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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 103

Gesehen: Three Days of the Condor (1975)

Gesehen: Three Days of the Condor (1975)
Robert Redford // (c) Studiocanal, Arthaus

Die Ruhe und Präzision, das Selbstbewusstsein und die Abgebrühtheit, mit der Sydney Pollack hier inszeniert, hat mich direkt gefesselt. Keine Effekthascherei, Worte werden mit Bedacht gesetzt und die tatsächliche Spannung entsteht nicht unmittelbar durch das Geschehen, sondern durch die Implikationen kleiner Momente.

Robert Redford scheint diese Rolle auf den Leib geschrieben, denn nur weniger können Charme, Naivität und Abgeklärtheit glaubwürdig in einer Figur zusammenbringen.

Bei aller filmischer Zuspitzung steckt hier außerdem ein Appell drin, die freie Presse zu schützen – auch vor dem Staat und seinen Organen wie den Geheimdiensten, denen es an ausreichender demokratischer Kontrolle fehlt.

★★★★☆

US, R: Sydney Pollack,
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Gesehen: One from the Heart (1982)

Gesehen: One from the Heart (1982)
Teri Garr // (c) Studiocanal, Arthaus

Nüchtern betrachtet ist ONE FROM THE HEART der Versuch von Verklärung und Reinwaschung. Hier wird unmissverständlich übergriffiges, manipulatives und generell toxisches Verhalten als Leidenschaft und eine selbstverständliche Facette von Liebe geframt.

Insofern scheint der Film tatsächlich der Versuch sein, eine „klassische" Hollywood-Liebesgeschichte im alten Stil zu erzählen – genau genommen im überalterten, völlig aus der Zeit gefallenen Stil.

Dazu die überstilisierte Ästhetik, jedoch nicht den Geist eines untergegangenen Musical-Hollywoods einfängt, sondern nie viel mehr als eine Aneinanderreihung von Musical-Klischees mit einem nicht minder klischierten Soundtrack.

Sollte Coppola diesen Filmtitel persönlich meinen, dann sagt das viel – nur eben wenig Gutes.

★★☆☆☆

US, R:
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Die Reise zum Mittelpunkt der Erde: Berit Glanz' Newsletter zum Mitlesen

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde: Berit Glanz' Newsletter zum Mitlesen
Am Snæfellsjökull auf Island beginnt die Reise ins Innere der Erde.

Berit Glanz hat ein tolles neues Projekt: sozusagen ein Read-Along zu Jules Vernes Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1864) mit angeschlossenem Gedanken(aus)tausch.

Meine Idee ist, dass ich jede Woche ein Kapitel des Buches per Newsletter schicke, dazu einige Absätze mit Gedanken und Fragen, die sich mir beim Lesen gestellt haben. Ich werde dazu die im Projekt Gutenberg vorhandene Version verwenden (das ist die 1874 bei Hartleben veröffentlichte deutsche Übersetzung).

Das erste Kapitel ging heute raus und Berit lädt direkt ein, durch das Hamburg der Vergangenheit zu flanieren, auf „die Poesie von Wortreihungen, die Steine und auch die

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Ein Appell nach zehn Jahren Filmlöwin

Ein Appell nach zehn Jahren Filmlöwin
(c) Mandy Henry / Unsplash

Es schmerzt, diese schonungslos ehrlichen Zeilen von Filmlöwin-Gründerin Sophie Charlotte Rieger zum zehnjährigen Bestehen des feministischen Filmmagazins zu lesen. Denn ich selbst bin auch seit ein paar Jahren Leser und schätze die von den Autor:innen dort aufgezeigten Perspektiven sowie deren Expertise enorm.

10 Jahre FILMLÖWIN - und (k)eine Party - Filmlöwin
Zehn Jahre FILMLÖWIN - wir haben viel erreicht und stehen trotzdem vor dem Aus. Nur mit euch kann es weitergehen.

Ein Projekt aus schierer Leidenschaft ehrenamtlich umzusetzen, ist die eine Seite. Auf der anderen stehen ökonomische Realitäten, die dazu führen, dass sich nur wenige

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Gesehen: Competencia oficial (2021)

Gesehen: Competencia oficial (2021)
Antonio Banderas, Penélope Cruz und Oscar Martínez // (c) Studiocanal, Arthaus

Künstler*innenklischees sind natürlich eine Low Hanging Fruit. Mainstream vs. Arthouse, die „echte" Kunst vs. Massenkultur, die empfundene Verachtung von Kunst durch das Publikum, Method Acting vs. eher klassisches Schauspiel, die Obszönität der Stargagen vs. Hungerlöhne für den ganzen Rest – die Filmbranche und ihre Akteur*innen bieten selbstverständlich unzählige Reibungsflächen.

Aber was hier wirklich nachhallt, ist letztlich eine Warnung. Denn wenn die Kunstfreiheit irgendwann nur noch auf dem Papier besteht, weil in der Realität die Entstehung von Kunst nur noch durch die Mittel von Milliardär*innen mit einem schwarzen Loch statt eines Herzens in der Brust ermöglicht wird, ist die

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Gesehen: Napoléon (1927) - Technischer Wahnsinn

Zwischen bahnbrechendem Handwerk und emotionaler Verkrüppelung

Gesehen: Napoléon (1927) - Technischer Wahnsinn
Foto: Studiocanal, Arthaus

Alleine aus technischer Sicht herausragend, was hier passiert: Die dynamische Kamera, die sich stellenweise mitten ins Geschehen begibt und sich etwa auf einem rauschenden Fest von den Tanzenden mitreißen lässt. Die unglaubliche Bandbreite an Kulissen, Locations und die schiere Masse an Statist*innen. Die Collagierung, bei der teilweise drei Bilder nebeneinander montiert werden, um die Illusion eines Breitbildes zu erzeugen. Wie mit Transparenzen und Überlagerungen gearbeitet wird. All das zahlt ein auf den Wahnsinn, dem Napoleon gewissermaßen immer weiter verfällt.

Gleichzeitig findet der Film auch immer wieder in den vermeintlich leisen Momenten die Zeit und Ruhe, nicht nur die Taten,

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