule (2012) - Frauen wie Möbel
© The Match Factory

Möbel gebären Frauen hinein in einen Raum, in dem sie lernen, selbst ein Möbelstück zu sein: unterworfen, dekorativ, ohne Widerworte eine Aufgabe erfüllend. Die Zügel vermeintlich in der Hand hat eine andere Frau. Die ist jedoch offenbar selbst Teil eines weiteren unterdrückenden, noch mächtigeren Systems als es dieser schier endlose Durchlauf von Möbelfrauen durch ihr Gefängnis zwischen Raum und Zeit ist. Doch auch sie ist längst gebrochen und davon überzeugt, ihrem Purgatorium nur entkommen zu können, indem sie andere Frauen noch härter bricht. Auch so wird Misogynie internalisiert.

🇬🇷, R: Athina Rachel Tsangari, D: Ariane Labed, Clémence Poésy, Isolda Dychauk-Ott, Evangelia Randou, Aurora Marion, Deniz Gamze Ergüven, Sofia Dona, Ying Gao, Aleksandra Waliszewska, Trailer, Wikipedia, Letterboxd, Foto: The Match Factory

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Gesehen: Futura (2021) - Ein therapeutischer Zukunftsblick

Gesehen: Futura (2021) - Ein therapeutischer Zukunftsblick
© Mubi

Rein formal ein toller Film, der durch seinen analogen Look – es spielt keine Rolle, ob nun emuliert oder echt – eine zusätzliche Ebene an Empathie, Warmherzigkeit und Wohlwollen einzieht.

Spannend ist die Entscheidung, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits super instabile und von rechten Ideen durchdrungene Politik bis auf wenige Halbsätze aus dem Film zu streichen. Jedenfalls glaube ich, dass diese Momente auf der Schlachtbank über die Klinge gesprungen sind. Denn spätestens bei einer Gruppe eindeutig linker Student:innen ist es für mich nur schwer vorstellbar, dass dort nichts konkret benannt wurde.

Vielleicht ist das ein Verschließen der Augen vor den Henker:innen der Zukunft, vielleicht aber auch eine gelungene Verengung der Perspektive auf die jeweils sprechenden Jugendlichen. Es ist wie in der Therapie: Du kannst nur für dich selbst sprechen. Aber selbst das würden die (Post-)Faschist:innen thematisch infiltrieren, wenn sie die Gelegenheit dazu bekämen.

Wer bei sich bleibt und hier für sich selbst spricht, spricht oft von einer Welt ohne (politische) Grenzen und einer Welt, in der sie gesehen und wertgeschätzt werden.

🇮🇹/🇺🇸, R: Alice Rohrwacher, Pietro Marcello, Francesco Munzi, Trailer, Letterboxd, Foto: Mubi

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Gesehen: The Wild Robot (2024) - Konsum, Kapitalismus und unehrliche Bilder

Gesehen: The Wild Robot (2024) - Konsum, Kapitalismus und unehrliche Bilder
© Universal Pictures Germany

Die an der Oberfläche treibenden Themen von Freundschaft, Familie und Liebe sind auch hier total abgegriffen und kaum interessant. Besonders originell ist meine Lesart des Films als Allegorie auf Konsum und Kapitalismus wahrscheinlich auch nicht. Aber sie bietet letztlich doch mehr Futter und zeitgeistige Reibungsfläche.

Der anfangs noch gar nicht so wilde Roboter knallt auf den abgelegenen Planeten und beginnt umgehend damit, jedem dahergelaufenen Tier ungefragt seine Rabattcodes wortwörtlich ins Gesicht zu drücken – wie ein wandelnder Podcast und immer in der Annahme, sich erwartungsgemäß zu verhalten.

Doch es gibt offensichtlich Lebewesen, die gar nicht nach dem erwarteten Muster funktionieren, die nicht von Werbung verführt, von Konsum befriedigt und von wirtschaftlichem Wachstum mit Glückshormonen überschüttet werden. Konsum und die enge Verzahnung mit dem Kapitalismus sind folglich kein naturgegebener Zustand, der hinzunehmen ist, sondern etwas, das erlernt und antrainiert ist. Im Umkehrschluss lässt sich diese lebensraumzerstörende Misere also auch überwinden.

Jede Szene, in der Ausschnitte aus dem Lebensraum der Menschen zu sehen sind, zeichnet kein erstrebenswertes Bild. Metropolen sind längst im übertragenen und ganz konkreten Sinne untergegangen. Zitadellenähnliche Fabriken zieren die karge Landschaft. Ein Werbespot verspricht allen Menschen nahezu grenzenlose Freizeit, solange es nur genügend Roboter für die Drecksarbeit gibt.

Dieses auf höher, schneller, weiter, number go up und grenzenloses Wachstum ausgelegte System sieht es nicht vor, dass eine:r aus dem Rahmen fällt. Denn dann gerät alles nicht ganz so hoch, etwas langsamer und kürzer als prognostiziert. Doch das ist in der kapitalistischen Logik nicht vorgesehen.

Das war es also, was mich bei diesem Film bis zum Schluss vorrangig umgetrieben hat.

Mit der Ästhetik der Bilder hadere ich jedoch. Dieser winzige Hauch von Impressionismus, der hier durch die Animation weht, gefällt mir sehr. Gleichzeitig wurde jedoch eine perfekte Maschine geschaffen, deren einziges Ziel es ist, vermeintliche Imperfektion zu produzieren. Das finde ich auf eine gewisse Art unehrlich und löst in mir ein befremdliches, komisch unangenehmes Gefühl aus.

★★★☆☆

🇺🇸, R: Chris Sanders, D: Lupita Nyong’o, Pedro Pascal, Kit Connor, Bill Nighy, Stephanie Hsu, Matt Berry, Ving Rhames, Mark Hamill, Catherine O’Hara, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Universal Pictures Germany

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Gesehen: Digger (2020) - Wem gehört das Land?

Gesehen: Digger (2020) - Wem gehört das Land?
Vangelis Mourikis und Argyris Pandazaras // © Mubi

Georgis Grigorakis stellt die Frage: Wem gehört das Land? Gemeint ist sowohl das kleine Fleckchen Waldgrundstück seiner Figuren als auch das gesamte Griechenland angesichts der Staatsschuldenkrise, der folgenden Austeritätspolitik und der Verstümmelung des (Sozial-)Staates samt den psychosozialen Folgen.

Die Konfliktlinie zwischen den Generationen verläuft hier entlang der Themen Autonomie, Stolz, Fremdbestimmung und Solidarität auf dem Grund und Boden, über dessen Kontrolle gerungen wird.

Letztlich schade ist ob dieser spannenden Gemengelage dann doch die Entscheidung zum Vollzug dieser Kreisbewegung zwischen Vater und Sohn, die dem ganzen dann doch etwas Radikalität raubt.

★★★☆☆

🇩🇪/🇫🇷/🇬🇷, R: Georgis Grigorakis, D: Vangelis Mourikis, Argyris Pandazaras, Sofia Kokkali, Theo Alexander, Vasilis Anastasiou, Vasilis Bisbikis, Michalis Iatropoulos, Pavlos Iordanopoulos, Koukoulis Konstantinos, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Mubi

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