Total clever, wie sich Jöns Jönsson mit seinem Film zunächst super locker und unterhaltsam, dadurch aber nicht minder gehaltvoll dem Wahrheits- und Erinnerungsbegriff und den Mechanismen dahinter nähert. Und dann, wenn man glaubt, das Spiel verstanden und langsam auch durchgespielt zu haben, offenbart AXIOM plötzlich eine weitere Seite der Medaille. Dadurch wird es notwendig, sein Wissen und Glauben sowie die eigene Wahrheit noch einmal grundlegend zu hinterfragen.
Die schiere Dimension dieses Films hat mich schon in ihren Bann gezogen – von den elaborierten Plänen über die endlosen Versuche, dem Abenteuer des letztlich geglückten Fluchtversuchs bis hin zu den emotional effektiven Schlägen in die Magengrube, als das Glück zur Neige geht. Das ist schon gute Unterhaltung.
Umso irritierter war ich dann von der Darstellung der Wehrmacht, mit der im Gefangenenlager auch mal rumgekumpelt werden kann, der so etwas wie Soldatenehre und Respekt vor anderem Militär unterstellt wird. Das ist doch billigste Neonazi-Propaganda, die da einfach unkritisch verwoben wird.
★★★½☆
🇺🇸, R: John Sturges, D: Steve McQueen, James Garner, Richard Attenborough, James Donald, Charles Bronson, Donald Pleasence, James Coburn, Hannes Messemer, David McCallum, Gordon Jackson, John Leyton, Angus Lennie, Nigel Stock, Robert Graf, Trailer, Wikipedia
US · R: Steven Spielberg · D: Gabriel LaBelle, Michelle Williams, Paul Dano, Seth Rogen, Judd Hirsch, Julia Butters, Chloe East, David Lynch · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia
Das war nicht der Film, den ich erwartet hatte. Und das meine ich durchaus positiv. Denn über weite Strecken war das gar nicht diese sich permanent um sich selbst kreisende Nabelschau, die einem der Trailer verkaufen wollte. Viel mehr serviert Spielberg hier einen einfühlsamen Film über die euphorischen und auch schmerzhaften Momente des Aufwachsens, erzählt direkt und indirekt über die Mittel des Kinos.
So lässt er seine Hauptfigur Sam auf einem Campingtrip seine von Autoscheinwerfern angeleuchtete Mutter beim Tanzen filmen. Diese eine Szene vereint gleich drei Schlüsselmomente. Die nackte Silhouette der Mutter ist nun im Licht durch das dünne Nachthemd zu erkennen. Das führt plötzlich eine vorher nicht dagewesene erotische Komponente ein, bricht also mit dem bisherigen Leben in Unschuld und schafft einen Raum, in dem Herzen gebrochen werden können und jedes Leben irgendwann ein Ende findet. Spielberg bedient sich hier natürlich selbst den Werkzeugen des Kinos, gibt sie aber rein formal seiner Hauptfigur in die Hand.
Ohne Umweg selbst am Drücker sind Spielberg und sein Stamm-DP Janusz Kamiński, wenn es um die Beziehung zwischen Mutter und Vater geht. Denn diese wird elegant über ein Spiel mit Licht, Schatten und Farbtemperaturen in Szene gesetzt. Ein Beispiel: Die Mutter trifft das warme Licht der Nachtischlampe, als sie weinend im Bett kauert. Währenddessen sehen wir den Vater zunächst nicht direkt, sondern nur seinen an die kühl-blaue Decke geworfenen Schatten, der Graf Orlok gleich durch den Raum und bedrohlich über der Mutter herumgeistert.
Nichtsdestotrotz weiß der Film in seinem letzten Akt nicht mehr richtig wohin mit sich. Dieses Diffuse mag an diesem Punkt zwar das Innenleben Sams widerspiegeln. Aber als Stilmittel lasse ich das dem Film nicht durchgehen, da es sich mit dem Rest einfach nicht zu einem Narrativ – auf welcher Eben auch immer – zusammentun will.
GB/IE · R: Joanna Hogg · D: Tilda Swinton, Joseph Mydell, Carly-Sophia Davies, August Joshi, Crispin Buxton · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia
Der für mich interessanteste Aspekt des Films war der Umgang mit dem Konzept Spuk. Denn in THE ETERNAL DAUGHTER spuken nicht die anwesenden Geister. Das Unheimliche ergibt sich aus dem Abwesenden. Es sind abwesende Menschen, Gefühle, die verwehrte Katharsis, die wie ein böser Geist durch das alte Gemäuer ziehen. Und das hat zuverlässig eine derart unangenehme Stimmung erzeugt, die jedoch auch aufgrund der Figurenanordnung in jeder Minute empfindenswert ist.
Ich habe schon ein bisschen gelesen, dass diese Version im Vergleich zur Erstverfilmung (1931) des Theaterstücks/Romans von Christa Winsloe etwas glattgebügelter und weniger offensiv sein soll. Vielleicht liegt das an den Erfahrungen des Nationalsozialismus, die diese Adaption unweigerlich geprägt haben müssen. Mit der verbrannten Erde, die der Faschismus hinterließ, musste sicherlich eine neue Sensibilität gesucht und vorsichtig ertastet werden. Diesen Prozess meine ich auch in diesem Film, der sich Schritt für Schritt aus dem Schatten wagt und das Unterschwellige immer selbstbewusster hinter sich lässt, erkannt zu haben.
Diese Neuinszenierung ist geprägt von einem Schrecken, der homosexuellen Menschen systematisch unmenschliche Dinge angetan hat, und von der bedrückenden Vorahnung weiterer lebensfeindlicher Jahrzehnte für queere Menschen. MÄDCHEN IN UNIFORM beschreibt die Tabuisierung, Kriminalisierung und Entmenschlichung von Homosexualität inmitten einer Gesellschaft, in der durch Indoktrination und Propaganda so viel Unsicherheit gesät wurde, dass niemand mehr ausmachen kann, wo die Grenzen zwischen Verbündeten, Denunzianten und (Lebens-)Feinden verlaufen.
Zuallererst will ich mal festhalten, wie wunderschön dieser Film fotografiert ist und wie erfrischend es nach ein paar aktuellen Mainstream-Filmen am Stück ist, derart gesättigte Farben im Bild zu sehen. Jedes Motiv – sei es in der Sommersonne oder im harschen Winter – strahlt eine einnehmende Wärme aus, durch ich mich direkt auf jeder Etappe des Esels angekommen gefühlt habe – ganz unabhängig von Traurigkeit und Tristesse der eingefangenen Momente. Das hat es mir umso leichter gemacht, mich auf diese Geschichte über Sehnsucht, Zugehörigkeit und Liebe einzulassen.
Interessant sind aber auch die kapitalismuskritischen Denkräume, die der Film abseits der Gefühlsebene eröffnet. Der Übersicht halber hier als kurze Liste:
· Es dauert nicht lange, da wird Eo durch Gerichtsvollzieher aus seinem Umfeld im Zirkus gerissen. Das ließe sich durchaus als Metapher für Enteignungen aus links-utopischer Perspektive lesen. Denn so offenbart der Film das kranke System, denn aus einem Ausbeuterloch einfach zur nächsten nach kapitalistischer Verwertungslogik arbeitenden Maschinerie geschoben wird, profitiert wieder nur das so weiterhin unverändert laufende System.
· Das vermeintliche Paradies erreicht der Esel zwischenzeitlich mit einem Hof, auf dem offenbar mit Kindern mit kognitiven Beeinträchtigungen gearbeitet wird. Doch der Schein trügt, denn es sind genau diese Menschen, die im Kapitalismus entweder eiskalt nicht mehr produktiver Teil einer Gesellschaft sein können oder dreist in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen ausgebeutet werden. Der Esel verschwindet.
· Eo wird von Hooligans brutalst zugerichtet und springt dem Tod in einer Tierklinik oder einem Tierheim offenbar nur knapp von der Schippe. Helfen wolle man dort den Tieren. Doch auch dort muss Eo nach seiner Genesung direkt wieder einen Karren durch die Gegend ziehen. Wert hat nur, was Wert schaffen kann.
All das und noch viele weitere Beispiele sind angesichts dessen, wonach der Esel anscheinend strebt, super traurig. Aber EO ist auch mit vielen einigen herrlich situationskomischen Momenten gespickt, die den Löffel einer Welt am Rande des Abgrunds mit Zucker füllen.
★★★★☆
🇮🇹/🇵🇱, R: Jerzy Skolimowski, D: Sandra Drzymalska, Isabelle Huppert, Lorenzo Zurzolo, Mateusz Kościukiewicz, Tomasz Organek, Lolita Chammah, Agata Sasinowska, Anna Rokita, Anna Rokita, Gloria Iradukunda, Trailer, Wikipedia, Foto: Rapid Eye Movies
Börsenverein-Vorsitzender Sebastian Guggolz zu Weimer in der ersten Reihe: „Ich bin stolz auf die Buchbranche, weil wir Ihren fragwürdigen autokratischer Gestus nicht akzeptieren“.
— Alexander Moritz (@dermonologist.bsky.social) 2026-03-18T18:38:15.923Z
Um es auch noch mal hier festgehalten zu haben: BKM Wolfram Weimer (parteilos) hat beim Festakt zur Eröffnung
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Taylor Swift, klugen Werbeverboten und Claude Chabrol
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