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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: The Order (2024)

Gesehen: The Order (2024)
Jude Law und Jurnee Smollett // (c) Amazon Studios

Natürlich fällt der Film gerade auf sehr, sehr fruchtbaren Boden. Aber das bedeutet nicht, dass er sich in irgendeiner Art und Weise anbiedert. Justin Kurzel inszeniert sich mit einem bestechenden Selbstbewusstsein und erstaunlicher Präzision an diesen Stolperfallen vorbei und zaubert nebenbei noch eine vereinnahmend dichte Atmosphäre.

Der Film zeichnet gekonnt nach, was nicht erst 1983 aus dem Ruder gelaufen ist, sondern schon längst seit Jahrzehnten unter den Augen von Teilen der Gesellschaft und Staat immer breiter Fuß fasste.

Neonazis sind weder Pfadfinder:innenverein noch Faschingsclub und schon gar keine gesellschaftliche Randerscheinung. Sie sitzen in den Kirchen, in den Amtsstuben und in der Legislative und infiltrieren Stück für Stück gesellschaftliche Strukturen. Und irgendwann hat dieser Parasit eben den kompletten Brunnen verseucht.

Die Blaupause für diesen Inlandsterrorismus lag die ganze Zeit in greifbarer Nähe. Nur hat sich niemand gefunden, der wirklich darin blättern wollte – außer Typen wie hier Jude Law, der seinen FBI-Agenten eigentlich nur als wandelnden Jagdinstinkt spielt.

★★★½☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Justin Kurzel, D: Jude Law, Nicholas Hoult, Tye Sheridan, Jurnee Smollett, Alison Oliver, Morgan Holmstrom, Odessa Young, Marc Maron, Trailer, Wikipedia

The Order - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “The Order” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★★½ review of The Order (2024)
Natürlich fällt der Film gerade auf sehr, sehr fruchtbaren Boden. Aber das bedeutet nicht, dass er sich in irgendeiner Art und Weise anbiedert. Justin Kurzel inszeniert sich mit einem bestechenden Selbstbewusstsein und erstaunlicher Präzision an diesen Stolperfallen vorbei und zaubert nebenbei noch eine vereinnahmend dichte Atmosphäre. Der Film zeichnet gekonnt nach, was nicht erst 1983 aus dem Ruder gelaufen ist, sondern schon längst seit Jahrzehnten unter den Augen von Teilen der Gesellschaft und Staat immer breiter Fuß fasste. Neonazis sind weder Pfadfinder:innenverein noch Faschingsclub und schon gar keine gesellschaftliche Randerscheinung. Sie sitzen in den Kirchen, in den Amtsstuben und in

Posten, obwohl das Haus in Flammen steht

Posten, obwohl das Haus in Flammen steht
(c) Stephen Radford / Unsplash

Was in den USA gerade unter Trump und mehr oder weniger Elon Musk passiert, macht fassungslos. Ich spare mir die vielen einleitenden und erklärenden Worte, möchte aber auf die Kolleg*innen von Wired hinweisen, die einen fantastischen Job abliefern und in dieser Sache gerade so ziemlich jedes andere US-Medium vorführen.

Ich komme mir komisch dabei vor, diese Katastrophe mit weitreichenden Folgen für das (Über-)Leben von unzähligen Menschen einfach zu ignorieren. Andererseits: Was kann ich auf diesem Blog mit vergleichsweise keiner Reichweite schon zur Gemengelage beitragen?

Jason Kottke, den ich seit Jahren täglich lese, treibt das auch um. Diese Woche schrieb er unter anderem:

As you might have noticed (and if my inbox is any indication, you have), I have pivoted to posting almost exclusively about the coup happening in the United States right now. My focus will be on this crisis for the foreseeable future. I don’t yet know to what extent other things will make it back into the mix. I still very much believe that we need art and beauty and laughter and distraction and all of that, but I also believe very strongly that this situation is too important and potentially dangerous to ignore.

Klar, Jason hat zwar eine enorme Reichweite, aber natürlich nicht die einer Wired oder New York Times. Letztlich geht es hier aber auch darum zu tun, was sich richtig anfühlt.

Für mich fühlt es sich nun richtig an, mit dem Finger hierauf zu zeigen: Donald Trump ernennt sich selbst zum Vorsitzenden des Kuratoriums des John F. Kennedy Centers for the Performing Arts und schmeißt gleichzeitig mehrere Mitglieder raus.

At my direction, we are going to make the Kennedy Center in Washington D.C., GREAT AGAIN,” he wrote. “I have decided to immediately terminate multiple individuals from the Board of Trustees, including the Chairman, who do not share our Vision for a Golden Age in Arts and Culture. We will soon announce a new Board, with an amazing Chairman, DONALD J. TRUMP! (Indiewire)

Das ist nicht nur ein bisschen faschistoid, das ist Faschismus 101.

Back in his first term, Trump declined to attend the Kennedy Center Honors ceremony in 2017 after some honorees were critical of him. The honorees included Carmen de Lavallade, Gloria Estefan, LL Cool J, Norman Lear, and Lionel Richie.

Die beleidigte Leberwurst zu spielen, ist das eine. Kunst und Kultur zu „verstaatlichen", um sie nach eigenen Vorstellungen zu einem Instrument der Propaganda umzubauen, das andere.

Zurück zu Jason Kottkes Coup-Coverage – oder besser: zu dem, was der ebenfalls geschätzte Andy Baio dazu sagt:

it's hard to keep posting fun creative projects while your country is being gutted, but I'll keep going until I can't anymore

Vielleicht mache ich mir etwas vor, wenn ich jetzt sage, dass auch ich das hier bei mir im Blog versuche. Vielleicht sage ich das, weil es sich gut anhört und die Lage in Deutschland (noch) nicht so ist. Aber es fühlt sich richtig an, auch weiter über die inspirierenden Dinge zu schreiben – auch, wenn diese Inspiration einen dunklen Ursprung hat und es sich irgendwie auch so anfühlt, wie Berit Glanz schreibt.

Wie sich die Gleichzeitigkeit von Alltag und aufziehendem Faschismus angefühlt haben muss, kann ich erst jetzt richtig nachvollziehen. Man sitzt irgendwie geschockt vor Nachrichten, muss dann aber auch Geld verdienen und die Geschirrspülmaschine ausräumen.

Berit Glanz (@beritmiriam.bsky.social) 2025-02-05T08:58:10.574Z

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Gesehen: The Beast (2023)

Gesehen: The Beast (2023)
Léa Seydoux und George MacKay // (c) Grandfilm

Der Mensch scheint nur eine Sache wirklich gut zu können: die ewige Wiederholung immer gleicher Muster. Wir waren, sind und werden bis in alle Ewigkeit zu Stillstand verdammt. Der Film legt eine Möbiusschleife um unsere Hälse und schnürt uns damit gnadenlos die Luft ab.

Wie eine solche Schleife funktioniert der ganze Film. Erst ist der Schleifenbogen weit, die Menschen sind trotz eindeutiger Anzeichen für den praktisch unmittelbar bevorstehenden Kollaps unbesorgt und flüchten sich in den Hedonismus.

Doch die Schleife läuft unaufhaltbar immer enger zusammen, alles wird immer schlimmer. Dort, wo der Bogen sich selbst kreuzt, in unserer Gegenwart, da ist eine große Leerstelle. Niemand will sich die Blöße geben und vor Augen rufen, dass die Menschheit tatenlos bei der ultimativen Verkrempelung zugesehen hat.

Aber dann ein zunächst erlösender Moment, den Bonello hier mit technologischem Fortschritt beschreibt. Der Moment maximaler Verkrempelung liegt scheinbar hinter uns, die Schleife geht wieder weiter auf. Doch die Möbiusschleife hat kein Ende. Wer an den Bögen entlangfährt, wird immer und immer wieder an den gleichen Punkten vorbeiziehen.

Die Erlösung ist eine Illusion, es wird einfach alles immer schlimmer. Und mittendrin steht der Mensch – untätig, feige, überheblich, naiv. Der Mensch wählt in allen möglichen Realitäten immer die schlechteste Option und wird lediglich davon träumen können, das Richtige zu tun. Und darin liegt der Horror dieses Films.

★★★★☆

🇨🇦/🇫🇷, R: Bertrand Bonello, D: Léa Seydoux, George MacKay, Guslagie Malanda, Elina Löwensohn, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Babes (2024)

Gesehen: Babes (2024)
Michelle Buteau und Ilana Glazer // (c) Universal Pictures

Für mich hat der einfach funktioniert, weil der Humor nicht total, sondern sehr maßvoll überzogen ist und immer über einen sehr ehrlichen Kern geerdet wird.

Der zentrale Aspekt lag für mich letztlich in der Dualität des urbanen Lebens in progressiven Ballungsräumen. Natürlich ist dein Manhattan-Townhouse im Wert von mehreren Millionen US-Dollar eine ziemlich dufte Sache – bis die 200 Jahre alten Abflussrohre platzen. Natürlich gehört eine Geburt für viele Menschen zu den euphorischsten Momenten ihres Lebens – aber Dammrisse und Stuhlgang sind auch Teil dieser Erzählung. All das durch moderne Medizin relativ okay durchstehen zu können, ist großartig – nur um sich danach vor der Tür selbst ein Taxi mit heranwinken zu müssen.

Jede Entscheidung für etwas ist auch unweigerlich eine gleichzeitige Entscheidung gegen etwas. Fortschritt ist nie ausschließlich positiv, sondern bringt immer auch neue Herausforderungen mit sich – besonders im Kapitalismus. (Dass der Film jedoch jegliche ökonomische Realität ausblendet, ist seine größte Schwäche.)

★★★½☆

🇺🇸, R: Pamela Adlon, D: Ilana Glazer, Michelle Buteau, John Carroll Lynch, Oliver Platt, Sandra Bernhard, Stephan James, Hasan Minhaj, Keith Lucas, Kenneth Lucas, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Neustadt. Stau - Der Stand der Dinge (2000)

Eine junge Frau in blauem Pulli sitzt vor einer hölzernen Schrankwand am Tisch u. hat vor sich 3 Bilder von ihren 3 Kindern.
(c) ÖFilm, Stiftung Deutsche Kinemathek

Die Ampel bleibt rot – das ist das letzte Bild des Films vor der Schwarzblende. In meinem Kopf hindert sie den letzten Zug daran, Halle-Neustadt zu verlassen. Wer an die Zukunft dachte, saß in einem der vorherigen Züge. Wer in der Vergangenheit schmorte, kam zu spät.

Thomas Heise wird hier mit seiner Kamera Zeuge der Ursachen und Folgen eines radikalen Braindrains innerhalb der Stadtteilgesellschaft. Natürlich hat das auch mit den wirtschaftlichen Folgen der Wende für Sachsen-Anhalt zu tun. Aber eben auch damit, dass Rechte – von Konservativen bis zu Neonazis – sich unter anderem großflächig an diesem Punkt überschneiden: die Verachtung von Bildung. Denn Bildung bedeutet Fortschritt und Fortschritt stellt den Status quo infrage und ist nie rückwärtsgerichtet.

Wer ein Buch statt die Bild liest, wird nicht als Mensch wahrgenommen, der seinen Horizont erweitern und Dinge über die Welt lernen möchte, sondern als jemand geframt, der sich über andere stellen und andere Menschen abwerten will. Doch das scheint reine Projektion, denn das eigene Handwerk, die eigene Arbeitsmoral und die seit Jahrzehnten unveränderte Weltsicht werden als Maß aller Dinge erachtet, nach der sich alle anderen richten müssen.

P.S.: Einer der Neonazis im bürgerlichen Gewand hat sich eine Kopie eines von Hitler gemalten Bildes in die Wohnung gehängt – weil er es interessant findet, dass diese „Führungspersönlichkeit" auch vorher ein Privatleben hatte. Als ob massenmordender Faschist nur ein Job wäre, den man nach 17 Uhr einfach auch mal Job sein lassen kann. Das kannst du dir nicht ausdenken.

🇩🇪, R: Thomas Heise

Der Film steht noch bis zum 31. Januar 2028 kostenlos in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung:

Neustadt. Stau - Der Stand der Dinge
Acht Jahre nach der ersten filmischen Begegnung mit rechtsextremen Jugendlichen in Halle Neustadt besucht Thomas Heise seine Protagonisten und ihre Familien zur Jahrhundertwende erneut.
Gesehen: Stau – Jetzt geht’s los (1992)
Was für ein bemerkenswertes Zeitdokument, das besonders aus heutiger Sicht den Stillstand festhält. Denn was in diesem Dokumentarfilm hervorsteht, ist die absolute Tatenlosigkeit, mit der selbst das direkte Umfeld diesen sich zunehmend radikalisierenden jungen Menschen gegenübersteht. Wir können jetzt lange über „Haha, schau mal, die dummen Nazis!” lachen. Aber es

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Gesehen: Miller's Girl (2024)

Gesehen: Miller's Girl (2024)
Martin Freeman und Jenna Ortega // (c) Studiocanal

Wilde These, aber vielleicht eignet sich Dark Romance gar nicht dazu, derlei Machtstrukturen zu ergründen? Konkret in diesem Fall ist das jedenfalls so. Denn Komplexität und Grauzone werden lediglich behauptet.

Hier geht es nicht um Transgression oder auch nur eine erotische Gratwanderung, sondern letztlich um eine grotesk verschobene Wahrnehmung von Täter und Opfer, die mit einem „Irgendwie sind doch beide ein bisschen Schuld" und ein bisschen Genrekitsch überspielt werden soll.

So komplex wie der Film offenbar seine Fragestellungen begreift, so klar ersichtlich sind die Antworten darauf. Ein deutlich älterer Mann überschreitet mehrere Grenzen zu seiner gerade 18 Jahre alten Schülerin, die natürlich in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm steht. Er weiß, wo die Grenzen liegen, aber sie sind ihm egal. Welchen wie auch immer gearteten Profit die Schülerin daraus zu schlagen versucht, ist völlig egal. Nur scheint das dem Film nicht wirklich klar zu sein.

★☆☆☆☆

🇺🇸, R: Jade Halley Bartlett, D: Jenna Ortega, Martin Freeman, Bashir Salahuddin, Gideon Adlon, Dagmara Dominczyk, Trailer, Wikipedia

Miller’s Girl - Stream: Jetzt Film online anschauen
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