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Filmkritik

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Gesehen: Das Millionenspiel (1970)

Gesehen: Das Millionenspiel (1970)
(c) WDR

Eine schmissige Geschichte sowohl über: Sensationslust, Gier und Hybris des Menschen. Wie Medienkonzerne nicht nur im aufmerksamkeitsökonomischen, sondern auch im monetären Sinne skrupellos Kapital daraus schlagen. Den aus sozialer Ungleichheit heraus entstehenden ökonomischen Druck, der Menschen dazu bewegt, sich für die Chance auf eine Million Mark in Lebensgefahr zu begeben. (Unterstrichen von der Tatsache, dass sich nach Ausstrahlung des Films tatsächlich Menschen beim Ersten meldeten, weil sie die Show für echt hielten und selbst teilnehmen wollten.)

Der Film kann sich zwar bis zum Schluss nie richtig entscheiden, ob er Mediensatire oder Medienkunst sein will, trifft aber nichtsdestotrotz unheimlich präzise Voraussagen: Die Nähe zwischen Medien und Gegenstand der Berichterstattung, die 18 Jahre später bei der Geiselnahme von Gladbeck für eines der dunkelsten Nachkriegskapitel Mediendeutschlands sorgte. Reality-„Stars“, die von Format zu Format durchgereicht werden. Die vermeintliche Unterhaltungslosigkeit von Hochkultur, was unterm Strich nur Nährboden für antiintelektuellen Trash ist.

Einen leicht bitteren Nachgeschmack hinterlässt die Tatsache, dass diese selbstausgewiesene Mediensatire erheblich an Selbstkritik spart und letztlich von einem sehr hohen Ross herunter mit dem Finger auf den Privatrundfunk zeigt.

★★★½☆

DE, R: Tom Toelle, D: Jörg Pleva, Dieter Thomas Heck, Friedrich Schütter, Dieter Hallervorden, Theo Fink, Josef Fröhlich, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Dogman (2023)

Gesehen: Dogman (2023)
(c) capelight pictures

FR, R: Luc Besson, D: Caleb Landry Jones, Jojo T. Gibbs, Christopher Denham, Grace Palma, Clemens Schick, Trailer, Wikipedia

Herrje, wie transparent, durchsichtig und darunter eben simpel gestrickt dieser Film doch ist.. Ein ziemliches Gschmäckle hinterlässt das alles vor allem dann, wenn man den Film im Kontext der gegen Luc Besson erhobenen Vorwürfe betrachtet.

Wir sehen die Geschichte eines entmenschlichten Jungen, der später im Rollstuhl kein „vollwertiger“ Mann ist, keine Liebe und keinen Job findet. Das Blatt wendet sich für ihn, als er zur Drag Queen wird. Unweigerlich drängt sich die Mär des armen Mannes, den niemand versteht und der einfach nur nach Liebe sucht, auf. Die Mär von der großen Ungerechtigkeit, die ihm die komplette Zukunft verbaut, ein unbehelligtes Leben verwehrt.

Das lastet tonnenschwer auf dem gesamten Film und erstickt so jeden halbwegs interessanten Ansatz gnadenlos im Keim. Ich mochte die Performance von Caleb Landry Jones, aber letztlich bekommt er nicht genug an die Hand, mit dem er arbeiten kann.

★★☆☆☆

Gesehen: The Souvenir: Part II (2021)

Gesehen: The Souvenir: Part II (2021)
(c) Picture House Entertainment

THE SOUVENIR: PART II ist eine astreine Geistergeschichte. Denn wie sehr dieser verstorbene Partner, dessen Ansehen und das daraus entstehende Machtgefälle innerhalb der Beziehung noch bis ins Diesseits hineinreicht und ihr das auch immer wieder von Dritten klargemacht wird, das hat schon gespenstische Züge. Er hinterlässt ein Vermächtnis, dem sie in den Augen anderer nie gerecht werden kann, es gleichzeitig aber unbedingt muss. Wo bleibt dort Raum für die eigene Trauer, für die Bewältigung dieser komplexen Beziehung, für die es nun keine Auflösung mehr geben kann.

Außerdem hat mich sehr berührt, wie sehr und mit welchen Feinheiten der Trauer sich Joanna Hogg hier auseinandersetzt. Wenn ein nahestehender und geliebter Mensch stirbt, produziert das oft nicht nur überwältigende Trauer, sondern auch Gefühle, die manchmal im Konflikt oder sogar im klaren Gegensatz zu dem stehen, was man einmal so geliebt hat.

Hogg geht taucht tief ein in eine Zeit voller gemischter Gefühle, in der einem klar wird, dass das eigene Bild der verstorbenen Person nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, was andere gesehen haben. Aus all diesen Perspektiven, all diesen Puzzleteilen setzt sich schließlich das Bild eines Menschen zusammen, das die Frage aufwirft: Habe ich ihn jemals wirklich gekannt?

★★★★☆

IE/GB/US, R: Joanna Hogg, D: Honor Swinton Byrne, Joe Alwyn, Jaygann Ayeh, Richard Ayoade, Harris Dickinson, Charlie Heaton, Ariane Labed, Tilda Swinton, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: The Spider Within: A Spider-Verse Story (2023)

Gesehen: The Spider Within: A Spider-Verse Story (2023)
(c) Sony Pictures Entertainment

Keine sieben Minuten braucht dieses charmante Kurzfilmprojekt, um mit den visuellen Eigenheiten des animierten Spiderverse’, den stilistischen Mitteln eines Comics und den Kräften von Miles Morales dem auf Teenager*innen lastenden psychischen Druck und im weiteren Sinne auch dem Wesen von Angststörungen clever Ausdruck zu verleihen.

Den scheinbar ohne Grund anschlagenden Spinnensinn, die Comic-Panels von Miles Morals in Action als Spider-Man als Sinnbild für die permanente Öffentlichkeit durch Social Media, in der jede*r permanent sendet, folglich permanent unter Beobachtung steht bzw. stehen kann und damit auch zwangsläufig ständig öffentlich Beurteilt wird. Das ist – im Rahmen der Möglichkeiten eines knapp siebenminütigen Unterhaltungsproduktes – einfach smart gemacht.

CA/US, R: Jarelle Dampier, D: Shameik Moore, Brian Tyree Henry, Wikipedia

Gesehen: Scoop (2024)

Gesehen: Scoop (2024)
(c) Netflix

Bei der Vorstellung, dass diese Produktion gefühlte 24 Stunden lang den BBC-Innenhof in Beschlag genommen hat, um Billie Piper bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen von übertriebenen Kameraschwenks begleitet hin und her laufen zu lassen, musste ich schon lachen. Von einer gänzlich freiwilligen Komödie ist das alles jedoch weit entfernt.

SCOOP trabt auf hohem Ross durch eine unterm Strich doch arg belanglose Geschichte. „Dieses von wahren Ereignissen inspirierte fiktionale Drama illustriert, wie sich die Frauen von Newsnight das skandalöse Interview mit Prinz Andrew sichern konnten“, schreibt Netflix. Nur ist daran wenig Außergewöhnliches zu finden. Newsnight und allen voran die Producerin Sam McAlister haben ihren Kontakt zu Prince Andrews PR-Chefin gepflegt, bei entsprechender Newslage ein Interview angefragt und… es schließlich bekommen. Das ist journalistische Basisarbeit, die in genau dieser Form in jeder noch so kleinen Lokalredaktion betrieben wird. Sollte mehr an dieser Geschichte dran gewesen sein, sollte sie sich vielschichtiger zugetragen haben, dann scheitert SCOOP daran, genau das zu porträtieren.

Und doch hat der Film ein kluges Auge auf journalistische Prozesse und redaktionelle Realitäten. Die erzählt der Film auch, ohne in eine der hinter jeder zweiten Ecke stehenden Pathosfallen zu tappen. Die Redaktion wird hier als Ökosystem porträtiert, das ohne alle Bestandteile erst aus dem Gleichgewicht gerät und schließlich kippt, sollte keine Korrektur erfolgen. Konkret: Redaktionen sind nicht nur Gesichter vor der Kamera, Journalistinnen hinter den Schreibtischen, sondern eben auch smarte Bookerinnen, die wegen ihrer Arbeit als Gleichberechtigte gesehen werden sollten, weil sie gleichberechtigt sind. Journalismus ist Teamsport.

★★½☆☆

GB, R: Philip Martin, D: Billie Piper, Gillian Anderson, Rufus Sewell, Keeley Hawes, Romola Garai, Trailer, Wikipedia
Scoop – Ein royales Interview - Stream: Online anschauen
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Gesehen: Yannick (2023)

Gesehen: Yannick (2023)
(c) Chi-Fou-Mi Productions, Atelier de Production

Im allerbesten Sinne respektlos dekonstruiert Quentin Dupieux Diskurse über Deutungshoheiten, Anspruch, Niveau, Authentizität, Elitismus, was Kunst kann, was Kunst nicht kann, was Kunst muss und was nicht. Er verweigert sich konsequent überintellektualisierenden Ansätzen, indem er permanent falsche Fährten legt, vermeintliche Argumentationslinien zuverlässig unterläuft und absichtlich desorientierende Widersprüche konstruiert. So ist YANNICK ein Film, der sich permanent selbst häutet und schließlich einen (für mich) unerwartet bewegenden, tieftraurigen Kern freilegt, der letztlich sehr viel über Ausbeutung und soziale Ungleichheit erzählt.

★★★★☆

FR, R: Quentin Dupieux, D: Raphaël Quenard, Pio Marmaï, Blanche Gardin, Sébastien Chassagne, Trailer, Wikipedia
Yannick - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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