US · R: Sylvester Stallone · D: Sylvester Stallone, Dolph Lundgren, Carl Weathers, Talia Shire, Burt Young, Brigitte Nielsen · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia
Was ROCKY IV aus meiner Sicht gut macht: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass dieses Abgleiten ins Camp bei Laune hält. Auch erkennt Stallone durchaus die politische Dimension des Sports und dessen Stellenwert in der Propaganda der Sowjetunion. Und er weiß – jedenfalls bietet sich diese Lesart an – um die grausame Realität des Stellvertreterkrieges in Vietnam, für den gesellschaftlich ausgegrenzte Gruppen mit patriotischen Verheißungen rekrutiert und letztlich in den sicheren Tod geschickt worden sind. Die Verheizten waren, wie Apollo Creed, oft Schwarz.
Was ROCKY IV aus meiner Sicht schlecht macht: Stallone ist einfach nicht lustig – nur manchmal, dann aber unfreiwillig. Der vierte Teil der Reihe steckt voller flacher Pointen, die ins Leere laufen, den Fluss brechen und letztlich wie ein heiße Kartoffel fallengelassen werden müssen. Auch das trägt zur Banalisierung des tatsächlichen Kalten Krieges bei. Der Boxkampf in Moskau dann eher wie den Reichsparteitag in Nürnberg zu inszenieren und Drago auch noch wie den prototypischen Arier aussehen zu lassen, zeugt von absoluter Geschichtsverdrossenheit. Gepaart mit einer Prise karikaturesk überzogener Technologiefeindlichkeit flüchtet sich Stallone in eine regelrecht regressive maskulinistische Vorstellung von gesellschaftlicher Hackordnung.
US · R: Sylvester Stallone · D: Sylvester Stallone, Talia Shire, Burt Young, Carl Weathers, Mr. T, Burgess Meredith, Tony Burton, Hulk Hogan · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia
Es überrascht mich kaum, dass Teil 3 nun endgültig im krassen Klamauk angekommen ist. Rocky am Höhepunkt seines sportlichen Erfolges so unbeholfen auf Biegen und Brechen nochmal zum Underdog konstruieren zu wollen, ist hanebüchener Quatsch.
Und es ist außerdem schon krass, wie unverhohlen rassistisch dieser Film ist – mit Mr. T als „wildem“ Schwarzen, der von Stallone gebändigt bzw. in die Schranken gewiesen werden muss. Und daneben steht Carl Weathers und macht einen auf Onkel Tom.
Der American Dream war schon immer eine Geschichte von (Selbst-)Ausbeutung und zelebriertem Machismo. Und auch eine rassistische Erzählung. Und davon, dass Armut krank macht. Da bleibt verständlicherweise wohl einfach keine Kraft mehr für Mimik über. Youknowwhatimean.
★★★☆☆
🇺🇸, R: John G. Avildsen, D: Sylvester Stallone, Talia Shire, Burt Young, Carl Weathers, Burgess Meredith, Thayer David, Joe Spinell, Jimmy Gambina, Tony Burton, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Warner Bros. Home Entertainment
David Bradley spricht Geppetto und Gregory Man Pinocchio // (c) Netflix
Was soll ich sagen? Der unbändigen kreativen Energie und diesem Dickschädel von Guillermo del Toro kann ich einfach nur größten Respekt zollen. Er hätte die ganze Nummer viel einfacher haben können, aber es musste eben Stop-Motion sein. Alleine durch diesen Kraftakt kriegt mich GUILLERMO DEL TORO’S PINOCCHIO zugegebenermaßen eigentlich schon. Durch so etwas bin ich ziemlich leicht zu begeistern und es sieht halt auch einfach richtig toll aus.
Dabei hätte der ganze Film trotz des schier grenzenlosen Stilwillens auch gehörig in die Hose gehen können. Denn nur weil del Toro in EL LABERINTO DEL FAUNO schon einmal erfolgreich faschismuskritische mit märchenartigen Elementen zusammengebracht hat, ist das noch lange keine Garantie für eine Wiederholung des Erfolgs. Doch es geht auch in PINOCCHIO noch einmal auf – und zwar, weil sich der Film nicht nur auf altbekannten Bildern im schmucken neuen Gewand ausruht, sondern auch gegenwärtige politische Beobachtungen eine Rolle spielen.
Eine besondere Rolle in GUILLERMO DEL TORO’S PINOCCHIO spielt die enge Verbandelung von (katholischer) Kirche und dem Faschismus, die Ähnlichkeit beider Systeme und wie sie voneinander profitierten. Die Bewertung eines Lebens – ist Pinocchio nun ein Lebewesen oder nicht? – erinnert einerseits an die Eugenik der Nazis und andererseits an die menschenfeindlichen Auswüchse evangelikaler Rechter, die sich wie die Kirche im Film die Entscheidungshoheit über den Lebensbegriff anmaßen.
Del Toro richtet den Blick durch die Pinocchio-Brille außerdem auf den Kapitalismus. Denn auch Pinocchio wird in ein System „geboren“, in dem er in den Augen anderer erst etwas Wert ist, wenn er selbst in ausreichendem Maße wertschöpfend agiert – also dem Zirkusmann als sensationelle lebende Puppe immer mehr Geld in die Kasse spült oder dem Faschisten den wortwörtlich unsterblichen Soldaten im Kampf um Blut und Boden mimt. Pinocchio wird also standrechtlich durch die kapitalistische Mangel gezogen, bis letztlich kaum mehr als eine leere Hülle übrig bleibt.
Wenig übrig bleibt auch, wenn es mit dem Insektensterben im Speziellen und dem Artensterben im weiteren Sinne so weitergeht. Auch dazu hat GUILLERMO DEL TORO’S PINOCCHIO etwas zu sagen. Pinocchio als Lebewesen aus Holz wird ohne Erbarmen ausgebeutet. Davon können unsere hölzernen Freunde, etwa besonders im Amazonas-Regenwald, ein Lied singen. Von der Klimakatastrophe erzählt der Film also auch – und zwar ohne wachsende Nase.
Selbstverständlich muss dabei die Rolle des Menschen – hier in Form von Geppetto – kritisch beäugt werden. Denn der bringt Pinocchio wie Frankenstein sein Monster ungefragt und ungeachtet der Konsequenzen in die Welt – und zerstört dabei Sebastian J. Crickets Lebensraum.
Trotzt klarer Haltung gibt sich der Film nicht mit einfachen schwarz-weißen Denkmustern zufrieden. Er arbeitet mit einem vielschichtigen Schuldbegriff und kann am Ende doch die Liebe siegen lassen. Hach.
★★★★½
🇺🇸, R: Guillermo del Toro, Mark Gustafson, D: Ewan McGregor, David Bradley, Gregory Mann, Burn Gorman, Ron Perlman, John Turturro, Finn Wolfhard, Cate Blanchett, Tim Blake Nelson, Christoph Waltz, Tilda Swinton, Trailer, Wikipedia
Wie schon mit Apples BILLIE EILISH: THE WORLD’S A LITTLE BLURRY habe ich mich auch mit SELENA GOMEZ: MY MIND & ME sehr schwer getan. Einerseits halte ich es für extrem wichtig, über psychische Erkrankungen zu sprechen, sie sichtbar zu machen und so zur Entstigmatisierung beizutragen. Und wenn Gomez das tut, wenn man als Zuschauer*in in ihren Abgrund blicken kann, dann ist das sehr direkt, ungeschönt und ehrlich.
Die filmischen Zwischentöne hingegen irritieren mich über alle Maßen und zertrümmern das mit fast schon schonungsloser Offenheit aufgebaute Kartenhaus. Denn wenn die ehrlichen Momente gebrochen werden von durch Gomez selbst eingelesenen und möglichst tiefgreifend klingenden Tagebuchzitaten, während sie sich im Hintergrund fast schon lasziv in der Badewanne räkelt, dann ist das kein Stilmittel, sondern ein Werbeclip. Das hat nichts mit einem Einblick in Selena Gomez’ Seele, sondern nur mit der Zementierung eines sorgfältig zurechtgelegten Images zu tun. Denn der Film ist immer noch von Interscope – ihrem Label – mitproduziert worden.
PEARL ist ein wunderbares Companion Piece zu X, das viele Themen des Vorgängers aufgreift, sie jedoch in die jeweils fast schon entgegengesetzte Richtungen laufen lässt.
️ Im Geiste vereint sind beide Figuren bei Film. Für X-Mia Goth eine Möglichkeit, aus ihrem Leben, also von etwas zu fliehen. Für PEARL-Mia Goth ein Sehnsuchtsort, zu dem sie hinzufliehen versucht. Das Ziel ist gleich, doch die Bewegung eine andere.
Große Macht auf beide Figuren übt außerdem Sexualität aus – in X ein Versprechen von Freiheit und Selbstermächtigung, in PEARL das eng mit Erniedrigung und der übermächtigen Mutter verbundene Verbotene.
Beide Figuren existieren an zwei unterschiedlichen Polen der selben Fragestellung. Das ermöglicht ein spannendes Wechselspiel zwischen beiden Schicksalen – das eine (X) am Rockzipfel des amerikanischen Traums, das andere (PEARL) im mit Mut zum Cringe porträtierten amerikanischen Technicolor-Idyll, in dem das Leben zum Krampf gleich dem ins schier unendlich gezogene Grinsen während des Abspanns verkommen ist.
★★★½☆
US, R: Ti West, D: Mia Goth, Tandi Wright, David Corenswet, Emma Jenkins-Purro, Matthew Sunderland, Alistair Sewell, Amelia Reid, Trailer, Wikipedia
Börsenverein-Vorsitzender Sebastian Guggolz zu Weimer in der ersten Reihe: „Ich bin stolz auf die Buchbranche, weil wir Ihren fragwürdigen autokratischer Gestus nicht akzeptieren“.
— Alexander Moritz (@dermonologist.bsky.social) 2026-03-18T18:38:15.923Z
Um es auch noch mal hier festgehalten zu haben: BKM Wolfram Weimer (parteilos) hat beim Festakt zur Eröffnung
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Taylor Swift, klugen Werbeverboten und Claude Chabrol
Recommendations
Shelfd
Keine Zeit für schlechte Streams. Bei Shelfd findet ihr jede Woche handverlesene Empfehlungen und Kolumnen – von echten Menschen, nicht vom Algorithmus.