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Filmkritik

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Schweigend steht der Wald (2022) - Haneke-Vibes

Schweigend steht der Wald (2022) - Haneke-Vibes
Bild: if... Productions, POISON
DE · R: Saralisa Volm · D: Henriette Confurius, Noah Saavedra, August Zirner, Robert Stadlober, Johanna Bittenbinder, Johannes Herrschmann · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Ein paar kleine Anflüge von Haneke-Vibes hatte der Film schon – mit diesen piefigen Menschen, die den Großteil ihrer kümmerlichen Existenzen darauf verwenden, ihre pseudobürgerlichen Fassaden aufrechtzuerhalten. Doch je krasser die Bemühungen darum werden, desto mehr fängt der Putz erst recht zu bröckeln an.

SCHWEIGEND STEHT DER WALD ist mit seinem Kern ein zeitlos wichtiger Film und gleichzeitig ein Film genau für unsere Zeit. Leider kommt er diesem Kern nur sehr selten wirklich nahe – auf emotionaler wie auf rationaler Ebene. Er liefert viele Ansätze, beweist aber kaum genug Willen, diese auch konsequent weiterzuverfolgen. Pluspunkte gibt’s trotzdem für die atmosphärische Inszenierung und die schön unangenehme Stimmung.

★★★☆☆

Gesehen: No One Will Save You (2023) - Humanoide Ödnis

Gesehen: No One Will Save You (2023) - Humanoide Ödnis
Bild: 20th Century Studios, Disney
US · R: Brian Duffield · D: Kaitlyn Dever, Zack Duhame, Geraldine Singer, Lauren L. Murray, Dari Lynn Griffin · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Sehr atmosphärisch und beeindruckend, wie viel Kaitlyn Dever abreißt und dabei keine zwei Sätze spricht. (Nagelt mich nicht drauf fest, ich habe nicht wirklich mitgezählt. Aber you get the point.)

Ansonsten war der Film für mich leider ein großes ABER. Der Kampf gegen sich selbst, das Fremdsein unter ihresgleichen, die Suche nach sich selbst – für all das findet der Film keine dem Medium gerecht werdende Übersetzung. Das Drehbuch wird so wortwörtlich interpretiert, als säße Midjourney auf dem Regiestuhl. Das emotionale Herzstück der Geschichte wird für nicht komplett teilnahmslose Zuschauer*innen innerhalb der ersten zehn Minuten vorweggenommen und dann vor dem Finale noch einmal derart theatralisch breitgetreten, als wäre das in diesem Moment eine Überraschung für alle. Aber das es das nicht ist, gibt es keinen Payoff verpufft der vermeintliche Payoff im Nichts.

So viel verschenktes Potenzial. So Schade.

Und noch ein P.S., das wohl ein reines Geschmacksurteil ist: Humanoide Aliens eröffnen mir einfach keine neuen Horizonte mehr und öden mich nur noch an, ich kann sie einfach nicht mehr sehen.

★★½☆☆

Creed III (2023) - Heillose Überforderung

Creed III (2023) - Heillose Überforderung
Bild: Warner Bros.
US · R: Michael B. Jordan · D: Michael B. Jordan, Jonathan Majors, Tessa Thompson, Phylicia Rashad, Wood Harris, Florian Munteanu, Mila Davis-Kent · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Die Reihe endet mit einem absoluten Desaster. Michael B. Jordan ist mit seinem Regiedebüt ganz offensichtlich heillos überfordert. Auf der einen Seite beweist er null Gespür dafür, wie man eine Szene dynamisch entwickelt und sich entfalten lässt, auf der anderen Seite lässt er vor allem sich selbst lachhaft schablonenhafte und schmerzlich überzogene Performances durchgehen.

Dazu übertrifft CREED III seine beiden Vorgänger noch einmal deutlich in Sachen Künstlichkeit und Kühle des Bildes. Die Tatsache, dass sich gerne mal der Bluescreen in den eingeölten Körpern der Protagonisten spiegelt und das niemand für ein Problem gehalten hat, sagt viel über den Anspruch der Macher*innen an ihr Werk (das hier getrost als Produkt bezeichnet werden kann) aus und folglich über das, was sie von ihrem Publikum halten: nicht sonderlich viel.

★☆☆☆☆

Rotting in the Sun (2023) - Unwiderstehlich erratisch

Rotting in the Sun (2023) - Unwiderstehlich erratisch
Bild: Mubi
CL/MX/US · R: Sebastián Silva · D: Sebastián Silva, Jordan Firstman, Catalina Saavedra, Mateo Riestra, Gerardo Sierra · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Sebastián Silva hat hier eine unwiderstehlich erratische Auseinandersetzung mit dem anachronistischen (Selbst-)Bild des Künstler*innendaseins geschaffen, das nach der Maxime „Große Kunst entsteht aus großem Leid – und zwar nur aus meinem Leid und keinem anderen“ funktioniert. Voller Selbstmitleid sitzt der fiktionale Sebastián Silva also völlig überheblich und unreflektiert in dieser trüben Suppe, bezeichnet Arbeit als „Gefängnis“ und führt ein pseudoprekäres Leben in großzügigen Räumlichkeiten mit jeder Menge synthetischer Drogen und einer Haushälterin, ohne die er und sein Hund Chima wahrscheinlich innerhalb einer Woche entweder verhungern oder im Müll ersticken würden.

Sebastián Silva feilt so Stück für Stück an einem unerträglichen Unsympathen und verleiht so dem Angelpunkt des Films eine unangenehme und dadurch herausfordernde Doppelbödigkeit, die über Recht und Gerechtigkeit, Klasse und Klassenkampf nachdenken lässt.

★★★½☆

Creed II (2018) - Überpsychologisierung

Creed II (2018) - Überpsychologisierung
Bild: Warner Bros.
US · R: Steven Caple Jr. · D: Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Dolph Lundgren, Florian Munteanu, Phylicia Rashād, Wood Harris, Brigitte Nielsen · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

So langsam weiß auch nicht mehr, was ich eigentlich noch schreiben soll. CREED II lässt die Absicht des Vorgängers, seinen Figuren einen Weg weg von den Narrativen ihrer eigenen Vergangenheit zu eröffnen, endgültig zur leeren Behauptung verkommen. Innere Konflikte werden entschieden, bevor sie überhaupt richtig ausgetragen werden können – weil für ein paar gepflegte Mommy- und Daddy-Issues scheint es bisher einfach keine Lösung zu geben. Das ist in Teilen nicht nur misogyn, sondern auch noch klischeeüberladenes und überpsychologisierendes Erzählen, das mich nur noch langweilt.

★★☆☆☆

Creed (2015) - Rockys Bärenfalle

Creed (2015) - Rockys Bärenfalle
Bild: Warner Bros.
US · R: Ryan Coogler · D: Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Phylicia Rashad, Tony Bellew · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Das Marketing von Warner Bros. hat wirklich gar nichts verstanden. Wie können den deutschen Titel des Films um „Rocky’s Legacy“ ergänzen, wo es doch ganz klar darum geht, dass Apollo Creed als Schwarzer Mann nicht nur Rocky zeitweise ebenbürtig war, sondern der ohne ihn auch kaum diese Erfolge hätte feiern können? Und wer ist der einziger Boxer mit Statue in Philadelphia? Genau. CREED (ohne den deutschen Titel) weiß das und macht sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an die Aufarbeitung dessen.

Gleichzeitig tappt das Drehbuch von Ryan Coogler und Aaron Covington trotzdem in die gleiche Bärenfalle, durch die ROCKY III schon einen Fuß und etliche Liter Blut verloren hat. Die Rolle des Underdogs ergibt sich nämlich (in diesen Filmen) nicht aus sportlicher, sondern aus ökonomischer Ungleichheit. Angesichts dessen ist es komplett hirnrissig, den sehr offensichtlich aus einer privilegierten Position heraus agierenden Adonis Creed als Underdog zu zeichnen. Denn in eine leicht heruntergekommene Wohnung mit asketischer Einrichtung zu ziehen, ist doch völlig risikofrei und irrelevant, solange das Konto offenbar gut gefüllt ist und Adonis sein Leben ganz problemlos 24/7 auf das Boxtraining ohne Einkünfte ausrichten kann.

★★★☆☆