Das im vollen Bewusstsein, dass THE SHINING existiert, zu schreiben, ist schon eine Ansage. (Aus dem Trailer zu THE LIFE OF CHUCK.)
Natürlich besteht die Chance, dass das gut wird. Aber ich möchte trotzdem vorab schon mal enorme Zweifel anmelden. Es ist für mich kaum denkbar, dass hierzulande jemand die absurde Akribie eines Sean Evans an den Tag legt für einen überschaubaren Markt mit überschaubaren Einnahmen.
Das ist das eigentliche Verbrechen: “For days we didn’t know if it would be possible to restore it. But we did it,” the museum said in an Instagram Reel. (artnet)
Finstere Zeiten für den ORF in Österreich: Der Standard berichtet davon, dass bei Topos bis zu zehn Menschen vor die Tür gesetzt worden seien und das gesamte Angebot vor dem Aus stehe. Ich blicke immer wieder viel Neid auf Topos, weil es ein vergleichbares Angebot im deutschen öffentlich-rechtlichen Kosmos nicht so richtig gibt. Das Kulturportal der ARD kann dem jedenfalls nicht so recht das Wasser reichen, finde ich.
Was der Film verkennt: Desillusionierung ist noch keine Bestrafung.
Foto: Les Films du Camélia
Die ach so gnädigen italienischen Faschisten eröffnen den griechischen Frauen großzügig die Möglichkeit, sich und ihren Familien als Prostituierte einen (Über-)Lebensunterhalt zu verdienen. Frei von Zwängen ist diese Option für die Frauen selbstverständlich überhaupt nicht. Für viele ist es die letzte Möglichkeit, in einem von Italiens Faschisten in den Hunger gezwungenen Land zu überleben. Andere Völker zu entmenschlichen und sich deren Körper anzueignen, ist das Brot und Butter von Faschist:innen.
Den griechischen Frauen dann einen italienischen Leutnant an die Seite zu stellen, der sich letztlich als Verbündeter erweist, lässt jedoch angemessene Konsequenz vermissen. Denn der darf noch 1942(!) behaupten, er interessiere sich nicht für Politik, als er gefragt wird, ob er Faschist sei.
Zwar wird er mit den Taten seiner Kameraden konfrontiert und dadurch desillusioniert, doch mit der Fahrlässigkeit seiner eigenen Gleichgültigkeit, die ihn natürlich nicht vom Tätersein freispricht, muss er sich nie wirklich auseinandersetzen. Sein Wandel ist ihm nicht abzusprechen, aber er kommt ungestraft davon. Und das stößt sauer auf.
★★★½☆
🇫🇷/🇩🇪/🇮🇹, R: Valerio Zurlini, D: Anna Karina, Lea Massari, Marie Laforêt, Tomas Milian, Mario Adorf, Valeria Moriconi, Aleksandar Gavrić, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Les Films du Camélia
Der Film steht noch bis zum 01. Juli 2025 kostenlos in der Arte-Mediathek:
Das Internet hat Gefühle zum Cover des neuen Albums von Sabrina Carpenter. Ich nicht, aber von Anthony Fantano habe ich die Sachlage gerne erklären und analysieren lassen.
Berit Glanz war bei den Zwischentönen im Deutschlandfunk zu Gast und hat mit Julius Stucke über ihre Wahlheimat Island, die Isländer:innen, das digitale Leben, sogenannte KI, Sprache, Kunst und ihren auch hier im Blog schon mal erwähnten Read-Along-Newsletter zu Jule Vernes Die Reise zum Mittelpunkt der Erde gesprochen.
Der Psychologe André Frank Zimpel hat auf der diesjährigen re:publica einen ganz tollen Vortrag gehalten, der sich letztlich um die immer größer werdende Sichtbarkeit von Neurodivergenz in unserer Gesellschaft dreht und warum wir deshalb verschiedenste Gegebenheiten neu denken müssen.
Wie intelligent sind Intelligenztests und wie Barrierefrei sind Intelligenztests? Bilden Intelligenztests wirklich das ab, was wir uns Vorstellen? Ich denke gerade aus der Neurodiversitätsbewegung und aus der Betrachtung von KI wird deutlich: Wir müssen über Intelligenz neu nachdenken und müssen vor allen Dingen auch die Wurzeln besser verstehen.
Die Welt verlangt nach Abkehr von der Starre – und Wes Anderson zieht mit
Foto: Universal Pictures International Germany
Vor ziemlich genau einem Monat habe ich noch das hier drüben bei Bluesky geschrieben:
Also ich würde ja gerne mal wieder sowas wie BOTTLE ROCKET oder RUSHMORE von Wes Anderson sehen. Oder gleich etwas komplett Neues. Denn ich schaffe es kaum durch den Trailer von THE PHOENICIAN SCHEME. Das ist doch alles nur noch Selbstparodie.
Aber nach den verhalten positiven Stimmen aus Cannes habe ich dann beschlossen, es doch noch mal im Kino zu versuchen. Und das war gar nicht so schlecht.
Wes Anderson hat für THE PHOENICIAN SCHEME nämlich seinen inneren Aki Kaurismäki gechannelt. Der hat mich zuletzt mit FALLEN LEAVES begeistert und damit, wie er in diesem Film seine starre Form in den Momenten aufbrechen lässt, in denen seine Figuren von der Liebe vereinnahmt werden.
Die Entwicklung hin zu einer ganz ähnlichen Starre war auch bei Wes Anderson über mehrere Filme hinweg zu beobachten. ASTEROID CITY war kaum noch von einem Puppenhaus zu unterscheiden. Doch THE PHOENICIAN SCHEME bricht diese Kruste wieder auf – nicht, weil die Figuren von Liebe überwältigt werden und nicht mehr an ihrem Korsett halten können, sondern weil es die (lies: unsere) Welt verlangt.
Benicio del Toros Figur lässt sich ziemlich leicht als Amalgam aus Trump und Musk lesen – einerseits mit einem vermeintlichen Firmenimperium, das bei genauerem Hinsehen jedoch nicht mehr als ein mit billigem Sekundenkleber zusammengehaltenes Kartenhaus ist, andererseits mit so viel Fuck-You-Money ausgestattet, dass ein Scheitern unmöglich geworden ist.
Familie ist nicht mehr Familie, sondern ein Synonym für ein Business, dessen Angestellte sich kuratieren lassen. Religiosität ist ein Label, das man sich aufs Revers pappen kann, weil sich auch daraus Profit schlagen lässt. Christlich-konservative Werte sind rules for thee and not for me. Menschen, die ein solidarisches und gerechteres Miteinander anstreben, werden als radikale Terrorist:innen abgestempelt.
Es scheint Anderson unmöglich, nicht auf diese irre Welt zu reagieren. Aber er kennt auch seine Grenzen. Somit ist THE PHOENICIAN SCHEME keine vielschichtige Betrachtung einer politisch überkomplexen Welt, sondern ein Vorführen der regelrecht zirkusartigen Dimension samt allen Clowns dieser. Dafür bricht Anderson mit seiner zuvor so starren Kadrage. Wackelnde Bildausschnitte wirken fast schon fremd. Und wenn etwas beweist, wie ernst Anderson die Sache ist, dann ist es die Existenz eines verdammten Steadicam-Shots 😅
Was Kaurismäki innerhalb eines Filmes schafft, braucht bei Anderson halt drei Lang- und vier Kurzfilme. Aber das macht es für mich auch so interessant, weil es mich das Gesamtwerk noch mal anders betrachten lässt.
★★★½☆
🇺🇸/🇩🇪, R: Wes Anderson, D: Benicio del Toro, Mia Threapleton, Michael Cera, Riz Ahmed, Tom Hanks, Bryan Cranston, Mathieu Amalric, Richard Ayoade, Jeffrey Wright, Scarlett Johansson, Benedict Cumberbatch, Rupert Friend, Hope Davis, Bill Murray, Willem Dafoe, Alex Jennings, Charlotte Gainsbourg, F. Murray Abraham, Steve Park, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Universal Pictures International Germany
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Recommendations
Shelfd
Keine Zeit für schlechte Streams. Bei Shelfd findet ihr jede Woche handverlesene Empfehlungen und Kolumnen – von echten Menschen, nicht vom Algorithmus.