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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 66

Gesehen: Servus Papa, See You in Hell (2022) - Sekte auf dem Second Screen

Ein Film, dem das Publikum egal ist, ist wiederum mir egal.

Gesehen: Servus Papa, See You in Hell (2022) - Sekte auf dem Second Screen
Foto: Port au Prince Pictures, Lydia Richter

Das erscheint mir schon eine recht ambitions- und fantasielose Verfilmung dieser doch sehr realen Begebenheit zu sein, die viel weichspült und Radikalität vermissen lässt.

Die „Klassiker" einer jeden Sektenverfilmung werden gewissenhaft abgehakt, aber es ist ja nun nicht so, als ob diese Strukturen noch nie filmisch beackert wurden. Im Fall der „Kommune" von Otto Muehl vielleicht noch nicht so sehr spielfilmisch. Aber nur weil es eine filmisch bisher missachtete Geschichte ist, bedeutet das noch lange nicht, dass man sie auch erzählen muss, wenn einem nichts Neues dazu einfällt.

Letztlich macht der Film jedoch auch schnell klar, dass er gar nicht

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Dan Olsons Deep Dive in kreationistische Sandkastenspiele

Man weiß gar nicht, ob man vor Wut schäumen oder sich vor Lachen krümmen soll.

Dan Olsons Deep Dive in kreationistische Sandkastenspiele
„Die Erschaffung Adams" von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle

Dass ich großer Fan von Dan Olsons Deep Dives in manchmal gefühlt random Rabbit Holes, habe ich hier ja schon mal notiert. Was ich aber weiterhin nicht will: Mir einfach ungesehene Videos ins Blog kleben, nur weil sie von einem bestimmten Namen kommen.

Deshalb hat es auch mehr als vier Monate gedauert, bis ich nun feierlich „Mantracks: a True Story of Fake Fossils" empfehlen kann. Dan Olson taucht ein in die skurrile wie wissenschaftsfeindliche und deshalb gefährliche Welt der Kreationist:innen.

Back in 2013 a couple random dudes decided to make a pseudo-sequel to Footprints in Stone called Forbidden History:
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Gesehen: Havoc (2025) - Nihilismus am Nichtort

Leider eine ästhetische Katastrophe

Gesehen: Havoc (2025) - Nihilismus am Nichtort
Foto: Netflix

HAVOC entfaltet sich an einem Nichtort, einem Ort ohne wirklich distinkte Merkmale, eine verwaschene Melange aus gesichtsloser amerikanischer Großstadt und pulsierender Metropole wie etwa Shanghai.

Diese Nichtorte haben immer etwas Entrücktes an sich. Sie sind geerdet in unserer Wirklichkeit, bringen aber oft etwas provozierend Künstliches mit sich. Manchmal ist das fruchtbarer Boden, auf dem längst ein regelrechtes Purgatorium gewachsen ist. Wer hier glaubt, seine Seele noch retten zu können, befindet sich auf dem Holzweg.

An diesem Ort gibt es nur noch die Illusion von Moral. Unter der Oberfläche ist jede:r ausschließlich damit beschäftigt, den eigenen qualvollen Tod hinauszuzögern. Denn

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Gesehen: There Was a Father (1942) - Mammutaufgabe Mutterschaft

Es sind die Leerstellen, die so viel erzählen

Gesehen: There Was a Father (1942) - Mammutaufgabe Mutterschaft
Foto: Shochiku

Es ist die Abwesenheit von Frauen und ganz konkret einer Mutter, mit der Ozu hier Leerstellen erzeugt, aus denen sich wiederum klar gesellschaftskritische Fragen stellen lassen. Denn diese Leerstellen transportieren das vage Gefühl von der Mammutaufgabe Mutterschaft sowohl allgemein als auch speziell im Japan der 1940er. Wenn dort plötzlich ein Witwer mit kleinem Kind ist, der es verpasst, diese patriarchalen Verhältnisse zu reflektieren, dann ist er zum Scheitern verurteilt.

Scheitern bedeutet, diesen individuellen und gesamtgesellschaftlichen Kurs zu verstetigen. Wer so viel Wert auf das Wahren einer Fassade und auf deren Untermauerung durch ein falsches Verständnis von Lebensleistung legt, an dem

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Gesehen: Saturday Night (2024) - Walzer auf Koks

Fans schauen Probe

Gesehen: Saturday Night (2024) - Walzer auf Koks
Foto: Plaion Pictures

In diesem Film steckt nicht nur so viel Liebe für SNL, sondern überhaupt für diesen Moment in der Geschichte, diese Fernsehära. Die muss man nicht teilen, um sie anerkennen und sich vielleicht auch von ihr anstecken zu lassen.

Es gefällt mir, wie elegant Jason Reitman hier die Kamera mitten durchs Chaos schickt – wie als Teil eines Walzers auf einem Hauch von Koks durch die Studios und Backrooms von 30 Rock, immer wieder in skurrile Vignetten eintauchend und in den ausufernden Bewegungen auch immer das fiebrige Geschehen mit der noch ruhenden Außenwelt kontrastierend.

Ich bin selbst fasziniert von diesem kulturellen Fass

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Gesehen: I Was Born, But… (1932) - Stummes Klassenbewusstsein

Das Echo ist trotzdem bis in unseren Spätkapitalismus hinein zu hören.

Gesehen: I Was Born, But… (1932) - Stummes Klassenbewusstsein
Foto: trigon-film

Klassenbewusstsein und die kritische Auseinandersetzung mit autoritären Strukturen, die sich unter anderem aus ökonomischen (Abhängigkeits-)Verhältnissen ergeben und unhinterfragt verstetigen, das beschäftigt Ozu hier.

Die Figur des Vaters ist die Verkörperung von einer Unterwerfungssucht, die auch heute noch im Spätkapitalismus widerhallt. Dieser Mann geriert sich selbst außerhalb des Arbeitskontextes regelrecht als Diener seines Chefs. Er verspricht sich davon beruflichen und in der Folge gesellschaftlichen Aufstieg, ohne zu erkennen, dass er für seinen Chef nicht mehr als eine innerhalb eines Wimpernschlags austauschbare Gestalt ist und immer bleiben wird.

Inmitten dieses Elends erleben wir den Film und im übertragenen Sinne das Kino

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