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Filmkritik

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Gesehen: Flora and Son (2023) - Prekärer Hochglanz

John Carney ist eben kein Ken Loach

Gesehen: Flora and Son (2023) - Prekärer Hochglanz
Eve Hewson als Flora // Foto: Apple TV+

Ich mag John Carneys unbändigen Optimismus und sein grenzenloses Vertrauen in die heilende Kraft der Musik und die Kunst als ein die Menschheit zusammenbringendes Element einfach und ich werde das wahrscheinlich niemals nicht mögen. Das gilt auch für FLORA AND SON. Klar, Carney war nie und ist auch heute kein Ken Loach. Und doch erzählen seine Geschichten auch immer aus, über und von prekären Verhältnissen.

Und genau darin besteht für mich das größte Problem von FLORA AND SON. Denn hier prallen prekäre Lebensverhältnisse auf die Hochglanz-Optik eines Apple-Werbespots, in dessen Universum sich auch der/die das neuste iPhone und die dicken MacBooks ins Haus stellen kann, der/die sonst jeden Cent umdrehen muss, um sich und das Kind über die Runden zu bringen. Das passt nicht zusammen. Der Kontrast ist so eklatant, dass man gar nicht um die sonst von mir so verhasste Erbsenzählerei drum herumkommt und die durch den Film behauptete Welt dann ziemlich schnell in sich zusammenfällt.

Es ist für mich nur schwer zu begreifen, wie sich John Carney so hat vor den Karren spannen lassen.

★★½☆☆

🇮🇪/🇺🇸, R: John Carney, D: Eve Hewson, Orén Kinlan, Joseph Gordon-Levitt, Jack Reynor, Marcella Plunkett, Paul Reid, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Apple TV+

Flora and Son - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Flora and Son” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A ★★½ review of Flora and Son (2023)
Ich mag John Carneys unbändigen Optimismus und sein grenzenloses Vertrauen in die heilende Kraft der Musik und die Kunst als ein die Menschheit zusammenbringendes Element einfach und ich werde das wahrscheinlich niemals nicht mögen. Das gilt auch für FLORA AND SON. Klar, Carney war nie und ist auch heute kein Ken Loach. Und doch erzählen seine Geschichten auch immer aus, über und von prekären Verhältnissen. Und genau darin besteht für mich das größte Problem von FLORA AND SON. Denn hier prallen prekäre Lebensverhältnisse auf die Hochglanz-Optik eines Apple-Werbespots, in dessen Universum sich auch der/die das neuste iPhone und die dicken

Gesehen: Fingernails (2023) - Vorstoß verzweifelt gesucht

Hier fehlt einfach der Mut.

Gesehen: Fingernails (2023) - Vorstoß verzweifelt gesucht
Jessie Buckley als Anna und Riz Ahmed als Amir // Foto: Apple TV+

Ich weiß gar nicht so recht, was ich hierzu großartig schreiben soll. FINGERNAILS provoziert nichtmal ein Achselzucken, so banal und letztlich egal ist dieser Film. Das Drehbuch hält sich mit derartigen Selbstverständlichkeiten auf, als hätte es Jahrtausende Philosophie, Jahrhunderte Soziologie und Jahrzehnte voller filmischem Herzschmerz nie gegeben. Diesem Stoff fehlt ein mutiger Vorstoß, die große Idee – oder überhaupt eine Idee. Es ist somit ziemlich schade, dass Jessie Buckley, Riz Ahmed und Jeremy Allen White nicht der Hauch einer Chance gegeben wird, den Film noch auf ein okayes Niveau zu hieven.

★★☆☆☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Christos Nikou, D: Jessie Buckley, Riz Ahmed, Jeremy Allen White, Luke Wilson, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Apple TV+

Fingernails - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Fingernails” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★ review of Fingernails (2023)
Ich weiß gar nicht so recht, was ich hierzu großartig schreiben soll. FINGERNAILS provoziert nichtmal ein Achselzucken, so banal und letztlich egal ist dieser Film. Das Drehbuch hält sich mit derartigen Selbstverständlichkeiten auf, als hätte es Jahrtausende Philosophie, Jahrhunderte Soziologie und Jahrzehnte voller filmischem Herzschmerz nie gegeben. Diesem Stoff fehlt ein mutiger Vorstoß, die große Idee – oder überhaupt eine Idee. Es ist somit ziemlich schade, dass Jessie Buckley, Riz Ahmed und Jeremy Allen White nicht der Hauch einer Chance gegeben wird, den Film noch auf ein okayes Niveau zu hieven.

Gesehen: Foe (2023) - It's not the technology, stupid!

Eine einzige Texttafel gräbt Unmengen von Wasser ab

Gesehen: Foe (2023) - It's not the technology, stupid!
Saoirse Ronan as Hen und Paul Mescal als Junior // Foto: Amazon Studios

Letztlich ist das gar kein Film über künstliche Intelligenz und artifizielles Leben und die Grenzen des Menschseins, sondern einer über körperlich und emotionale Selbstbestimmung, über den Einfluss von Politik und Wirtschaft auf Intimsphäre und über hegemoniale Männlichkeit. Der natürlich trotzdem stattfindende Technologiediskurs bewegt sich auf ähnlich uninspiriertem, aber visuell ansprechendem Niveau wie der im selben Monat erstmals gezeigte THE CREATOR von Gareth Edwards. Dazu ist es mir ein Rätsel, warum sich der Film noch vor der ersten Szene mit einer einzigen kleinen Texttafel so dermaßen das Wasser abgraben muss…

★★★☆☆

🇦🇺/🇺🇸, R: Garth Davis, D: Saoirse Ronan, Paul Mescal, Aaron Pierre, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Amazon Studios

Enemy - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★★ review of Foe (2023)
Letztlich ist das gar kein Film über künstliche Intelligenz und artifizielles Leben und die Grenzen des Menschseins, sondern einer über körperlich und emotionale Selbstbestimmung, über den Einfluss von Politik und Wirtschaft auf Intimsphäre und über hegemoniale Männlichkeit. Der natürlich trotzdem stattfindende Technologiediskurs bewegt sich auf ähnlich uninspiriertem, aber visuell ansprechendem Niveau wie der im selben Monat erstmals gezeigte THE CREATOR von Gareth Edwards. Dazu ist es mir ein Rätsel, warum sich der Film noch vor der ersten Szene mit einer einzigen kleinen Texttafel so dermaßen das Wasser abgraben muss…

Gesehen: Judgment at Nuremberg (1961) - Schuldig ist schuldig

Stellt sich keiner leichten Aufgabe, trifft diskutable Entscheidungen und gewinnt dadurch viel

Gesehen: Judgment at Nuremberg (1961) - Schuldig ist schuldig
Foto: MGM Studios

„I AM AWARE“, brüllt der fiktive Justizminister des Dritten Reiches, Ernst Janning, vor Gericht ob der Verbrechen der Nazis. In seiner Stimme schwingen zugleich mit: Schuld, Stolz, Gleichgültigkeit und Reue. Dieser Moment ist die Essenz dessen, was der Film in seinen 190 Minuten Spielzeit aus meiner Sicht versucht. Wer Nazi war/ist, ist schuldig. Wer kollaborierte, ist schuldig. Wer mitlief, ist schuldig. Wer es wusste und wegsah, ist schuldig. Wer anstiftete, ist schuldig. Wer nur Befehle ausführte, ist schuldig. Wer Reue ob seiner Taten zeigt, ist nichtsdestotrotz schuldig.

Die Entscheidung, einen fiktiven Nazi-Minister auf die Anklagebank zu setzen, wird mich sicherlich noch ein Weilchen weiter beschäftigen. Zuerst hat es mich irritiert, aber je länger der Film andauerte, desto sinnvoller kam sie mir vor. Denn ich glaube, dass es dem Werk etwas Komplexität genommen hätte, wenn wir den Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher und damit etwa Göring oder Heß gesehen hätten. Es hätte so stark geblendet, dass die verschiedenen Dimensionen der Schuld nicht mehr sichtbar gewesen wären. Damit will ich natürlich NICHT die Schuld verschiedener Nazis unterschiedlich gewichten. Ich will sagen, dass die politische Spitze der Nazis und deren Taten nicht die Schuld anderer überschatten und damit verbergen dürfen.

★★★★☆

🇺🇸, R: Stanley Kramer, D: Spencer Tracy, Richard Widmark, Maximilian Schell, Burt Lancaster, Marlene Dietrich, Judy Garland, Montgomery Clift, William Shatner, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: MGM Studios

Urteil von Nürnberg - Stream: Jetzt Film online anschauen
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A ★★★★ review of Judgment at Nuremberg (1961)
„I AM AWARE“, brüllt der fiktive Justizminister des Dritten Reiches, Ernst Janning, vor Gericht ob der Verbrechen der Nazis. In seiner Stimme schwingen zugleich mit: Schuld, Stolz, Gleichgültigkeit und Reue. Dieser Moment ist die Essenz dessen, was der Film in seinen 190 Minuten Spielzeit aus meiner Sicht versucht. Wer Nazi war/ist, ist schuldig. Wer kollaborierte, ist schuldig. Wer mitlief, ist schuldig. Wer es wusste und wegsah, ist schuldig. Wer anstiftete, ist schuldig. Wer nur Befehle ausführte, ist schuldig. Wer Reue ob seiner Taten zeigt, ist nichtsdestotrotz schuldig. Die Entscheidung, einen fiktiven Nazi-Minister auf die Anklagebank zu setzen, wird mich sicherlich

Gesehen: 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß (2005) - „Wer hätte es ihm denn sagen sollen?“

Es gilt, sich wiederholende Geschichte um jeden Preis zu verhindern.

Gesehen: 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß (2005) - „Wer hätte es ihm denn sagen sollen?“
Foto: Journeyman Pictures

„Wer hätte es ihm denn sagen sollen?“, fragt eine von Hanns Ludins Töchtern mit Blick auf dessen angebliches Unwissen über den Holocaust. Es folgt ein Schnitt. Gezeigt wird ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie Adolf Hitler persönlich Hanns Ludin die Hand schüttelt. Dieser Moment kann sich einer gewissen Komik nicht entbehren – und lässt natürlich umgehend das „Lachen“ im Halse stecken bleiben. Es ist diese Kontrastierung, die den Kampf beschreibt, der sich in den Köpfen von Ludins Kindern dauerhaft abspielen muss.

Malte Ludin zeigt, wie diese Hirnakrobatik, diese selektive Wahrnehmung von belegten Tatsachen Folgen bis in die nächste Generation hinein hat und lässt damit nur lose erahnen, in welchem Ausmaß die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland gescheitert ist.

Selbst Malte Ludin, der hier klar an Aufarbeitung interessiert ist, der seine Familiengeschichte offenkundig angenommen hat, kämpft mit diesen kognitiven Dissonanzen – deutlich zu sehen, als er mit einem Mann spricht, dessen Familie in letzter Konsequenz auf Geheiß Hanns Ludins umgebracht wurde. In diesem Gespräch setzt er selbst, als sei es ein Automatismus, dazu an, seinen Vater als nicht in „exekutiver Verantwortung“ für den Massenmord an Juden zu beschreiben.

2 ODER 3 DINGE, DIE ICH VON IHM WEISS ist kein Film, um Geschichte zu lernen. Es ist ein Film, dem man in jeder Sekunde sein Hadern mit sich selbst, aber auch den Kampf um ein „Wie weiter“ anmerkt. Es ist ein Film, der zeigt, dass uns die mindestens einmal moralische Schuld unserer Vorfahr*innen weiterhin und auf ewig ein Ansporn sein sollte, sich wiederholende Geschichte um jeden Preis zu verhindern.

🇩🇪, R: Malte Ludin, Trailer, Letterboxd, Foto: Journeyman Pictures

2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß - Stream: Online
Gibt es 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß auf Netflix, Prime Video, Disney+? Jetzt online Stream legal finden!
A review of 2 or 3 Things I Know About Him (2005)
„Wer hätte es ihm denn sagen sollen?“, fragt eine von Hanns Ludins Töchtern mit Blick auf dessen angebliches Unwissen über den Holocaust. Es folgt ein Schnitt. Gezeigt wird ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie Adolf Hitler persönlich Hanns Ludin die Hand schüttelt. Dieser Moment kann sich einer gewissen Komik nicht entbehren – und lässt natürlich umgehend das „Lachen“ im Halse stecken bleiben. Es ist diese Kontrastierung, die den Kampf beschreibt, der sich in den Köpfen von Ludins Kindern dauerhaft abspielen muss. Malte Ludin zeigt, wie diese Hirnakrobatik, diese selektive Wahrnehmung von belegten Tatsachen Folgen bis in die nächste

Gesehen: Landscape with Invisible Hand (2023) - (Selbst-)Kritik im Sinne Adornos und Horkheimers

Kluge Beobachtungen, mäßige Erzählung

Gesehen: Landscape with Invisible Hand (2023) - (Selbst-)Kritik im Sinne Adornos und Horkheimers
Kylie Rogers als Chloe und Asante Blackk als Adam // Foto: Amazon MGM Studios

Ich finde, Cory Finley gelingen hier ein paar wirklich kluge und treffende Beobachtungen – besonders mit Bezug auf eine (unsere) kapitalistische Welt und libertäre Fieberträume. Die Ausgebeuteten zerfleischen sich eher gegenseitig als zu erkennen, dass es nicht die Klassenkamerad:innen, sondern die Kapitalist:innen sind, die ihnen wortwörtlich die Lebensgrundlagen rauben. Ein genügsames Leben können nicht diejenigen führen, die hart arbeiten, sondern nur diejenigen, die hart arbeiten lassen.

Wer eine Verzahnung von Wirtschaft und öffentlicher Hand – etwa durch die Privatisierung des Bildungssektors – vorantreibt, will nicht wirklich in Fortschritt investieren, sondern den von ihm:ihr Ausgebeuteten Bildung verwehren. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Profite weiterhin ungerecht verteilt werden.

Natürlich muss sich auch die Kunst kritisch damit auseinandersetzen – diese Forderung stellt Finley (auch an sich selbst) mit diesem Film. Wenn Kunstschaffende sich von Kapitalist:innen aushalten lassen, dann machen sie alles, nur keine Kunst schaffen, die an bestehenden Verhältnissen wirklich etwas ändern will. Dann schaffen sie Propaganda, ein kulturindustrielles Produkt im Sinne Adornos und Horkheimers. Kunst hat nur solange einen Wert für den Kapitalisten, solange sie den eigenen finanziellen und politischen Interessen zuträglich ist. Auch wer Filme innerhalb dieser Strukturen schafft, muss sich dieser Form der (Selbst-)Kritik stellen.

Wie gesagt: Viele kluge Gedanken und drängende Fragen stecken in diesem Film. Aus meiner Sicht gelingt es Cory Finley jedoch nie richtig, darum auch eine vereinnahmende Geschichte zu stricken. LANDSCAPE WITH INVISIBLE HAND ist dahingehend nämlich eher dünn, irgendwie vor sich hinplätschernd. Trotzdem habe ich es unterm Strich gemocht.

★★★☆☆

🇺🇸, R: Cory Finley, D: Asante Blackk, Kylie Rogers, Tiffany Haddish, Brooklynn MacKinzie, Josh Hamilton, Michael Gandolfini, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Amazon MGM Studios

Landschaft mit unsichtbarer Hand - Stream: Online anschauen
Wie und wo du “Landschaft mit unsichtbarer Hand” online auf Netflix & anderen Anbietern ansehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A ★★★ review of Landscape with Invisible Hand (2023)
Ich finde, Cory Finley gelingen hier ein paar wirklich kluge und treffende Beobachtungen – besonders mit Bezug auf eine (unsere) kapitalistische Welt und libertäre Fieberträume. Die Ausgebeuteten zerfleischen sich eher gegenseitig als zu erkennen, dass es nicht die Klassenkamerad*innen, sondern die Kapitalist*innen sind, die ihnen wortwörtlich die Lebensgrundlagen rauben. Ein genügsames Leben können nicht diejenigen führen, die hart arbeiten, sondern nur diejenigen, die hart arbeiten lassen. Wer eine Verzahnung von Wirtschaft und öffentlicher Hand – etwa durch die Privatisierung des Bildungssektors – vorantreibt, will nicht wirklich in Fortschritt investieren, sondern den von ihm*ihr Ausgebeuteten Bildung verwehren. Nur so lässt sich