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Filmkritik

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Gesehen: Le genou de Claire (1970)

Gesehen: Le genou de Claire (1970)
(c) Studiocanal

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in den vergangenen Wochen immer mal wieder mit den Vorwürfen gegen Anissa Baddour und Simon Unge(€) beschäftigt habe. Jedenfalls erzählt LE GENOU DE CLAIRE immens viel über unsere Gegenwart samt Internet als Erweiterung des öffentlichen Raums und das Influencer*innen-Milieu.

Wir bekommen hier die Charakterstudie eines Mannes präsentiert, der – wie man heute im Internet sagen würde – unter dem Main-Character-Syndrom leidet. Diese Figur ist ein krasser Narzisst, der durch seine Überintellektualisierung jedes noch so banalen Halbgedankens vor sich selbst und anderen zu verstecken versucht, was für verkommener Mensch er eigentlich ist. Er rechtfertigt sein grenzüberschreitendes Verhalten mit den absurdesten Gedankengängen und merkt dabei nicht, dass wie eine Geige gespielt wird.

Jede noch so kleine Zuckung dieser Figur hat ihren Ursprung in dem Moment, in dem seine Schriftsteller-Freundin ihm sagt, dass er keine Inspiration für sie und seine Geschichte keine für sie sei. Dass er nicht mietfrei in ihrem Kopf lebt, dass sich ihr Leben nicht um seins dreht, das schließt bei ihm alle Synapsen kurz.

Und das alles in diesem leichtfüßigen Sommergewand ablaufen zu sehen, ist schon sehr faszinierend.

★★★★☆

FR, R: Éric Rohmer, D: Jean-Claude Brialy, Aurora Cornu, Béatrice Romand, Laurence de Monaghan, Michèle Montel, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Romeo + Juliet (1996)

Gesehen: Romeo + Juliet (1996)
(c) Walt Disney, Leonine

Ich mag diese völlig entrückten Welten, die Baz Luhrmann entwerfen kann und das auch hier tut. Dieser visuelle und overactete Fiebertraum funktioniert einfach als Kulisse dieser hormonschwangeren Turboromanze. Nur finde ich, dass sich der Film durch seine strenge Texttreue selbst zu sehr im Weg steht. So verkommt die Verschränkung von shakespeareschem Text mit einer modernen Welt samt dystopischen Einschlägen nur bedingt.

Da gibt es etwa den Cop, der Romeo aus der Stadt verbannt, was aus unserer Perspektive auf diese unserer nicht unähnlichen Welt Hinweise auf eine ausgehebelte Gewaltenteilung und totalitäre Strukturen birgt. Aber weil das der Shakespeare nicht passend hergibt, wird es ignoriert. Also wozu dann überhaupt diese zeitliche Verfrachtung? 🤷‍♂️

★★★☆☆

AU/MX/US, R: Baz Luhrmann, D: Leonardo DiCaprio, Claire Danes, Jesse Bradford, Vondie Curtis-Hall, Brian Dennehy, John Leguizamo, Miriam Margolyes, Harold Perrineau, Christina Pickles, Pete Postlethwaite, Paul Rudd, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: The Holdovers (2023)

Gesehen: The Holdovers (2023)
(c) Universal Pictures International Germany

Mit seinem Nachdenken über die Bedeutung von Zugehörigkeit, Freundschaft und Familie hat mich der Film gekriegt. Dieses Kreisen um familienartige Bindungen, die jenseits von Blut und Gesetz passieren, das hat mich sehr berührt – genauso wie der Film Wissbegierde und Neugierde auf die Welt hochhält.

So der Welt und Menschen zu begegnen, bewahrt einen nämlich in den allermeisten Fällen davor, ein komplettes Arschloch zu werden. Klar, diese Kinder und jungen Männer werden ökonomisch betrachtet wohl niemals eine schwere Zeit erleben. Aber psychisch sieht es schon ganz anders aus. Wer kein Interesse an der Welt hat, hat kein Interesse an Bildung. Wer keine Bildung hat, wird nur schwer auf eigenen Füßen stehen und sich von seinen Eltern abnabeln können. Wie soll man sein eigener Mensch werden, wenn man ständig die Erwartungen anderer erfüllen muss, in deren Gussform passen soll?

Und es geht um die immense Bedeutung von Vorbildern oder gar Mentor*innen, die Orientierung bieten können. „Adversary builds character“, sagt Paul Giamattis Paul Hunham. Aber das ist natürlich falsch. Viel wichtiger für eine charakterliche Entwicklung ist es doch zu lernen, dass in Gemeinschaft gegenseitiger Unterstützung wahre Stärke liegt. Das muss auch Paul Hunham erst lernen. Zuerst setzt er seine Bildung als Waffe ein, lässt seine Schüler zu jeder Gelegenheit schmerzhaft spüren, wie klein ihr Wissen doch ist. Dass er jedoch Jahrzehnte Vorsprung hat und der Vergleich einfach nicht zielführend ist, muss ihm jedoch erst noch dämmern. Schließlich lernt jedoch auch er, dass er letztlich genauso durch die Welt geht, wie er es von den reichen Eltern seiner Schüler glaubt: überheblich im Glauben, etwas Besseres zu sein. Ihm wird klar, dass sein Werkzeug der Unterdrückung zwar ein anderes als Geld in rauen Mengen ist, es jedoch den gleichen Effekt erzielt.

Unterm Strich war das alles also total schön, herzerwärmend und berührend. Und gleichzeitig konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, hier doch einen vergleichsweise ambitionslosen Wohlfühlfilm zu sehen. Dabei greift er nach den großen Themen, nur das übersetzt sich für mich oft nicht. Kleine Filme sind kein Problem, sich klein anfühlende Filme aber irgendwie schon. Und der hier ist für mich so einer.

★★★½☆

US, R: Alexander Payne, D: Paul Giamatti, Dominic Sessa, Da’Vine Joy Randolph, Carrie Preston, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Godzilla × Kong: The New Empire (2024)

Gesehen: Godzilla × Kong: The New Empire (2024)
(c) Warner Bros. Entertainment

Überraschenderweise war der hier, genau wie GODZILLA VS. KONG zuvor, nicht komplett scheiße. Ich mag es, wie der Camp umarmt und damit kokettiert wird, wie die Figuren ähnlich zu SKULL ISLAND ins Karikatureske gezogen werden und wie sich auf hochstilisierte Opulenz eingelassen wird. Auch die Besinnung auf die eine Reihe von Öko-Metaphern ist nicht schlecht – aber die Arbeit mit diesen Metaphern durch den Einsatz der verschiedenen Titanen ist es. Sie ist messy, es fehlt an Schärfe und letztlich wird alles dem sehr einheitsbreiigen Spektakel geopfert.

★★☆☆☆

US, R: Adam Wingard, D: Rebecca Hall, Brian Tyree Henry, Dan Stevens, Kaylee Hottle, Alex Ferns, Fala Chen, Rachel House, Trailer, Wikipedia
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Kinotagebuch: Furiosa: A Mad Max Saga (2024)

Kinotagebuch: Furiosa: A Mad Max Saga (2024)

Das hat einfach Spaß gemacht und es ist George Miller hoch anzurechnen, dass er nicht einfach versucht hat, FURY ROAD irgendwie zu übertreffen, sondern aus FURIOSA etwas ganz Eigenes und sich doch in das Universum perfekt Einfügendes zu machen. Dazu zählt unter anderem der noch einmal viel kontrastreichere, stellenweise fast schon plastikhafte Look, mit dem eine Welt konstruiert wird, die zwar bereits untergegangen ist, jedoch noch nicht in jener Gänze von Hoffnungslosigkeit zerfressen wurde, wie FURY ROAD.

FURIOSA ist auch dezidiert alberner, mit mehr Mut zur karikaturesken Überzeichnung, die noch einmal mehr den Aspekt freilegt, welche armen Würstchen diese Welt zugrunde gerichtet haben und nun trotzdem noch meinen, sie beherrschen zu müssen – mit ihren wertlosen Kriegsorden, den Admiralswesten, achtzylindrigen Schrottkarren und röhrenden Motorrädern. (Als würden wir dem nächsten FPD-Parteitag beiwohnen.) In diesem Film steckt mehr Witz, der der Ernsthaftigkeit dieser Welt jedoch niemals Abbruch tut, aber genau die richtigen Figuren in genau den richtigen Momenten ins Lächerliche zieht.

Dazu kommen viele neue visuelle Ideen, die das Gesamtpaket FURIOSA zu einem wirklich tollen Kinogenuss machen. George Miller einfach Maschine.

★★★★☆

US/AU, R: George Miller, D: Anya Taylor-Joy, Chris Hemsworth, Tom Burke, Alyla Browne, Lachy Hulme, Trailer, Wikipedia
Furiosa: A Mad Max Saga - Stream: Jetzt online anschauen
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Gesehen: The Exorcist (1973)

Gesehen: The Exorcist (1973)
(c) Warner Bros. Home Entertainment

Was mich sehr begeistert hat, sind die zeitlosen, die Implikationen des historischen Kontextes transzendierenden Qualitäten des Films, durch die sich auch Bezüge zu unserer Zeit eröffnen. Denn was jede Faser des Werks durchdringt, ist eine Betrachtung des gesellschaftlichen Umgangs mit psychischen Erkrankungen. Depressionen werden aufs Übelste stigmatisiert, Mediziner sind im übertragenden Sinne kurz davon, einer Jugendlichen das Hirn zu entfernen, bevor sie einmal ernsthaft zuhören und sich wirklich mit ihr auseinandersetzen. Selbst ein Exorzismus wird in den Raum gestellt – nur um sich nicht wirklich auf die junge Frau in einer offensichtlichen psychischen Krise einlassen zu müssen. Gesprochen wird über sie, aber nicht mit ihr.

Auch das Thema neokolonialer Schuld bietet sich meiner Meinung nach als Lesart an. Denn der Film öffnet mit einer Szene im Irak, wo unter Anleitung von US-Amerikanern Ausgrabungen stattfinden und der böse Geist freigesetzt wird. Es ist, als ob die Amerikaner nun dafür bestraft werden, dass sie die kulturellen Schätze anderer Völker plündern. Dass die ersten gesprochenen Worte „Allahu akbar“ sind, wirkt zunächst irritierend und mitunter etwas islamophob. Wahrscheinlich ist das dem mangelnden Feingefühl in dieser Zeit zuzusprechen. Denn ich habe nicht den Eindruck, dass der Film wirklich ein Bild vom bösen Islam zeichnen will. Ganz im Gegenteil, er legt den Finger doch schon sehr deutlich in die Wunden des christlich geprägten Westens.

Rein formal betrachtet ist es außerdem richtig stark, wie dynamisch und zielsicher hier inszeniert wird. Die Form folgt einer glasklaren Vision, Kamera, Ausstattung, Schauspiel und Score greifen meisterhaft ineinander und sind auf ein konkretes Ziel ausgerichtet. Friedkin geht selbstbewusst, furchtlos und kompromisslos an den Stoff heran und das reißt einfach mit.

★★★★☆

US, R: William Friedkin, D: Ellen Burstyn, Linda Blair, Jason Miller, Max von Sydow, Trailer, Wikipedia
Der Exorzist - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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