Skip to Content

Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 78

Gesehen: Crazy (2000) - Ambivalenzen akzeptieren

Gesehen: Crazy (2000) - Ambivalenzen akzeptieren
Robert Stadlober // © Constantin Film

Trifft viele richtige Töne – vor allem die zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, deren Existenz diese Figuren erst für sich erkennen müssen. Erwachsenwerden ist auch das Erkennen und Akzeptieren von Ambivalenzen.

Interessant waren hier für mich die Leerstellen, die Löcher, die niemand stopft. Denn dadurch geht es um (pubertäre) Rollenvorstellungen und Selbstbilder, die diese jungen Menschen nahezu orientierungslos für sich selbst formen müssen – weil es offenkundig keine Vorbilder gibt.

Manchmal fiel es mir nur schwer, einen wirklichen Unterschied zwischen der im Film persiflierten Bravo-Fotolovestory und dem Rest auszumachen

★★★☆☆

🇩🇪, R: Hans-Christian Schmid, D: Robert Stadlober, Tom Schilling, Oona-Devi Liebich,
Gesehen: Crazy (2000) - Ambivalenzen akzeptieren Read more

Gesehen: Baby Invasion (2024) - Number go up

Gesehen: Baby Invasion (2024) - Number go up
© EDGLRD

Ästhetisch betrachtet eine konsequente und logische Weiterentwicklung von AGGRO DR1FT, die sich jedoch weniger für Ideologie, sondern viel mehr für das tiefgreifenden Umwälzungen unterliegende menschliche Miteinander interessiert.

Die Welt von BABY INVASION ist auf die Spitze getrieben, auf welcher Reise sich Twitch, Youtube, Tiktok und Co. längst befinden. Parasoziale Beziehungen lassen wenige von der Aufmerksamkeit vieler immer stärker profitieren, während die Gewöhnung an die asynchrone Natur dieser Verbindungen dazu führt, dass reales Miteinander zersetzt wird.

Wenn wir unsere Art der Kommunikation und unseren Medienkonsum aufhören zu hinterfragen, sind wir endgültig einer Eskalationsspirale ausgeliefert, weil es nur noch um das Binden

Gesehen: Baby Invasion (2024) - Number go up Read more

Gesehen: Der Spatz im Kamin (2024) - Eine astreine Home Invasion

Gesehen: Der Spatz im Kamin (2024) - Eine astreine Home Invasion
Maren Eggert // © Salzgeber

„Alles gut?", fragen sich die Figuren dieses Films ständig gegenseitig, obwohl sie die Antwort schon kennen, aber sich lieber ins Gesicht lügen lassen. Was hier passiert, ist nach allen Regeln der Kunst eine Home Invasion – und innerhalb des Schaffens der Zürcher-Brüder von DAS MERKWÜRDIGE KÄTZCHEN (2013) über DAS MÄDCHEN UND DIE SPINNE (2021) bis hierhin zum SPATZ eine nur folgerichtige Eskalation.

Wo in den beiden vorherigen Filmen die Sehnen immer und immer wieder bis kurz vor den Zerreißpunkt gespannt wurden, wird hier eiskalt mit Pfeilen auf Menschen geschossen. Die gegenseitige Feindseligkeit wird immer offener ausgetragen und darf auch in Gewaltfantasien

Gesehen: Der Spatz im Kamin (2024) - Eine astreine Home Invasion Read more

Gesehen: Emmanuelle (2024) - Existenziellen Nihilismus wagen

Gesehen: Emmanuelle (2024) - Existenziellen Nihilismus wagen
Noémie Merlant als Emmanuelle // © Leonine Studios Spielfilm

Dieser Titel, dieser Name schürt natürlich gewisse Erwartungen – die dieser Film gewissermaßen auch erfüllt. Denn das Streben nach Freiheit steht auch hier im Zentrum.

Was hier längst nicht mehr interessiert, ist sexuelle Freiheit. Mit der ist Emmanuelle bereits ausgestattet.

Woraus es hier auszubrechen gilt, ist der stumpfe Irrsinn des kapitalistischen Wirtschaftens.

Wer eine steile Karriere bei einem multinationalen Großkonzern hinlegt, mag zwar ökonomische Sicherheit, aber niemals individuelle Freiheit genießen. Individuen fallen hier aus der Reihe. Gesucht sind Marionetten, die die Macht anderer durchsetzen.

In diesem System gibt es keinen persönlichen Gestaltungsspielraum. Wer kein perfektes Zahnrad wie zunächst Emmanuelle ist, wird

Gesehen: Emmanuelle (2024) - Existenziellen Nihilismus wagen Read more

Gesehen: Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives (2010) - Durchlässige Existenz

Gesehen: Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives (2010) - Durchlässige Existenz
© The Match Factory

Eine Konfrontation der menschlichen Existenz mit dem Verständnis von Zeit. Apichatpong Weerasethakul deutet eine nichtlineare Zeit an, nach der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft alle parallel und auf einer Ebene existieren.

Weerasethakul stellt den Wert infrage, den wir unserer Existenz beimessen, bzw. hinterfragt er den gesamten Existenzbegriff. Der Mensch ist lediglich eine vorübergehende Hülle für das, was wir vielleicht als Seele oder Geist bezeichnen würden.

Die menschliche Existenz wird durchlässig, Raum und Zeit verkommen zu leeren Worthülsen, alles ist miteinander verbunden – mit allem Schmerz, allem Glück, aller Freude und aller Traurigkeit.

★★★★☆

🇫🇷/🇩🇪/🇪🇸/🇹🇭/🇬🇧/🇺🇸, R: Apichatpong Weerasethakul, D: Thanapat Saisaymar, Jenjira Pongpas, Sakda Kaewbuadee,
Gesehen: Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives (2010) - Durchlässige Existenz Read more

Gesehen: Cemetery of Splendor (2015) - Leben heißt sterben

Gesehen: Cemetery of Splendor (2015) - Leben heißt sterben
© Rapid Eye Movies

Eine sehr meditative Auseinandersetzung mit dem Fluss und dem Verfließen der Zeit. Leben ist der unaufhaltsame Prozess des Sterbens, der reine Umstand zu existieren mitunter eine Qual und immer ein Ankämpfen gegen den Tod, den alternden Körper, ökonomische Sorgen, zerbrechende Freundschaften, Entfremdung von Familienmitgliedern und das zerklüftete Erbe der eigenen Herkunft.

Wie die Soldaten in dieser Geschichte scheinbar in einen ewigen Schlaf zu fallen, scheint für die Wachen ein verführerischer Zustand. Denn wer schläft, kann nicht bei Bewusstsein sterben, sondern existiert in einer Welt irgendwo zwischen Raum und Zeit. Wer wach ist, sehnt sich nach diesem Ort.

Gebündelt wird diese

Gesehen: Cemetery of Splendor (2015) - Leben heißt sterben Read more