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Filmkritik

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Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats (2017) - Ästhetik des Fanatismus

Faszinierend wie ausbeuterisch, ngl.

Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats (2017) - Ästhetik des Fanatismus
© Port au Prince Pictures

Sehr ambivalente Gefühle hat dieser Dokumentarfilm bei mir ausgelöst.

Da ist einerseits dieser faszinierende Einblick in die Funktionsweise eines radikalen Systems aus unmittelbarer Nähe. Es zeigt, dass diese „Fußsoldaten" des sogenannten Kalifats ideologisch absolute Dünnbrettbohrer sind. Was die geistige Führung an Weltanschauung konstruiert und propagiert, kommt so weit unten gar nicht mehr an.

So erklärt der Vater als einer der Protagonisten des Films so ziemlich zu Beginn, dass er von diesen und jenen Begriffen fasziniert sei und manche seiner Söhne nach „erfolgreichen" Terroristen benannt habe. Im Auto hört er einfältigste Schlager, die militärische Erfolge des sogenannten Kalifats besingen.

Es ist nicht nur eine Faszination, sondern eine regelrechte Obsession mit Ästhetik. Hier geht es nur darum, die richtigen Begriffe zu verwenden und nicht, sie zu verstehen. Die richtigen Sprüche herunterzubeten und die richtige Fahne vor sich herzutragen.

Dieser Vater kämpft für eine Welt, die er selbst unter vorgehaltener Waffe nicht beschreiben und erst recht nicht verstehen könnte.

Andererseits haftet diesem Film etwas Ausbeuterisches an. Denn während Talal Derki nach zwei Jahren in Syrien nach Deutschland zurückkehren kann, müssen diese Kinder jeden Tag weiter (unbewusst) um den Erhalt ihrer Menschlichkeit kämpfen, weil es sonst niemand für sie tut. Es scheint wahrscheinlich, dass die meisten von ihnen diesen Kampf verlieren werden. Es wirkt grausam, dass der Film ihnen derart nah kommt und sie letztlich doch untätig ihrem vermeintlichen Schicksal überlässt.

🇩🇪/🇱🇧/🇳🇱/🇶🇦/🇸🇾/🇺🇸, R: Talal Derki, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Port au Prince Pictures

Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats - Stream: Online
Wie man “Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats” auf Netflix & anderen Streaming-Diensten ansehen kann – einschließlich kostenloser Optionen.
Of Fathers and Sons (2017)
Talal Derki returns to his homeland where he gains the trust of a radical Islamist family, sharing their daily life for over two years. His camera focuses on Osama and his younger brother Ayman, providing an extremely rare insight into what it means to grow up in an Islamic Caliphate.

Kinotagebuch: Warfare (2025) - Unfallchirurgen im Krieg

Notfall-OP an einem eigenhändig verletzten Patienten

Kinotagebuch: Warfare (2025) - Unfallchirurgen im Krieg
D’Pharaoh Woon-A-Tai // © Leonine Distribution

WARFARE ist extrem sensorisches Kino. Es wird viel geschossen, aber eben nie stumpf wie in einem Actionfilm. Das Sounddesign stellt sicher, dass jede einzelne abgegebene Kugel Gewicht hat. Jeder Schuss rollt gleich einer Welle durch den Kinosaal, überwältigt den Hörnerv, übersetzt sich in Vibration und nimmt so den gesamten Körper in Beschlag.

WARFARE ist Körperkino, das auf allen Sinnesebenen Mark und Bein durchdringt. Dazu gehören auch drastische Bilder von verletzten und getöteten Soldaten. Eigentlich bin ich der Meinung, dass diese Art der Inszenierung des Krieges mittlerweile ausgedient hat und wir andere Bilder suchen müssen. Aber Alex Garland und Ray Mendoza haben hier noch einmal einen produktiven Weg gefunden, mit diesen Abbildern unvorstellbaren Schmerzes zu arbeiten.

Wir sehen eine Einheit von US-Navy-Seals, die wie einem Team von Medizinern in der Unfallchirurgie gleich agiert: ultra präzise, klar in der Kommunikation und mit nahezu stoischer Redundanz Abläufe absichernd. So versuchen sie auch, die schwerverletzten Kameraden am Leben zu erhalten. Nur bricht an dieser Stelle die Realität der Besetzung des Irak herein und offenbart die Perversion dieser Präzision, die letztlich nicht auf den Erhalt, sondern das Beenden von Leben hin bis zum Erbrechen trainiert wird.

Garland und Mendoza zeigen die Notfall-OP an einem Patienten, den man zuvor selbst vorsätzlich lebensgefährlich verletzt hat – eine selbsterfüllende Prophezeiung.

(P.S.: Ich möchte das nicht als Teil des Films werten, da es erst nach der finalen Schwarzblende als Teil des Abspanns passiert. Aber: Den Soldaten dieser Navy-Seal-Einheiten in einer Texttafel dafür zu danken, dass sie immer zur Stelle sind, wenn sie gerufen werden, und dabei den völkerrechtswidrigen Kontext und die Opfer dieses Krieges außen vor zu lassen, ist eine unglaubliche menschenverachtende Geschmacklosigkeit.)

★★★★☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Alex Garland, Ray Mendoza, D: D’Pharaoh Woon-A-Tai, Cosmo Jarvis, Will Poulter, Charles Melton, Joseph Quinn, Kit Connor, Taylor John Smith, Michael Gandolfini, Adain Bradley, Noah Centineo, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Leonine Distribution

Warfare - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★★★ review of Warfare (2025)
WARFARE ist extrem sensorisches Kino. Es wird viel geschossen, aber eben nie stumpf wie in einem Actionfilm. Das Sounddesign stellt sicher, dass jede einzelne abgegebene Kugel Gewicht hat. Jeder Schuss rollt gleich einer Welle durch den Kinosaal, überwältigt den Hörnerv, übersetzt sich in Vibration und nimmt so den gesamten Körper in Beschlag. WARFARE ist Körperkino, das auf allen Sinnesebenen Mark und Bein durchdringt. Dazu gehören auch drastische Bilder von verletzten und getöteten Soldaten. Eigentlich bin ich der Meinung, dass diese Art der Inszenierung des Krieges mittlerweile ausgedient hat und wir andere Bilder suchen müssen. Aber Alex Garland und Ray Mendoza

Gesehen: Grand Tour (2024) - Unendlicher Walzer

Groteske meets Epik

Gesehen: Grand Tour (2024) - Unendlicher Walzer
Crista Alfaiate als Molly // © Mubi

Für mich ein ganz zauberhafter und stellenweise magischer Film, der verführerisch Groteske und Epik zusammenbringt und dabei eine Aneinanderreihung komischer Momente – mal lustig, mal weird, mal total entrückt – schafft.

GRAND TOUR wird damit zur Hommage an das große Geschichtenerzählen mit Versatzstücken und Bildern, die ihren Ursprung klar bei Namen wie François Truffaut, Jean-Luc Godard, Fritz Lang, Robert Bresson und Werner Herzog haben.

Doch die zahlreichen strukturellen und bildlichen Referenzen sind bei Miguel Gomes niemals reiner Selbstzweck. Sie sind der fruchtbare Boden, auf dem etwas Eigenes, davon losgelöstes gedeiht.

Gomes erzählt die Geschichte zweier Menschen, die die Welt ausschließlich in Kreisbewegungen beschreiten. Manchmal überschneiden sich ihre Pfade, doch sie selbst treffen niemals aufeinander. Sie sind dazu verdammt, bis in die Unendlichkeit hinein immer und immer wieder diese Bewegung ohne Zielpunkt zu vollziehen. ∞

Selbst die Zeit an sich wird mit in den Strudel dieser Figuren hineingezogen. 1917 tanzt mit unseren 2020er Jahren zu Johann Strauss' An der schönen blauen Donau Walzer – nämlich im Kreis, wie ein Walzer das eben so an sich hat.

Einerseits hat das ewige Verlangen und Abstoßen etwas sehr Schwelgerisches und Romantisches an sich. Andererseits ist genau dieser Umstand genauso tieftraurig, weil wir wissen, dass diese beiden Menschen niemals aufeinandertreffen werden und auf ewig dazu verdammt sind, den Walzer ohneeinander zu tanzen.

★★★★☆

🇨🇳/🇫🇷/🇩🇪/🇮🇹/🇯🇵/🇵🇹, R: Miguel Gomes, D: Gonçalo Waddington, Crista Alfaiate, Cláudio da Silva, Lang Khê Tran, Jorge Andrade, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Mubi

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A ★★★★ review of Grand Tour (2024)
Für mich ein ganz zauberhafter und stellenweise magischer Film, der verführerisch Groteske und Epik zusammenbringt und dabei eine Aneinanderreihung komischer Momente – mal lustig, mal weird, mal total entrückt – schafft. GRAND TOUR wird damit zur Hommage an das große Geschichtenerzählen mit Versatzstücken und Bildern, die ihren Ursprung klar bei Namen wie François Truffaut, Jean-Luc Godard, Fritz Lang, Robert Bresson und Werner Herzog haben. Doch die zahlreichen strukturellen und bildlichen Referenzen sind bei Miguel Gomes niemals reiner Selbstzweck. Sie sind der fruchtbare Boden, auf dem etwas Eigenes, davon losgelöstes gedeiht. Gomes erzählt die Geschichte zweier Menschen, die die Welt ausschließlich

Gesehen: No Home Movie (2015) - Erodieren im Sturm der Zeit

„I am not gone, yet."

Gesehen: No Home Movie (2015) - Erodieren im Sturm der Zeit
© Fondation Chantal Akerman

CN Suizid

Vor allem vor dem Hintergrund, dass Chantal Akerman etwa anderthalb Jahre nach dem Ende der Aufnahmen für diesen Film und dem Tod ihrer Mutter im Veröffentlichungsjahr von NO HOME MOVIE Suizid beging, ist das ein sehr bedrückender Film.

In diesem Zusammenhang fällt auf, dass Akerman selbst kaum im Film zu sehen ist – und wenn, dann fast immer von hinten oder in einer Spiegelung. Sie macht sich nur selten zum Teil des Motivs, bleibt damit immer nur Zuschauern und Besucherin dieses Lebens ihrer Mutter.

Diese Bilder haben außerdem etwas Beklemmendes und fast schon Lauerndes an sich, wie man es sonst etwa von Michael Haneke kennt. Dadurch entsteht eine interessante Dissonanz der Bilder, die einerseits eine vertraute wie sichere Umgebung zeigen sollten, andererseits jedoch auch die Fremde, das Dasein als Tourist:in in dieser Welt heraufbeschwören. Der Titel des Films spricht hier Bände.

Als ob etwas nicht mehr so ist, wie es einst oder vielleicht sogar nie war.

Akerman dokumentiert hier nicht nur die letzten Monate im Leben ihrer Mutter, sondern gewissermaßen auch in ihrem eigenen Leben – ob nun bewusst oder nicht. Gemeinsame Erinnerungen, Orte und Menschen erodieren im Sturm der Zeit.

I am not gone, yet.

Das sagt Chantal Akerman in einem Moment zu ihrer Mutter. Da sie Französisch spricht (und ich es nicht richtig verstanden habe), bin ich mir nicht sicher, ob auch dort diese bittersüße Doppeldeutigkeit aufgeht wie in der englischen Untertitelung. Sie spricht vom Besuch bei ihrer Mutter. Aber meint sie vielleicht auch ihr Leben?

🇧🇪/🇫🇷, R: Chantal Akerman, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Fondation Chantal Akerman

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A review of No Home Movie (2015)
CN Suizid Vor allem vor dem Hintergrund, dass Chantal Akerman etwa anderthalb Jahre nach dem Ende der Aufnahmen für diesen Film und dem Tod ihrer Mutter im Veröffentlichungsjahr von NO HOME MOVIE Suizid beging, ist das ein sehr bedrückender Film. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass Akerman selbst kaum im Film zu sehen ist – und wenn, dann fast immer von hinten oder in einer Spiegelung. Sie macht sich nur selten zum Teil des Motivs, bleibt damit immer nur Zuschauern und Besucherin dieses Lebens ihrer Mutter. Diese Bilder haben außerdem etwas Beklemmendes und fast schon Lauerndes an sich, wie man

Gesehen: Almayer’s Folly (2011) - Kolonialisierung der Frau

Chantal Akerman 🤝 Claire Denis

Gesehen: Almayer’s Folly (2011) - Kolonialisierung der Frau
Aurora Marion als Nina // © Fondation Chantal Akerman

Chantal Akerman versucht sich an einer komplexen Parallelstellung von Patriarchat, Kolonialismus und Rassismus – und es gelingt. Der Film zeigt auf, dass diese Begriffe mitunter nicht ohneeinander gedacht werden können, sich also durchaus auch gegenseitig bedingen.

In seiner kontemplativen, fast schon meditativen Art und nicht nur den Themen ähnelt dieser Film sehr denen von Claire Denis.

Doch Akerman legt ein viel größeres Augenmerk auf die Kolonialisierung des weiblichen Körpers, der Frau. Die folgt einer völlig entmenschlichenden Verwertungslogik. Es ist wie ein Aussortieren der aussichtsträchtigsten Früchte – nur, dass es hier um Mädchen, um Frauen geht, die ihrer Herkunft und letztlich ihres Selbst beraubt werden, als Individuum verschwinden und fortan nur an der Seite eines Mannes weiterexistieren sollen.

★★★★☆

🇧🇪/🇫🇷/🇺🇸, R: Chantal Akerman, D: Stanislas Merhar, Marc Barbé, Aurora Marion, Zac Andrianasolo, Sakhna Oum, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Fondation Chantal Akerman

Der Film steht noch bis zum 23. April 2025 in der Arte-Mediathek:

Der Almayer-Wahnsinn - Film in voller Länge | ARTE
Im Malaysia der 50er Jahre ist ein europäischer Kaufmann davon besessen, einen Schatz zu finden, um die Zukunft seiner Tochter zu sichern. Seine Träume fallen dem Druck seiner eigenen Gier zum Opfer, die zur Qual wird. Hinzu kommt die erdrückende englische Vorherrschaft, die das Land beherrscht - und das abgelegene Dorf, in dem er lebt, in den Ruin stürzt.
Der Almayer-Wahnsinn - Stream: Jetzt Film online anschauen
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A ★★★★ review of Almayer’s Folly (2011)
Chantal Akerman versucht sich an einer komplexen Parallelstellung von Patriarchat, Kolonialismus und Rassismus – und es gelingt. Der Film zeigt auf, dass diese Begriffe mitunter nicht ohneeinander gedacht werden können, sich also durchaus auch gegenseitig bedingen. In seiner kontemplativen, fast schon meditativen Art und nicht nur den Themen ähnelt dieser Film sehr denen von Claire Denis. Doch Akerman legt ein viel größeres Augenmerk auf die Kolonialisierung des weiblichen Körpers, der Frau. Die folgt einer völlig entmenschlichenden Verwertungslogik. Es ist wie ein Aussortieren der aussichtsträchtigsten Früchte – nur, dass es hier um Mädchen, um Frauen geht, die ihrer Herkunft und letztlich

Gesehen: Persepolis (2007) - Aufgehen in Strukturen

Ein großartiges Spiel mit Formen und Kontrasten.

Gesehen: Persepolis (2007) - Aufgehen in Strukturen
© Studiocanal

Alleine bildästhetisch ist PERSEPOLIS eine im wahrsten Wortsinne fantastische Erfahrung. Durch die klaren Formen und den so starken Kontrast von Schwarz und Weiß ergeben sich großartige Spielmöglichkeiten. Formen und letztlich Menschen gehen ineinander auf, verschwinden im Nichts, werden verschluckt oder Teil von Strukturen. Alleine das erzählt so viel, ohne dabei ein einziges Wort zu verlieren.

Diese melancholische Schwere in Kombination mit einem zuweilen auch mal albernen Galgenhumor hat mich total in ihren Bann gezogen. Es ist eine bittersüße Geschichte über das Mädchen Marjane, das überlebt, während das Potenzial ihrer Heimat in Iran stirbt.

Es ist das Porträt einer Summe an unzähligen Vereinzelungserfahrungen. Marjane wird als Frau fremd in ihrem eigenen Land und einer sich zunehmend radikalisierenden Gesellschaft, in der alles Weibliche aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt wird. Marjane ist fremd in Wien, darf lediglich die Schablonen des Exotischen, des Wilden und des Unzivilisierten ausfüllen.

Das findet abermals Widerhall auf der Ebene der Bilder. Alles fügt sich zu einer tieftraurigen wie wunderschönen und hypnotischen Symphonie zusammen.

★★★★½

🇫🇷/🇺🇸, R: Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud, D: Chiara Mastroianni, Danielle Darrieux, Catherine Deneuve, Simon Abkarian, Gabrielle Lopes Benites, François Jérosme, Tilly Mandelbrot, Sophie Arthuys, Arié Elmaleh, Mathias Mlekuz, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Studiocanal

Persepolis - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Persepolis” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★★★½ review of Persepolis (2007)
Alleine bildästhetisch ist PERSEPOLIS eine im wahrsten Wortsinne fantastische Erfahrung. Durch die klaren Formen und den so starken Kontrast von Schwarz und Weiß ergeben sich großartige Spielmöglichkeiten. Formen und letztlich Menschen gehen ineinander auf, verschwinden im Nichts, werden verschluckt oder Teil von Strukturen. Alleine das erzählt so viel, ohne dabei ein einziges Wort zu verlieren. Diese melancholische Schwere in Kombination mit einem zuweilen auch mal albernen Galgenhumor hat mich total in ihren Bann gezogen. Es ist eine bittersüße Geschichte über das Mädchen Marjane, das überlebt, während das Potenzial ihrer Heimat in Iran stirbt. Es ist das Porträt einer Summe an