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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 130

Gesehe: Lemminge, Teil 1 – Arkadien (1979)

Gesehe: Lemminge, Teil 1 – Arkadien (1979)
(c) ORF, ARD

Spannend zu sehen, wie früh in seinem Schaffen Haneke schon ganz klar Haneke war. Sehr vertraut sind diese bürgerlichen Gestalten, die die personifizierte Scheinheiligkeit zu sein scheinen, die (vor allem zu sich selbst) unehrlich sind und sich aus Überheblichkeit dem Abgründigen nicht stellen, es nur im Verborgenen zulassen. Es sind wahrscheinlich die Überbleibsel des Nationalsozialismus und prinzipiell das Autoritäre, das hier den Boden vor Menschen und zwischen Generationen aufgehen lässt, das nichts anderes als zwischenmenschliche Kälte ermöglicht.

Es mag nicht so filigran, so vielschichtig beobachtet und ausformuliert sein wie in folgenden Werken. Aber es ist bereits alles angelegt und

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Opernbesuch: Der fliegende Holländer (Leipzig, 2024)

Opernbesuch: Der fliegende Holländer (Leipzig, 2024)

Wunderbar modern lässt sich Michiel Dijkemas Inszenierung von Richard Wagners Der fliegende Holländer lesen. So sind die über die Ewigkeiten angesammelten Schätze des Holländers hier im Inneren eines gestrandeten Wals zu finden, aus dem sich sie Seemänner dann bedienen. Es ist, als ob der Holländer die Natur bis aufs Letzte ausgebeutet hat, nun endlich sterben und die sinnbildliche Sintflut hinter sich hereinbrechen lassen will, aber stattdessen auf ewig mit seiner eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert in einer untoten Zwischenwelt schmoren muss.

Dann die Figur der Senta, die auf der Bühne ihre eigene und damit auch die Emanzipation der Frau verhandelt. Sie will

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Gesehen: The Watchers (2024)

Gesehen: The Watchers (2024)
(c) Warner Bros. Entertainment

Der Film ist einfach nicht zu mir durchgedrungen – auf keiner Ebene.

Seine Betrachtung vom Publikum als Horror ist nur wenig konsequent. Das dichotome Verhalten des Publikums als Menge, die eine künstlich hergestellte Situation als lebensnah wahrnehmen will und sie gleichzeitig aber eben auch als Spiel mit Regeln zu durchblicken glaubt, das wird zwar angelegt, aber letztlich nicht konsequent genug verfolgt. Vieles bleibt einfach liegen.

Den Film im letzten Akt noch in eine Art Folk-Horror kippen zu lassen, zieht den Karren auch nicht mehr aus dem Dreck und geht auch nicht wirklich auf. Folk-Horror basiert doch letztlich auf Geschichten,

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Die taz stampft ihre werktägliche Printausgabe ein

Die taz stampft ihre werktägliche Printausgabe ein
(c) Roman Kraft / Unsplash
Nun ist es raus: Die letzte auf Papier gedruckte werktägliche Ausgabe der taz erscheint am 17.10.2025. Auf der Generalversammlung der taz Verlagsgenossenschaft im Berliner Festsaal Kreuzberg verkündete die Geschäftsführung der taz am Samstag den Zeitpunkt der sogenannten „Seitenwende“ für die seit 1979 täglich erscheinende Tageszeitung aus Berlin.
taz-Genossen stimmen „Seitenwende“ zu: Bloß nicht in Schönheit sterben
Als erste überregionale Tageszeitung beendet die taz unter der Woche das Drucken. Die Versammlung der taz-Genoss:innen akzeptierte den Schritt nach lebhafter Aussprache.

Die taz ist in meiner Wahrnehmung eine der wenigen Zeitungen, die sich durchaus

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Gesehen: Opening Night (1977)

Gesehen: Opening Night (1977)
(c) Faces International Films

Klar lässt sich dieser Film sehr eng mit dem Thema verknüpfen, welchen Wert wir als (patriarchal geprägte) Gesellschaft einer alternden Frau zumessen. Klar sollten wir uns hier die drängende Frage stellen, warum wir Menschen abhängig von ihrem Alter überhaupt einen Wert zumessen. Aber das ist hier nur ein Teilaspekt dessen, was mich so gepackt hat.

Mir ging Gina Rowlands’ Figur extrem nahe. Sie ist eine Frau, getrieben von der Angst, dass sich unter dem Ruhm einfach nichts ist. Sie trinkt nicht, weil sie ihre inneren Dämonen mit Alkohol betäuben will; sie trinkt, weil es sie davon abhält, in sich

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Gesehen: Wintermärchen (2018)

Gesehen: Wintermärchen (2018)
(c) W-film

Der Abspann beginnt über den Fernseher zu laufen, im Hintergrund setzt „Schrei nach Liebe“ von Die Ärzte ein und ich denke mir nur: „Euer verdammter Ernst?!“ Wer diese Lyrics wirklich als Erklärungsansatz für rechtsextremen und nationalsozialistischen Terror begreift, der hat doch den Schuss nicht gehört. Die Nazis sind die ungeliebten Kinder mit den bösen Eltern, sind sexuell frustriert, kennen ausschließlich toxische zwischenmenschliche Beziehungen und essen heimlich natürlich trotzdem Döner. Das Drehbuch klammert fast gänzlich die menschenfeindliche und rassistische Ideologie aus. Aber wer sich derart deutlich auf Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe bezieht, kann und darf sich das nicht erlauben.

Versucht

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