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Feuilleton & Firlefanz

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Gesehen: The Battle of Algiers (1966) - Eine Partie Dame

Gezogen werden darf nur nach vorne

Gesehen: The Battle of Algiers (1966) - Eine Partie Dame
Bild: Igor Film, Casbah Film, Cult Films

Für mich hat sich der Film wie eine Partie Dame entfaltet. Mal wird vorsichtig nach vorne gezogen, dabei der ein oder andere Stein geschlagen, und plötzlich wird eine ganze Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt, bei der innerhalb eines Zuges die Hälfte der gegnerischen Steine abgeräumt wird, nur um kurz danach dennoch eine herannahende Niederlage abwehren zu müssen. Denn gezogen werden darf nur nach vorne.

Der Film versucht die Gratwanderung zwischen fast schon klinisch-kalter politikwissenschaftlicher Analyse und spannungsgeladenem Unabhängigkeitsthriller. Es ist ein ständiges Ringen damit, welcher Zweck welche Mittel heiligt, heiligen muss und heiligen darf; um die Notwendigkeit und die vielschichtigen Kosten des Widerstands.

Eine bemerkenswerte Entscheidung: Der gesamte Film kippt mit dem Generalstreik der unterdrückten algerischen Bevölkerung. Es sind nicht die Attentate und der Guerillakrieg auf den Straßen, die die örtliche Verwaltung der Kolonialmacht Frankreich ins Wanken bringen. Es ist der Sand im wirtschaftlichen/kapitalistischen Getriebe der ausbeutenden Maschinerie, der das Pulverfass sprengt. Das spricht Bände.

★★★★☆

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Gesehen: The Balconettes (2024) - Entschleierte Gewalt

Noémie Merlant erklärt sich selbst den Boden unter den Füßen weg

Gesehen: The Balconettes (2024) - Entschleierte Gewalt
Bild: Progress, barnsteiner-film

Die Variation des REAR WINDOW-Motivs, das Spiel mit dem, was hinter den Türen und Vorhängen passiert, das hat jüngst auch Chloe Okuno mit WATCHER ganz ähnlich versucht. Okuno und auch hier Noémie Merlant wischen den über der patriarchalen Gewalt liegenden Schleier jeweils auf eigene Art und Weise weg.

Merlant arbeitet mit dem Spannungsverhältnis zwischen Anspruchsdenken ohne Schuldbewusstsein auf der einen, und der gewissenhaften Verschleierung von Gewalt auf der anderen Seite. Sie legt Schicht um Schicht frei und eskaliert das Geschehen sowie die Drastik der Bilder konsequent. Und sie findet dafür besonders gegen Ende des Film auf einem Boot im Meer ein total schönes wie absurdes und skurriles Bild der Solidarität und der Schwesternschaft.

Warum sich also der Film dann noch mal nach all dem in aller Ausführlichkeit selbst erklären muss, ist mir ein absolutes Rätsel. Als ob hier Zweifel an etwas ausgeräumt werden müssten, woran die Inszenierung aber eigentlich gar keine Zweifel lässt – also für Zuschauer:innen, die den Film nicht auf dem Second Screen durchlaufen lassen. Es reißt die im Vergleich dazu nicht unbedingt total subtile, aber ausreichend feingliedrige Vorarbeit mit einem monströsen Vorschlaghammer wieder ein bzw. lässt sie im Nachhinein nach vergeblicher Liebesmüh aussehen.

★★★☆☆

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Gesehen: Predator: Badlands (2025) - Durchgespielte Übung

Das ist mehr Bewerbungsfilm als eigenständiges Werk

Gesehen: Predator: Badlands (2025) - Durchgespielte Übung
Bild: The Walt Disney Company Germany

Die Erkenntnis, die Forderung, die sich aus dem ästhetischen Erleben dieses Films ableiten lässt: Jetzt gebt Dan Trachtenberg seinen Star-Wars-Film, dann haben wir Ruhe. In diesem Universum wäre die Art und Weise, wie hier Machtstrukturen und Rollenbilder hinterfragt werden, deutlich besser aufgehoben.

BADLANDS versucht viel zu unterlaufen, bemüht sich aber um keinen Funken Subversion. So ist das Ergebnis eine in der dargereichten Form schon längst durchgespielte Übung, die jedenfalls mich deshalb komplett gelangweilt hat.

★★☆☆☆

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Gesehen: Nouvelle Vague (2025) - Ein Hauch von Ironie

Linklater hat eine Liebeserklärung an die Kinoliebenden verfasst

Gesehen: Nouvelle Vague (2025) - Ein Hauch von Ironie
Bild: Plaion Pictures

Das Sujet des Films über das Filmemachen ist für mich oft einfach nur ein anstrengendes und masturbatorisch anmutendes, das dann auch noch oft von ziemlich viel Selbstherrlichkeit erdrückt wird. Bei Richard Linklater legt sich hingegen ein Hauch von (Selbst-)Ironie über den gesamten Film.

Was ich bei Christopher Nolans OPPENHEIMER noch abwertend „historisches Puppentheater“ genannt habe, wird bei Linklater mit interstitiellen Porträtaufnahmen inklusive Bauchbinden immer wieder ironisch zugespitzt.

NOUVELLE VAGUE ist keine Liebeserklärung an das Kino oder an Filme, sondern eine Liebeserklärung an die, die von Kino und Film besessen sind. Es ist eine Fetischisierung der Fetischisten, die sich mit präzise gesetztem Augenzwinkern immer wieder gerade rechtzeitig vor dem Abgleiten in die Selbstbeweihräucherung rettet.

★★★½☆

Ab 12. März 2026 in den deutschen Kinos.

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Gesehen: Sentimental Value (2025) - Klaffende Wunden

Die größte Schwäche des Films ist darin begründet, wie Trier seine Protagonistin ausbeutet

Gesehen: Sentimental Value (2025) - Klaffende Wunden
Bild: Plaion Pictures, Studiocanal

Klar, das sind schon ziemlich privilegierte Verhältnisse, aus denen heraus hier erzählt wird. Darüber kann auch die Anmerkung der Schwester der Protagonistin, dass man das Geld aus einem etwaigen Verkauf des Hauses der verstorbenen Mutter gut hätte gebrauchen können, nicht hinwegtäuschen. Denn in einer Zwangslage scheint sich deren Familie nicht zu befinden.

Joachim Trier schafft es dennoch – im Gegensatz zu Noah Baumbachs im selben Sommer uraufgeführtem JAY KELLY – anschlussfähig zu bleiben und die Brücke zum emotionalen Kern seiner Geschichte nicht einstürzen zu lassen.

Trier erzählt durch die Gefühlswelt der Protagonistin von deren Vater, der erst am Ende seiner Karriere und wahrscheinlich auch seines Lebens, konfrontiert mit der Sterblichkeit seiner Freunde und seiner eigenen, plötzlich eine seit Kindheitstagen klaffende Wunde in sich entdeckt. Der den Suizid seiner Mutter nie verarbeitet, sondern nur abgetan und verdrängt hat.

Er muss erkennen, dass diese Wunde bis in die Seelen seiner Töchter klafft. Dass er seine beiden Töchter und die Mutter einst nicht einfach nur verlassen hat, sondern er dabei vielleicht selbst sicherstellte, dass es nicht sie sind, die ihn verlassen – im übertragenen Sinne wie seine Mutter damals. Dass er für dieses Kapitel nie ein Ende verfasst und seinen Töchtern nie das Schreiben beigebracht hat.

Der Vater dominiert die gesamte Erzählung des Films, obwohl er nicht der Protagonist ist. Trier beutet den Schmerz und das Trauma der Protagonistin an vielen Stellen schlichtweg aus, um die Vaterfigur zu entwirren. Das kann man dem Film durchaus vorwerfen und das halte ich auch für seine größte Schwäche.

Dennoch steckt eine universelle Wahrheit in diesem Film, die sich dessen unbeeindruckt zeigt.

★★★½☆

Still ruining vinyl am 26. Januar 2026 Featured Post

Die heutigen Dailies unter anderem mit: Taylor Swift, klugen Werbeverboten und Claude Chabrol

Still ruining vinyl am 26. Januar 2026
Bild: Erik Mclean / Unsplash

Anthony Fantano, the internet's busiest music nerd, über Taylor Swifts raffgierige Verkaufsstrategie, die auch vor Vinyl nicht Halt macht.


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Jan Kawelke und Vassili Golod loten in Machiavelli die Rolle von generativer KI in der Kunst und ihre Rolle als potenzielles Werkzeug aus.

COSMO Machiavelli: KI ist keine Kunst
In dieser Episode tauchen Vassili & Jan deep in eine Frage ein, die gerade die Kunst- und Kulturwelt spaltet: Kann künstliche Intelligenz Kunst schaffen – oder imitiert sie nur?

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(via)


Na endlich...

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Von einer Strafe oder Sperre des Dienstes sah man aber zunächst ab: Eine Deaktivierung von Grok in der EU zu erwirken, ist nach eigenen Angaben nicht das Ziel der EU-Kommission und eher ein letztes Mittel. Indonesien und Malaysia hatten Grok als erste Länder weltweit Mitte Januar vorübergehend gesperrt. 

Wenn wir nur mit dem Säbel rasseln, aber niemals auch mal die Klinge ansetzen, können wir die Nummer auch gleich lassen. Das ist genauso feige wie Apple und Google, die über ihre Appstores unbehelligt weiter X samt Grok verbreiten.

Skandal um KI-Nacktbilder: EU leitet wegen Chatbot Grok Verfahren gegen Musks Unternehmen X ein
Elon Musk hat die Risiken seines Chatbots Grok durch sexualisierte KI-Fotos nach Ansicht der EU nicht richtig bewertet. Sie leitete ein Verfahren gegen X ein.

Sehr schönes Paket vom 47. Max Ophüls Preis, das Patrick Wellinski bei Vollbild geschnürt hat.

Vollbild - live vom Filmfestival Max-Ophüls-Preis

Arte hat gerade eine schöne Auswahl mit Filmen von Claude Chabrol im Angebot.

Zutiefst menschlich - Die Filme von Claude Chabrol - Kino | ARTE
Kein anderer vermochte es so deutlich die finstersten Abgründe und moralische Verkommenheit der französischen Bourgeoisie auf die Leinwand zu bringen, wie Claude Chabrol. ARTE zeigt mit unter anderem “Der Schlachter“ und “Blutige Hochzeit“ eine Auswahl an Filmen des Regisseurs. Ergänzt wird diese Filmauswahl durch eine Dokumentation, die die einzelnen Werke erläutert.

Drüben haben wir eine echt schöne Auswahl zusammengestellt, finde ich.

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In „Wir, die Wolfs&quot spürt Filmemacher Darío Aguirre seiner außergewöhnlichen Familiengeschichte nach, die eng mit Deutschland verwoben ist.…