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Feuilleton & Firlefanz

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Mr. Nobody Against Putin (2025) - Kontrolle durch Upload

Mr. Nobody Against Putin (2025) - Kontrolle durch Upload
Bild: ZDF, Arte, Made in Copenhagen
DK/CZ/DE/UK · R: David Borenstein, Pavel Talankin · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Dass zwischen Entstehungszeit und Veröffentlichung des verwendeten Videomaterials so viel Zeit lag, lässt sich dem Film natürlich nur schwer zum Vorwurf machen. Aber es hat dennoch zur Folge, dass diese Aufnahmen wenig neue Erkenntnisse produzieren. Der totalitäre Eingriff der russischen Regierung in das Bildungssystem war derweil nämlich Gegenstand unzähliger journalistischer Arbeiten.

Spannend (und tatsächlich neu) war für mich ein Detail: Es gibt Regierungsserver, auf die angefertigtes Videomaterial der in der Schule umgesetzten Propagandamaßnahmen hochgeladen werden muss. Das zeugt natürlich umso mehr von einem von der blanken Angst des Kontrollverlusts getriebenen Regime. Wie so oft sind in diesem Material genau die Stellen interessant, in denen geschwiegen wird. Die Leerstelle wird zum Ausdruck einer unterdrückten Haltung.

Doch es gibt durchaus auch Stellen, in denen offene Ablehnung der russischen Regierung dokumentiert wird. Mal sind es nicht näher benannte Stadtbewohner*innen, mal Lehrer*innen und mal junge Schüler*innen – und zwar nicht unkenntlich gemacht. Das ist angesichts der drohenden, im Zweifel tödlichen Konsequenzen für die klar oder zumindest sehr leicht Identifizierbaren ethisch untragbar. Es wirkt skrupellos-ausbeuterisch bis hin zu masturbatorisch ob der seltenen Aufnahmen, die der Produktion hier in die Hände gefallen sind.

Vielleicht gab es entsprechende Vorkehrungen, um die abgebildeten Menschen zu schützen oder sie zu unterstützen. Ob dem so ist, wird nicht verraten. Und das hinterlässt einen extrem bitteren Nachgeschmack.

Nachtrag vom 12.03.26: Meduza ist dem in einem größeren Stück nachgegangen und hat zumindest ein paar Antworten parat.

your ai slop bores me

Irgendwer wird bestimmt einen Weg finden, ein LLM anzuschließen und damit alles kaputtzumachen. Aber bis dahin haben wir diese kleine weirde, toll Ecke des Internets noch für uns – etwa mit your ai slop bores me.

in a world looming with the threat of ai stealing your job, save humanity by stealing ai's job.

Wer im Chatbot-Interface eine Frage stellt oder zum Malen auffordert, bekommt Antwort von einem echten Menschen. Jede Anfrage muss mit einem Credit bezahlt werden, Credits bekommt man, indem man als AI „larped“ und die Prompts anderer Menschen beantwortet. So kann man sich nicht nur bedienen, sondern auch zurückgeben und das kleine digitale Kleinod am Leben halten.

humans make mistakes because that's what makes us human

In diesem Sinne: Have a banana!

No Bears (2022) - Dokumentierter Widerspruch

No Bears (2022) - Dokumentierter Widerspruch
Bild: Peripher Filmverleih
IR · R: Jafar Panahi · D: Jafar Panahi, Naser Hashemi, Vahid Mobasseri, Bakhtiyar Panjeei, Mina Kavani, Reza Heydari · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Ich finde es immer wieder toll, wie Jafar Panahi stets auch einfach „nur“ Dokumentarist iranischen Lebens ist, das jedoch niemals zulasten der Schärfe seiner unermüdlichen Kritik an den iranischen Zuständen geht und auch niemals dazu führt, dass Menschen aus der Haftung genommen werden und zu leicht davonkommen.

NO BEARS dokumentiert und ist gleichzeitig Ausdruck der enormen Widersprüche, denen die Menschen in Iran und Jafar Panahi als vom Regime sanktionierter Kunstschaffender ausgesetzt sind, die auch in ihnen existieren und von ihnen fortgeschrieben werden.

Es ist die Auflage, das Land nicht verlassen zu dürfen und sich gleichzeitig aus freien Stücken dazu zu entscheiden, zu bleiben. Zu bleiben, um hinzusehen, Zeuge zu sein. Um dem Regime und seinen Vasallen über den Film sinngemäß ins Gesicht zu sehen: „Schaut her, ihr könnt mir gar nichts, ich finde immer einen Weg und werde Zeuge eurer totalitären Mangel sein!“

Dieses Zeugnis legt Panahi hinter mehreren, immer wieder gebrochenen, immer mal mehr und mal weniger durchlässigen Filmebenen ab. Fiktion wird Wirklichkeit, Wirklichkeit wird Fiktion, Blicke gleichzeitig geschärft und verschleiert – immer unter Lebensgefahr, immer gewillt, nicht einfach die Flucht zu ergreifen.

★★★★☆

Ghosts of Mars (2001) - Der bessere „Doom“

Ghosts of Mars (2001) - Der bessere „Doom“
Bild: Sony Pictures Entertainment Duetschland
US · R: John Carpenter · D: Natasha Henstridge, Ice Cube, Pam Grier, Jason Statham, Clea DuVall, Joanna Cassidy · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Auf jeden Fall der bessere DOOM, aber damit noch lange kein guter DOOM. Denn GHOSTS OF MARS ist unterm Strich eine ziemliche Mogelpackung, über die eine im Schnitt übergestülpte Erzählstruktur hinwegtäuschen soll.

Letztlich sehen wir hier einen Haufen wild zusammengewürfelter und zusammenhangslos inszenierter Action-Set-Pieces, in denen wenig passiert und noch weniger vorangetrieben wird. Die werden dann hemdsärmelig als Aneinanderreihung von Flashbacks im Rahmen einer Verhörsituation versucht, zusammenzubinden.

In der Art und Weise der Reduktion von allem, was nicht über die Action verhandelt wird, erinnert sehr an das, was Paul W. S. Anderson kurze Zeit später mit RESIDENT EVIL beginnen sollte.

★½☆☆☆

Gesehen: Reflection in a Dead Diamond (2025) - Alles bricht

Alles wird permanent neu zusammengesetzt

Gesehen: Reflection in a Dead Diamond (2025) - Alles bricht
Bild: Plaion Pictures

Alles bricht – das Licht in der Kristallstruktur der Diamanten, die Bilder, die Töne, die Grenze zwischen Fiktion und Realität, die vierte Wand, der Fluss der Zeit, die Ausdruckswege sowie die Kohäsion von Erzählung und Wirklichkeit.

Die Vergangenheit wird von der Gegenwart reflektiert, die Gegenwart spiegelt sich in den Scherben der Vergangenheit. Alles wird permanent neu zusammengesetzt, aber es ist immer dasselbe Licht, das auf dasselbe Prisma fällt, nur aus leicht verschobenem Winkel. Originalität und das Originäre sind gleichzeitig Illusion und Permanenz.

Alles ist sich immer wieder von innen nach außen stülpender Pastiche. Und das schafft in dieser Form fast schon ironischerweise Transparenz, legt Blickstrategien frei und offenbart, wie unser Blick auf sowie unsere Inszenierung von Geschlecht, Körper, Anmut und Erotik – im guten wie im schlechten Sinne – jeden Bruch zu überdauern scheinen.

★★★★☆

Infos & Extras

Gesehen: Mountainhead (2025) - Gesiebtes Gelächter

Fängt gut an, leiert schwer nach

Gesehen: Mountainhead (2025) - Gesiebtes Gelächter
Bild: HBO Max

War dann doch etwas überrascht davon, wie wenig MOUNTAINHEAD auf reinen Pointen fußt. Denn er macht ziemlich konsequent klar, dass es diesen Gestalten nicht einmal vergönnt sein sollte, ausgelacht zu werden. Deren Taten sollen einfach nicht für auch nur das kleinste Fünkchen Freude verantwortlich sein – außer, durch die Gitterstäbe einer Gefängniszelle hindurch.

Dennoch verfällt der Film ziemlich schnell in ermüdendes Leiern, und wiederholt immer und immer wieder die gleichen Psychopathien. Dass es keine ethischen Milliardäre geben kann, ist sehr schnell offenkundige Position von MOUNTAINHEAD. Sich dafür immer und immer wieder Gesinnungsapplaus abzuholen, ist faul.

Was dann aber wiederum für einen Film dieses Kalibers ganz okay funktioniert, ist die in jede Faser mit verwobene Männlichkeitskritik. Diese Typen scheitern krachend an sich selbst, ihrem Alphagehabe, ihren Fehlinterpretationen griechischer und römischer Philosophie und ihrer grenzenlosen Unkultiviertheit. Unermesslicher Reichtum ist kein Gradmesser für Intelligenz, sondern ausschließlich für Skrupellosigkeit. Widerspruch ist keine Hysterie, Macht kein Anrecht.

Es mag zwar vielleicht mit der Realität korrespondieren, dass der Film genau diese Männer dann doch sehr leicht vom Haken lässt. Doch dieses Ende verlangt nach entsprechender Vorbereitung, die hier einfach nicht stattfindet. Das hinterlässt einen unironisch zynischen Nachgeschmack.

★★½☆☆

Infos & Extras