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Filmkritik

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Gesehen: Drii Winter (2022)

Gesehen: Drii Winter (2022)
Michèle Brand // (c) Grandfilm

Die Ehe als gemeinsames Fundament, auf dem zusammen etwas Neues geschaffen werden, ein progressives Moment entstehen kann – das kontrastiert DRII WINTER mit einer nicht nur örtlich, sondern auch in sich zurückgezogenen Gesellschaft, die à la Michael Haneke bereits so stark vergletschert ist, dass sie in eine Regression geraten ist, dabei jegliche Empathie hinter sich gelassen hat und an einer Existenz auf längst unfruchtbarem Boden festhält. Worte sind nur leere Hüllen ohne Bedeutung, die ausgesprochen werden, um voreinander und vor allem vor sich selbst die Fassade des Menschseins aufrecht zu erhalten. Wer keinen Beitrag zu dieser Art zu leben bereit ist zu leisten, wird endgültig entmenschlicht und wie ein krankes Nutztier entsorgt.

Strapaziert der Film diese Metapher mitunter etwas über? Vielleicht. Aber an diesem Punkt hat er sich längst in noch größere Tiefen vorgearbeitet und zeigt eine Frau, die sich nicht länger über den Wert ihres Partners für die regressive Gesellschaft definieren lassen will. „Du kannst nicht einfach so gehen. Hast du das verstanden?“, fragt sie mit bebenden Lippen den gebrochenen Mann, der ihr Leben und das ihrer Tochter zertrümmert hat. Sie lebt in einer Hölle auf Erden und will ihn darin so lange wie nötig brennen sehen.

DRII WINTER ist ein filmischer Wolf im Wolfspelz, der nie mit einfachen Schuldzusprechungen und Moralurteilen abzuspeisen versucht – unbequem, niederschmetternd, irritierend, aufwühlend.

★★★★☆

🇩🇪/🇨🇭, R: Michael Koch, D: Michèle Brand, Simon Wisler, Trailer, Wikipedia

Drei Winter - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Gesehen: Silent Night (2023)

Gesehen: Silent Night (2023)
Joel Kinnaman // (c) Leonine Studios Spielfilm

Hier habe ich einfach keinen Zugang gefunden und fand das alles ganz grauenhaft. Es wirkt auf mich, als ob der John Woo entweder Action-Leuchttürme wie THE RAID oder JOHN WICK nie gesehen hat oder ihnen halbherzig nacheifern möchte. Denn eine tatsächliche Handschrift lässt SILENT NIGHT nur sehr, sehr selten wirklich erkennen.

Stattdessen versteigt sich der Film in Klischees, die gefühlt zuletzt in den 1990ern Menschen von den Hockern gehauen haben: das an ein konservatives Familienbild geknüpfte Rachemotiv, befeuert von diesem „Die Drogen-Gangs machen UNSERE FRAUEN mit Heroin gefügig und müssen deshalb dran glauben“.

Aber SILENT NIGHT scheitert auch an der Idee, den Protagonisten kein einziges Wort sprechen zu lassen. Denn Joel Kinnaman fehlen hier entsprechendes Ausdrucksvermögen und stoisch-charismatische Präsenz, was er mit deutlich überzogenen Grimassen auszugleichen versucht oder zumindest dazu angehalten wurde. Beides ist alles andere als optimal.

★☆☆☆☆

🇺🇸, R: John Woo, D: Joel Kinnaman, Kid Cudi, Trailer, Wikipedia

Silent Night - Stumme Rache - Stream: Online anschauen
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A ★ review of Silent Night (2023)
Hier habe ich einfach keinen Zugang gefunden und fand das alles ganz grauenhaft. Es wirkt auf mich, als ob der John Woo entweder Action-Leuchttürme wie THE RAID oder JOHN WICK nie gesehen hat oder ihnen halbherzig nacheifern möchte. Denn eine tatsächliche Handschrift lässt SILENT NIGHT nur sehr, sehr selten wirklich erkennen. Stattdessen versteigt sich der Film in Klischees, die gefühlt zuletzt in den 1990ern Menschen von den Hockern gehauen haben: das an ein konservatives Familienbild geknüpfte Rachemotiv, befeuert von diesem „Die Drogen-Gangs machen UNSERE FRAUEN mit Heroin gefügig und müssen deshalb dran glauben“. Aber SILENT NIGHT scheitert auch an der

Gesehen: Mandibules (2020)

Gesehen: Mandibules (2020)
David Marsais und Grégoire Ludig // (c) Wild Bunch

Regie und Drehbuch: Quentin Dupieux. Entsprechend erwartbar skurril und lustig ist MANDIBULES geraten. Aber der Film trifft auch andere Nägel auf den Kopf: Ökonomisch am Rande der Gesellschaft stehende Menschen tun alles in ihrer Macht Stehende, um sich bei denen „einzuschmeicheln“, die sie an anderer Stelle schamlos ausbeuten. Und wenn das nicht klappt, kann man ja immer noch selbst noch schwächere Menschen übers Ohr hauen. Bloß nicht wirklich versuchen, an der ökonomischen Ungleichheit zu rütteln ☝️

★★★½☆

🇧🇪/🇫🇷, R: Quentin Dupieux, D: Grégoire Ludig, David Marsais, Adèle Exarchopoulos, India Hair, Bruno Lochet, Coralie Russier, Thomas Blanchard, Trailer, Wikipedia

Mandibules - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Kinotagebuch: Poor Things (2023)

Kinotagebuch: Poor Things (2023)

Ich muss schon sagen, dass ich den alten Yorgos Lanthimos vermisse. Eben den Filmemacher, der viel fragmentarischer gearbeitet und versucht hat, Form anders zu denken. Der mit Sprache und nicht quirky Wes-Anderson-Sets Welten konstruiert und geformt hat. Den mit avantgardistischer Ambition.

Nichtsdestotrotz ist POOR THINGS ein fabelhafter Film. Denn Emma Stone schafft es eigenhändig, die formale Kantenlosigkeit in den Hintergrund treten zu lassen. Sie muss die Entwicklung vom Kind zur Frau im Turbogang durchmachen und schafft es selbst bei diesem rasanten Tempo, ihre Figur mit emotionaler Nuancierung zu versehen, die einfach ansteckend ist. Diese unbändige Neugier, der regelrechte Spieltrieb, die konstante Irritation ob Mensch und Welt um sie herum – dem verleiht sie ohne einen Moment der Schwäche auf dieser langen Strecke brillant Ausdruck.

Letztlich waren es für mich zwei Punkte, die der Film – im Gegensatz zu einem Großteil seines Ansinnens – nie explizit ausspricht, die POOR THINGS in all seiner Brachialiät aber klug durchsetzen: Zum Einen ist da Bella mit dem Körper einer Frau, dem ein Mann das Hirn eines ungeborenen Babys einsetzt. Andere Männer verfallen wahrscheinlich gerade deshalb dieser Bella, weil sie glauben, dieses „unschuldige“ Wesen manipulieren und einfacher ihre moralische Verkommenheit verstecken zu können.

Zum Anderen gelingt es dem Film, die enge Verzahnung, ja das gegenseitige Bedingen von Kapitalismus und patriarchalen Strukturen zu einem Standbein der Geschichte zu machen und daraus resultierende Verhaltensmuster nachzuzeichnen – von den Männern, die Bella wie eine Ware behandeln bis zur Bordellchefin, die unter Vorspiegelung solidarischer Absichten lediglich selbst Profit aus Bella schlagen will.

All das schafft der Film konsequent aus der Perspektive von Bella zu erzählen und ohne die Figur in Trauma ertrinken zu lassen. Denn die Erkenntnis, wie die Welt funktioniert und wie sie mit diesem System brechen kann, zu der gelangt sie durch ihre Wissbegierde und ohne zynisch auferlegtes Leid.

Einfach Spaß macht es dann auch durch die Tatsache, dass POOR THINGS ist wie die beim Familienfest trocken an den unangenehmen Onkel gestellt Frage, was denn jetzt genau das Lustige an seinem rassistischen Witz ist – nur eben mit misogyner Gedankenakrobatik, die der Film konstant auflaufen lässt.

★★★★☆

IE/GB/US, R: Yorgos Lanthimos, D: Emma Stone, Mark Ruffalo, Willem Dafoe, Ramy Youssef, Christopher Abbott, Trailer, Wikipedia
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Kinotagebuch: The Boy and the Heron (2023)

Kinotagebuch: The Boy and the Heron (2023)

Nun wundert es wirklich nicht mehr, dass es Miyazaki nochmal ans Zeichenbrett getrieben hat. THE BOY AND THE HERON ist in jedem Moment anzumerken, dass da noch etwas in ihm gearbeitet, wenn nicht sogar regelrecht gebrodelt hat. Denn dieser Film ist für mich unerwartet düster geraten, lässt stellenweise an Resignation grenzenden Pessimismus – oder Realismus? – gewähren.

Die Natur des Menschen und der Mensch in der Natur – die dortige Suche nach Einklang, nach Harmonie zieht sich durch Miyazakis ganzes Schaffen. Und hier hadert er, scheint über weite Strecken des Films keine Hoffnung mehr zu finden. Der Mensch ist gescheitert, jetzt schickt die Natur mit Fleischermessern bewaffnete Wellensittiche, um uns in Stücke zu hacken.

ABER… ein letztes Aufbäumen, noch einmal aus den Trümmern unserer Zivilisation wie der Phönix aus der Asche emporsteigen, dafür scheint es noch eine letzte kleine Chance zu geben.

Gekonnt stellt Miyazaki den Jungen weder in einer Utopie noch einer Dystopie auf die Probe. Stattdessen entwirft er eine Zwischenwelt – nicht Himmel, nicht Unterwelt –, in der die Grenzen zwischen magischem Realismus und Surrealismus verschwimmen. Dort muss sich der Junge sich selbst und der mitunter herzzerreißend schmerzhaften Wirklichkeit des Lebens stellen. Verlust, Trauma, Trauer und Hoffnung. Und dazu gehört manchmal auch, sich in den Schmerz hinein zu begeben, ihn nicht abzukapseln und in der Schweigespirale untergehen zu lassen.

★★★★½

🇯🇵, R: Hayao Miyazaki, Trailer, Wikipedia

The Boy and the Heron - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Society of the Snow (2023) - Verdienter Pathos

Selbst in dieser Katastrophe ist das Leid nicht im Fokus.

Gesehen: Society of the Snow (2023) - Verdienter Pathos
Foto: Netflix

Bayona ist wirklich ein sehr solider Filmemacher, wenn er mit den richtigen Stoffen arbeiten kann. Hier gelingt es ihm durch den sehr zurückhaltenden Einsatz von Sound und Score an den richtigen Punkten die überwältigende Stille der Berge zu imitieren. Das funktioniert natürlich nur in Kombination mit den noch einmal überwältigenderen Naturaufnahmen, die wunderschön sind und die Höhen der Anden gleichzeitig wie die Oberfläche eines fremden Planeten wirken lassen. Das verstärkt nur das Gefühl der zunehmenden Weltentrücktheit, der Entfernung von dem, was wir™ als zivilisiertes Verhalten kennen und als unverrückbarer Pfeiler unseres Zusammenlebens annehmen würden. Und doch werden wir Zeug*innen zutiefst menschlichen Handelns – voller Liebe, Hoffnung und der unbändigen Kraft, mit der am Leben festgehalten werden kann. Seine pathetischen Stellen hat sich der Film damit verdient.

★★★½☆

🇪🇸/🇺🇸, R: J.A. Bayona, D: Enzo Vogrincic, Matías Recalt, Agustín Pardella, Esteban Kukuriczka, Francisco Romero, Rafael Federman, Tomas Wolf, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Netflix

Die Schneegesellschaft - Stream: Jetzt Film online anschauen
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A ★★★½ review of Society of the Snow (2023)
Bayona ist wirklich ein sehr solider Filmemacher, wenn er mit den richtigen Stoffen arbeiten kann. Hier gelingt es ihm durch den sehr zurückhaltenden Einsatz von Sound und Score an den richtigen Punkten die überwältigende Stille der Berge zu imitieren. Das funktioniert natürlich nur in Kombination mit den noch einmal überwältigenderen Naturaufnahmen, die wunderschön sind und die Höhen der Anden gleichzeitig wie die Oberfläche eines fremden Planeten wirken lassen. Das verstärkt nur das Gefühl der zunehmenden Weltentrücktheit, der Entfernung von dem, was wir™ als zivilisiertes Verhalten kennen und als unverrückbare Pfeiler unseres Zusammenlebens annehmen würden. Und doch werden wir Zeug*innen zutiefst