Feuilleton & Firlefanz
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Gesehen: Manhunter (1986) - Abgründiges Bilderbuch
FilmkritikMichael Mann bricht das weichgezeichnete Paradies auf und offenbart nicht nur beim Killer Abgründe.
Der Film öffnet mit dem Ausschnitt eines Home-Videos und damit einer vermeintlich unschuldigen, gutbürgerlichen Bilderbuchästhetik sowie einer gewissen voyeuristischen Dimension, die diesen Aufnahmen auch immer innewohnt.
Durch genau diese Dimension bricht Michael Mann schließlich die Unschuld auf, lässt seinen Killer die Fassade zertrümmern und kontrastiert das weichgezeichnete Paradies mit teilweise hart monochromatischen Bildern.
Psychologisch interessant ist die ganze Nummer dann auch, weil es eben nicht der in seinem Job „einfach nur" gute Profiler ist, an dem das alles aufgehängt wird. Denn der Profiler ist so gut in seinem Job, weil in ihm die gleiche Abgründigkeit wie in der Psyche des Killers zu finden ist. Auch er hat das bilderbuchartige Familienleben gewählt, obwohl er genau um die Fragilität dieser vermeintlich heilen Welt weiß.
★★★½☆
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Frösche: 1, Alex Jones: 0 am 15. Oktober 2025
(Almost) DailiesDie heutigen Dailies unter anderem mit: „Falsch, aber anders lustig", unterfinanziertem Journalismus und der obersten Schlappe für Alex Jones.
Ich gönne Moritz Neumeier wirklich jeden Erfolg dieser Welt. Falsch, aber lustig ist so ein tolles Kleinod. Dass der Mediatheken-Ableger Falsch, aber anders lustig nun eine zweite Staffel mit Start am 16. Oktober bekommt, freut mich daher sehr.
Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!
Nora Hespers spricht mit Andrea Schültke und Kerstin von Kalkreuth über die Berichterstattung von Missbrauchsfällen im Leistungssport. Spannender Aspekt: wie die prekäre Arbeitssituation freier Journalist*innen und die dünne Besetzung eigentlich „zuständiger" Redaktionen auch mit dazu führen, dass sich missbräuchliche Strukturen im Verborgenen ausbilden können.
Wenn dich selbst der mehrheitlich rechtsdrehende Oberste Gerichtshof der USA abweist... Gut so. Alex Jones verdient jedes gegen ihn verhängte Urteil.
Und hier ist die nächste Illu zu den #CursedRelics2025, das Thema: Dragon Crest “We live in capitalism. Its power seems inescapable. So did the divine right of kings. Any human power can be resisted and changed by human beings.“ ― Ursula K. Le Guin
— Daniela Schreiter (@fuchskind.bsky.social) 2025-10-14T17:59:06.271Z
Ron Howard ist ein guter Handwerker, aber damit rettet er diesen Film nicht.

AHHH
— Endless Screaming (@infinitescream.bsky.social) 2025-10-15T12:03:53.70593700Z
Gesehen: Eden (2024) - Leiernde Paranoia
FilmkritikRon Howard ist ein guter Handwerker, aber damit rettet er diesen Film nicht.
Ron Howard inszeniert sich hier wirklich einen Wolf, um die absolute inhaltliche Beliebigkeit irgendwie auszugleichen. Stellenweise gelingt ihm das sogar. Dass er über die Bildebene Stück für Stück eine gewisse Paranoia aufziehen lässt, lässt sich nicht abstreiten. Ron Howard war schon immer ein guter Handwerker.
Nur Hand in Hand mit dem Text geht das eben nie sonderlich elegant. Denn auf der textuellen Ebene wird extrem viel ausformuliert und dann in Dia- und Monologen zum Ausdruck gebracht. Uns wird wortwörtlich erzählt, was passieren wird, und anschließend wird es uns noch mal gezeigt.
Es ist ein wahnsinnig leierndes und ermüdendes Erzählen.
Ziel des Films ist es offenbar, uns etwas über das Wesen des Menschen zu erzählen. Über vermeintliche Archetypen, die sich anscheinend nur in dieser Inselsituation herausschälen lassen. Das ist mit Blick auf die gesellschaftliche und politische Lage in Europa um 1929 natürlich Quatsch.
Damit kippt der Film – ob nun bewusst oder nicht – in ein sehr naiv-gefährliches Menschheitsbild. Als ob ein Mensch kein sich seiner selbst bewusstes Wesen wäre, das seine Handlungen nicht reflektieren und steuern könnte. Also ob gewisse abgründige Wesenszüge und Verhaltensmuster eben in unserer unverrückbaren „Natur" lägen, die abseits der sogenannten zivilisierten Welt zum Vorschein kommen.
★★½☆☆
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Poor, fair, fair, poor am 14. Oktober 2025
(Almost) DailiesDie heutigen Dailies unter anderem mit: BOOGIE NIGHTS, Dorothee Elmiger und Battlefield 6.
Recommendation: no, Concept: poor, Characterization: fair, Dialogue: fair, Storyline: poor – Twentieth Century Fox war 1994 so gar nicht angetan von Paul Thomas Anderson BOOGIE NIGHTS. „Thank goodness New Line Cinema said yes to it", ist bei mir der Top-Kommentar. Trifft den Nagel auf den Kopf, würde ich sagen.
Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!
Es gibt eine neue Buchpreisträgerin und ihr Name ist Dorothee Elmiger. Überzeug hat sie die Jury mit ihrem Roman Die Holländerinnnen.
Dieser Roman ist ein Ereignis. Eine Schriftstellerin berichtet von ihrer Reise in den südamerikanischen Urwald mit einer Theatergruppe auf den Spuren zweier Holländerinnen, die vor Jahren dort verschwunden sind. Auf dieser Wanderung erzählt sich die Gruppe verstörende Geschichten. Je tiefer sie sich im Dickicht und Morast verläuft, desto mehr reißt Elmiger die Leser:innen in einen Sog der Angst. Ihr Roman erzählt von Menschen, die in ihr ‚dunkelstes Gegenteil‘ verfallen. Indirekt ist dabei nicht nur Elmigers Sprache, sondern auch ihr Verweis auf unsere Gegenwart, die Schritt für Schritt in Selbstüberhebung versinkt. Elmigers Stil ist gleichzeitig distanziert und doch fesselnd. Die Holländerinnen - Ein faszinierender Trip ins Herz der Finsternis.

Mit Battlefield 6 ist der mittlerweile (und nach Wikipedia-Zählart) vierzehnte Teil der Serie erschienen und damit ist auch die Frage zurück, warum man denn ausgerechnet Krieg spielen muss. Christian Huberts hat das im Gespräch bei Corso im Deutschlandfunk ganz gut eingeordnet.

Wer den noch nicht gesehen hat, hat jetzt bis zum 12. November die Chance, die Kontrolle über sein Leben zurückzuerlangen.
Michel Foucault kann sich hinsetzen, Daniel Loick hat einen viel zeitgemäßeren Vorschlag.
„Wann lösen wir uns endlich von Social-Media-Algorithmen?", fragt Damián Morán Dauchez bei musermeku.

Dass man das auch immer und immer wieder erwähnen muss...
Es gibt keinen Wirtschaftsnobelpreis.
— Natascha Strobl (@nataschastrobl.bsky.social) 2025-10-13T10:09:51.712Z
Raider, Twix, diesdas:

Darf man Friedrich Merz noch Wurst nennen?
— Arne Semsrott (@arnesemsrott.bsky.social) 2025-10-14T12:36:23.520Z
Der Film scheitert an seinem Bestreben, mit jedem einzelnen Moment maximal anschlussfähig zu sein.

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHH
— Endless Screaming (@infinitescream.bsky.social) 2025-10-14T12:56:25.61194000Z
Keine Gebete mehr für den Algo-Gott
Netzkultur„Wann lösen wir uns endlich von Social-Media-Algorithmen?", fragt Damián Morán Dauchez bei musermeku.
„Wann lösen wir uns endlich von Social-Media-Algorithmen?", fragt Damián Morán Dauchez bei musermeku.
Es gibt natürlich viele Content-Ersteller, die ihr Bestes geben, um gegen dieses System der großen Social-Media-Plattformen zu kämpfen. Ich habe dies beruflich so lange wie möglich gemacht. Es zeigt sich aber auch immer wieder, wie viele großartige Content-Ersteller lange versucht haben, mit ihren Inhalten gegen die Algorithmen zu bestehen – bis sie aufgrund der mangelnden Reichweite keine Motivation mehr hatten weiterzumachen. Und dies lag oft nicht am mangelnden Interesse eines bestehenden Publikums, das sich für genau die Inhalte der Creators interessiert hätte. Wenn Algorithmen entscheiden, dass dieses Publikum von den Inhalten gar nicht erreicht wird, bleiben nur noch wenige Optionen: seine Inhalte so verbiegen, dass der Algorithmus darauf anspringt, selbst wenn man sich damit von seinem persönlichen Stil verabschieden muss, seine Inhalte mit Budget bewerben und sich die Reichweite erkaufen – oder resigniert seine Social-Media-Aktivitäten einschränken oder ganz aufgeben.

Fühle ich total und ich mache das gerade auch irgendwie so: Meine Gedanken zu Filmen zweitverwerte ich auch in Kurzvideos und als Podcast. Ich mache das (zum Glück), weil ich's kann und nicht muss. Das alles hier ist Hobby und es bereitet mir ziemlich viel Spaß, auch andere Distributionswege auszuprobieren und die Abhängigkeit von Algorithmen zwar zu sehen, sie mir aber letztlich egal sein kann.
Manche Videos klatschen aus nicht nachvollziehbaren Gründen gegen die Algorithmus-Wand, einige werden einigermaßen okay verteilt, andere vom Algo-Gott geküsst – eben weil sie (von mir nicht bewusst vorgesehen) in diese Kerbe schlagen:
Die Social-Media-Plattformen sind lediglich Strukturen, leere Hüllen. Sie brauchen Inhalte, um Nutzer bei der Stange und süchtig zu halten. Sie brauchen den Zugriff auf die Nutzer, um Gewinn aus Werbeeinnahmen und persönlichen Daten zu generieren. Der Algorithmus ist der Weg, diesen Zugriff zu behalten. Er wird auswählen, welche Inhalte relevanter sind, indem er die psychologischen Schwächen der Nutzer ausnutzt und empörende, emotionalisierende, radikale Botschaften priorisiert.
Die Kommentare unter dem verlinkten Video unterstreichen das noch mal.
Deshalb blogge ich auch (wieder) so gerne – weil das hier mein Garten ist und ich und nur ich Freude an meinem Garten habe. Wenn das ein Publikum findet? Schön! Wenn das kein Publikum findet? Nicht so wichtig... Wichtig ist mir aber, tolle Inhalte anderer sichtbarer zu machen – und wenn es an schlechten Tagen nur zwei Augenpaare, zwei Klicks sind. Sharing ist dennoch caring.







