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Filmkritik

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Posts tagged with Filmkritik

Cat People (1942) - Anmut und Stolz

Cat People (1942) - Anmut und Stolz
Bild: Filmjuwelen
US · R: Jacques Tourneur · D: Simone Simon, Kent Smith, Tom Conway, Jane Randolph, Jack Holt · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Die Frau als wildes Tier, als gefährliche Raubkatze, die um jeden Preis domestiziert und/oder weggesperrt werden muss, um die bestehenden zwischenmenschlichen sowie gesamtgesellschaftlichen Machtverhältnisse aufrechtzuerhalten.

Doch Jacques Tourneur reproduziert im Rahmen seiner filmischen Betrachtung dieses Bild niemals ohne doppelten Boden. Denn immer ist und bleibt klar: Die Großkatze ist ein majestätisches Wesen voller Anmut, Stolz, Selbstbewusstsein und großer Kraft. Das Tier wird weggesperrt, weil es der bestehenden Herrschaftsordnung gefährlich werden kann.

★★★½☆

Dalíland (2022) - Behauptete Opulenz

Dalíland (2022) - Behauptete Opulenz
Bild: Leonine, SquareOne Entertainment/Vuelta Germany
US/FR/GB · R: Mary Harron · D: Ben Kingsley, Barbara Sukowa, Christopher Briney, Rupert Graves, Andreja Pejić, Ezra Miller, Suki Waterhouse, Mark McKenna · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Ein Kreisen um das Obszöne, die Obsession mit dem Schein und dem Exzess – und genau deshalb stellenweise so unfreiwillig komisch. Denn die schwache Ausstattung, die billigen Perücken, die schlechten aufgeklebten Bärte, die weichgezeichnet-blumige Vorabendserienästhetik, das alles untergräbt natürlich die stellenweise behauptete Opulenz.

Dennoch korrespondiert diese Form bzw. eben die Schwächen in der Form mit der porträtierten Welt und den in ihr lebenden Figuren. Denn auch diese Welt kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass der auf ihr aufgetragene Lack ähnlich dünn und kurz vorm Abblättern ist.

Das produziert also durchaus durch die Form spannende Reibungsmomente – jedoch auch eine unfreiwillige Komik und viele Momente, die einer gewissen Ironie nicht entbehren können und die Schwächen des Films offenbaren.

★½☆☆☆

The Toxic Avenger (2023) - Herrschende Counterculture

The Toxic Avenger (2023) - Herrschende Counterculture
Bild: Capelight Pictures
US · R: Macon Blair · D: Peter Dinklage, Jacob Tremblay, Taylour Paige, Kevin Bacon, Elijah Wood, Julia Davis, Sarah Niles · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Kann als jemand ohne bisherige Berührungspunkte mit dem ganzen Tromaversum, damit auch mit dem originalen THE TOXIC AVENGER und letztlich ohne nostalgische Gefühle sagen: Mit dem hier hatte ich eine (erstaunlich?) gute Zeit.

Ich mochte, wie diese Dystopie nicht nur durch die Zuspitzung sowieso schon hyperkapitalistischer Zustände gezeichnet wird, sondern gleichzeitig auch von radikalem Nihilismus und zügellosem Hedonismus als Resultat des Versagens des vermeintlichen Sozialstaats und der Implosion der Solidargemeinschaft lebt.

In der Welt des Toxic Avengers sind die Punks die mörderischen Vasallen des Kapitals. Das einstige Anti-Establishment ist Teil des Establishments geworden. Genau das ist auch in unserer Realität zu beobachten: Das einst in der Counterculture verwurzelte Silicon Valley ist zum Hort einer mächtigen antidemokratischen Klasse geworden. Die Techbros, die von Orten der Gegenöffentlichkeit träumten, greifen nun nach der Macht, zu der vorher ein Gegengewicht geschaffen werden sollte.

Eher nicht so interessant ist die narrative Struktur des Films, die weitestgehend diffus anmutet und ständig wie ein Golden Retriever mit Aufmerksamkeitsdefizit zwischen satirischer Dystopie, Superheld:innenpersiflage und Buddy-Cop-Comedy hin- und herspringt, ohne mal einen Gedanken wirklich konsequent zu entwickeln.

★★★☆☆

Cloud (2024) - Kategorisches Number Go Up

Cloud (2024) - Kategorisches Number Go Up
Bild: Nikkatsu
JP · R: Kiyoshi Kurosawa · D: Masaki Suda, Kotone Furukawa, Daiken Okudaira, Amane Okayama, Yoshiyoshi Arakawa, Masataka Kubota · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Schon der Titel verrät das Offensichtliche, dass wir hier die physische Manifestation der verbalen und psychischen Gewalt, die sich in digitalen, algorithmisch befeuerten Räumen hochschaukelt und ergießt, erleben. Es ist die filmische Entsprechung von Elon Musks Twitter.

Kiyoshi Kurosawa zeigt eine Welt, in der geschäftliches und zwischenmenschliches Miteinander ersetzt wurde durch Grifting. Es geht nur noch darum, abseits jeglicher Moral und Skrupel, Gewinn zu machen. Number go up wird zum Fundament eines neuen kategorischen Imperativs, zum High nach der Nadel mit dem griftgewordenen Heroin.

CLOUD zeigt, wie die völlig enthemmte Kommunikation im digitalen Raum überspringt in durch und durch sinnlose Gewalt, bei der es längst nicht mehr um irgendein vages Gerechtigkeitsempfinden geht, sondern nur noch darum, Dominanz zu demonstrieren.

Ich würde behaupten: Im Rahmen seiner Anordnung übersieht Kurosawa nicht etwa die Nutznießer*innen und Konstrukteur*innen, die Mächtigen dieses Systems, er blendet sie bewusst aus. Die sich dadurch auftuende Leerstelle wird dann im Optimalfall vom Publikum ganz automatisch mit der Hinterfragung der Verhältnisse gefüllt.

★★★★☆

World of Tomorrow (2015) - Ewige Kindheit

World of Tomorrow (2015) - Ewige Kindheit
Bild: Don Hertzfeld
US · R: Don Hertzfeldt · D: Julia Pott, Winona Mae, Sara Cushman · Trailer · Letterboxd · IMDb · Wikipedia

Hat an treffender Zukunftszeichnung und damit an Aktualität auch mehr als zehn Jahre nach Release eigentlich nichts eingebüßt.

Die Risiken unregulierten und ungebremsten Wachstums liegen klar ausbuchstabiert vor uns. Aber wir als Menschen bleiben selbstvergessene Kleinkinder ohne Weitsicht.

Kritisch anmerken ließe sich, dass das uns natürlich ein viel zu großes Maß an Naivität zugesteht. Ausgleichend: Mehr kindliche Fantasie würde uns wiederum gut helfen, glaube ich.

Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem (1993) - Entblättern bis die Fetzen fliegen

Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem (1993) - Entblättern bis die Fetzen fliegen
Bild: Turbine Medien
DE · R: Ralf Huettner, Helge Schneider · D: Helge Schneider, Andreas Kunze, Peter Berling, Peter Thoms, Helmut Körschgen, Buddy Casino · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Zuerst war der Western. Dann die Parodie des Westerns. Dann die Parodie der Parodie des Westerns. Und so weiter und so fort. Helge Schneider unterläuft sich mit jeder Szene sich selbst, seinen eigenen Film, die Konventionen des Genres und der Parodie immer ein bisschen mehr.

Es wird entblättert, bis überall nur noch Fetzen herumliegen, die wiederum neu zusammengeschustert werden. Das Ergebnis ähnelt dann mal mehr und mal weniger zufällig Monty Python und ist ein absolut dadaistisches Chaos, das sich über sich selbst kaputtlacht.

★★★★☆