Kennt ihr noch? Ich muss alle paar Jahre dran denken und grunze dann etwas debil in mich hinein. Heute sieht das natürlich ganz anders aus, haben sich doch ein paar recht nützliche Nutzungsmöglichkeiten ergeben. Dass man außerdem keine gesonderte App mehr braucht, hat die wohl größte Hürde abgebaut.
Mal kurz abseits der in verschiedenen migrantischen Generationen erzählten Geschichte, verhandelt Thomas Arslan hier ganz grundlegend, was es bedeutet, ein guter Mensch zu sein. Wie wird man ein guter Mann – mit blinder Familientreue, Macho-Gehabe und emotionaler Verschlossenheit? Oder sind nicht vielmehr diejenigen „richtige“ Männer, die Gefühle und sich verletzlich zeigen und Verantwortung übernehmen? Was bedeutet es, eine unabhängige Frau zu sein? Wie lässt sich als Frau ein selbstbestimmtes Leben führen? Wie handeln gute Väter und Mütter?
Das sind die drängenden (Coming-of-Age-)Fragen, die diesen Film vor allem ausgemacht haben. Sie gelten universelle und losgelöst von der migrantischen Perspektive – und sind, das sollte niemals vergessen werden, gleichzeitig untrennbar mit ihr verwoben.
So, und zum Schluss komme ich leider nicht ohne ein bisschen Erbsenzählerei aus: Ich finde, der Film steht sich vor allem wegen Savas Yurderi aka Kool Savas oft selbst im Weg. Diese riskante Besetzungsentscheidung will nicht so recht aufgehen. Oft musste ich an meine eigene Schulzeit zurückdenken – unfassbar nervös vor der gesamten Klasse stehend, um ein Gedicht auswendig aufzusagen. Dann entfleucht der Stimme das Selbstbewusstsein und die Betonung verfällt in ein gekünstelt-kitschiges Singsang. Und das passiert auch hier mit Yurderi. Damit fällt er selbst in dieser gestelzten und kühlen Dialogästhetik der Berliner Schule irritierend aus der Reihe.
★★★½☆
DE, R: Thomas Arslan, D: Savas Yurderi, Mariam El Awad, Serpil Turhan, Tamer Yiğit, Bilge Bingul, Trailer, Wikipedia
David Tennant und Catherine Tate im 2023er „Doctor Who"-Special „The Star Beast" // (c) BBC
Ich schaue gerade die vier 2023er Specials von Doctor Who und die zeigen vor allen Dingen eins: wie perfekt die Sterne damals für Russell T. Davies, David Tennant, Billie Piper, Catherine Tate und auch Freema Agyeman in einer Reihe standen. Die beiden treibenden Kräfte dieser Zeit (Davies, Tennant) mit der einen vor dem Doctor keine falsche Bescheidenheit an den Tag legenden Companion (Tate) nochmal in einen Topf zu werfen, verkennt eine damals essenzielle Zutat: Timing. Und das stimmt heute einfach nicht mehr. Magie lässt sich nicht erzwingen oder imitieren. Alleine der Versuch ist eine kreative Bankrotterklärung. Super schade.
Unterm Strich gibt sich dieser Film mit ziemlichem Genuss faschistoiden Ideen hin, zeichnet eine militaristische Gesellschaft als absolute Notwendigkeit für das Überleben der Spezies Mensch und gleichzeitig die menschliche Vorherrschaft als naturgegeben. Die letzten Menschen leben praktisch im Postfaschismus, von den Dächern schreit es „Blut und Boden!“.
★☆☆☆☆
IE/GB/US, R: Rob Bowman, D: Christian Bale, Matthew McConaughey, Izabella Scorupco, Gerard Butler, Trailer, Wikipedia
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Recommendations
Shelfd
Keine Zeit für schlechte Streams. Bei Shelfd findet ihr jede Woche handverlesene Empfehlungen und Kolumnen – von echten Menschen, nicht vom Algorithmus.