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Filmkritik

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Gesehen: Castration Movie Anthology i. Traps (2024) - Anschmiegendes Rauschen

Ein beeindruckendes Werk über Raumnahme in jeglicher Ausprägung

Gesehen: Castration Movie Anthology i. Traps (2024) - Anschmiegendes Rauschen
Bild: Louise Weard

Dieser Film gehört mit zu den eindrucksvollsten Beweisen, dass die Form des Ausdrucks fast keine Rolle spielt, wenn man eine starke Geschichte zu erzählen hat, etwas zum Ausdruck bringen will und das auch in einer klaren eigenen Stimme vermag. Und dennoch ist die Form hier keineswegs egal, sondern sie und der Inhalt bedingen einander.

Es ist das Rauschen des DV-Bildes und das Rauschen des durchlaufenden Bandes, das sich permanent über die Tonspur legt und an die Figuren schmiegt. Es ist der daraus entstehende sensorische Rausch, der die Erfahrungswelt der Figuren spiegelt.

Figuren, die virtuelle Räume nutzen, um bestehende zu erweitern,

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Gesehen: The Believer (2001) - Projektionen

Hinter all den Störgefühlen verbirgt sich schon etwas Produktives...

Gesehen: The Believer (2001) - Projektionen
Bild: Capelight Pictures

Streicht gut die Elemente der Projektion und des Selbsthasses, der Agitation und der Manipulation inmitten dieses Zwischenmilieus zwischen Fußsoldat*innen, intellektueller Führung und finanziell Fördernden heraus. Und die Konsequenzen der Zerstörung individueller Erfahrungen und Perspektiven zugunsten einer kollektiven Fantasie.

Aus deutscher Sicht und mit dem Hintergrund deutscher Schulbildung ist es natürlich besonders schwer und irritierend, das hier aufgemachte Spannungsfeld auszuhalten, ohne Vorwürfe von Relativierung und Effekthascherei auszupacken. Aber ich glaube schon, dass sich hinter diesem Störgefühl etwas Produktives verbirgt.

★★★☆☆

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Gesehen: Wicked: For Good (2025) - Tablettparade

„I could stand in the middle of Fifth Avenue...“

Gesehen: Wicked: For Good (2025) - Tablettparade
Bild: Universal Pictures International Germany

Ich muss nicht noch mal andere Worte für das finden, was ich schon zu WICKED aufgeschrieben habe:

Der Film ist super wirr und es ist extrem anstrengend zu ordnen, wonach hier alles ausgeholt, geschlagen und gegriffen wird – was aber nicht unbedingt schlecht ist. Denn viele Themen sind recht klug verwoben. Klug heißt hier nicht unbedingt subtil, aber man muss sich eben auch immer wieder bewusst werden, dass Musicals und arthousige Nuancierung nicht unbedingt Hand in Hand gehen und das auch gar nicht das Ansinnen ist.

In FOR GOOD wirkt es auf mich so, als ob all die unbedingt wichtigen Motive

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Gesehen: The Human Condition (1959-61) - Was sich verschiebt

Masaki Kobayashis fast zehnstündiges Epos spürt nach, wie sich im Faschismus welche Grenzen verschieben

Gesehen: The Human Condition (1959-61) - Was sich verschiebt
Bilder: Arrow Films, Montage: Ich

No Greater Love

Ein Dokument des Verschiebens – des Verschiebens von jeder moralischen Grenze, jeden Tag ein Stück mehr. Die dafür notwendigen Schritte sind mal klein, mal groß und folgen einem paradoxen Muster. Einerseits ist die reine Schlagzahl dieser Grenzverschiebungen desorientierend, andererseits aber auch eine Summe vieler kleiner, kontinuierlich gefällter Entscheidungen, die einen Gewöhnungseffekt erzeugen.

Masaki Kobayashi lässt dafür grandios Form und Inhalt nahtlos ineinandergreifen. Denn dieses Abrutschen in die Unmoral findet auch bildkompositorisch Widerhall. In Momenten, in denen die Zivilisation zugunsten der Barbarei abgerissen wird, ist der Protagonist oftmals mit mehreren anderen Menschen im Raum. Es entsteht eine Enge,

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Gesehen: Der Tiger (2025) - Zufälle gibt's

Als ob es Elem Klimows „Komm und sieh“ nie gegeben hätte

Gesehen: Der Tiger (2025) - Zufälle gibt's
Bild: Amazon MGM Studios

Es ist total befremdlich, wie viel Energie der Film darauf verwendet, diese Wehrmachtssoldaten zu entpolitisieren – bis hin zu Sprüchen wie „Keine Politik in meinem Panzer" und „Wir haben nur Befehle ausgeführt". Es ist schon bemerkenswert, dass der Regisseur nach NAPOLA schon wieder einen Haufen junger Männer gefunden hat, in denen keiner ein ausgemachter Nazi gewesen zu sein scheint.

Nun ließe sich argumentieren, dass der Film genau diese Ausflüchte ins vermeintliche Mitläufertum zerlegen will und sehr wohl mindestens einen Nazinazi zeigt, der mit seiner fadenscheinigen Argumentation, mit seinen Taten und deren Folgen konfrontiert und dadurch sein Abstieg in die Hölle eingeläutet

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Gesehen: War and Peace (1956) - Sissi, dekonstruiert

Die Kontraste zwischen Bildästhetik und Inhalt, die King Vidor hier aufzieht, machen den Film aus

Gesehen: War and Peace (1956) - Sissi, dekonstruiert
Bild: Paramount Pictures

Ich war sehr angetan davon, wie zu Beginn diese Bildästhetik einer melodramatischen Romanze, die etwa an die tschechischen Märchenverfilmungen wie DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL oder auch Historienschinken wie SISSI erinnert, mit dem über allem thronenden Kriegsthema kontrastiert wird.

In dieser vermeintlich heilen Märchenwelt, in der „guten" Männern zugeschriebene Tugenden wie Mut und Stolz auch immer eng verbunden sind mit militärischer Ehre und mitunter regelrechtem Kriegseifer, in der das Autoritäre schier unlösbar tief in den Menschen verankert ist, ist Pazifismus eine Krankheit, die ausgerottet werden muss.

Der Kontrast zwischen Form und Inhalt wird immer härter, bis auch die Bilder diesem Abstieg

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