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Filmkritik

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Gesehen: The Creator (2023)

Gesehen: The Creator (2023)
(c) Walt Disney, Leonine

Das fühlt sich sehr an nach Christopher Nolans TENET – oder eben den Filmen, die Patrick Willens als Vibes Movies bezeichnet – meets Simon Stålenhags Werke und die später daraus entstandene Amazon-Serie Tales from the Loop meets Ridley Scotts BLADE RUNNER meets auch ein bisschen Francis Ford Coppolas APOCALYPSE NOW. Gareth Edwards ist ein ziemlich guter Kurator von Sujets und Ästhetiken. Und natürlich, Kunst steht immer zu einem gewissen Teil auf den Schultern Anderer. Aber THE CREATOR macht es wirklich schwer, eine eigene Handschrift zu erkennen. Zu sehr drängen die Stimmen seiner offensichtlichen Einflüsse in den Vordergrund. Dazu auch noch eine derart dünne Geschichte zu erzählen, hilft auch nicht wirklich. Der mangelt es an angemessener Komplexität und politischer Dimension, an zu vielen Stellen wird psychologisiert.

Zu welcher Erkenntnis mich THE CREATOR jedoch gebracht hat: Ich glaube, ich möchte mehr Allison Janney in Filmen dieser Art sehen. Die Chemie hat für mich irgendwie gestimmt.

★★★☆☆

CA/US, R: Gareth Edwards, D: John David Washington, Madeleine Yuna Voyles, Gemma Chan, Allison Janney, Ken Watanabe, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Alle Anderen (2009) - Beziehung als Home-Invasion

Maren Ade gelingt, woran ihrer Kolleg:innen scheiterten: Lars Eidinger im Zaum zu halten.

Gesehen: Alle Anderen (2009) - Beziehung als Home-Invasion
Foto: Prokino, Eurovideo Medien

Beziehung, aber als permanente Home-Invasion.

Vieles ließe sich über das Beziehungsgeflecht zwischen den Figuren von Birgit Minichmayr und Lars Eidinger schreiben. Über seinen manipulativen Charakter. Über gute, schlechte und notwendige Kommunikation. Über die Tragik der Liebe. Über Narzissmus. Über Schein und Sein. Über Authentizität.

Aber es ist vor allem ein Sache, die ich unbedingt festhalten möchte: Maren Ade ist eine brutal gute Filmemacherin. Denn ihr gelingt mit ALLE ANDEREN, woran nach ihr zahlreiche ihrer Kolleg:innen scheiterten: Lars Eidinger im Zaum zu halten. Sie verwehrt ihm konsequent Momente des Ausbruchs und orchestriert dadurch eine brodelnde Grundstimmung, die das zunehmende Laufen wie auf Eierschalen von Minichmayrs Figur elegant unterstreicht.

★★★★☆

🇩🇪, R: Maren Ade, D: Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Prokino, Eurovideo Medien

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A ★★★★ review of Everyone Else (2009)
Beziehung, aber als permanente Home-Invasion. Vieles ließe sich über das Beziehungsgeflecht zwischen den Figuren von Birgit Minichmayr und Lars Eidinger schreiben. Über seinen manipulativen Charakter. Über gute, schlechte und notwendige Kommunikation. Über die Tragik der Liebe. Über Narzissmus. Über Schein und Sein. Über Authentizität. Aber es ist vor allem ein Sache, die ich unbedingt festhalten möchte: Maren Ade ist eine brutal gute Filmemacherin. Denn ihr gelingt mit ALLE ANDEREN, woran nach ihr zahlreiche ihrer Kolleg*innen scheiterten: Lars Eidinger im Zaum zu halten. Sie verwehrt ihm konsequent Momente des Ausbruchs und orchestriert dadurch eine brodelnde Grundstimmung, die das zunehmende Laufen wie

Gesehen: The Flavor of Green Tea Over Rice (1952) - Lügen für die Freiheit

Herrlich, mit wie viel Witz, Charme, Tempo und Schlagfertigkeit Yasujirō Ozu die Kräfteverhältnisse innerhalb einer Ehe verhandelt.

Gesehen: The Flavor of Green Tea Over Rice (1952) - Lügen für die Freiheit
Foto: Shochiku

Herrlich, mit wie viel Witz, Charme, Tempo und Schlagfertigkeit Yasujirō Ozu die Kräfteverhältnisse innerhalb einer Ehe verhandelt. Dass die ziemliche Schlagseite haben, wird schnell klar. Die Frauen müssen ein elaboriertes Lügenkonstrukt errichten, nur um mal ungestört mit ihren Freundinnen auf Tour gehen zu können. Währenddessen wähnen sich die Männer als über den Dingen stehende Taktangeber, verspielen aber gleichzeitig bei Hunderennen und Pachinko ihr Geld und denken, „Peanut“ ist das englische Wort für „Wanze“. Was sich jedoch immer deutlicher hervortut: Es sind die Frauen, die das Kartenhaus vorm Einsturz bewahren und den Laden am Laufen halten – sei es in der Ehe oder als Hausbedienstete, ohne die die Männer wohl verhungern würden.

Was mich angesichts der Entstehungszeit und dem gesellschaftlichen Kontext des Films sehr beeindruckt hat: Ozu bringt hier extrem vage angedeutet eine Affäre der Frau ins Spiel – also jedenfalls einen Moment, der sich so lesen lässt. Jedoch verweigert sich Ozu einem Moralurteil und verwebt den Moment der scheinbaren Untreue elegant mit dem Erkenntnisprozess der Figuren, macht ihn zu einer wichtigen Zwischenetappe auf dem Weg zu einem verständnisvolleren Miteinander.

Als Zuschauer:in ist es zudem unmöglich, sich nicht zu den Themen des Films zu verhalten. Denn Ozu lässt in Dialogen viele Figuren direkt in die Kamera blicken und so die eigentlich an das Gegenüber gerichteten Fragen direkt an das Publikum richten. Die Figuren hinterfragen das Verständnis von Geschlechtergerechtigkeit und Verhalten innerhalb von Beziehungen sowie die Moral des Publikums. Clever.

★★★★☆

🇯🇵, R: Yasujirō Ozu, D: Shin Saburi, Michiyo Kogure, Kōji Tsuruta, Chikage Awashima, Keiko Tsushima, Eijirō Yanagi, Kuniko Miyake, Kōji Shitara, Chishū Ryū, Yūko Mochizuki, Hisao Toake, Yōko Kozono, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Shochiku

Der Geschmack von grünem Tee über Reis - Stream: Online
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A ★★★★ review of The Flavor of Green Tea Over Rice (1952)
Herrlich, mit wie viel Witz, Charme, Tempo und Schlagfertigkeit Yasujirō Ozu die Kräfteverhältnisse innerhalb einer Ehe verhandelt. Dass die ziemliche Schlagseite haben, wird schnell klar. Die Frauen müssen ein elaboriertes Lügenkonstrukt errichten, nur um mal ungestört mit ihren Freundinnen auf Tour gehen zu können. Währenddessen wähnen sich die Männer als über den Dingen stehende Taktangeber, verspielen aber gleichzeitig bei Hunderennen und Pachinko ihr Geld und denken, „Peanut“ ist das englische Wort für „Wanze“. Was sich jedoch immer deutlicher hervortut: Es sind die Frauen, die das Kartenhaus vorm Einsturz bewahren und den Laden am Laufen halten – sei es in der

Gesehen: The Killer (2023) - Should I give a fuck?

David Fincher fällt mit seinem Perfektionismus auf extrem fruchtbaren Boden.

Gesehen: The Killer (2023) - Should I give a fuck?
Foto: Netflix

David Fincher versucht zu ergründen, ob und wie ein nur einen kybernetischen Eingriff vom Maschinendasein entfernter Nihilist zum Mensch werden kann. Was passiert, wenn I. Don’t. Give. A. Fuck., Empathy is weakness. und Stick to your plan. Anticipate, don't improvise. Trust no one. plötzlich auf Lebenssinn und die Frage nach Erfüllung trifft? Es ist auch ein bisschen so, als ob sich Fincher mit der Kamera vor einen Spiegel gestellt und dann losgefilmt hat (David Fincher is a perfectionist.). Deshalb ist Fincher auch prädestiniert dafür, diesen Stoff zu inszenieren. Sein Streben nach vermeintlicher Perfektion, seine Detailversessenheit, das strenge Regelwerk im „Job“, Präzision als eine der obersten Maximen – all das ist auch in Michael Fassbenders namenloser Killerfigur zu erkennen.

Fincher nutzt mehrere verschiedene Erzählebenen, um diese Figur zu Formen. Im inneren Monolog bzw. Voiceover wiederholt der Killer immer und immer wieder seine Maximen, redet derart mantraartig gegen den Kontrollverlust an, als ob Manifestation kein esoterischer Mumpitz wäre. Dann die rein physischen Bewegungen des Killers, die allesamt einem klaren Zweck dienlich sind, sich zunächst nicht vom sich ausbreitenden Chaos vereinnahmen lassen. Selbst im Sounddesign spiegelt sich die fast ausschließlich auf Kontrolle ausgerichtete Weltwahrnehmung des Killers wider, wenn während eines Dialogs im Restaurant plötzlich die sich öffnende und dann wieder schließende Tür klar erkennbar hochgezogen wird. Und die strenge Bildästhetik schnürt das Paket dann zusammen.

Umso bemerkenswerter, dass Fincher dem Killer die Tür zur Menschwerdung trotzdem öffnet, dafür jedoch den Bruch mit praktisch allen Regeln einfordert und so dessen streng durchkalkuliert gelebte Vergangenheit entfesselt und zu einer nicht ganz absteckbaren Bedrohung werden lässt. Der Killer wird von den Geistern, die er selbst gerufen hat, heimgesucht. Fate is a placebo. The only life path is the one behind you.

★★★★☆

🇺🇸, R: David Fincher, D: Michael Fassbender, Tilda Swinton, Charles Parnell, Arliss Howard, Kerry O’Malley, Sophie Charlotte, Emiliano Pernia, Gabri, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Netflix

Der Killer - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★★★ review of The Killer (2023)
David Fincher versucht zu ergründen, ob und wie ein nur einen kybernetischen Eingriff vom Maschinendasein entfernter Nihilist zum Mensch werden kann. Was passiert, wenn I. Don’t. Give. A. Fuck., Empathy is weakness. und Stick to your plan. Anticipate, don’t improvise. Trust no one. plötzlich auf Lebenssinn und die Frage nach Erfüllung trifft? Es ist auch ein bisschen so, als ob sich Fincher mit der Kamera vor einen Spiegel gestellt und dann losgefilmt hat (David Fincher is a perfectionist.). Deshalb ist Fincher auch prädestiniert dafür, diesen Stoff zu inszenieren. Sein Streben nach vermeintlicher Perfektion, seine Detailversessenheit, das strenge Regelwerk im „Job“,

Gesehen: Victim (2022) - Wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt

Ein geschenktes Sporttrikot erzählt alles über russischen Imperialismus.

Gesehen: Victim (2022) - Wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt
Foto: Rapid Eye Movies

Es ist wirklich gut, wie dieser Film den strukturellen Antiziganismus und den Fremdenhass per se herausarbeitet, wie sich diese Grundüberzeugungen durch alle Schichten und Lager ziehen und wie sie genutzt werden, um den Menschen ohne ökonomische Perspektive Sündenböcke hinzustellen und sich so selbst aus der Verantwortung zu ziehen. Außerdem ist zu sehen, was passiert, wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt und nur die überzeugendste Erzählung, den am meisten resonierenden Vibe erzeugt, zählt. Davon profitieren letztlich nur rechte Demagog:innen, die tragische Momente für ihre Zwecke missbrauchen und umdeuten.

Gleichzeitig zeitlos, aktueller denn je und zudem noch ziemlich clever ist die Art und Weise, wie der imperialistische Allmachtsanspruch Russlands mit nur einer einzigen Geste – dem Geschenk eines Sporttrikots in den Farben der russischen Flagge – verwoben wird. Es verortet (zumindest politisch) die Strippenzieher:innen und nutzt dafür geschickt eines der in der Vergangenheit wichtigsten Propagandawerkzeuge Russlands: den Sport.

Mein größter Kritikpunkt am Film ist die Distanz, die er stets zu seinen Figuren und deren Politik wahrt. Letztlich bleibt er so zu weit weg, um Milieustudie zu sein. Zu weit weg, um Porträt einer Mutter zu sein. Zu weit weg, um der strukturellen Xenophobie wirklich auf den Grund gehen zu können.

★★★½☆

🇨🇿 / 🇩🇪 / 🇸🇰, R: Michal Blaško D: Vita Smachelyuk, Gleb Kuchuk, Igor Chmela, Viktor Zavadil, Inna Zhulina, Alena Mihulová, Veronika Weinhold, Gabriela Míčová, Klaudia Dudová, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Rapid Eye Movies

Victim - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Wo und wie heute “Victim” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★½ review of Victim (2022)
Es ist wirklich gut, wie dieser Film den strukturellen Antiziganismus und den Fremdenhass per se herausarbeitet, wie sich diese Grundüberzeugungen durch alle Schichten und Lager ziehen und wie sie genutzt werden, um den Menschen ohne ökonomische Perspektive Sündenböcke hinzustellen und sich so selbst aus der Verantwortung zu ziehen. Außerdem ist zu sehen, was passiert, wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt und nur die überzeugendste Erzählung, den am meisten resonierenden Vibe erzeugt, zählt. Davon profitieren letztlich nur rechte Demagog*innen, die tragische Momente für ihre Zwecke missbrauchen und umdeuten. Gleichzeitig zeitlos, aktueller denn je und zudem noch ziemlich clever ist die Art

Gesehen: Les Créatures (1966) - Nature vs. Nurture

Agnès Varda nähert sich über den magischen Realismus dem Wesen des Menschen.

Gesehen: Les Créatures (1966) - Nature vs. Nurture
Foto: Ciné-Tamaris

Agnès Varda nähert sich über den magischen Realismus dem Wesen des Menschen. Wieviel ist naturgegeben, wieviel ist Prägung? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Dynamiken, die zuerst von außen wirken und dann hereinziehen? Für ihre Versuchsanordnung setzt Varda zumindest einen Menschen auf Null, lässt ihn seine Prägung vergessen und wirft ihn dann in eine vermeintlich gefestigte Struktur. Und sie kommt zum dem Schluss: Der Mensch kann sich für das Gute entscheiden und dafür kämpfen. Varda bedient sich dabei eines unkonventionellen Werkzeuges, das mich an Ingmar Bergmans THE SEVENTH SEAL (1957) erinnert hat, für das gleiche existenzielle Gewicht jedoch für meinen Geschmack etwas zu gimmicky ist.

★★★½☆

🇫🇷/🇸🇪, R: Agnès Varda, D: Catherine Deneuve, Michel Piccoli, Eva Dahlbeck, Marie-France Mignal, Britta Pettersson, Ursula Vian-Kübler, Jeanne Allard, Joëlle Gozzi, Bernard Lajarrige, Lucien Bodard, Pierre Danny, Louis Falavigna, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Ciné-Tamaris

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A ★★★½ review of The Creatures (1966)
Agnès Varda nähert sich über den magischen Realismus dem Wesen des Menschen. Wieviel ist naturgegeben, wieviel ist Prägung? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Dynamiken, die zuerst von außen wirken und dann hereinziehen? Für ihre Versuchsanordnung setzt Varda zumindest einen Menschen auf Null, lässt ihn seine Prägung vergessen und wirft ihn dann in eine vermeintlich gefestigte Struktur. Und sie kommt zum dem Schluss: Der Mensch kann sich für das Gute entscheiden und dafür kämpfen. Varda bedient sich dabei eines unkonventionellen Werkzeuges, das mich an Ingmar Bergmans DET SJUNDE INSEGLET (1957) erinnert hat, für das gleiche existenzielle Gewicht jedoch für meinen Geschmack etwas