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Filmkritik

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Gesehen: Letzter Abend (2023) - Napalmgetränkter Ameisenhaufen

...und Lukas Nathrath hat die Lupe schon in der Hand.

Gesehen: Letzter Abend (2023) - Napalmgetränkter Ameisenhaufen
Foto: Filmwelt Verleih

Wie dieser Film sich selbstbewusst über die Grenzen des Bildausschnittes hinwegsetzt, in den umliegenden Raum übergreift und den konsequent unter Strom setzt… Chapeau! LETZTER ABEND gehört damit, obwohl ich gar nicht so viele Vergleichswerte habe, zu den guten Corona-Filmen. Er verortet sich explizit in einem dieser Pandemie-Sommer, spielt offensiv mit den Eigenheiten dieser kurzen Momente der Unbeschwertheit zwischen den kälteren Jahreszeiten mit explodierenden Inzidenzen und lässt dann die Hölle losbrechen.

Die Anordnung des Films gleicht einem in Napalm getränkten Ameisenhaufen, der mit Hilfe einer Lupe unter gleißendem Sonnenlicht in Brand gesetzt wird. In diesem Flammeninferno kommen aufgestaute und verdrängte Gefühle sowie schmerzhafte Wahrheiten zum Vorschein. Eine Flucht ist ausschließlich nach unangenehmen, quälenden und existenziellen Entscheidungen möglich.

Der Film erzeugt immens viel Reibung und das ist prinzipiell eine sehr gute Sache. Nur sehe ich mich eher in dem Lager, das die Mittel zum Erreichen dieses Zwecks nicht immer gut ausgewählt findet. Denn eingangs fußt die Gemengelage vor allem auf sehr schablonenartiger Figurenzeichnung, derer sich der Film später zwar zunehmend entledigt, aber Geschehenes damit eben nicht vergessen machen kann.

★★★½☆

🇩🇪, R: Lukas Nathrath, D: Sebastian Jakob Doppelbauer, Pauline Werner, Susanne Dorothea Schneider, Nikolai Gemel, Isabelle von Stauffenberg, Valentin Richter, Julius Forster, Nils Rovira-Muñoz, Amelle Schwerk, Pascal Houdus, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Filmwelt Verleih

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A ★★★½ review of One Last Evening (2023)
Wie dieser Film sich selbstbewusst über die Grenzen des Bildausschnittes hinwegsetzt, in den umliegenden Raum übergreift und den konsequent unter Strom setzt… Chapeau! LETZTER ABEND gehört damit, obwohl ich gar nicht so viele Vergleichswerte habe, zu den guten Corona-Filmen. Er verortet sich explizit in einem dieser Pandemie-Sommer, spielt offensiv mit den Eigenheiten dieser kurzen Momente der Unbeschwertheit zwischen den kälteren Jahreszeiten mit explodierenden Inzidenzen und lässt dann die Hölle losbrechen. Die Anordnung des Films gleicht einem in Napalm getränkten Ameisenhaufen, der mit Hilfe einer Lupe unter gleißendem Sonnenlicht in Brand gesetzt wird. In diesem Flammeninferno kommen aufgestaute und verdrängte Gefühle

Gesehen: Documenteur (1981) - Poetischer Feminismus

Mehr als 40 Jahre nach Erscheinen immer noch bereichernd

Gesehen: Documenteur (1981) - Poetischer Feminismus
Foto: Ciné-Tamaris

Hat sich für mich mehr nach narrativem Essay statt nach Spielfilm angefühlt. Das wertet DOCUMENTEUR natürlich nicht automatisch ab. Denn Agnès Vardas Ergründung der Begriffe von Heimat, Zugehörigkeit, Geborgenheit und Zuhause aus weiblicher und feministischer Perspektive findet nicht nur poetische Bilder, sondern lässt sich auch mehr als 40 Jahre nach Erscheinen sehr erkenntnisbringend schauen: Wie bedingen sich diese Begriffe gegenseitig? Wo und wie verlaufen die Grenzlinien? Welche Rolle spielen Sprache, ökonomischer Status, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, romantisches und sexuelles Begehren sowie Kinder- und Familienwunsch?

Dass Varda diesen Prozess in den Umzug ihrer Protagonisten von Frankreich an die US-Westküste nach Los Angeles einbettet, kann nur als sehr persönlich gelesen werden, ist diese Stadt für Filmschaffende im Grunde genommen ein mystischer Verheißungsort – der hier mit klarem Blick demystifiziert und dekonstruiert wird.

🇫🇷, R: Agnès Varda, D: Sabine Mamou, Mathieu Demy, Lisa Blok-Linson, Tina Odom, Gary Feldman, Charles Southwood, Chris Leplus, Andrew Meyer, Barry Farrell, Tom Taplin, Delphine Seyrig, Suzanne Finn, Gerard Jullian, Fred Ricker, Kelly Ricker, Agnès Varda, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Ciné-Tamaris

Menschengesichter - Stream: Jetzt Film online anschauen
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A review of Documenteur (1981)
Hat sich für mich mehr nach narrativem Essay statt nach Spielfilm angefühlt. Das wertet DOCUMENTEUR natürlich nicht automatisch ab. Denn Agnès Vardas Ergründung der Begriffe von Heimat, Zugehörigkeit, Geborgenheit und Zuhause aus weiblicher und feministischer Perspektive findet nicht nur poetische Bilder, sondern lässt sich auch mehr als 40 Jahre nach Erscheinen sehr erkenntnisbringend schauen: Wie bedingen sich diese Begriffe gegenseitig? Wo und wie verlaufen die Grenzlinien? Welche Rolle spielen Sprache, ökonomischer Status, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, romantisches und sexuelles Begehren sowie Kinder- und Familienwunsch? Dass Varda diesen Prozess in den Umzug ihrer Protagonisten von Frankreich an die US-Westküste nach Los Angeles

Gesehen: A Swedish Lovestory (1970) - Schwedische Einsamkeit

Roy Anderson trifft humoristische Noten inmitten eines ernsten Arrangements.

Gesehen: A Swedish Lovestory (1970) - Schwedische Einsamkeit
Foto: Europa Film

Spannend, ich erinnere nicht, jemals einen Film gesehen zu haben, der sich im Kern mit dem schwedischen Problem der Einsamkeit und den daraus resultierenden Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit auseinandersetzt. Roy Andersson spielt dafür viele humoristische Noten, trifft aber gleichermaßen auch die ernsteren Töne und verpackt einen in die Magengrube schlagenden Alb- im Sommernachtstraum, dem die optimistische Grundstimmung jedoch nie gänzlich verloren geht. Denn dass sich junge Menschen immer noch für die Liebe entscheiden, obwohl ihnen nur deren Scheitern vorgelebt wird, ist doch ein Bild voller Hoffnung. Denn wenn man nicht nur beieinander, sondern auch miteinander ist, ist die Welt und das Leben ein bisschen besser.

Die Grenze zur Naivität überschreitet der Film dabei nie, das stellt Andersson sicher – etwa, indem er seinen Film in einer (wahrscheinlich psychiatrischen) Klinik eröffnet. Dort meint ein Patient zum anderen, dass bald alles anders werde, weil ja nun die Sozialdemokraten kämen. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Der Film erschien in einer Zeit, in der die Regierung erst kurz vorher von einem Sozialdemokraten an den nächsten weitergereicht wurde. Alles ändert sich und bleibt doch gleich. Es bleibt aussichtslos und erzeugt gleichermaßen ein wohliges Gefühl von sicherer Beständigkeit. Nur dieser eine Halbsatz des Patienten macht diese schwedische Liebesgeschichte auch zu einer gesellschaftspolitischen Kritik.

★★★½☆

🇸🇪, R: Roy Andersson, D: Rolf Sohlman, Ann-Sofie Kylin, Bertil Norström, Lennart Tellfelt, Anita Lindblom, Margreth Weivers, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Europa Film

Eine schwedische Liebesgeschichte - Stream: Online
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A ★★★½ review of A Swedish Love Story (1970)
Spannend, ich erinnere nicht, jemals einen Film gesehen zu haben, der sich im Kern mit dem schwedischen Problem der Einsamkeit und den daraus resultierenden Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit auseinandersetzt. Roy Andersson spielt dafür viele humoristische Noten, trifft aber gleichermaßen auch die ernsteren Töne und verpackt einen in die Magengrube schlagenden Alb- im Sommernachtstraum, dem die optimistische Grundstimmung jedoch nie gänzlich verloren geht. Denn dass sich junge Menschen immer noch für die Liebe entscheiden, obwohl ihnen nur deren Scheitern vorgelebt wird, ist doch ein Bild voller Hoffnung. Denn wenn man nicht nur beieinander, sondern auch miteinander ist, ist

Gesehen: Rebel Moon - Part One: A Child of Fire (2023) - Stimmlose Space-Opera

In diesem Film steckt vermutlich kein einziger originärer Gedanke.

Gesehen: Rebel Moon - Part One: A Child of Fire (2023) - Stimmlose Space-Opera
Foto: Netflix

Das Boot, Inglourious Basterds, Dune, The Matrix, Star Wars, Der Herr der Ringe, Star Trek, Warhammer 40.000, John Carter – diese Liste mit Universen, die sich Zack Snyder hier sowohl inhaltlich als auch ästhetisch zum Vorbild nahm, ließe sich sicherlich noch ewig so weiterführen.

Er will sich damit offenbar zu einer Art Tarantino für Space Operas aufschwingen, verkennt dabei aber, dass der nicht bloß kopiert, sondern aus der Melange aus Zitaten, Anleihen, Referenzen und Anspielungen heraus doch noch eine eigene Stimme entwickelt.

Snyder hingegen klöppelt aus lieblos aneinandergereihten plagiatsähnlichen Figuren, Szenen und Themen eine ausdrucksloses Konstrukt zusammen, dem einfach keine Seele innewohnt. In A CHILD OF FIRE steckt vermutlich kein einziger originärer Gedanke.

Trotzdem ändert das nichts daran, dass ich mich von dieser visuellen Opulenz und Snyders Größenwahn immer wieder ganz okay unterhalten lassen kann. Der Extended Cut muss es dann aber nicht auch noch sein. So dünn lässt sich kein Teig ausrollen.

★★☆☆☆

🇺🇸, R: Zack Snyder, D: Sofia Boutella, Charlie Hunnam, Djimon Hounsou, Jena Malone, Ray Fisher, Corey Stoll, Ed Skrein, Fra Fee, Cleopatra Coleman, Cary Elwes, Michiel Huisman, Bae Doona, Staz Nair, E. Duffy, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Netflix

Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers - Stream: Online
Wo und wie heute “Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★ review of Rebel Moon – Part One: A Child of Fire (2023)
Das Boot, Inglourious Basterds, Dune, The Matrix, Star Wars, Der Herr der Ringe, Star Trek, Warhammer 40.000, John Carter – diese Liste mit Universen, die sich Zack Snyder hier sowohl inhaltlich als auch ästhetisch zum Vorbild nahm, ließe sich sicherlich noch ewig so weiterführen. Er will sich damit offenbar zu einer Art Tarantino für Space Operas aufschwingen, verkennt dabei aber, dass der nicht bloß kopiert, sondern aus der Melange aus Zitaten, Anleihen, Referenzen und Anspielungen heraus doch noch eine eigene Stimme entwickelt. Snyder hingegen klöppelt aus lieblos aneinandergereihten plagiatsähnlichen Figuren, Szenen und Themen eine ausdrucksloses Konstrukt zusammen, dem einfach keine

Gesehen: How to Have Sex (2023) - Die Boomer sind schuld

Ein unvermeidbares Porträt einer Generation im Schatten der Fehler ihrer Eltern

Gesehen: How to Have Sex (2023) - Die Boomer sind schuld
Foto: capelight pictures

Ein an die Nieren gehendes Porträt einer Generation, die die Fehler ihrer Eltern und Großeltern mit all ihren gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Folgen ausbaden muss.

Auf der einen Seite rast die Menschheit mit Vollgas in die Klimakatastrophe, kriegerische Konflikte werden nicht nur wahrscheinlicher, sondern eskalieren längst und die Demokratie wird (mindestens einmal aus europäischer Sicht) in ihren Grundfesten erschüttert. Auf der anderen Seite stehen gesellschaftliche Vorstellungen, Normen und Werte hinsichtlich Bildungs-, Berufswege- und Familienplanung.

Wie funktioniert ein Leben, dessen Fundament auf irgendwie diesen radikalen Gegensätzen stehen muss, das ob dieser Zukunftsaussichten praktisch zum Nihilismus zwingt und gleichzeitig durch das zum Gefängnis wird, was vorangegangene Generationen mit in die Wiege gelegt haben: eng mit der sexuellen Selbstbestimmung verknüpfte Moral- und Selbstwertvorstellungen sowie hegemoniale Männlichkeit? Warum sich alldem unterordnen, wenn eh alles egal wird, weil die Menschheit bald mit ganz anderen Problemen zu tun haben und das Spiel nach anderen Regeln gespielt werden wird?

Alle das verhandelt HOW TO HAVE SEX implizit und erzählt explizit eine Geschichte, die den Nagel unserer Zeit auf den Kopf trifft, die nicht unbedingt (nur) wegen ihrer Unausweichlichkeit so unter die Haut geht, sondern weil sie sich auf erschreckende Art und Weise so normal, gewöhnlich und kaum bemerkenswert anfühlt.

★★★★☆

🇬🇧/🇬🇷/🇧🇪/🇫🇷, R: Molly Manning Walker, D: Mia McKenna-Bruce, Lara Peake, Shaun Thomas, Samuel Bottomley, Enva Lewis, Laura Ambler, Daisy Jelley, Eilidh Loan, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: capelight pictures

How to Have Sex - Stream: Jetzt Film online anschauen
Wo und wie heute “How to Have Sex” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★★ review of How to Have Sex (2023)
Ein an die Nieren gehendes Porträt einer Generation, die die Fehler ihrer Eltern und Großeltern mit all ihren gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Folgen ausbaden muss. Auf der einen Seite rast die Menschheit mit Vollgas in die Klimakatastrophe, kriegerische Konflikte werden nicht nur wahrscheinlicher, sondern eskalieren längst und die Demokratie wird (mindestens einmal aus europäischer Sicht) in ihren Grundfesten erschüttert. Auf der anderen Seite stehen gesellschaftliche Vorstellungen, Normen und Werte hinsichtlich Bildungs-, Berufswege- und Familienplanung. Wie funktioniert ein Leben, dessen Fundament auf irgendwie diesen radikalen Gegensätzen stehen muss, das ob dieser Zukunftsaussichten praktisch zum Nihilismus zwingt und gleichzeitig durch das zum

Gesehen: Skinamarink (2022) - Konservative Angst

Kindliches Unbehagen und Kernfamilie

Gesehen: Skinamarink (2022) - Konservative Angst
Foto: capelight pictures

Wenn der Film auch nur eine Sache schafft, dann ist es zuverlässig eine ekelig unangenehme Atmosphäre zu erzeugen und Erinnerungen an kindliche Ängste aus den Untiefen des Bewusstseins wieder an die Oberfläche zu befördern. Das Starren in die Dunkelheit, bis sich aus dem schwarzen Nichts heraus Menschen und Dinge formen. Die Monster im Augenwinkel. Das Überinterpretieren harmlosester Geräusche. Diese mit dem Gefühl unendlicher Freiheit gemischte Angst, wenn man zum ersten Mal abends/nachts alleine zu Hause ist, die halbe Nacht Fernsehen schaut und versucht, sich vor sich selbst das eigene Unbehagen kleinzureden.

Dazu beschwört der Film den Horror der zerbrechenden heilen Welt herauf. Wenn man die Eltern streiten hört. Wenn man Vater oder Mutter zum ersten Mal offen Schwäche zeigen sieht, weinen hört. Wenn sich die Eltern trennen. Genau damit zementiert SKINAMARINK aber natürlich auch eine konservative Weltsicht, in der das Zerbrechen der Kernfamilie der größte Horror ist.

★★★½☆

🇨🇦, R: Kyle Edward Ball, D: Lucas Paul, Dali Rose Tetreault, Ross Paul, Jaime Hill, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: capelight pictures

Skinamarink - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Wo und wie heute “Skinamarink” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★½ review of Skinamarink (2022)
Wenn der Film auch nur eine Sache schafft, dann ist es zuverlässig eine ekelig unangenehme Atmosphäre zu erzeugen und Erinnerungen an kindliche Ängste aus den Untiefen des Bewusstseins wieder an die Oberfläche zu befördern. Das Starren in die Dunkelheit, bis sich aus dem schwarzen Nichts heraus Menschen und Dinge formen. Die Monster im Augenwinkel. Das Überinterpretieren harmlosester Geräusche. Diese mit dem Gefühl unendlicher Freiheit gemischte Angst, wenn man zum ersten Mal abends/nachts alleine zu Hause ist, die halbe Nacht Fernsehen schaut und versucht, sich vor sich selbst das eigene Unbehagen kleinzureden. Dazu beschwört der Film den Horror der zerbrechenden heilen