Die THE MATRIX-Macherin produziert eine Workplace-Comedy über eine Postproduktionsbude.
Bild: Final Final Final Productions
Lilly Wachowski ist Executive Producerin der Pilotfolge für eine potenzielle Serie über die Arbeit in einer Postproduktionsbude. Die trägt den Titel POST, der Pilot läuft unter Sizzle Reel und lässt sich kostenlos auf Vimeo anschauen. Und genau das habe ich getan.
howdy!
my pals created a pretty funny tv pilot about post production!
here is a "SIZZLE REEL!"
i am also an EP!
Die exklusive Credits knappen acht Minuten haben mich ein bisschen an Mythic Quest auf Apple TV+ erinnert. Diese Art der Workplace-Comedy birgt durchaus Potenzial.
Denn dass Postproduktionsbuden unter enormem zeitlichen und wirtschaftlichem Druck arbeiten, die Arbeiter*innen mitunter unter prekären Bedingungen schuften müssen, teilweise nach Strich und Faden ausgebeutet werden und unter brutalen Hierarchien leiden, gehört nicht nur zu den wichtigsten Facetten der derzeitigern Kulturindustrie, sondern erzählt auch darüber hinaus viel über den Menschen im Mahlstrom des Spätkapitalismus.
Damit das Thema auf Serienlänge funktioniert, sind natürlich aber auch Figuren notwendig, zu denen wir als Publikum auf die eine oder andere Art einen emotionalen Zugang finden. Wie gut das hier funktionieren könnte, lässt sich nach nur knapp acht Minuten Material natürlich nur schwer sagen. Denn in diesem verknappten Zeitraum wirken einfach alle Figuren wie lauwarme Stereotype und nicht wie interessante Archetypen.
Die beiden Schöpfer sind jedenfalls vom Fach:
The idea for POST began at the wrap party for WORK IN PROGRESS, the last TV show Ethan and Will worked on together. Ethan has worked as a composer and music editor on projects ranging from V for Vendetta to the Netflix hit Sense8 as well as countless local jingles and industrials. Will is a filmmaker whose most recent project, Denise Sells Houses, is screening at JUST FOR LAUGHS in the summer of 2025. Partnering with Lilly Wachowski and harnessing the comedic talents of Chicago, Ethan and Will already have a post team ready to go, the only small thing left to do is film the show.
Bei Arte ist aktuell (noch bis zum 01. Dezember 2025) ein kurzer Dokumentarfilm über Jean-Luc Godards Arbeiten an seinem letzten Filmprojekt vor seinem freiwilligen Tod am 13. September 2022 im Programm. Was jedoch aus unerfindlichen Gründen im Beschreibungstext nicht so richtig erwähnt wird: Eben dieser Film ist am Ende des dokumentarischen Parts in voller Länge auch noch zu sehen.
SCÉNARIOS heißt dieser Film. Der sollte eigentlich kein Kurzfilm werden, aber Godard hat das Projekt vor seinem selbstgewählten Tod nicht mehr fertigstellen können, es noch mal umgestellt und seinen Kollaborateur:innen eine Anleitung hinterlassen, wie sie alles zusammensetzen sollen.
Die CDU-geführte Landesregierung setzt die Kettensäge an die Kultur.
Foto: DOK Leipzig, Lukas Diller
Heute und morgen will der Landtag in Sachsen ein letztes Mal den nächsten Doppelhaushalt besprechen. Geht der durch, wird es unter anderem für die Kultur ziemlich finster. Das DOK Leipzig setzt jetzt sogar auf Crowdfunding, um fünf Filme mit Audiodeskriptionen oder erweiterten deutschen Untertiteln ausstatten zu können. 10.000 Euro sollen dafür zusammenkommen.
Schon seit vielen Jahren zeigt das Festival Filme mit barrierefreien Fassungen. Bislang wurde die Umsetzung dieses Angebots vom Freistaat Sachsen gefördert. 2025 entfallen diese Mittel voraussichtlich vollständig[...].
Ein absolutes Armutszeugnis für das (Bundes-)Land. Das DOK Leipzig ist nicht nur eines der wichtigsten Dokumentarfilmfestivals weltweit, sondern auch das älteste überhaupt. Doch das Festival ist mehr als nur ein internationales Aushängeschild, sondern auch ganz konkret ein Ort der Begegnung – nicht nur für Sächs*innen, sondern für Menschen aus der ganzen Welt mit den unterschiedlichsten Lebensrealitäten.
Das baut ganz konkret (Denk-)Barrieren ab, schafft Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl. Aber dass das nicht die Gemeinschaft ist, die einer CDU-geführten Landesregierung vorschwebt, überrascht dann wiederum auch nicht sonderlich 🤷♂️
Wie prekär die Lage des Festivals tatsächlich ist, scheint deutlich dabei durch, wie sich Festivalleiter Christoph Terhechte in der Pressemitteilung zitieren lässt.
Wir möchten dennoch versuchen, dieses Jahr zumindest ein kleines Angebot an barrierefreien Filmen auf die Beine zu stellen. Daher wenden wir uns jetzt an alle, die dem Festival verbunden sind. Wir sind dankbar für jede Form von Unterstützung.
Natürlich habe ich trotzdem die jüngste Lange Nacht über den legendären italienischen Filmemachers gehört. Mich hat gefreut, immer wieder Einsichten und Analysen von Marcus Stiglegger, Christoph Hochhäusler und Petra Seeger kredenzt zu bekommen.
Federico Fellini schuf Kinoträume. Viermal gewann der Italiener den Oscar – und einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Er war einer der einflussreichsten Regisseure des europäischen Kinos.
Zach Schonfeld hat für den Guardian ein Stück geschrieben, das mir mit einem Megafon aus der Seele schreit. Es geht um eine äußerst bedenkliche Entwicklung auf dem Dokumentarfilmmarkt. Dort lodert nämlich seit geraumer Zeit ein Müllkippenbrand. Gelegt haben den die Streaming-Services und nun wenden sie liebend gern Zeit und substanzielle Teile ihres Budgets darauf, weiter Öl ins Feuer zu kippen.
Schonfeld umreißt gut die großen Probleme: Die Streamer wollen the most bang for the buck aka das größtmögliche (zahlende) Publikum bei möglichst wenig teueren Rechtsstreits mit den Subjekten ihrer „Dokumentarfilme". Da diese Taktik offenbar aufgeht, werden richtige Dokumentarfilme gar nicht erst finanziert.
The problem isn’t that such films exist; it’s that they suck up all the oxygen – and money – from documentary distribution.
Was bleibt, ist im besten Fall ein weichgespülter Imagefilm, im schlimmsten Fall reinste Propaganda.
Was mich als Zuschauer abseits dieser Budgetverschiebung hin zu PR-Slob so extrem ärgert: Die Macher:innen dieser Filme und Serien trauen sich entweder nicht mal, die Produktionsverhältnisse für das Publikum offenzulegen oder sie sind vertraglich dazu verpflichtet, das nicht weiter zu erwähnen. Beides ist schlecht.
Manchmal trägt man diesen blanken Hohn dann auch noch offen vor sich her – im Fall von Amazon selbstverständlich aus rein politischem Kalkül.
Meanwhile, Amazon Prime (whose parent company recently donated to Trump’s inauguration, which its CEO Jeff Bezos personally attended) is spending $40m to make a Melania Trump vanity documentary, from which the first lady will reportedly profit. Projects like that are closer to propaganda than journalism, and this one’s being bankrolled and legitimised by one of the largest and most powerful streaming companies in the entertainment industry.
Schonfelds Fazit, dem ich mich anschließe:
Documentaries ought to challenge and hold power to account more than they flatter. Instead, in a landscape where a few streaming companies owned or run by billionaires dominate the documentary market in the US, viewers are paying the price.
Um noch ein bisschen Meinung aus dem eigenen Nähkästchen hervorzukramen:
Bei Mubi gibt es etwa mit HIGH & LOW einen Film über den Modedesigner John Galliano zu sehen. Produziert wurde der von Vogue-Eigentümer Condé Nast. Der Konzern lässt sich dabei die Gelegenheit nicht entgehen, sich die eigenen Hände in Unschuld zu waschen und das eigene eklatante Versagen unter den Teppich zu kehren.
Apple TV+ hat mit MY MIND & ME einen Film im Programm, der nicht nur inhaltlich, sondern auch ästhetisch in erster Linie ein anderthalbstündiger Werbeclip ist.
Ebenfalls bei Apple läuft THE WORLD’S A LITTLE BLURRY, bei dem Billie Eilish sich zweieinhalb Stunden lang auf den Zahn fühlen lässt. Warum das ein ziemlich ordentliches Geschmäckle hat, habe ich damals™ für den Musikexpress aufgeschrieben.
Nichts aufgeschrieben habe ich zum Taylor-Swift-Porträt MISS AMERICANA, der mir allerdings durch seine ermüdend unkritische Nähe in Erinnerung geblieben ist und die Milliardärin(!) ihre Underdog-Mär weiterspinnen lässt. Ich muss immer noch lachen, wenn ich an eine Szene denke, in der Taylor Swift inmitten eines guten Dutzends von Marketingheinis ihres Labels proklamiert, dass sie es ohne Hilfe anderer komplett alleine bis an diesen Punkt geschafft habe – und alle nicken.
Inklusive unrühmlichen Verhaltens des Bayerischen Rundfunks
Szene aus Claude Lanzmanns SHOAH // Foto: absolut MEDIEN
Claude Lanzmanns Monumentalwerk SHOAH (1985) ist heute 40 Jahre alt. Der knapp zehnstündige Dokumentarfilm über den industriellen Massenmord an den europäischen Jüd:innen durch die Nazis ist eine der intensivsten Seherfahrungen, die ich bisher machen durfte. Das mag sicherlich auch damit zusammenhängen und dass ich mich dazu entschied, ihn am Stück zu schauen. Aber ich bin davon überzeugt, dass die reine Länge nicht nur ein stückelbares Nebenprodukt, sondern eben essenzieller Teil dieses Kunstwerks ist.
Im Deutschlandfunk Kultur lief dieser Tage ein kompaktes halbstündiges Feature, in dem noch einmal darauf geschaut wird, wie SHOAH schließlich zustande kam. Bemerkenswert ist für mich, dass Lanzmann die Arbeit seiner Editorin, die mit hunderten von Stunden an Material in den Schnitt ging, offenbar für nicht weiter erwähnenswert gehalten hat. Auch die Rolle der ARD in der Produktion und Ausstrahlung des Films wird kurz umrissen – inklusive unrühmlichen Verhaltens des BR.
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
Recommendations
Shelfd
Keine Zeit für schlechte Streams. Bei Shelfd findet ihr jede Woche handverlesene Empfehlungen und Kolumnen – von echten Menschen, nicht vom Algorithmus.