Der Psychologe André Frank Zimpel hat auf der diesjährigen re:publica einen ganz tollen Vortrag gehalten, der sich letztlich um die immer größer werdende Sichtbarkeit von Neurodivergenz in unserer Gesellschaft dreht und warum wir deshalb verschiedenste Gegebenheiten neu denken müssen.
Wie intelligent sind Intelligenztests und wie Barrierefrei sind Intelligenztests? Bilden Intelligenztests wirklich das ab, was wir uns Vorstellen? Ich denke gerade aus der Neurodiversitätsbewegung und aus der Betrachtung von KI wird deutlich: Wir müssen über Intelligenz neu nachdenken und müssen vor allen Dingen auch die Wurzeln besser verstehen.
Die Welt verlangt nach Abkehr von der Starre – und Wes Anderson zieht mit
Foto: Universal Pictures International Germany
Vor ziemlich genau einem Monat habe ich noch das hier drüben bei Bluesky geschrieben:
Also ich würde ja gerne mal wieder sowas wie BOTTLE ROCKET oder RUSHMORE von Wes Anderson sehen. Oder gleich etwas komplett Neues. Denn ich schaffe es kaum durch den Trailer von THE PHOENICIAN SCHEME. Das ist doch alles nur noch Selbstparodie.
Aber nach den verhalten positiven Stimmen aus Cannes habe ich dann beschlossen, es doch noch mal im Kino zu versuchen. Und das war gar nicht so schlecht.
Wes Anderson hat für THE PHOENICIAN SCHEME nämlich seinen inneren Aki Kaurismäki gechannelt. Der hat mich zuletzt mit FALLEN LEAVES begeistert und damit, wie er in diesem Film seine starre Form in den Momenten aufbrechen lässt, in denen seine Figuren von der Liebe vereinnahmt werden.
Die Entwicklung hin zu einer ganz ähnlichen Starre war auch bei Wes Anderson über mehrere Filme hinweg zu beobachten. ASTEROID CITY war kaum noch von einem Puppenhaus zu unterscheiden. Doch THE PHOENICIAN SCHEME bricht diese Kruste wieder auf – nicht, weil die Figuren von Liebe überwältigt werden und nicht mehr an ihrem Korsett halten können, sondern weil es die (lies: unsere) Welt verlangt.
Benicio del Toros Figur lässt sich ziemlich leicht als Amalgam aus Trump und Musk lesen – einerseits mit einem vermeintlichen Firmenimperium, das bei genauerem Hinsehen jedoch nicht mehr als ein mit billigem Sekundenkleber zusammengehaltenes Kartenhaus ist, andererseits mit so viel Fuck-You-Money ausgestattet, dass ein Scheitern unmöglich geworden ist.
Familie ist nicht mehr Familie, sondern ein Synonym für ein Business, dessen Angestellte sich kuratieren lassen. Religiosität ist ein Label, das man sich aufs Revers pappen kann, weil sich auch daraus Profit schlagen lässt. Christlich-konservative Werte sind rules for thee and not for me. Menschen, die ein solidarisches und gerechteres Miteinander anstreben, werden als radikale Terrorist:innen abgestempelt.
Es scheint Anderson unmöglich, nicht auf diese irre Welt zu reagieren. Aber er kennt auch seine Grenzen. Somit ist THE PHOENICIAN SCHEME keine vielschichtige Betrachtung einer politisch überkomplexen Welt, sondern ein Vorführen der regelrecht zirkusartigen Dimension samt allen Clowns dieser. Dafür bricht Anderson mit seiner zuvor so starren Kadrage. Wackelnde Bildausschnitte wirken fast schon fremd. Und wenn etwas beweist, wie ernst Anderson die Sache ist, dann ist es die Existenz eines verdammten Steadicam-Shots 😅
Was Kaurismäki innerhalb eines Filmes schafft, braucht bei Anderson halt drei Lang- und vier Kurzfilme. Aber das macht es für mich auch so interessant, weil es mich das Gesamtwerk noch mal anders betrachten lässt.
★★★½☆
🇺🇸/🇩🇪, R: Wes Anderson, D: Benicio del Toro, Mia Threapleton, Michael Cera, Riz Ahmed, Tom Hanks, Bryan Cranston, Mathieu Amalric, Richard Ayoade, Jeffrey Wright, Scarlett Johansson, Benedict Cumberbatch, Rupert Friend, Hope Davis, Bill Murray, Willem Dafoe, Alex Jennings, Charlotte Gainsbourg, F. Murray Abraham, Steve Park, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Universal Pictures International Germany
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Großer Kunst, großer Recherche und einem ganz guten Video
Die große Welle vor Kanagawa ist wirklich ein bemerkenswertes Kunstwerk und irgendwie lande ich in unregelmäßiger Regelmäßigkeit im immer gleichen Rabbit Hole. Aber es fasziniert mich immer wieder aufs Neue.
Ich bin sehr gespannt! Hajo Seppelt und Team machen keine halben Sachen.
In wenigen Tagen gibt es eine neue Doku aus der Reihe „Geheimsache Doping“ in der ARD: „Im Windschatten“. Mehr dazu in den nächsten Tagen. Wir werden unsere Recherche auch als Podcast veröffentlichen.
Der letzte Film von Thomas Heises Neustadt-Trilogie fühlt sich sehr anders an.
Foto: ÖFilm, Bundeszentrale für politische Bildung, Deckert Distribution
Der letzte Film der Neustadt-Trilogie hebt sich deutlich von seinen beidenVorgängern ab. Denn die waren noch geprägt von ehrlicher Empathie, Interesse und Verstehensdrang mit Thomas Heise und seiner Kamera als Verbündeten im Sinne des Menschseins. Hier fühlt sich die Kamera nun nicht mehr wie Gast, sondern fast wie ein geduldeter und zu ertragender Fremdkörper, manchmal sogar wie ein Eindringling an.
Die Dokumentation des Stillstandes war auch zentral für die beiden Vorgänger. Doch jetzt, 15 Jahre nach dem ersten Film STAU – JETZT GEHT'S LOS (1992), scheint sich selbst der letzte Funke Hoffnung aus Halle-Neustadt verabschiedet zu haben. Die Menschen schämen sich – nicht explizit vor der Kamera, aber ihr Gestus verrät sie.
Thomas Heise ist hier zudem noch öfter nicht mehr nur distanzierter Beobachter und Gesprächspartner unter vier oder sechs Augen, sondern Begleiter und mitten im Geschehen. Auch das trägt zu diesem Gefühl der Entfremdung, das dieser Film im Vergleich zu den beiden Vorgängern produziert, bei. Denn nun müssen wir als Publikum die Grenze zwischen Wahrheit und Performance neu abstecken.
KINDER. WIE DIE ZEIT VERGEHT. ist kein Abschied aus Halle-Neustadt. Es ist ein ratloser, vielleicht sogar resignierender Abzug. Ein Abgang ohne hoffnungsvolle Wünsche für die Zukunft, weil Halle-Neustadt als Brennglas einer gesellschaftlichen Entwicklung, der nichts ernsthaft entgegengesetzt wird, jeglichen Ausdruck der Hoffnung als unehrlich abtun würde.
Verurteilend ist Thomas Heises Blick jedoch nie – ganz im Gegenteil. Aber er ist voller Trauer darüber, über 15 Jahre hinweg immer wieder Zeuge dieses Stillstands gewesen und zur Tatenlosigkeit verdammt gewesen zu sein.
🇩🇪, R: Thomas Heise, Letterboxd, Foto: ÖFilm, Bundeszentrale für politische Bildung, Deckert Distribution
Der Dokumentarfilm steht noch bis zum 17. Dezember 2017 in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung:
Anfang der Woche hatte ich bereits die erste Episode von Feminist Shelf Control über die 2016 gestorbene Wrestlerin Chyna im Programm, jetzt haben Rebekka Endler und Annika Brockschmidt nachgelegt.
Hey Schnecken, Teil 2 unserer Wrestling Reihe ist fertig! Es geht im Genderperformance, Mormonentum, Verschwörungsmythen, Bildungspolitik, bzw. deren Zerstörung. Fun times 🌋
open.spotify.com/episode/0hIB...
"OMG, was macht der Ölpreis jetzt?" als Reflex auf die Lage im Nahen Osten ist ein klarer Hinweis darauf, warum Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern in vielerlei Hinsicht gesund wäre.
Ach wie schön, nach dem ersten Testballon ist nun die zweite Folge des Podcasts Wind und Wurzeln erschienen, in dem Marina Weisband Zeit und Raum bekommt, laut über die tatsächlichen Krisen unserer Zeit und nicht die Sau des Tages nachzudenken.
Über das unendliche Potenzial der Menschen und wie sie sich dabei selbst im Weg stehen
Foto: Weltkino Filmverleih
Ein herzenswarmes Porträt, wenn nicht sogar eine Liebeserklärung an die Menschen in Iran. An all die Menschen, die alleingelassen werden – von der Regierung, der internationalen Gemeinschaft und voneinander.
An die Menschen, die dennoch nicht verbittern, sondern durch die aus der Gemeinschaft heraus entwachsene Solidarität und gegenseitige Fürsorge überdauern.
An die Menschen, die unheimliches Potenzial in sich tragen, das aber praktisch nie entfalten und oft nie erkennen können, weil sie sich selbst im Weg stehen, zu sehr verhaftet sind in Tradition, Religion und patriarchalem Denken.
Das gilt sowohl für die Landbevölkerung als auch für die vermeintlich liberalen Stadtmenschen.
Dass Jafar Panahi auch hier so präsent Teil seiner eigenen Inszenierung ist, sein eigenes Gesicht in die Kamera hält, ist dabei nicht nur logistische, durch sein Berufsverbot bedingte Notwendigkeit, sondern auch Ausdruck dieser Solidarität, die er unter den Menschen sieht.
Es wäre ihm sicherlich ein vergleichsweise Leichtes, seine Filme in völliger Anonymität zu drehen. Aber dann stehen seine Darsteller:innen, seine Mitstreiter:innen alleine in der Schusslinie. Dadurch, dass er sich mit seinem Namen und Gesicht neben sie vor die Kamera stellt, verteilt er die Last der wortwörtlichen Lebensgefahr auf mehreren Schultern.
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
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