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Feuilleton & Firlefanz

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Gesehen: Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981) - Trostloser Sturm

Absolute Einsamkeit in Abwesenheit sämtlicher Elternfiguren

Gesehen: Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981) - Trostloser Sturm
Foto: Eurovideo Medien

Absolut trostlose und damit einfach gelungene Inszenierung dieses „perfekten" Sturms aus sozialer Randständigkeit, ökonomischer Abgeschlagenheit, und instabilen Familienverhältnissen als Ergebnis von unter anderem viel zu grobmaschigen sozialen Fangnetzen. Das alles zusammen ist einfach fruchtbarster Boden, auf dem Suchtmechanismen besonders gut Wurzeln schlagen und dann sowohl einander als auch die Bodenbedingungen weiter befeuern können.

Über weite Strecken nie so ganz freimachen kann sich der Film von seiner SCHULMÄDCHEN-REPORT-Ästhetik und Attitüde. Aber Uli Edel gelingt es schließlich doch, damit zu brechen – und zwar mit jeglicher gebotener Drastik.

Ich habe das Buch damals™ in der Schule lesen müssen. Aber ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern, wie es im Text war. Jedenfalls ist hier im Film total die Abwesenheit von Christianes Mutter bzw. überhaupt Elternfiguren bemerkenswert. Das ist einerseits als Symptom der ökonomischen Bedingungen, mit denen Familie F. klarkommen muss, zu begreifen und unterstreicht andererseits die erschreckende Einsamkeit dieser Generation.

★★★½☆

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Gesehen: Shin Ultraman (2022) - Nostalgisches Chaos

Will zu vieles gleichzeitig sein

Gesehen: Shin Ultraman (2022) - Nostalgisches Chaos
Foto: Plaion Pictures

Wie hier inmitten dieses spielerischen Chaos' zwar nostalgische Rückgriffe zugelassen werden, sich aber nie darauf ausgeruht wird und Variationen der Motive und Bilder von GODZILLA über KING KONG bis ATTACK OF THE 50 FT. WOMAN möglich werden. Und dieses trashige wie schnittig-moderne Augenzwinkern ist erst mal grundsympathisch.

Doch letztlich übernimmt sich der Film bei dem Versuch, all diese verschiedenen Themen und Motive zu variieren, zu remixen und neu zueinander in Bezug zu setzen. Durch unzählige Wendungen, die hier schier endlos aneinandergereiht werden, wird alles immer egaler – weil es sowieso mit der nächsten Wendung über den Haufen geworfen wird, und weil alles derart zerfasert, dass es kaum noch zusammengehalten werden kann.

SHIN GODZILLA war in seiner politischen Dimension ausgefeilter und klarer, SHIN KAMEN RIDER stringenter und stilsicherer in seiner Action, SHIN ULTRAMAN will irgendwie alles davon sein und ist deshalb kaum etwas davon.

★★★☆☆

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Gesehen: Lights Out (2013) - Proof of Concept

Ein Spiel mit elementaren Ängsten

Gesehen: Lights Out (2013) - Proof of Concept
Foto: David F. Sandberg

Wirkt alles natürlich ein bisschen hemdsärmelig zusammengeschustert, aber als Proof of Concept hat es ja ganz offensichtlich sehr gut funktioniert. Also solches hat mir der Kurzfilm auch sehr gefallen. David F. Sandberg orchestriert schon recht effektiv den der Dunkelheit innewohnenden Terror durch die Schemen, die wir in ihr auszumachen glauben. Das spielt mit absolut elementaren, manchmal kindlichen Ängsten und vereint sie mit dem Umstand, als Erwachsener nun selbst für sein „Überleben" in der Dunkelheit verantwortlich zu sein.

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Gesehen: Possessor (2020) - Blutige Spitze

Im Turbokapitalismus sind Körper wortwörtlich Austauschware und Brandon Cronenberg inszeniert das selbstgefällig durch

Gesehen: Possessor (2020) - Blutige Spitze
Foto: Kinostar Filmverleih

Im Turbokapitalismus sind Körper wortwörtlich Austauschware; Wegwerfwerkzeuge zur Maximierung von Profit um jeden Preis und wider jede Moral. Aktienkurs go up ist die oberste Maxime. Was Brandon Cronenberg hier auf die blutige Spitze treibt, hat mich doch an verschiedene Auswüchse denken lassen, die nach dem Antritt von Trump II schnell die Runde machten.

Hier werden Konzerne als das beschrieben, was sie tatsächlich sind: opportunistische, ausschließlich im Dienste der Gewinnmaximierung für Shareholder stehende Konstrukte. Konzerne haben keine Moral. Wer sich im Pride Month eine Regenbogenflagge aufs Logo klatscht, tut das nicht aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus. Das zeigt, wie schnell all die vermeintlich mächtigen Konzerne mit Trump II direkt alles, was zu einer gerechteren Gesellschaft beitragen soll, aus den Unternehmensrichtlinien und -zielen gestrichen haben.

Die Analogie dazu in POSSESSOR ist auch das Spiel mit dem Körper als theoretisch austauschbare Hülle, der man sich entledigen und in die man hineinschlüpfen kann. Denn damit einher geht auch das Lösen vom biologischen Geschlecht. Das Überwinden dieser Geschlechterordnung, das Spiel mit einer zumindest begrifflichen Transgeschlechtlichkeit wird hier als Werkzeug im großkapitalistischen Machtkampf um Marktherrschaft genutzt – also heruntergebrochen wie die Regenbogenflagge im Insta-Profil.

Brandon Cronenberg gefällt sich letztlich jedoch auch sehr darin, durch die Rollen- und Hüllenwechsel, durch die Unzuverlässigkeit der Erzählperspektive ein mehrschichtiges Verwirrspiel aufzuführen – und ruht sich nach meinem Geschmack dann doch zu oft auf dieser mitunter effekthascherischen Popcornebene aus.

★★★½☆

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Gesehen: I Like Movies (2022) - Wahrhaftiges Hadern

Man muss den Film leider nicht gesehen haben, um ihn treffend zu kritisieren

Gesehen: I Like Movies (2022) - Wahrhaftiges Hadern
Foto: Camino Filmverleih

Es steckt so viel Wahrhaftiges und auch Wahres in diesem Film: das Hadern mit sich selbst, die Unsicherheit im eigenen Körper und Kopf, die Flucht in die Obsession, weil die Halt gibt, während alles um einen herum um- oder sogar wegzubrechen scheint. Das Gatekeepen von Hobbys schafft dann in erster Linie Sicherheit bei ironischerweise gleichzeitiger Befeuerung der eigenen sozialen Isolation. Um das zu überwinden, muss man sich schon sich selbst und der unbequemen Frage stellen, was für ein Mensch man eigentlich sein möchte. Grundlegender Coming-of-Age-Kram also.

Das Problem daran ist: Diesen Absatz hätte ich schreiben können, ohne den Film überhaupt gesehen zu haben – und damit immer noch ins Schwarze getroffen. Dieser Film ist in jeder Sekunde auf Nummer sicher geschrieben und inszeniert. Es muss ja nicht immer gleich der ganz große Wurf sein, aber hier wird nicht mal ausgeholt, sondern eigentlich immer nur direkt gerollt und mit einer Prise Nostalgie abgesichert.

★★★☆☆

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Gesehen: A House of Dynamite (2025) - Crash-Zoom aufs Ende

Tight inszeniert, aber komisch distanziert von den eigenen Bildern

Gesehen: A House of Dynamite (2025) - Crash-Zoom aufs Ende
Foto: Netflix

Das ist ein absolut tight inszenierter Thriller, der es jedoch nie so wirklich geschafft hat, mich auf einer rein filmischen Ebene gänzlich abzuholen. Kathryn Bigelow will sich nämlich nicht wirklich auf die inhärente Nüchternheit ihrer Bilder einlassen, sondern versucht sie durch haufenweise kleine Crash-Zooms zu übertünchen. Vielleicht will sie ihrem Film damit etwas Dokumentarisches anheften. Wenn ja, dann wäre das Stilmittel aber auch dafür nicht konsequent genug durchgezogen.

So springt der Film oft zwischen konventioneller und gefakt dokumentarischer Inszenierung hin und her. Dadurch kann man sich nicht so leicht zu Geschehen verorten. Klar, der Film will dazu zwingen, verschiedene Positionen einzunehmen und für sich selbst abzuwägen. Aber dafür wirft mir der Film zu viele desorientierende Stöcke zwischen die Speichen.

Ein bisschen albern fand ich auch die „Choose your own adventure"-ähnliche Sequenz im finalen Kapitel. Denn die braucht es doch eigentlich nicht, um die moralische Komplexität und die Schwere der Situation zu verdeutlichen. In jedem Fall werden unfassbar viele Menschen sterben. Wem der Weg zu dieser Erkenntnis nur durch ein kleines Gedankenspiel geebnet werden kann, der sollte vielleicht noch mal einen Blick in ein Geschichtsbuch werfen.

Was dann wiederum sehr gut funktioniert, ist, wie dadurch der absolute Zynismus der Debatten vor Augen geführt wird, die wir im Hinblick auf Aufrüstung vor der Kulisse einer in sich zusammenfallenden Weltordnung führen. Plötzlich sind wir alle Fünf-Sterne-General*innen und niemand fragt nach dem Ob, sondern nur noch nach dem Wie.

Kathryn Bigelow führt uns also vor Augen, dass wir in der gesellschaftlichen und globalpolitischen Debatte dabei sind, ohne Chance auf Kurskorrektur falsch abzubiegen. Sie dokumentiert die Bürokratisierung der Apokalypse; wie Protokolle den Untergang der Zivilisation kodifizieren, weil sie den Menschen aus der Gleichung nehmen.

★★★½☆

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