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Filmkritik

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Gesehen: We Live in Time (2024) - Existieren in Extremen

Es wirklich schwer, diesen Vignetten etwas tatsächlich Profundes abzugewinnen.

Gesehen: We Live in Time (2024) - Existieren in Extremen
Foto: Studiocanal, Peter Mountain

Das war mir alles zu bewusst rührselig. Das ausgemachte Ziel dieses Films scheint zu sein, um jeden Preis zu bewegen. Und dafür scheint ihm jedes noch so banale Mittel recht. Alle Hebel werden mit einer grobschlächtigen Transparenz an den zudem offenkundigen Kern gelegt. Der Film gefällt sich sehr darin, diese mit unglaublicher Bedeutung aufgeladenen Momente ausladend zu zelebrieren und Weltbewegendes zu behaupten, findet dabei aber kaum Zwischentöne. Hier ist alles derart ekstatisch überhöht, dass kaum Tiefenarbeit stattfinden kann. Diese Figuren existieren nur in Extremen und deshalb ist es wirklich schwer, diesen Vignetten etwas tatsächlich Profundes abzugewinnen.

★★½☆☆

🇬🇧, R: John Crowley, D: Florence Pugh, Andrew Garfield, John Crowley, Lee Braithwaite, Niamh Cusack, Amy Morgan, Douglas Hodge, Adam James, Aoife Hinds, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Studiocanal, Peter Mountain

We Live in Time - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du We Live in Time heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A ★★½ review of We Live in Time (2024)
Das war mir alles zu bewusst rührselig. Das ausgemachte Ziel dieses Films scheint zu sein, um jeden Preis zu bewegen. Und dafür scheint ihm jedes noch so banale Mittel recht. Alle Hebel werden mit einer grobschlächtigen Transparenz an den zudem offenkundigen Kern gelegt. Der Film gefällt sich sehr darin, diese mit unglaublicher Bedeutung aufgeladenen Momente ausladend zu zelebrieren und Weltbewegendes zu behaupten, findet dabei aber kaum Zwischentöne. Hier ist alles derart ekstatisch überhöht, dass kaum Tiefenarbeit stattfinden kann. Diese Figuren existieren nur in Extremen und deshalb ist es wirklich schwer, diesen Vignetten etwas wirklich Profundes abzugewinnen.

Gesehen: Millennium Mambo (2001) - Hoffnung durch Körnung

#Y2K

Gesehen: Millennium Mambo (2001) - Hoffnung durch Körnung
Foto: Rapid Eye Movies

Die Welt steht uns offen, wir werden alle Freiheiten haben und lassen uns ungezwungen nihilistisch in die Arme des neuen Jahrtausends treiben, mit dem entweder alles besser wird oder für immer endet #Y2K

Stattdessen mahlen die Mühlen einfach weiter. Immer schneller, immer erbarmungsloser zermahlen sie die Versprechen von einer glänzenden Zukunft – einer Zukunft, in der wir weiterleben müssen. Nur wie, wo und vor allem: mit wem?

In diesen Momenten maximaler Orientierungslosigkeit gute Entscheidungen zu treffen, ist nicht leicht. MILLENNIUM MAMBO weiß das und nimmt deshalb niemals eine verurteilende Perspektive ein. Stattdessen begegnet die Kamera ihrer Protagonistin zugewandt und mit wohliger Empathie.

Das transportieren auch die Bilder, die inmitten fiebertraumartiger Vignetten eine erstaunliche Ruhe und Wärme ausstrahlen – auch aufgrund der so eindrücklichen Körnung, durch die selbst die bildliche und tatsächliche Kälte eines dichten Schneegestöbers noch das Herz mit Wärme erfüllen. Der reinen schwelgerischen Ästhetik wohnt hier Hoffnung inne, die die Protagonistin in ihrer Gänze nur (noch) nicht spüren kann.

★★★★☆

🇹🇼/🇫🇷, R: Hou Hsiao-hsien, D: Shu Qi, Jack Kao, Duan Chun-hao, Doze Niu Cheng-Tse, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Rapid Eye Movies

Millennium Mambo - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du Millennium Mambo heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A ★★★★ review of Millennium Mambo (2001)
Die Welt steht uns offen, wir werden alle Freiheiten haben und lassen uns ungezwungen nihilistisch in die Arme des neuen Jahrtausends treiben, mit dem entweder alles besser wird oder für immer endet #y2k Stattdessen mahlen die Mühlen einfach weiter. Immer schneller, immer erbarmungsloser zermahlen sie die Versprechen von einer glänzenden Zukunft – einer Zukunft, in der wir weiterleben müssen. Nur wie, wo und vor allem: mit wem? In diesen Momenten maximaler Orientierungslosigkeit gute Entscheidungen zu treffen, ist nicht leicht. MILLENNIUM MAMBO weiß das und nimmt deshalb niemals eine verurteilende Perspektive ein. Stattdessen begegnet die Kamera ihrer Protagonistin zugewandt und mit

Gesehen: The Mother and the Whore (1973) - Freiheit for me, but not for thee

Dieses Gefühl, wenn der über dreieinhalb Stunden vorbereitete Befreiungsschlag mitten ins Schwarze trifft...

Gesehen: The Mother and the Whore (1973) - Freiheit for me, but not for thee
Foto: Arte

Jean-Pierre Léauds Figur wird mit jeder gesprochenen Silbe unsympathischer und unerträglicher. So wird aus dem idealistischen Freidenker im Verlauf von mehr als dreieinhalb Stunden ein unerträgliches Arschloch, an dessen Entwicklung sich vieles von dem ablesen lässt, was alles falsch in einer patriarchalen und binär denkenden Gesellschaft ist.

Denn vermeintlich liberale Figuren wie die von Léaud sind in der Regel selbst Vasallen des Patriarchats – ob nun bewusst oder nicht. Ihr Freiheitsbegriff bezieht sich nur auf sich selbst und in der Folge auf das eigene Geschlecht. Es ist ein Freiheitsbegriff, der gar nicht mal so insgeheim eine Hackordnung vorsieht und fast den gesamten verfügbaren Raum einnimmt.

Doch auf diesem zunächst sehr engen Raum wandeln sich die Frauen im Umfeld des Protagonisten von zunächst schemenhaften zu immer klarer gezeichneten Figuren, mit immer mehr Schichten und Dimensionen, in die sie erst hinein- und dort schließlich auch über den Protagonisten hinauswachsen.

Der finale Monolog ist eine absolute Wucht, die sich nur durch diese akribische, dreieinhalbstündige Vorbereitung entfalten kann – ein Befreiungsschlag, durch den der Protagonist zerbricht, weil seinem Ego der zuvor parasitär infiltrierte Lebensraum genommen wird.

★★★★☆

🇫🇷, R: Jean Eustache, D: Bernadette Lafont, Jean-Pierre Léaud, Françoise Lebrun, Isabelle Weingarten, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Arte

Der Film steht noch kostenlos bis zum 01. September 2025 bei Arte in der Mediathek:

Die Mama und die Hure - Film in voller Länge | ARTE
Alexandre und Marie leben die freie Liebe. Sie wohnen zusammen, gestatten sich aber wechselseitig Liebhaber. Als Alexandre Veronika kennenlernt, nutzt er Maries Abwesenheit, um sie in ihre gemeinsame Wohnung einzuladen…
Die Mama und die Hure - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Die Mama und die Hure” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A ★★★★ review of The Mother and the Whore (1973)
Jean-Pierre Léauds Figur wird mit jeder gesprochenen Silbe unsympathischer und unerträglicher. So wird aus dem idealistischen Freidenker im Verlauf von mehr als dreieinhalb Stunden ein unerträgliches Arschloch, an dessen Entwicklung sich vieles von dem ablesen lässt, was alles falsch in einer patriarchalen und binär denkenden Gesellschaft ist. Denn vermeintlich liberale Figuren wie die von Léaud sind in der Regel selbst Vasallen des Patriarchats – ob nun bewusst oder nicht. Ihr Freiheitsbegriff bezieht sich nur auf sich selbst und in der Folge auf das eigene Geschlecht. Es ist ein Freiheitsbegriff, der gar nicht mal so insgeheim eine Hackordnung vorsieht und fast

Gesehen: Les Sièges de l'Alcazar (1989) - Geschmacksfragen

Unmöglich, sich oder sein Umfeld hier nicht wiederzuerkennen.

Gesehen: Les Sièges de l'Alcazar (1989) - Geschmacksfragen
Foto: Les Films d’Ici, La Sept Cinéma

Wer selbst cinephil, wenigstens Filmfan oder auch nur im weitesten Sinne kulturinteressiert ist, wird sich und/oder sein Umfeld hier wiedererkennen – und auch die Umwälzungen wiedererkennen, denen die Räume unterworfen sind, in denen sich diese Menschen begegnen.

Da schiebt sich im Kino immer mehr vor den Film: Snackverkäufe, schlechte Technik, arbiträre Sitzklassengesellschaften, laute Gäste ohne Gefühl für Etikette oder ein Mindestmaß an Rücksicht. Das Kino wandelt sich vom Ort der Debatte hin zum durchkommerzialisierten Raum, in dem der Kunst immer weniger Platz eingeräumt wird.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie Geschmack überhaupt geformt wird, wenn die professionelle Kritik nur noch um sich selbst kreist, starr an Namen verhaftet bleibt und nicht mehr den Werken selbst verschrieben ist. Wenn der Horizont dieser Gatekeeper:innen immer enger wird. Denn wird Kunst nicht auch erst zur Kunst, wenn sie in der Rezeption auch als solche begriffen wird? (Ja ja, Tod des Autors ist genau mein Ding, ich weiß.)

Leider widmet sich der Film dann jedoch nicht wirklich den Fragen nach den zugrundeliegenden Strukturen und gesellschaftlichen Strömungen, sondern gibt sich mit dieser – zugegebenermaßen sehr unterhaltsamen – Symptombetrachtung zufrieden.

Eine knappe Stunde Laufzeit ist zu lang, um ihm fehlende Tiefe verzeihen und zu lang, um wirkliche Tiefe einfordern zu können.

★★★☆☆

🇫🇷, R: Luc Moullet, D: Olivier Maltinti, Elizabeth Moreau, Sabine Haudepin, Dominique Zardi, Micha Bayard, Richard Martin-Jordan, Jean Abeillé, Jean-Luc Caron, Letterboxd, Foto: Les Films d’Ici, La Sept Cinéma

Den Film gibt's noch kostenlos bis zum 27. Juni 2025 beim Le Cinéma Club zu sehen:

LES SIEGES D’ALCAZAR a film by LUC MOULLET
Two rival critics fight over seats and debate cinema at an eccentric theater in the outskirts of Paris.
A ★★★ review of Les Sièges de l’Alcazar (1989)
Wer selbst cinephil, wenigstens Filmfan oder auch nur im weitesten Sinne kulturinteressiert ist, wird sich und/oder sein Umfeld hier wiedererkennen – und auch die Umwälzungen wiedererkennen, denen die Räume unterworfen sind, in denen sich diese Menschen begegnen. Da schiebt sich im Kino immer mehr vor den Film: Snackverkäufe, schlechte Technik, arbiträre Sitzklassengesellschaften, laute Gäste ohne Gefühl für Etikette oder ein Mindestmaß an Rücksicht. Das Kino wandelt sich vom Ort der Debatte hin zum durchkommerzialisierten Raum, in dem der Kunst immer weniger Platz eingeräumt wird. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie Geschmack überhaupt geformt wird, wenn die professionelle Kritik nur noch

Gesehen: Revenge (2017) - Gewaltspiegel

Das mit dem Körper kann Coralie Fargeat.

Gesehen: Revenge (2017) - Gewaltspiegel
Foto: Plaion Pictures

Coralie Fargeat transportiert die psychische Gewalt auf die Ebene der physischen Gewalt und erzählt über Körper, welche Kräfte hier überhaupt am Werk sind. Nicht nur die reine Gewalteinwirkung erzeugt unendliche Qualen, auch der Bewältigungs- und Heilungsprozess ist mit immensen Schmerzen verbunden, der Rachewunsch zumindest nachvollziehbar.

Die so drastische Gewalt, die stellenweise explizite Überzeichnung findet hier nie zum reinen Selbstzweck statt. Sie ist stattdessen Spiegel dessen, was dieser Frauenfigur angetan wird. Fargeat drängt uns als Publikum durch diese Bilder den Schmerz ihrer Protagonistin auf und verunmöglicht es, sich nicht damit auseinanderzusetzen.

Nur die bildlichen Motive, mit denen das letztlich passiert, sind nie sonderlich interessant.

★★★☆☆

🇧🇪/🇫🇷, R: Coralie Fargeat, D: Matilda Lutz, Kevin Janssens, Vincent Colombe, Guillaume Bouchède, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Plaion Pictures

Revenge - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Revenge” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★★ review of Revenge (2017)
Coralie Fargeat transportiert die psychische Gewalt auf die Ebene der physischen Gewalt und erzählt über Körper, welche Kräfte hier überhaupt am Werk sind. Nicht nur die reine Gewalteinwirkung erzeugt unendliche Qualen, auch der Bewältigungs- und Heilungsprozess ist mit immensen Schmerzen verbunden, der Rachewunsch zumindest nachvollziehbar. Die so drastische Gewalt, die stellenweise explizite Überzeichnung findet hier nie zum reinen Selbstzweck statt. Sie ist stattdessen Spiegel dessen, was dieser Frauenfigur angetan wird. Fargeat drängt uns als Publikum durch diese Bilder den Schmerz ihrer Protagonistin auf und verunmöglicht es, sich nicht damit auseinanderzusetzen. Nur die bildlichen Motive, mit denen das letztlich passiert, sind

Gesehen: A Short Story (2022) - Bi Gans Zauberer von Oz

Dieser Spieltrieb! 🤩

Gesehen: A Short Story (2022) - Bi Gans Zauberer von Oz
Foto: Les Films du Losange International

Dieser klare Stilwille und dieser unbändige Spieltrieb, mit dem dieses – auch im wahrsten Wortsinne – fantastische Werk zusammengestrickt wird, wie Stile, Stimmungen und Genres vermischt, in Schichten übereinander und ineinander gelegt werden, das ist einfach toll.

Sowohl die bildlichen als auch die thematischen Motive haben mich total an THE WIZARD OF OZ erinnert – mit der andauernden Suche nach einem Weg zu sich, in die eigene Zukunft. Mit der Sehnsucht und auch einer Nostalgie für eine Zeit, die man selbst noch nie erfahren hat, die jedoch schon immer in der eigenen Vorstellung existiert hat. Mit der Herausforderung, all das mit dem eigenen Gestaltungswillen und Vermögen überein zu bringen.

🇨🇳, R: Bi Gan, D: Guohua Chen, Chen Yongzhong, Huan Huang, Long Zezhi, Melbourne, Tan Zhuo, Kongkong Wu, Lixun Xie, Xie Li Zhou, Trailer, Letterboxd, Foto: Les Films du Losange International

A Short Story - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “A Short Story” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A review of A Short Story (2022)
Dieser klare Stilwille und dieser unbändige Spieltrieb, mit dem dieses – auch im wahrsten Wortsinne – fantastische Werk zusammengestrickt wird, wie Stile, Stimmungen und Genres vermischt, in Schichten übereinander und ineinander gelegt werden, das ist einfach toll. Sowohl die bildlichen als auch die thematischen Motive haben mich total an THE WIZARD OF OZ erinnert – mit der andauernden Suche nach einem Weg zu sich, in die eigene Zukunft. Mit der Sehnsucht und auch einer Nostalgie für eine Zeit, die man selbst noch nie erfahren hat, die jedoch schon immer in der eigenen Vorstellung existiert hat. Mit der Herausforderung, all das