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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 215

Gesehen: Tommaso (2019) - Malick im Guten und Schlechten

Zwischen überstrapazierter Leier und vielschichtiger Selbstsabotage

Gesehen: Tommaso (2019) - Malick im Guten und Schlechten
Foto: Neue Visionen

Rein formal hat mich sehr viel von TOMMASO an die Filme von Terrence Malick denken lassen – im guten wie im schlechten Sinne. Die vielen Weitwinkel, Bildgestaltung und Spiel ganz im Zeichen des Naturalismus, immer in Bewegung, viel „aus der Hüfte“ geschossen – das weiß in seinen Bann zu ziehen. Dazu Willem Dafoes Tommaso, der ohne auch nur einen Tropfen anzurühren von seinem eigenen Alkoholismus zunehmend und nach allen Regeln der Kunst in Beschlag genommen wird. Er sucht Fehler immer nur bei anderen, nie bei sich selbst. Er gibt die Schuld für seine eigenen Unzulänglichkeiten immer anderen, nie sich selbst. Er meint,

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Gesehen: Disco Boy (2023) - Kolonialistischer Gleichmacher

Aus diesen Ober- und Untertönen einen Vibe zu machen, ohne zu trivialisieren, das ist schon stark.

Gesehen: Disco Boy (2023) - Kolonialistischer Gleichmacher
Foto: Charades

Dieser Film macht so viel richtig und richtig gut. Die Bilder erzeugen einen wirklich hypnotischen Sog. Und aus den Ober- und Untertönen der Kolonialisierung quasi einen Vibe zu machen, ohne zu trivialisieren, das ist schon stark. Aber es fühlt sich letztlich eben doch sehr risikolos und wie auf bereits bereiteten Pfaden wandelnd an. Nicht zuletzt Claire Denis’ BEAU TRAVAIL (1999) oder jüngst etwa HUMAN FLOWERS OF FLESH (2022) kommen dabei in den Sinn.

Zeitlos interessant bleibt meiner Meinung nach der Aspekt des Militärs. Als großer Gleichmacher, als Eintrittskarte zu einer besseren Zukunft präsentiert sich die Fremdenlegion auch hier. Währenddessen werden

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Mein Medienmenü - Woche 44/2023 & The Bear

Fuck yeah, Chef! Zum Glück bin ich manchmal so ein elender Snob, dass mich überschwängliche Lobpreisungen erstmal ziemlich sicher davon abhalten, etwas direkt zu schauen. So habe ich jetzt direkt zum Einstieg zwei volle Staffeln The Bear.

Außerdem habe ich gelernt, dass das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ein großartiges Filmprogramm hat, für das ich künftig gerne immer mal wieder die Alpenrepublik besuchen werde.

Filme

Serien

  • S01E03-E09 von
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Gesehen: Kung-Fu Master! (1988) - Bittersüßes Sehnen

Der Film macht keine halben Sachen und hat es trotzdem nicht nötig, auf übermäßig laute Töne zu setzen.

Gesehen: Kung-Fu Master! (1988) - Bittersüßes Sehnen
Foto: Ciné-Tamaris

Mit wunderschöner Fotografie erkundet Agnès Varda die Grenzen zwischen Liebe, Macht und Kontrolle, wie sich diese drei Begriffe gegenseitig bedingen und wie sie durch Erfahrung und Alter verschoben werden. Es ist das bittersüße Sehnen nach einer längst vergangenen, vermeintlich einfacheren Zeit, demgegenüber das fast schon verzweifelte Streben danach ein geformter Mensch zu werden steht. Und um es mal ganz salopp zu formulieren: Der Film macht keine halben Sachen und hat es trotzdem nicht nötig, auf übermäßig laute Töne zu setzen. Er ist behutsam, zart und weiß gleichzeitig, an welchen Stellen er wehzutun hat.

★★★★☆

🇫🇷, R: Agnès Varda, D: Jane Birkin, Mathieu
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Gesehen: Eden Lake (2008) - Zynischer Quatsch

Genre und Sozialdrama kommen hier einfach nicht zusammen.

Gesehen: Eden Lake (2008) - Zynischer Quatsch
Foto: Leonine Studios Spielfilm

EDEN LAKE ist im Umgang mit seinen Figuren an Drastik kaum zu überbieten und zieht erschreckend viel Genuss daraus, seine Figuren mit so viel Scheiße wie nur irgend möglich zu bewerfen. In einem wirklichen Genrefilm mag das funktionieren, aber EDEN LAKE will gleichermaßen Sozialdrama sein. Unterm Strich bleibt so weitestgehend zynischer Quatsch übrig.

Der Film lässt ökonomische Perspektivlosigkeit, Eskapismus im Drogenrausch, eine weit geöffnete soziale Schere, fehlende soziale Auffangmechanismen, Gentrifizierung und Abdrängung an den Rand der Gesellschaft aufeinanderkrachen und bietet mit dem zentralen Konflikt einen horrormäßig überzeichneten Ausblick auf den bevorstehenden Bruch im gesellschaftlichen Gefüge. Diese Komplexität lässt sich jedoch

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Gesehen: Epidemic (1987) - Wut im Bauch

Von dieser mitunter etwas unausgegorenen Art und Weise geht eine nicht zu verleugnende Faszination aus.

Gesehen: Epidemic (1987) - Wut im Bauch
Foto: Det Danske Filminstitut, Elementfilm

Es hat sich für mich schon so angefühlt, als ob Lars von Trier hier mit ordentlich Wut im Bauch die Menschheit oder das, was wir Zivilisation nennen, anklagt. Die sieht und zeigt er sehenden Auges sowie wider besseren Wissens in die Katastrophe rennen, Erkenntnisse der Vergangenheit ignorant abtun, komplett lernunwillig und dann auch noch im letztmöglichen Moment jede noch so verrückte Idee in der Hoffnung, dass etwas kleben bleibt, an die Wand werfen. Er wirft den Menschen vor, sämtliche Chancen, sich neu zu erfinden, verstreichen zu lassen und so unweigerlich in den Abgrund zu rennen. Der durch und durch pessimistische

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