Kein Autounfall, sondern das mit 20 Clowns gefüllte Auto, das ungebremst auf die Hüpfburg zurast.
Foto: Universal Pictures
Es ist so krass, wie albern und all over the place dieser Film ist. Ich würde gar nicht sagen, dass das ein krasser Autounfall ist, bei dem man einfach nicht wegschauen kann. Es ist viel mehr das mit 20 Clowns gefüllte Auto, das ungebremst auf die Hüpfburg zurast, in der Ice Cube grimmig dreinblickend im Schneidersitz herumlümmelt.
Ein paar interessante Aspekte hat der Film dennoch:
Zum einen fühlt der Film durchaus dem nach, dass auch Überwachungskapitalismus und staatliche Überwachung ästhetisch immer näher an öffentliche digitale Räume heranrücken. Da ist ein Bodycam-Feed von einer Razzia mit der Einsatzleitung im angegliederten Chat kaum noch von einem durchschnittlichen Twitch-Stream zu unterscheiden. Beide digitale Räume bedingen sich gewissermaßen gegenseitig, treiben sich voreinander her und inspirieren einander.
Daten als Wesenskern der Macht(ausübung) zu inszenieren und damit H. G. Wells' Vorlage zu remixen ist gar nicht so dumm – im Gegensatz natürlich zur komplett albernen Umsetzung. Es hilft natürlich auch nicht, dass der Film unfassbar billig aussieht und deshalb auch nicht mit Schauwerten ablenken kann. (Ich habe jetzt noch nichts dazu gelesen, aber im Verdacht, dass die Tripod-Szenen zwar vielleicht nicht komplett aus der KI gefallen, aber mindestens einmal durch eine durchgeschleift wurden.)
Ansonsten ist das alles um vier oder fünf stumpfe Catchphrases herum gestrickt, die man von Ice Cube offenbar zum Leidwesen aller erwartet.
★☆☆☆☆
🇺🇸, R: Rich Lee, D: Ice Cube, Eva Longoria, Clark Gregg, Iman Benson, Henry Hunter Hall, Devon Bostick, Andrea Savage, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Universal Pictures
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Brodnig über Substack, ich über verzückende Podcast-Cover und einer tollen Gelegenheit für BKM-Mitarbeiterinnen
Substack ist eine furchtbare Plattform, die von Menschen mit furchtbaren Ansichten geführt wird, die jedoch immer noch von vielen tollen Menschen für die Verbreitung eigener Inhalte genutzt wird. Hier im Blog habe ich auch immer wieder Links zu kritischen Auseinandersetzungen mit dem Dienst geteilt. Aber ich habe eben auch weiterhin auf Texte verlinkt, die mit Substack publiziert wurden – zuletzt erst am Samstag.
Thematisch dazu schließt Ingrid Brodnig in ihrem von Steady gehosteten Newsletter an:
Als einzelne Person kann man nicht beeinflussen, welche Regeln Substack (oder andere große Plattformen) festlegen. Man kann aber beeinflussen, auf welchen Plattformen man selbst aktiv ist. Und gerade weil es Alternativen zu Substack gibt, erscheint es mir sinnvoll, stärker diese Alternativen sichtbar zu machen.
Für mich gehört auch dazu, wenn möglich nicht mehr auf Substack zu verlinken – so weh mir das in manchen fällen tut.
Die (Almost) Dialies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!
Ich bin ja wirklich großer Fan der Langen Nacht im Deutschlandfunk Kultur und habe hier schon viele Ausgaben lobend festgehalten. Aber jetzt muss ich auch mal negative Medienkritik üben, denn die jüngste Ausgabe zu Kurt Tucholsky gehört leider zu den faulsten Audiofeatures, die ich seit langer Zeit gehört habe. Denn viel mehr als eingesprochene Schriftstücke Tucholskys, verbunden mit einer Handvoll überleitender Sätze, gibt es hier nicht zu hören.
Einerseits funktioniert das, denn so wird Tucholskys Weg und sein Schaffen in seinen eigenen Worten nachgezeichnet. Warum ich damit trotzdem ein Problem habe: Tucholsky lesen kann ich auch selbst. Von einem Format wie der Langen Nacht erwarte ich Hintergründe und Einordnungen. Doch das gibt es hier praktisch nicht.
Weimer: "Alle Mitarbeiter haben künftig in dienstlichem Schriftverkehr das Gendern vollständig zu unterlassen."
Beamte: "Ah. Okay. Mitarbeiterinnen dürfen also weiter."
Constanze Kurz fasst bei Netzpolitik.org die Pläne von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) aus verschiedensten Perspektiven zusammen. Mir fällt zu diesem Clown langsam auch keine Beschreibung mehr ein, die nicht justiziabel wäre. Aber im Gegensatz zu Dobrindt würde ich ein Gerichtsurteil annehmen.
Richard Brodys fantastisches Plädoyer für die geschriebene Kulturkritik hatte ich neulich hier im Blog untergebracht. Anlass seines Textes war die Entscheidung der New York Times vier Kritiker:innen von ihren bisherigen Beats abzuziehen. Max Tani hat nun bei Semafor aufgeschrieben, was die Belegschaft intern daraus gemacht hat.
In a letter sent Monday to the paper’s leadership and seen by Semafor, nearly 50 unionized culture staffers said they were “shocked and deeply concerned” by the reassignments and said that since the news broke, “confusion has only grown about these changes and the targeting of four valued colleagues who have been strong, authoritative voices on the desk.”
Ich bin GESCHOCKT, dass es noch Medien gibt, die a) überhaupt noch 50 Kultur-Redakteur:innen haben, die dann b) auch noch betriebsrätlich organisiert sind. Also geschockt im positiv überraschten Sinne.
Wie auch immer: Die NYT-Verantwortlichen haben offenbar nichts aus dem für die gesamte Branche desaströsen pivot to video gelernt und lassen nun von Tiktok und Co. vor sich her treiben.
Times staff who spoke with Semafor said that overall, the paper’s leadership did not explain in detail how it saw criticism changing, and did not offer many clues as to the types of new story forms the masthead was seeking.
Ghost, das CMS, mit dem ich dieses Blog betreibe, ist heute in der neuen Version 6.0 erschienen und das ist mir eine Erwähnung wert. Denn die technischen Möglichkeiten, die das System nun ohne elendiges Gefrickel für das Publizieren von Inhalten bereitstellt, sind beeindruckend.
Vor lauter Schmetterlingseffekten und Hitlerbabys das Leben nicht mehr sehen
Foto: The De Laurentiis Company
Die Vergänglichkeit des Seins ist direktes Ergebnis dessen, dass Zeit für uns Menschen lediglich linear und in eine Richtung abläuft. Das ist kein Zustand, den es zu überwinden, sondern in dem es zu verharren gilt. Denn würden wir in permanenter Gleichzeitigkeit aller Zustände leben, würden wir ob aller etwaigen Schmetterlingseffekte und Hitlerbabys an jeder Ecke sicherlich erstarren. Die Vergänglichkeit ist die Konsequenz eines freien Lebens ohne prädeterminiertes Herumexistieren bzw. -vegetieren. Der Traum von der Herrschaft über die Zeit ist ein trojanisches Pferd voller Unfreiheit.
„Lustig" ist natürlich, wie anschlussfähig dieser Film zur Ära Donald Trump ist und so dem effekthascherischen Gedankenexperiment vom Töten Babyhitlers eine neue Doppelbödigkeit verpasst, die der Film davon losgelöst betrachtet jedoch leider nicht einhalten kann.
★★★☆☆
🇺🇸, R: David Cronenberg, D: Christopher Walken, Brooke Adams, Tom Skerritt, Herbert Lom, Anthony Zerbe, Colleen Dewhurst, Martin Sheen, Nicholas Campbell, Sean Sullivan, Jackie Burroughs, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: The De Laurentiis Company
Die heutigen Dailies unter anderem mit: zwei Ls von Wolfram Weimer, den Problemen eines Podcasts über Peter Thiel und Sergei Loznitsas neuster Doku in der Mediathek
Florian Hannig nimmt für Zeitgeschichte Online den seit Wochen so gerne herumgereichen DLF-Podcast über Peter Thiel, dem die sechs Episoden wohl eher nicht gerecht werden, auseinander. Ich musste beim Lesen auch an diesen Thread von Nora Hespers, der schließlich auch zitiert wird, denken. Hespers hat darin bereits am 1. Juni Schwächen und problematische Aussagen des Podcasts herausgearbeitet.
Die (Almost) Dialies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!
Erst jetzt entdeckt: Arte hat Sergei Loznitsas Dokumentarfilm über den Alltag in der Ukraine nach Beginn der russischen Vollinvasion, THE INVASION, bis Februar 2027 in der Mediathek stehen. (In 28 Teile zerhackt, aber gut.)
Falls man sich fragt wie die offizielle deutsche Sicht auf Polen 2025 ist, ist hier ein Post des @bundeskultur.bsky.social in dem zum Gedenken an den Warschauer Aufstand 1944 ohne Kontext ein NS-Propagandafoto aus dem Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 verwendet wird. Bitter.
Erzwungenes Gendern spiegele keineswegs wider, wie die überwiegende Mehrheit im Land spreche, betonte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Kanzleramt.
Ich bin so wenig davon überrascht, dass ich trotzdem eine Meme gebaut habe.
Inhaltlich spannend, aber formal leider wirklich nicht gut.
Foto: ZDF, TGW7N
Gut, dass die Macherinnen nur auf unter der Hand gefilmtes Material zurückgreifen, um Nordkorea von innen zu zeigen. Denn alles andere wäre ein Rückgriff auf Propaganda. Auch unabhängige Medien agieren in Nordkorea nicht unabhängig, wenn sie den offiziellen Weg gehen, um a) ins Land zu kommen und b) dort filmen zu dürfen. Außerdem brauchen wir als Publikum nicht den Kontrast zwischen den geschönten Bildern von letztlich arrangierten Situationen auf der einen und der brutalen Realität voller Leid auf der anderen Seite, um zu verstehen, wie es den Nordkoreaner:innen geht. Die heimlich angefertigten Aufnahmen und Berichte erfolgreich Geflüchteter sprechen für sich.
Was dem Film total abgeht, ist ästhetische Kohärenz. Ich verstehe nicht, wozu scheinbar zufällig und keinem Zweck dienlich handgezeichnete Animationssequenzen eingestreut werden. Es kann nicht um den Schluss von Lücken im dokumentarischen Material gehen, denn das ist ausreichend vorhanden. Es kann nicht als Abstraktionsebene, die zu drastische Bilder erträglicher machen soll, sein, denn vor Drastik scheut der Film andernorts nicht zurück.
Außerdem ist es total ausgenudelt, seine Talking-Head-Momente mit einer Perspektive aufzubrechen, die wiederum die Aufnahmesituation des Talking-Head-Moments zeigt. Das ist ein bildsprachlicher Taschenspieler:innentrick, um eine Art Pseudo-Vielschichtigkeit zu erzeugen, weil einem die Motive ausgehen.
Christopher Landons Film sagt viel über die Beschafftenheit unserer digitalen Kommunikationsräume, scheitert aber an fehlendem Kit.
Foto: Universal Pictures International Germany
Was mir gefallen hat: Der Film beschreibt unter anderem, wie antidemokratische Kräfte für ihre Zwecke memetische Kommunikation unterlaufen, digitale Räume annektieren und bestehende Ausdrucksästhetiken übernehmen, umdeuten, zweckentfremden und vergiften. (siehe Pepe the Frog)
Was okay war: Die grundlegende Paranoia wird aus einem super leicht nachvollziehbaren Umstand gezogen, indem uns vor Augen geführt wird, dass wir streng genommen mit technisch ziemlich ausgereiften Überwachungsinstrumenten in der Hosentasche herumlaufen. Auch hier braucht es lediglich eine Handvoll antidemokratischer Kräfte, um die freien Gesellschaften dieser Welt vor die Wand zu fahren. (siehe Palantir)
Was lahm war: Dafür, dass der Film regelrecht krampfhaft nach Verankerung in den technologischen Fundamenten unserer Welt sucht, macht er es sich an den falschen Stellen viel zu leicht. Es ist etwa offensichtlich, dass das zentrale Gimmick des Films um Apples Airdrop herum gebaut wurde, man es aber nicht namentlich erwähnen konnte/durfte. Also wurde einfach schnell eine in unserer Realität nicht existierende Alternative herbeigeschrieben, die dann bequemerweise auch noch ein paar Logikprobleme löst, die sich aus der tatsächlichen Funktionsweise von Airdop ergeben hätten. Das zieht eine unnötige Abstraktionsebene in den Film, die es uns leichter macht, uns vom aus der Technologie heraus entstehenden Horror zu lösen.
Was Mist war: Das Drehbuch erscheint mir doch dem Fehlschluss zu erliegen, dass eine Frauenfigur vor allem dann „stark" ist, wenn sie möglichst großes Leid übersteht. Denn der Film scheint mir doch irritierend viel Genuss daraus zu ziehen, der Protagonistin auf den letzten Metern schnell noch ungefähr 548 Rippen zu brechen – alles im Namen einer dahinbehaupteten Katharsis.
Was schade war: Der Film hat unglaublich wenig Fleisch auf den (gebrochenen) Rippen. Gute Ideen alleine reichen eben nicht, wenn da nichts ist, was die ganze Nummer mit schöner Schleife obendrauf zusammenzubinden vermag. DROP ist mehr ein ungeordneter Haufen dieser Ideen, die zusammen kein sonderlich spannendes filmisches Potenzial entfalten.
★★½☆☆
🇺🇸, R: Christopher Landon, D: Meghann Fahy, Brandon Sklenar, Reed Diamond, Violett Beane, Jeffery Self, Jacob Robinson, Gabrielle Ryan, Ed Weeks, Travis Nelson, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Universal Pictures International Germany
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
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