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Feuilleton & Firlefanz

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Youtube und der Tod der Medienkompetenz

Jetzt mal ernsthaft: Was ist überhaupt Medienkompetenz?

Youtube und der Tod der Medienkompetenz
Foto: Matt Palmer / Unsplash

Zoe Bee hat ein umfassendes Video gemacht, in dem sie versucht, sich dem Begriff der Medienkompetenz zu nähern. Super spannend, weil was ist überhaupt Medienkompetenz? Darauf hat jede*r eine andere Antwort – inklusive der Wissenschaft.

Media literacy is dead. ...or so I thought. Come with me as I recount how I spent months of my life trying to understand media literacy, along with lots of help from my friends. It's a big one.

Mal davon abgesehen, dass ich ein dezidiertes Schulfach „Medienkompetenz" schon immer als nicht zielführend betrachtet habe, erscheinen mir die Rufe danach nun nur noch platter. Außerdem: Ist fehlende Medienkompetenz überhaupt das Problem oder nur ein Symptom?

Was ich dahingehend permanent um mich herum beobachte: Wer einen immer größeren Teil seines Medienkonsums von aktiv auf passiv – also nicht mehr gezielt, sondern nur noch algorithmisch vorgesetzt – umstellt, verliert schnell Referenzrahmen und Kontext, in den er*sie Medien kritisch setzen kann.

Vielleicht ist bewusster Konsum also viel wichtiger, weil die Kompetenz letztlich ein Nebenprodukt dessen ist. (Soziolog*innen, Psycholog*innen und Medienwissenschaftler*innen haben dazu sicherlich viel klügere Dinge zu sagen. Aber die Gedanken kamen mir erst mal, als ich das Video geschaut hatte.)

Gesehen: Julianes Sturz in den Dschungel (1999) - Provoziertes Misstrauen

Wahrheit ist bei Werner Herzog nicht immer gleich Wahrheit.

Gesehen: Julianes Sturz in den Dschungel (1999) - Provoziertes Misstrauen
Foto: Studiocanal

Es ist selbst für Werner Herzogs Verhältnisse extrem skurril, wie er zusammen mit Juliane Koepcke, dem Subjekt dieses Dokumentarfilms, in der Check-in-Halle des Limaer Flughafens steht und mit aller Kraft versucht, eine gemeinsame Erinnerung heraufzubeschwören, zu konstruieren – für einen Moment, der vielleicht nie wirklich so stattgefunden hat, wie es Herzog in dieser Szene beschreibt.

Hier wird viel schneller und viel deutlicher die Methode Werner Herzog offenkundig. Es geht nicht zwangsläufig um die Rekonstruktion tatsächlicher Geschehnisse, sondern um das Nachfühlen der dem Geschehen zugrunde liegenden Wahrheit – mit allen dafür notwendigen Mitteln.

So kann man sich den ganzen Dokumentarfilm über nie ganz sicher sein, ob Juliane Koepcke so kühl, mechanisch, robotisch und distanziert dem Ort ihres Traumas entgegensteht, weil sie sich aus Selbstschutz abkapselt, oder weil es einstudierte Texte aus der Feder Herzogs sind.

JULIANES STURZ IN DEN DSCHUNGEL ist ein Film, der den*die Erzähler*in infrage und die Verhältnisse von uns als Publikum zur Wahrheit zu den Bildern auf die Probe stellt. Und gleichzeitig ist es natürlich immer noch eine irre Geschichte.

🇩🇪/🇬🇧, R: Werner Herzog, D: Juliane Koepcke, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Studiocanal

Den Film kostenlos bei Arthaus von Studiocanal streamen:

Die Kritik auf Letterboxd:

A review of Wings of Hope (1999)
Es ist selbst für Werner Herzogs Verhältnisse extrem skurril, wie er zusammen mit Juliane Koepcke, dem Subjekt dieses Dokumentarfilms, in der Check-in-Halle des Limaer Flughafens steht und mit aller Kraft versucht, eine gemeinsame Erinnerung heraufzubeschwören, zu konstruieren – für einen Moment, der vielleicht nie wirklich so stattgefunden hat, wie es Herzog in dieser Szene beschreibt. Hier wird viel schneller und viel deutlicher die Methode Werner Herzog offenkundig. Es geht nicht zwangsläufig um die Rekonstruktion tatsächlicher Geschehnisse, sondern um das Nachfühlen der dem Geschehen zugrunde liegenden Wahrheit – mit allen dafür notwendigen Mitteln. So kann man sich den ganzen Dokumentarfilm über

Die Kritik als Tonspur:

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JULIANES STURZ IN DEN DSCHUNGEL (1999, Werner Herzog)
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Gesehen: Fast Company (1979) - Capitalism Core

Im Vergleich zum vorherigen RABID ein radikaler Kontrast – eben weil es an Radikalität fehlt.

Gesehen: Fast Company (1979) - Capitalism Core
Foto: Quadrant Films, Canadian Film Development Corporation, Michael Leibowitz

Im Vergleich zum vorherigen RABID ist das natürlich ein radikaler Kontrast. Den Bildern geht nicht nur jegliche Drastik ab, sie sind auch noch total konventionell geschliffen. Aber thematisch ist das schon mal ein Vorstoß in eine ähnliche Richtung, die Cronenberg später etwa mit COSMOPOLIS einschlagen sollte: Capitalism Core – hier stilistisch nur mehr ROCKY statt AMERICAN PSYCHO.

Denn auch hier geht es um den Arbeiter, den vermeintlichen Star, dessen einzige Daseinsberechtigung es letztlich ist, Gewinne für andere zu erwirtschaften. Dafür setzen sie ihren Körper und ihr Leben aufs Spiel.

Unternehmerisches Risiko und das des Arbeiters stehen in keinem Verhältnis. Der Unternehmer kann bei sinkenden Gewinnen einfach die Reißleine ziehen und immer noch weich fallen, der Arbeiter steht vor dem Nichts oder sogar dem eigenen Unfalltod.

Die Perversion des Ganzen: Sportlicher Erfolg ist hier – und im übertragenen Sinne auch im Kapitalismus – gleichermaßen wirtschaftlicher Verlust. Es geht nur darum, Sponsorenlogos so lange wie möglich im Blick zu behalten. Wer gewinnt, ist zu schnell und verkürzt das Aufmerksamkeitsfenster für die Produkte der Geldgeber:innen.

Das filmische Gesamtpaket ist nur leider nicht so interessant. Die Zeichnung des Drag-Racing-Milieus ist einigermaßen spröde und mit schnarchigen Stereotypen besetzt. In denen steckt zwar sicherlich auch eine Menge Wahrheit, aber die klischierte Inszenierung übertüncht diese Wahrheit letztlich.

★★½☆☆

🇨🇦, R: David Cronenberg, D: William Smith, Claudia Jennings, John Saxon, Nicholas Campbell, Don Francks, Cedric Smith, Judy Foster, Robert Haley, George Buza, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Quadrant Films, Canadian Film Development Corporation, Michael Leibowitz

Den Film streamen:

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Die Kritik auf Letterboxd:

A ★★½ review of Fast Company (1979)
Im Vergleich zum vorherigen RABID ist das natürlich ein radikaler Kontrast. Den Bildern geht nicht nur jegliche Drastik ab, sie sind auch noch total konventionell geschliffen. Aber thematisch ist das schon mal ein Vorstoß in eine ähnliche Richtung, die Cronenberg später etwa mit COSMOPOLIS einschlagen sollte: Capitalism Core – hier stilistisch nur mehr ROCKY statt AMERICAN PSYCHO. Denn auch hier geht es um den Arbeiter, den vermeintlichen Star, dessen einzige Daseinsberechtigung es letztlich ist, Gewinne für andere zu erwirtschaften. Dafür setzen sie ihren Körper und ihr Leben aufs Spiel. Unternehmerisches Risiko und das des Arbeiters stehen in keinem Verhältnis. Der

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FAST COMPANY (1979, David Cronenberg)
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Kinotagebuch: Yes (2025) - Überwältigungskino

Nadav Lapid hadert – mit seinem Geburtsland Israel, den Folgen des 7. Oktober 2023 und irgendwie auch mit der Liebe.

Kinotagebuch: Yes (2025) - Überwältigungskino
Foto: Grandfilm

In Leipzig läuft vom 11. bis zum 21. September 2025 die mittlerweile elfte Ausgabe des Gegenkino-Festivals. Einer der beiden Eröffnungsfilm war Nadav Lapids YES. Als großer Fan von Lapids SYNONYMS (2019) konnte ich mir den natürlich nicht entgehen lassen.

Meine Gedanken zum Film gibt's aber dieses Mal nicht in Gänze hier im Blog oder auf Letterboxd, sondern etwas runder geschrieben als „richtige" Kritik drüben bei Kino-Zeit! Hier ein kleiner Ausschnitt:

Nadav Lapid inszeniert zunächst ein regelrechtes Überwältigungskino, das alle Sinne angreift – mit wildem Schnitt, radikalem Soundtrack samt großer Vorliebe für völlig enthemmten Eurodance und zuckenden Lichtern. Er lässt seinen Figuren und uns als Publikum erst mal keine Zeit und keinen Raum zum Denken – und eben auch nicht zum Fühlen. Yes ist somit auch ein Kino des Verdrängens. Damit beschreibt Lapid eine Realitätsflucht, die sich eben aus dieser Verdrängung speist, aber auch aus der absoluten Unfähigkeit, auf das zu reagieren, was am 7. Oktober seinen Lauf nahm – persönlich, gesellschaftlich und politisch.
Yes (2025) | Film, Trailer, Kritik
Nadav Lapid scheint sich selbst nicht sicher zu sein, ob dieser Moment für Israel der 7. Oktober 2023 war, mit seinen blutigen Folgen, oder ob die Entwicklung zu diesem Zeitpunkt längst vollzogen war. Genau diese Unsicherheit steckt auch tief in den Knochen von Y. und Yasmin. Er ist Musiker, sie Tänzerin. Sie schaffen es kaum, sich und den gemeinsamen einjährigen Sohn Noah über die Runden zu bringen. So ziehen sie von Party zu Party der Reichen, Schönen und Mächtigen, schlagen sich Nächte und Drogen um die Ohren – immer in der Hoffnung, die Nacht im Bett irgendeines fleischgewordenen Bündels Fuck-You-Money zu beschließen und dabei selbst ein paar Scheine abzuzwacken.

Regulärer deutscher Kinostart im Verleih von Grandfilm ist derzeit für den 13. November 2025 geplant.

Kinotagebuch: Lesbian Space Princess (2024) - Vulgäre Ermächtigung

Wie fandet ihr eigentlich die Sexszenen in BLUE IS THE WARMEST COLOR?

Kinotagebuch: Lesbian Space Princess (2024) - Vulgäre Ermächtigung
Foto: Salzgeber

Ich habe mir nicht wirklich etwas zur Rezeption des Films angelesen, aber ich höre die ganzen Dudebros „Simpsons/Futurama/Family Guy/Rick and Morty already did it!" bis hierher brüllen und sich in Reddit-Circlejerks gegenseitig upvoten.

Das ist eine Kritik, die man schon anbringen kann, wenn man sich nur mit der reinen Oberfläche beschäftigt. Denn dass die beiden Macherinnen Leela Varghese und Emma Hough Hobbs vielleicht in einer ähnlichen humoristischen Tradition wie Matt Groening, Seth MacFarlane oder Dan Harmon stehen, macht die beiden noch lange nicht zu Plagiatorinnen.

LESBIAN SPACE PRINCESS hat sich für mich nach dem Einfordern eines Platzes an genau dem Tisch, der bisher weitestgehend maskulin geprägt war, angefühlt. Es ist ein Entreißen einer spezifischen Humorfarbe aus den Händen gatekeepender Dudebros.

Leela Varghese und Emma Hough Hobbs ermächtigen sich dieses sehr wortwörtlichen In-Your-Face-Humors mit extrem viel Selbstironie und einem Feuerwerk an (gesellschafts)politischen und (pop)kulturellen Referenzen.

Als der Bordcomputer des Raumschiffs unvermittelt in ein Gespräch der beiden Lover*innen grätscht, um aus heiterem Himmel und ohne erkennbaren Grund zu fragen, wie sie denn nun eigentlich die Sexszenen in BLUE IS THE WARMEST COLOR fanden, konnte ich nicht mehr. 😄

Außerdem wird keine falsche Scham an den Tag gelegt. Der Film suhlt sich genüsslich in seiner eigenen Vulgarität, und das macht einfach Spaß.

★★★★☆

🇦🇺, R: Leela Varghese, Emma Hough Hobbs, D: Shabana Azeez, Gemma Chua-Tran, Richard Roxburgh, Kween Kong, Jordan Raskopoulos, Madeleine Sami, Bernie Van Tiel, Zachary Ruane, Mark Bonanno, Broden Kelly, Demi Lardner, Reuben Kaye, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Salzgeber

Den Film streamen:

Lesbian Space Princess - Stream: Jetzt Film online anschauen
Wo und wie heute “Lesbian Space Princess” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!

Die Kritik auf Letterboxd:

A ★★★★ review of Lesbian Space Princess (2024)
Ich habe mir nicht wirklich etwas zur Rezeption des Films angelesen, aber ich höre die ganzen Dudebros „Simpsons/Futurama/Family Guy/Rick and Morty already did it!” bis hierher brüllen und sich in Reddit-Circlejerks gegenseitig upvoten. Das ist eine Kritik, die man schon anbringen kann, wenn man sich nur mit der reinen Oberfläche beschäftigt. Denn dass die beiden Macherinnen Leela Varghese und Emma Hough Hobbs vielleicht in einer ähnlichen humoristischen Tradition wie Matt Groening, Seth MacFarlane oder Dan Harmon stehen, macht die beiden noch lange nicht zu Plagiatorinnen. LESBIAN SPACE PRINCESS hat sich für mich nach dem Einfordern eines Platzes an genau dem

Die Kritik als Tonspur:

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LESBIAN SPACE PRINCESS (2025, Leela Varghese & Emma Hough Hobbs)
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Gesehen: To Live and Die in L.A. (1985) - Ausbleibender Klick

Es fällt mir schwer, viel mehr als Resignation zu sehen 🤷‍♂️

Gesehen: To Live and Die in L.A. (1985) - Ausbleibender Klick
Foto: capelight pictures

Irgendwie tue ich mich mit Friedkin echt schwer. THE EXORCIST und SORCERER sind überragende Filme, die einen unvergleichlichen Sog entwickeln. Aber darüber hinaus hat es bisher noch nicht so richtig Klick gemacht.

Ich kann er- und anerkennen, mit welchem großen Stilwillen dieser Film inszeniert ist – mit der pointierten Zusammenstellung des Soundtracks und dieser wirklich enorm dynamisch und spannungsgeladenen Verfolgungsjagd auf dem Highway im Gegenverkehr, bei der die Kamera das Geschehen nicht nur starr aus „sicherer" Entfernung einfängt, sondern sich an die Seite der Figuren begibt. Das packt mich dann auch.

Auch die Verknüpfung mit der konkreten Politik der Zeit durch einen im Hintergrund zu hörenden Ausschnitt einer Rede von Ronald Reagan weckt prinzipiell mein Interesse. Die soziale Kälte dieser Ära frisst sich auch in die Figuren dieses Films, in denen schon bald nicht viel mehr als Zynismus steckt – eben, weil deren Ausblick auf die Zukunft so radikal verengt wird, alles aussichtslos scheint und auch nicht mal mehr der Hauch eines Silberstreifens am Horizont zu erkennen ist.

Wahrscheinlich liegt der ausbleibende Klick daran, dass es mir schwer fällt, darin viel mehr als Resignation zu sehen 🤷‍♂️

★★★½☆

🇺🇸, R: William Friedkin, D: William Petersen, Willem Dafoe, John Pankow, Debra Feuer, John Turturro, Darlanne Fluegel, Dean Stockwell, Steve James, Robert Downey Sr., Michael Greene, Christopher Allport, Jack Hoar, Valentin de Vargas, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: capelight pictures

Den Film streamen:

Leben und Sterben in L.A. - Stream: Jetzt online anschauen
Wo und wie heute “Leben und Sterben in L.A.” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!

Die Kritik auf Letterboxd:

A ★★★½ review of To Live and Die in L.A. (1985)
Irgendwie tue ich mich mit Friedkin echt schwer. THE EXORCIST und SORCERER sind überragende Filme, die einen unvergleichlichen Sog entwickeln. Aber darüber hinaus hat es bisher noch nicht so richtig Klick gemacht. Ich kann er- und anerkennen, mit welchem großen Stilwillen dieser Film inszeniert ist – mit der pointierten Zusammenstellung des Soundtracks und dieser wirklich enorm dynamisch und spannungsgeladenen Verfolgungsjagd auf dem Highway im Gegenverkehr, bei der die Kamera das Geschehen nicht nur starr aus „sicherer” Entfernung einfängt, sondern sich an die Seite der Figuren begibt. Das packt mich dann auch. Auch die Verknüpfung mit der konkreten Politik der Zeit

Die Kritik als Tonspur:

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TO LIVE AND DIE IN L.A. (1985, William Friedkin)
0:00
/124.155646

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