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Filmkritik

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Posts tagged with Filmkritik

Gesehen: War and Peace (1956) - Sissi, dekonstruiert

Die Kontraste zwischen Bildästhetik und Inhalt, die King Vidor hier aufzieht, machen den Film aus

Gesehen: War and Peace (1956) - Sissi, dekonstruiert
Bild: Paramount Pictures

Ich war sehr angetan davon, wie zu Beginn diese Bildästhetik einer melodramatischen Romanze, die etwa an die tschechischen Märchenverfilmungen wie DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL oder auch Historienschinken wie SISSI erinnert, mit dem über allem thronenden Kriegsthema kontrastiert wird.

In dieser vermeintlich heilen Märchenwelt, in der „guten" Männern zugeschriebene Tugenden wie Mut und Stolz auch immer eng verbunden sind mit militärischer Ehre und mitunter regelrechtem Kriegseifer, in der das Autoritäre schier unlösbar tief in den Menschen verankert ist, ist Pazifismus eine Krankheit, die ausgerottet werden muss.

Der Kontrast zwischen Form und Inhalt wird immer härter, bis auch die Bilder diesem Abstieg

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Gesehen: Year One (1974) - Eine Frage der Ästhetik

Roberto Rossellini betrachtet die Demokratie als System voller Widersprüche

Gesehen: Year One (1974) - Eine Frage der Ästhetik
Bild: Coproduction Office

Nach der Null kommt die Eins. Bei Roberto Rossellini liegen dazwischen gut 26 Jahre. 26 Jahre, die zwischen GERMANY, YEAR ZERO und YEAR ONE liegen. 26 Jahre, um das Grundlegende im Kampf gegen den Faschismus und für die Demokratie auszuformulieren. 26 Jahre, in denen Rossellini keine ästhetischen Kategorien für diese Kämpfe findet – oder zum Schluss kommt, dass diese Kämpfe nicht ästhetisiert werden sollten.

Akribisch dröselt Rossellini auf, dass Demokratie kein Naturzustand ist, auf den die Gesellschaft nach dem Zerbrechen eines anderen Herrschaftssystems zurückfällt. Dass die Demokratie ein extrem fragiles Konstrukt ohne Finalzustand ist, weil sie von einem permanenten Aushandeln von

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Gesehen: Good Boy (2025) - Ellis Rosen grüßt

Hund gut, Metapher schwer, Horror behauptet

Gesehen: Good Boy (2025) - Ellis Rosen grüßt
Bild: DCM Film Distribution

Ich konnte wirklich nicht anders, als fast die ganze Zeit an diesen Cartoon des großartigen Ellis Rosen zu denken. Denn die Idee des Films ist recht clever und natürlich auch eine Liebeserklärung an Hunde und an das, was sie für uns Menschen sein und leisten können. Aber diese Idee wird recht schnell mit aller Gewalt an die Oberfläche gezerrt und dort überaus dünn ausgebreitet.

Immer und immer wieder müssen wir dem Hund dabei zuschauen, wie er besorgt in mal dunkle, mal erleuchtete Raumecken starrt, dabei mal etwas sieht, mal nicht – immer begleitet von den immergleichen Dolly Zooms und Streichbögen, die

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Gesehen: Train Dreams (2025) - Muss das so?

Der Film sucht nach Spuren, die er nicht richtig ausfüllen kann

Gesehen: Train Dreams (2025) - Muss das so?
Bild: Netflix

Das ist schon eine verführerische Aneinanderreihung von eleganten, in sich ruhenden, manchmal ausharrenden und oft kontemplativen Einstellungen, in denen der Mensch in einem positiven Möglichkeitsraum gezeigt wird, in dem er nicht zwingend Gegenspieler sein muss, sondern auch als Symbiont eine lebenswerte Existenz bestreiten kann.

Gravierendes habe ich an diesem Film gar nicht auszusetzen. Und dennoch frage ich mich, ob der nun genau so sein musste... Als würden sich in der von hier aus noch gut überblickbaren Filmgeschichte – von einem Hauch Tarkowski über jede Menge Malick bis zu Einschlägen à la Reichardt – nicht bereits entsprechende Spuren finden, in die dieser Film

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Gesehen: Kneecap (2024) - Kopfnickende Fußwipper

Energiegeladen, aber zuweilen auch schlicht in der Argumentation

Gesehen: Kneecap (2024) - Kopfnickende Fußwipper
Bild: Atlas Film

Ein paar Kopfnicker und Fußwipper sind schon dabei, aber diese musikalisch nach vorn treibende Energie schafft es dann doch nie so ganz, wirklich alles tight beisammenzuhalten.

Was funktioniert, ist die Beschreibung moderner imperialistischer Mechanismen, die unter anderem durch eine Art kulturelle Hegemonie greifen. Es ist nicht unbedingt die Sprache an sich, mit der Geschichte ausgelöscht wird. Es sind die Geschichten, die mit dieser Sprache erzählt werden. Und mit diesen Geschichten verschwinden Gemeinschaften. Mit diesen Gemeinschaften verschwinden Menschen.

KNEECAP verklärt die „Troubles" nicht. (Das tut die Bezeichnung irgendwie selbst schon ein bisschen.) Der Film zeigt vielmehr, mit welchen Waffen derartige Konflikte

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Gesehen: Härte (2015) - Vorabendliche Abgründe

Leider kommen die beiden Ebenen des Films nicht so gut zusammen

Gesehen: Härte (2015) - Vorabendliche Abgründe
Bild: rbb, Rosa von Praunheim Filmproduktion

Die Form der dramatisierten Szenen schwankt zwischen verstörendem Homevideo und krampfhaft auf Harmonie gebürsteter Vorabendserie. Rosa von Praunheim schafft es, die Abgründe hinter dieser uns allen so bekannten Ästhetik sichtbar zu machen, und erzählt mit diesen Mitteln eine der Geschichten, vor denen entweder nur zu gern die Augen verschlossen, oder die mit krudem Humor überspielt wurden.

Schade ist, dass die Verschränkung mit den dokumentarischen Szenen nicht wirklich gelingt. Denn Andreas Marquardt bleibt in denen als Mensch relativ farblos und durch das Framing des Films eine Figur der Vergangenheit, deren gegenwärtiges Schaffen zu einer Randnotiz verkommt.

★★★☆☆

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