Skip to Content

Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 69

Gesehen: Stilles Land (1992) - Nur die Kunst hat Bestand

Von Wesenskernen und Weltumbrüchen

Gesehen: Stilles Land (1992) - Nur die Kunst hat Bestand
Foto: Pandora Film Verleih

Andreas Dresen gelingt es hier, Figuren zu inszenieren, die so vertraut und gleichzeitig so fremd erscheinen. Die allesamt in diesem einzigartigen Moment in der Geschichte fast schon feststecken. Die an diesem Ort gefangen sind und ihn folglich praktisch nicht verlassen können.

Ihre Welt befinde sich im Umbruch und gleichzeitig bleibt alles gleich. Sie verbringen ihre Zeit mit dem Warten darauf, dass endlich der Zeitpunkt kommt, tätig zu werden. Sie konzentrieren sich so sehr auf das Warten, dass der herbeigesehnte Moment fast schon unbemerkt verstreicht.

Es ist der Glaube, wichtiger Teil des großen Getriebes zu sein und sich insgeheim im Klaren darüber zu sein, keine Rolle zu spielen.

Und vielleicht gehört genau das auch zum Wesenskern der Kunst – so unschön oder unbequem der Gedanke auch sein mag. Die Kunst wird Bestand haben – egal, ob die Welt feststeckt oder sich in neue Richtungen bewegt. Die Frage bleibt, welchen Anteil die Kunst daran hat.

Vielleicht lässt Andreas Dresen hier die Figur des Theaterregisseurs auch derart nachdrücklich an seiner Generalprobe festhalten, obwohl wortwörtlich parallel die Mauer fällt. Denn während diese Welt zerbröselt, ist es die Kunst, die Bestand hat.

★★★½☆

🇩🇪, R: Andreas Dresen, D: Thorsten Merten, Jeannette Arndt, Kurt Böwe, Petra Kelling, Horst Westphal, Katrin Martin, Mathias Noack, Asad Schwarz, Hans-Uwe Bauer, Burkhard Heyl, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Pandora Film Verleih

Stilles Land - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Stilles Land” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★★½ review of Silent Country (1992)
Andreas Dresen gelingt es hier, Figuren zu inszenieren, die so vertraut und gleichzeitig so fremd erscheinen. Die allesamt in diesem einzigartigen Moment in der Geschichte fast schon feststecken. Die an diesem Ort gefangen sind und ihn folglich praktisch nicht verlassen können. Ihre Welt befinde sich im Umbruch und gleichzeitig bleibt alles gleich. Sie verbringen ihre Zeit mit dem Warten darauf, dass endlich der Zeitpunkt kommt, tätig zu werden. Sie konzentrieren sich so sehr auf das Warten, dass der herbeigesehnte Moment fast schon unbemerkt verstreicht. Es ist der Glaube, wichtiger Teil des großen Getriebes zu sein und sich insgeheim im Klaren

Gesehen: Crossing (2024) - Transzendenz der Liebe

Liebe kann auch konventionelle Roadmovies transzendieren

Gesehen: Crossing (2024) - Transzendenz der Liebe
Foto: Mubi

Ich war gleichzeitig überrascht und auch irgendwie enttäuscht, als sich der Film dann doch als ein ziemlich konventionelles Roadmovie inklusive der durchgespielten Tropen entpuppt hat.

Die zwei scheinbar sehr gegensätzlichen Figuren, die sich im Verlauf immer mehr aufeinander zu bewegen; die Suche nach etwas oder jemandem, die letztlich auch oder vor allem in einer Suche nach sich selbst gipfelt – das alles ist leider das Erwartbare und das versucht der Film auch nicht, zu umschiffen.

Aber ich finde, Levan Akin hat dennoch sehr viele sehr berührende und sehr wahrhafte Momente zu schaffen – Momente, in denen die Figuren es schaffen, sich von ihrer Festgefahrenheit, ihrer Verbitterung zu lösen, sich fallen zu lassen, sich verletzlich zu zeigen, damit aufeinander zuzugehen.

Ein offener, respektvoller und liebevoller Umgang miteinander ist so einfach, weil er keine Verlierer:innen kennt. Einen Menschen mit seinem selbstgewählten Namen und dem richtigen Pronomen anzusprechen, gehört auch dazu. Liebe ist nicht einer binären Geschlechterordnung verschrieben, sondern transzendiert diesen engen Wahrnehmungskorridor.

Das ist ein total schöner Gedanke und irgendwie auch das, wonach man nie aufhören sollte, zu suchen.

★★★½☆

🇩🇰/🇫🇷/🇬🇪/🇸🇪/🇹🇷, R: Levan Akin, D: Mzia Arabuli, Lucas Kankava, Deniz Dumanlı, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Mubi

Crossing: Auf der Suche nach Tekla - Stream: Online
Wie man “Crossing: Auf der Suche nach Tekla” auf Netflix & anderen Streaming-Diensten ansehen kann – einschließlich kostenloser Optionen.
A ★★★½ review of Crossing (2024)
Ich war gleichzeitig überrascht und auch irgendwie enttäuscht, als sich der Film dann doch als ein ziemlich konventionelles Roadmovie inklusive der durchgespielten Tropen entpuppt hat. Die zwei scheinbar sehr gegensätzlichen Figuren, die sich im Verlauf immer mehr aufeinander zu bewegen; die Suche nach etwas oder jemandem, die letztlich auch oder vor allem in einer Suche nach sich selbst gipfelt – das alles ist leider das Erwartbare und das versucht der Film auch nicht, zu umschiffen. Aber ich finde, Levan Akin hat dennoch sehr viele sehr berührende und sehr wahrhafte Momente zu schaffen – Momente, in denen die Figuren es schaffen,

Gesehen: Bird (2024) - Rastlos auf dem Drahtseil

Was Andrea Arnold immer meisterinnenhaft gelang, entgleitet ihr hier ein bisschen...

Gesehen: Bird (2024) - Rastlos auf dem Drahtseil
Foto: MFA Film

Diese Art von sozialem mit magischem Realismus zu verknüpfen, ist auf jeden Fall ambitioniert. Aber ich finde, Andrea Arnold gelingt hier etwas. Plötzlich hat ihre entbehrungsreiche Welt eine zusätzliche Dimension, in die es sich zusammen mit all den anderen Vögeln entschwinden lässt, wenn die eigentliche Welt unerträglich eng wird. Das ist, finde ich, schon ein sehr herzenswarmer, berührender Gedanke.

Mir hat außerdem gefallen, wie laut, wie treibend und wie hektisch dieser Film mitunter werden kann. Wie die Kamera stellenweise wortwörtlich Schritt halten muss und es kaum schafft, wie sie beim Linedance fast umgerempelt wird. Andrea Arnold hat hier schon eine beeindruckende Rastlosigkeit inszeniert.

Sich in dieser Umgebung zu bewegen, ist immer ein Drahtseilakt – und der gelingt hier Andrea Arnold zum ersten Mal sehr oft nicht ganz. Bei mir hat sich der Eindruck breitgemacht, dass sie ihren Figuren in vielen Momenten nicht mehr die eigentlich angebrachte Empathie entgegenbringen kann. Dass der Blick durch ihre Kamera plötzlich ein verurteilender ist. Dass dem Film so plötzlich etwas Milieutouristisches anhängt, was so zuvor immer so meisterinnenhaft vermieden hat.

★★★½☆

🇫🇷/🇬🇧/🇺🇸, R: Andrea Arnold, D: Nykiya Adams, Barry Keoghan, Franz Rogowski, Jason Buda, Jasmine Jobson, Frankie Box, James Nelson-Joyce, Jason Williamson, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: MFA Film

Bird - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Bird” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★★½ review of Bird (2024)
Diese Art von sozialem mit magischem Realismus zu verknüpfen, ist auf jeden Fall ambitioniert. Aber ich finde, Andrea Arnold gelingt hier etwas. Plötzlich hat ihre entbehrungsreiche Welt eine zusätzliche Dimension, in die es sich zusammen mit all den anderen Vögeln entschwinden lässt, wenn die eigentliche Welt unerträglich eng wird. Das ist, finde ich, schon ein sehr herzenswarmer, berührender Gedanke. Mir hat außerdem gefallen, wie laut, wie treibend und wie hektisch dieser Film mitunter werden kann. Wie die Kamera stellenweise wortwörtlich Schritt halten muss und es kaum schafft, wie sie beim Linedance fast umgerempelt wird. Andrea Arnold hat hier schon eine

Gesehen: Towards Tenderness (2016) - Vorbild gesucht

Wie viel Potenzial des Guten hier einfach im Nichts verpufft, ist deprimierend.

Gesehen: Towards Tenderness (2016) - Vorbild gesucht
Foto: Mit Blick auf die Zärtlichkeit

Ein trauriges und bedrückendes Zeugnis dessen, wie diffus und verengt die Zukunft plötzlich scheint, wenn man die Vorbilder aus der Gleichung nimmt oder sie gar nicht erst existieren. Natürlich spielen auch noch sozioökonomische Faktoren eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von jungen Männern wie diejenigen, mit denen Alice Diop hier spricht. Wie viel Potenzial des Guten hier einfach im Nichts verpufft, ist deprimierend.

Denn dieses Potenzial ist zweifelsohne vorhanden. Diops kurzes Eintauchen in diese Welt zeigt, dass diese jungen Männer sich sehr wohl artikulieren können und dass sie Zugang zu ihren (nicht sonderlich guten) Gefühlen, also sich selbst haben. Aber es wird eben auch klar, dass sie keinen wirklichen Umgang damit haben, weil ihnen der von niemandem so richtig beigebracht oder vorgelebt wurde.

Ich würde das nicht direkt als fruchtbaren Boden für Misogynie, Homo- und Transphobie sowie ein generell toxisch-männliches Rollenverständnis bezeichnen. Aber es begünstigt diese Entwicklung schon, weil es unter diesen Umständen extrem schwer ist, das notwendige Maß an Reflexion und Introspektion an den Tag zu legen. Denn da ist kaum jemand, der ihnen regelmäßig mal den Spiegel vorhält.

🇫🇷, R: Alice Diop, Trailer, Letterboxd, Foto: Agence du court métrage

Der Dokumentarfilm steht noch bis zum 01. Juni 2025 in der Arte-Mediathek:

Mit Blick auf die Zärtlichkeit - Von Alice Diop - Film in voller Länge | ARTE
“Mit Blick auf die Zärtlichkeit” ist eine intime Erkundung des männlichen Territoriums in einer Vorstadtsiedlung. Wir folgen einer Gruppe von jungen Männern und kommen mit einem Universum in Berührung, in dem Frauenkörper nur noch geisterhafte und virtuelle Silhouetten sind.
Towards Tenderness - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Towards Tenderness” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A review of Towards Tenderness (2016)
Ein trauriges und bedrückendes Zeugnis dessen, wie diffus und verengt die Zukunft plötzlich scheint, wenn man die Vorbilder aus der Gleichung nimmt oder sie gar nicht erst existieren. Natürlich spielen auch noch sozioökonomische Faktoren eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von jungen Männern wie diejenigen, mit denen Alice Diop hier spricht. Wie viel Potenzial des Guten hier einfach im Nichts verpufft, ist deprimierend. Denn dieses Potenzial ist zweifelsohne vorhanden. Diops kurzes Eintauchen in diese Welt zeigt, dass diese jungen Männer sich sehr wohl artikulieren können und dass sie Zugang zu ihren (nicht sonderlich guten) Gefühlen, also sich selbst haben. Aber

Gesehen: Venom: The Last Dance (2024) - Absolute Hilflosigkeit

Der Kreativriege ist hier einfach gar nichts mehr eingefallen.

Gesehen: Venom: The Last Dance (2024) - Absolute Hilflosigkeit

Am beeindruckendsten ist, wie hilflos dieser Film ist. Der Kreativriege ist hier einfach gar nichts mehr eingefallen. Nicht einmal mehr Exkremente sind übrig geblieben, die man an die Wand werfen könnte. So wird auf dem brüchigsten aller möglichen Fundamente versucht, doch noch irgendwie einen möglichst dramatischen Bogen zu spannen. Natürlich fällt dieser Versuch in Windeseile in sich zusammen – kein ironischer Spruch und kein Needledrop dieser Welt können dieses Kind noch aus dem Brunnen retten. Deadpool und die Guardians haben in dieser Hinsicht eh schon nur noch verbrannte Erde hinterlassen.

★☆☆☆☆

🇺🇸, R: Kelly Marcel, D: Tom Hardy, Chiwetel Ejiofor, Juno Temple, Stephen Graham, Peggy Lu, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Sony Pictures Entertainment Deutschland

Venom: The Last Dance - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Venom: The Last Dance” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A ★ review of Venom: The Last Dance (2024)
Am beeindruckendsten ist, wie hilflos dieser Film ist. Der Kreativriege ist hier einfach gar nichts mehr eingefallen. Nicht einmal mehr Exkremente sind übrig geblieben, die man an die Wand werfen könnte. So wird auf dem brüchigsten aller möglichen Fundamente versucht, doch noch irgendwie einen möglichst dramatischen Bogen zu spannen. Natürlich fällt dieser Versuch in Windeseile in sich zusammen – kein ironischer Spruch und kein Needledrop dieser Welt können dieses Kind noch aus dem Brunnen retten. Deadpool und die Guardians haben in dieser Hinsicht eh schon nur noch verbrannte Erde hinterlassen.

Gesehen: No Other Land (2024) – Sender ohne Empfänger

Entpuppt sich überraschend als Medien- und Technologiekritik

Gesehen: No Other Land (2024) – Sender ohne Empfänger
Foto: Immer Gute Filme, Mubi, Yabayay Media, Antipode Films

Für Menschen, die sich ab und an mal mit der Welt auseinandersetzen, in der sie leben, ist nichts von dem, was hier zu sehen ist, etwas Neues – auch nicht unbedingt die Drastik mancher Szenen, wenngleich sie natürlich trotzdem extrem nahegehen.

Ein palästinensischer Mann wird niedergeschossen und ist danach querschnittsgelähmt, weil er verhindern wollte, dass israelische Soldaten seinen Generator zerstören. Ein israelischer Siedler schießt im Streit mit seinem Maschinengewehr einem anderen Palästinenser in den Bauch und verletzt ihn dabei tödlich – vor den Augen untätig dabeistehender israelischer Soldaten.

Unter Anerkennung zweier maßgeblicher Umstände – des Selbstverteidigungsrechts Israels und der völkerrechtswidrigen Besatzung des Westjordanlandes durch Israel – muss man gedanklich trotzdem keine großen Verrenkungen machen, um zu erkennen, welches Unrecht hier der palästinensischen Zivilbevölkerung widerfährt.

Was hier dokumentiert wird, ist viel mehr als „nur" der seit Jahrzehnten vorherrschende Alltag im Nahostkonflikt. Vielmehr werden implizit das Versagen der internationalen Gemeinschaft und die falschen Versprechen der großen Technologiekonzerne sichtbar. Über und aus palästinensischen Gebieten wird so viel gefilmt, gepostet, gestreamt, geschrieben, getwittert, gebloggt wie noch nie zuvor. Aber es juckt einfach nicht, die Bilder rauschen so schnell an uns vorbei, wie sie ins Netz gelangt sind – oder sie erreichen uns erst gar nicht, weil sie nicht durch die Mauern des algorithmischen Gefängnisses dringen können. Hinter denen ist irgendwie jede:r ein bisschen gefangen, der:die nicht chronisch online ist und sich deshalb durch Kenntnis der Mechanismen ihrer Wirkung entziehen kann.

„Jede:r kann Sender:in werden!", war und ist eines der zentralen Versprechen des modernen Internets. Das Kleingedruckte: „Das heißt aber noch lange nicht, dass jede:r die gleiche Plattform bekommt oder überhaupt empfangen werden will."

Damit wird NO OTHER LAND zu einem überraschend großen Teil zu einer Medien- und Technologiekritik. Jüngst habe ich erst bei meinen Gedanken zu DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS die Kolleg:innen von 404 Media zitiert und auch hier passt es fast wie Faust aufs Auge: „You can't post your way out of fascism."

🇳🇴/🇵🇸, R: Rachel Szor, Hamdan Ballal, Yuval Abraham, Basel Adra, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Immer Gute Filme, Mubi, Yabayay Media, Antipode Films

No Other Land - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “No Other Land” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A review of No Other Land (2024)
Für Menschen, die sich ab und an mal mit der Welt auseinandersetzen, in der sie leben, ist nichts von dem, was hier zu sehen ist, etwas Neues – auch nicht unbedingt die Drastik mancher Szenen, wenngleich sie natürlich trotzdem extrem nahegehen. Ein palästinensischer Mann wird niedergeschossen und ist danach querschnittsgelähmt, weil er verhindern wollte, dass israelische Soldaten seinen Generator zerstören. Ein israelischer Siedler schießt im Streit mit seinem Maschinengewehr einem anderen Palästinenser in den Bauch und verletzt ihn dabei tödlich – vor den Augen untätig dabeistehender israelischer Soldaten. Unter Anerkennung zweier maßgeblicher Umstände – des Selbstverteidigungsrechts Israels und der völkerrechtswidrigen