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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Still ruining vinyl am 26. Januar 2026 Featured Post

Die heutigen Dailies unter anderem mit: Taylor Swift, klugen Werbeverboten und Claude Chabrol

Still ruining vinyl am 26. Januar 2026
Bild: Erik Mclean / Unsplash

Anthony Fantano, the internet's busiest music nerd, über Taylor Swifts raffgierige Verkaufsstrategie, die auch vor Vinyl nicht Halt macht.


Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!

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Jan Kawelke und Vassili Golod loten in Machiavelli die Rolle von generativer KI in der Kunst und ihre Rolle als potenzielles Werkzeug aus.

COSMO Machiavelli: KI ist keine Kunst
In dieser Episode tauchen Vassili & Jan deep in eine Frage ein, die gerade die Kunst- und Kulturwelt spaltet: Kann künstliche Intelligenz Kunst schaffen – oder imitiert sie nur?

Aber wie soll Söder dann im Urlaub nur den Weg zur nächsten Bratwurstbude finden? Finde, wir sollten die niederländische Botschafterin einbestellen. Der kann der Markus dann mal was mansplainen.

Niederlande: Amsterdam verbietet Werbung für Fleisch und klimaschädliche Produkte
In Amsterdam ist es ab Sommer verboten, für Fleisch zu werben. Dasselbe gilt für Produkte und Dienstleistungen, die Energie aus fossilen Trägern verbrauchen.

(via)


Na endlich...

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teilte mit, die EU werde die Verantwortung für Konsens und Kinderschutz nicht an Tech-Unternehmen abgeben. "In Europa werden wir unvorstellbares Verhalten wie das digitale Entkleiden von Frauen und Kindern nicht tolerieren."

Aber dann...

Von einer Strafe oder Sperre des Dienstes sah man aber zunächst ab: Eine Deaktivierung von Grok in der EU zu erwirken, ist nach eigenen Angaben nicht das Ziel der EU-Kommission und eher ein letztes Mittel. Indonesien und Malaysia hatten Grok als erste Länder weltweit Mitte Januar vorübergehend gesperrt. 

Wenn wir nur mit dem Säbel rasseln, aber niemals auch mal die Klinge ansetzen, können wir die Nummer auch gleich lassen. Das ist genauso feige wie Apple und Google, die über ihre Appstores unbehelligt weiter X samt Grok verbreiten.

Skandal um KI-Nacktbilder: EU leitet wegen Chatbot Grok Verfahren gegen Musks Unternehmen X ein
Elon Musk hat die Risiken seines Chatbots Grok durch sexualisierte KI-Fotos nach Ansicht der EU nicht richtig bewertet. Sie leitete ein Verfahren gegen X ein.

Sehr schönes Paket vom 47. Max Ophüls Preis, das Patrick Wellinski bei Vollbild geschnürt hat.

Vollbild - live vom Filmfestival Max-Ophüls-Preis

Arte hat gerade eine schöne Auswahl mit Filmen von Claude Chabrol im Angebot.

Zutiefst menschlich - Die Filme von Claude Chabrol - Kino | ARTE
Kein anderer vermochte es so deutlich die finstersten Abgründe und moralische Verkommenheit der französischen Bourgeoisie auf die Leinwand zu bringen, wie Claude Chabrol. ARTE zeigt mit unter anderem “Der Schlachter“ und “Blutige Hochzeit“ eine Auswahl an Filmen des Regisseurs. Ergänzt wird diese Filmauswahl durch eine Dokumentation, die die einzelnen Werke erläutert.

Drüben haben wir eine echt schöne Auswahl zusammengestellt, finde ich.

News | Specials | Stiche ins Wespennest? Dokumentarfilm auf den Spuren der eigenen Familie
In „Wir, die Wolfs&quot spürt Filmemacher Darío Aguirre seiner außergewöhnlichen Familiengeschichte nach, die eng mit Deutschland verwoben ist.…

Gesehen: The Wonders (2014) - Licht ist Leben

Die Leinwandgöttin triumphiert über den Möchtegerngott

Gesehen: The Wonders (2014) - Licht ist Leben
Bild: ZDF, Simona Pampallona

Der Film beginnt mit Scheinwerfern, die durch das Dunkel der Nacht schneiden, das Haus anleuchten, über die Körper der im Bett liegenden Kinder hinwegschweifen. Es ist, als ob diese Welt, diese Leben, diese Kinder nur innerhalb des Lichtkegels für diesen einen Moment existieren und dann zurück in das Nichts der Dunkelheit und aus der Ebene unserer Existenz gleiten.

Alice Rohrwacher spielt mit dem Licht als Symbol oder gar Essenz des Lebens – etwa mit dem Strahl, der durch Schwebstaub hindurch in den dunklen Raum fällt und das Mädchen ihn mit den Händen wie Wasser aus einem Hahn auffängt und vorsichtig „trinkt“. Licht ist – im übertragenen Sinne, aber auch ganz wortwörtlich – ein Ankerpunkt in der Dunkelheit, ein Mittel, das Verborgene sichtbar zu machen, und ein Sinnbild der Suche. Für Rohrwachers Mädchen eine Suche nach Sicherheit, nach Geborgenheit, nach sich selbst und einem selbstbestimmten Leben in einer Zukunft, die sie selbst anstelle des Vaters gestalten.

Der Vater ist eine herrische, extrem autoritäre und in dieser Welt, die er um sich herum geschaffen hat, eine gottgleiche Figur. Als solche wird er jedoch in einem Akt der Selbstermächtigung einer seiner Töchter in eine Untergebenenrolle getrieben und darin von einer in edle antike Gewänder gekleideten Monica Bellucci entmündigt. Die Leinwandgöttin triumphiert über den Möchtegerngott und ermutigt die kleinen Feen, wie sie die Töchter in einer Szene nennt, den von mir hier zum Zwecke der Metapher hineingelesenen Olymp zu verlassen.

Rohrwacher dekonstruiert eine behauptete Freiheit, die immer nur die Freiheit eines Menschen und für alle anderen ein Gefängnis ist.

★★★★☆

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Gesehen: Schwere Jungs (2006) - Große Leerstelle

Leerstellen wie in jeder zweiten deutschen Firmenchronik

Gesehen: Schwere Jungs (2006) - Große Leerstelle
Bild: Constantin Film

So harmlos, wie der Film tut, ist das alles dann irgendwie doch nicht. Dass in einem derartigen Film eher nicht die Nazirhetorik ausgepackt wird, um für „Zeitkolorit“ zu sorgen, lässt sich ja noch irgendwo nachvollziehen. Hier ist diese Zeit jedoch eine große Leerstelle.

Wenn sie anspielenderweise zum Thema gemacht wird, dann vor allem durch einen strammen Sportfunktionär, der sinngemäß und nationaltrunken davon schwadroniert, dass es jetzt darauf ankäme, Deutschland wieder an der Weltspitze zu positionieren. Der Film lädt gewissermaßen zum Wegschmunzeln dieses offensichtlichen, unverhohlenen Altnazitums ein, das er an allen anderen Stellen so bequem ausblendet.

Außerdem: Dass 1952 homosexuelle Männer ein „Skandal“ gewesen wären, ist nicht cool, aber historisch verbrieft. Auf dieser Basis dann 2006 jedoch billige Gags zu konstruieren, ist vernagelte Ignoranz.

Ein „So war es eben damals doch auch irgendwie“ darf man sich nur erlauben, wenn zu genau diesem Umstand eine Position entwickelt wird, wenn dem inszenatorisch oder erzählerisch etwas entgegengesetzt oder zumindest eine Einordnung versucht wird. Hier versagt SCHWERE JUNGS.

★½☆☆☆

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Gesehen: Bad Education (2004) - Schubladenspiel

Von Traumata so schwer, dass sie nur durch mehrere Filter erzählt werden können

Gesehen: Bad Education (2004) - Schubladenspiel
Bild: Studiocanal

Ein verschachteltes Vexierspiel, das ein Trauma aufbricht, die Teile in verschiedene Schubladen steckt, diese wahlweise für immer verschließt, in verschiedensten Konstellationen öffnet und miteinander kombiniert oder sie gar herausreißt und den Inhalt auf dem Boden verteilt.

Pedro Almodóvar erzählt hier von Erfahrungen, die derart schwer wiegen, dass sie offenbar selbst im Film nur durch den Filter eines Films erzählt werden können. Dass mehrere Abstraktionsebenen eingezogen werden müssen, um sie zur Sprache bringen oder gar verhandeln zu können.

Er geht sogar so weit, dass seine Figuren in ein anderes Geschlecht flüchten, um möglichst weit weg vom eigenen, das so eng mit dem Trauma verbunden ist, zu kommen. Bei Almodóvar ist das kein unbekanntes Motiv – die Betrachtung von Transgeschlechtlichkeit als Methode der Flucht aus dem versehrten Männerkörper.

Obwohl er diesen Menschen mit größter Empathie begegnet und ihnen ihr Frausein nicht in Abrede stellt, bleibt besonders hier ein durchaus bitterer Nachgeschmack. Denn, nach allem, was ich lese und höre, ist die Transition kein Prozess der Flucht, sondern einer des Ankommens – in einer Klarheit, bei sich selbst. Und das wird hier irgendwie nicht richtig gewürdigt.

★★★½☆

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Gesehen: Arlington Road (1999) - Kollektive Ignoranz

Der GAU ist nicht die Eskalation, sondern die Umstände, die sie ermöglichen

Gesehen: Arlington Road (1999) - Kollektive Ignoranz
Bild: Filmjuwelen

Adäquat inszenierter Verschwörungsthriller, der kaum an Dringlichkeit verloren hat, und ein so folgerichtiges wie konsequentes Ende nimmt. Spannend ist, dass der Film die Paranoia letztlich nicht über die eigentliche Verschwörung einzieht, sondern über die kollektive Ignoranz ihr gegenüber.

Damals™ wie heute richtig, im Film wie in der Realität: Alle notwendigen Werkzeuge, alle akademischen, gesellschaftlichen und exekutiven Strukturen, um Kontrolle über diese Form der Zersetzung zu erlangen und Eskalation zu verhindern.

Aber in dem Wissen darum ist eben auch der Glaube daran angelegt, dass aufgrund der Vorbereitung und Bereitschaft eben nichts passieren könne. Aus Leichtfertigkeit wird Blindheit, aus Blindheit wird Ignoranz, die Ignoranz führt zum GAU.

Treffend ist auch, wie der Film erkennt, dass es nicht zwingend einzelne Gewalttaten sind, die für den flächendeckenden Terror sorgen, sondern das (mediale) Narrativ, das drumherum weitergesponnen wird.

★★★½☆

Der Film steht (auch in der OV) noch bis zum 03. Februar 2026 kostenlos in der ARD-Mediathek.

Filme in der ARD: Arlington Road - hier anschauen
Spielfilm USA 1999 Oliver Lang hat eine Frau und drei Kinder, ein Haus und einen Minivan, also alles, was einen Durchschnittsamerikaner ausmacht. Und dennoch: Etwas scheint mit dieser Familie nicht zu stimmen. Das denkt sich jedenfalls der Nachbar Michael Faraday. Faradays Recherchen ergeben: Lang ist wegen eines Bombenattentats schon einmal rechtskräftig verurteilt worden und hat seinen Namen erst vor einigen Jahren angenommen. Mit Tim Robbins, Jeff Bridges, Joan Cusack, Spencer Treat Clark u.a. | Regie: Mark Pellington
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Gesehen: Z (1969) - Gespannte Verwaltung

Costa-Gavras macht Bürokratie spannend und spielt Puzzle mit der Wahrheit

Gesehen: Z (1969) - Gespannte Verwaltung
Bild: Filmjuwelen

Mit welchem Rhythmus und welcher Lässigkeit hier eine Reihe von Verwaltungsakten, also die bürokratische Seite des Autoritarismus, inszeniert wird, ist ein ambitioniertes und verführerisches Kunststück, das mich an Melville, Dassin oder auch Lumet erinnert.

Costa-Gavras bricht die Wahrheit – oder das, was gemeinhin als Wahrheit begriffen wird – Stück für Stück in immer kleinere Fragmente auf, und lässt sie von den politischen Akteuren seiner Erzählung immer wieder neu zusammensetzen. Die innere Logik und Plausibilität dieser neuen Puzzlebilder spielen dabei immer kleinere Rollen.

Denn je weiter die Lage eskaliert, je verrohter die Mittel werden, desto egaler wird die formulierte Herleitung. Es geht nur noch darum, Widerspruch gegen die neukonstruierte Wahrheit im Keim zu ersticken, komplexes Denken auszurotten und Vertrauen in die individuelle Wahrnehmung fundamental zu erschüttern.

Costa-Gavras vermag es, enorme Spannung aus spröden Verwaltungsakten zu ziehen. So unterstreicht er auch das brüchige Fundament, auf dem jede Form staatlicher Unterdrückung letztlich steht. Es sind nämlich die vielen kleinen und noch mehr großen Lügen, die geplant, umgesetzt und dann immer im Hinterkopf behalten werden müssen. Es sind die unendlich vielen notwendigen Mitwisser*innen, die es dafür braucht, die auf Linie gebracht, gehalten und in Schach gezwungen werden müssen.

★★★★½

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