Skip to Content

Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 69

Gesehen: The Brood (1979) - Verdrängung und Verderben

Herumopfern können sie ja, diese Männer

Gesehen: The Brood (1979) - Verdrängung und Verderben
Samantha Eggar als Nola Carveth // Foto: Plaion Pictures

Zwei Momente haben für mich diesen Film aufgeschlossen:

  1. Die kleine Tochter ist gerade erst Zeugin von Unsagbarem geworden, doch sie behauptet, nichts erinnern zu können. Ein Polizeipsychologe vermutet Verdrängung und empfiehlt, aktiv an der Verarbeitung des Erlebten zu arbeiten. Der Vater kann nicht verstehen, warum weitere Verdrängung der Erinnerung nicht die beste Lösung für alle Beteiligten ist. Er wirft ohne mit der Wimper zu zucken die psychische Gesundheit seiner Tochter vor den Bus, nur um sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, vielleicht als Vater versagt zu haben.
  2. Der Vater suhlt sich vor der Erzieherin seiner Tochter in Selbstmitleid und lamentiert,
Gesehen: The Brood (1979) - Verdrängung und Verderben Read more

Gesehen: Another Simple Favor (2025) - Kein vierfachter Rittberger

Befremdlich, wofür Paul Feig Applaus einfordert...

Gesehen: Another Simple Favor (2025) - Kein vierfachter Rittberger
Anna Kendrick und Blake Lively // Foto: Amazon MGM Studios

Was mich am heutigen Stil von Paul Feig so arg stört, ist die Lustlosigkeit, die durch jede Pore an die Oberfläche dringt. Seine Formel würde ich so beschreiben: Er hält sich die Messelatte selbst drei Millimeter über den Boden, stolpert dann darüber und will dann Applaus, als sei ihm gerade der vierfache Rittberger gelungen.

Zwar mag es ihm gelingen, immer wieder für ironische Brechung des Geschehens und der Figuren zu sorgen. Doch dafür in die Waagschale wirft er ausgenudelte, uninspirierte, belanglose und daher langweilige Beiträge. Aber wenigstens darf noch mal über die Frau gelacht werden, die zunächst als psychisch krank

Gesehen: Another Simple Favor (2025) - Kein vierfachter Rittberger Read more

Gesehen: Girl Gang (2022) - Gefangen in leeren Hüllen

Die Eltern können froh sein, dass das zuständige Jugendamt diesen Film offenbar nicht zu Gesicht bekommen hat.

Gesehen: Girl Gang (2022) - Gefangen in leeren Hüllen
Foto: Rise and Shine Cinema

Es ist nicht sonderlich überraschend, was Susanne Regina Meures' Dokumentarfilm hier zutage fördert. Aber aufgrund der Nähe zu diesen Menschen ist er dadurch trotzdem nicht weniger faszinierend. Meures gelingt es einzufangen, wie sich der algorithmisch gesteuerte Mahlstrom auswächst und das Leben einer ganzen Familie pulverisiert, wie öffentlich sichtbare Metriken und Zahlen auf den Bankkonten Menschen zunächst aushöhlen, um sich dann selbst in der leeren Hülle wie Parasiten einzunisten.

Diese Parasiten können dann praktisch ungehindert ihre Wirt:innen aushungern, da die Eltern der hier begleiteten Influencerin ganz offenkundig keine Ahnung dieser digitalen Welt haben. Sie sind fast noch schutzloser als ihre

Gesehen: Girl Gang (2022) - Gefangen in leeren Hüllen Read more

Gesehen: Ash (2025) - Halbgar in die Dusche

Geöffnete Lippen sind nicht alles ☝️

Gesehen: Ash (2025) - Halbgar in die Dusche
Eiza González als Riya // Foto: Amazon MGM Studios

Diese überaus fiebrige Ästhetik, das Spiel mit den Farben, die einerseits so klare Abgrenzung schaffen und andererseits ineinander aufgehen können und damit Abbild des menschlichen Körpers sind, das hat mir schon sehr gefallen.

Auch viele kleine frische Momente in der Choreografie der Kämpfe stachen mir ins Auge – etwa ein Kampf in einer Duschkabine, bei dem die Protagonistin ihrer in einem Raumanzug steckenden Gegnerin den Duschkopf in den Helm rammt und das Wasser aufdreht.

Erzählerisch kann Flying Lotus diese Akzente meiner Meinung nach jedoch nicht setzen. Die Abhandlung der menschlichen Hybris wird lediglich auf lauwarmer Flamme geköchelt und bleibt daher bis

Gesehen: Ash (2025) - Halbgar in die Dusche Read more

Kinotagebuch: Kein Tier. So Wild. (2025) - Kubrick im Clanmilieu

Macht, Reichtum, Tod und Verderben – vier Seiten derselben Medaille

Kinotagebuch: Kein Tier. So Wild. (2025) - Kubrick im Clanmilieu
Kenda Hmeidan als Rashida York // Foto: Lukasz Bak, Port au Prince

Mich hat dieser Brecher von Film absolut gepackt mit dieser sprachlichen Kompromisslosigkeit im überlebensgroßen Dialog und der selbstbewussten Selbstverständlichkeit in den Bildern, die zunächst in einem realistischen Szenenbild geerdet vom Mut der Überzeichnung zehren, bis Burhan Qurbani diese Welt auch visuell aufbrechen lässt und dekonstruiert.

Die für mich interessante Ebene des Films, die im produktivsten Sinne für Reibung sorgt, ist die vielschichtige Betrachtung des Patriarchats. Die großartig von Kenda Hmeidan gespielte Rashida York scheint zunächst durch das Verlangen, sich ihrer Unterdrücker zu entledigen, motiviert. Doch Einfluss, Reichtum und Macht korrumpieren sie und sie wird selbst zu einem dieser Menschen, die

Kinotagebuch: Kein Tier. So Wild. (2025) - Kubrick im Clanmilieu Read more

In vier Podcastfolgen: Die Systemfragen zur Macht der Worte

Ein Themenblock genau nach meinem Geschmack.

In vier Podcastfolgen: Die Systemfragen zur Macht der Worte
Foto: Mick Haupt / Unsplash

Die Systemfragen im Deutschlandfunk hatten schon vor zwei Monaten einen Themenblock, der genau meiner Kragenweite entsprach. Jetzt habe ich endlich meine Podcast-Warteschlange so weit abgearbeitet, dass ich selbst in den Hörgenuss kommen konnte.

Vier interessante Folgen sind zusammen mit Friedemann Vogel, Sozio- und Diskurslinguist an der Uni Siegen, zum Thema „Die Macht der Worte" entstanden.

Wörter als Waffen

In der Demokratie wird nicht mit Gewalt, sondern vor allem mit Sprache um Einfluss gerungen. Worte werden zu Waffen. Dies spiegelt sich auch in der politischen Kommunikation, etwa bei „technologieoffen“ oder dem Stigma-Wort „links-grün-versifft“.
Die Macht der Worte (1/4)
In vier Podcastfolgen: Die Systemfragen zur Macht der Worte Read more