Der Name der Hauptfigur, Iris, ist ein Anagramm von Siri. Das sagt eigentlich schon alles darüber, was von diesem Film zu erwarten ist.
In der Ausgestaltung seiner Figuren, Themen und Motive ist dieser Film irgendwo zwischen zehn und 15 Jahren zu spät dran. Damals hätte die Frage nach einem selbstbestimmten Leben für fühlende Maschinen vielleicht noch ein laues Kaminfeuer entfacht. Aber selbst das ist in dieser Form allerspätestens seit BLADE RUNNER (1982) durchexerziert und verlangt heute unbedingt nach einer mindestens zeitgemäßeren, wünschenswerter Weise jedoch visionäreren Auseinandersetzung.
Immerhin wird hier nicht das alte Bild der durchknallenden Android:innen bedient, sondern gewissermaßen mit einem Sujet gespielt, das ein Echo unserer Welt ist: Kann eine Technologie inhärent gut oder schlecht sein oder sind es die Menschen, die darüber durch die entsprechende Nutzung entscheiden?
Das übergeordnete Problem ist jedoch, dass dieses Drehbuch keinen Faden konsequent durchdenkt. So binden ein paar pseudophilosophische Fragen die Aufmerksamkeit, während sich im Hintergrund alle ständig selbst auf die Füße treten.
Sich parallel zu alledem auch noch den Emanzipationsstempel aufzudrücken, wirkt wie ein billiges Ablenkungsmanöver von den tatsächlich eklatanten Schwächen des Films.
COMPANION ist nicht brutal schlecht, aber er ist egal. All das ist aggressives Mittelmaß.
★★½☆☆
🇺🇸, R: Drew Hancock, D: Sophie Thatcher, Jack Quaid, Lukas Gage, Megan Suri, Harvey Guillén, Rupert Friend, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Warner Bros. Entertainment
Hätte nicht gedacht, dass daraus wirklich noch mal was wird, aber TRON: ARES ist tatsächlich real 😅 Das suggeriert zumindest der erste Trailer, der nun erschienen ist. Ehrlich gesagt: Ich hege keine großen Hoffnungen in den für einen Oktober-Release vorgesehenen Film. Zwar war ich gefühlt einer von vier Menschen, die mit TRON LEGACY (2010) was anfangen konnten, aber damals™ war mein Blick noch nicht so geschärft wie heute und mit einem Soundtrack aus der Feder von Daft Punk klinkt bei mir sowieso jegliches kritisches Denken aus.
Für ARES ist hingegen Halbgott Trent Reznor am Start. Dieses Mal jedoch nicht mit seiner zuletzt gewohnten anderen Hälfte, Atticus Ross, sondern unter seinem Projekt Nine Inch Nails – und da ist es mit dem kritischen Denken bei mir auch nicht sonderlich weit her... Außerdem ist Greta Lee mit dabei! \o/
Seit Clint Eastwood 2012 bei der National Rifle Association mit einem Stuhl als Ersatz für Barack Obama gesprochen hat, habe ich ihn irgendwie als komplett abgedrifteten Republikaner abgeheftet. Dass das nicht ganz fair war, zeigt dieser Film.
JUROR #2 hält mir den Spiegel vor. Klar, Eastwood ist weiterhin ein erzkonservativer Republikaner. Das zeigt sich hier alleine durch diesen krassen heteronormativen Kernfamilien-Fetisch. Das kann man gut finden oder nicht, denn für das, was der Film in meinen Augen versucht, spielt das gar keine große Rolle. Eastwood ist eben mehr als die skurrile Stuhl-Episode, und ich habe ihn trotzdem in eine Schublade gesteckt.
Eastwood inszeniert hier unter dem Brennglas des Gerichtssaals ein republikanisches Amerika, das die so offensiv vor sich hergetragenen Werte längst aus den Augen verloren hat. „Liberty and justice for all" ist Zeugnis einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft geworden, in der einzelne Gruppen für sich proklamieren, „all" zu sein. Law and order ist praktisch nur noch ein diskriminierendes Instrumentarium.
Ich muss kein Konservativer sein, um anzuerkennen, dass hier jemand sehr ruhig und klar für seine Werte argumentiert und sich nicht in ideologischen Grabenkämpfen versteigt. Denn die durch ökonomische Faktoren immer größer werdende (und politisch vorangetriebene) Ungleichheit vor dem Gesetz sowie innerhalb eines Justizsystems, das mit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung nur schwächer wird, ist keine Ansichtssache, sondern Fakt. Auch mit konservativen US-amerikanischen Werten ist das nicht vereinbar.
Eastwood verhandelt mit seinem Gerichtsdrama die großen Themen der US-amerikanischen Gegenwart und mahnt den Verlust eines ganzen Wertekonstrukts bei gleichzeitigem Abstieg in den Höllenkreis der Vibe Politics an. Sein Film meint: Wir müssen nicht einer Meinung sein, aber uns trotzdem verständigen können.
Ein wahrscheinlich zufälliges, aber spannendes Detail: Es sind ausgerechnet ein Brite (Nicholas Hoult) und eine Australierin (Toni Collette), die hier als Verhandler:innen der US-amerikanischen Werte ins Rennen geschickt werden – als ob die tatsächlichen US-Amerikaner:innen dazu schon gar nicht mehr in der Lage sind.
★★★★☆
🇺🇸, R: Clint Eastwood, D: Nicholas Hoult, Toni Collette, Zoey Deutch, Chris Messina, J.K. Simmons, Gabriel Basso, Cedric Yarbrough, Leslie Bibb, Kiefer Sutherland, Amy Aquino, Adrienne C. Moore, Drew Scheid, Hedy Nasser, Chikako Fukuyama, Francesca Eastwood, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Warner Bros. Entertainment
Worauf es hier wirklich ankommt, nämlich die innere und nicht die äußere Reise, wird leider sträflich vernachlässigt. Zu viel wird über Dialog verhandelt. Zu selten verharrt der Film in Momenten und den daraus wachsenden Gefühlen. Zu oft scheint er von Station zu Station zu hetzen.
Die filmische Übersetzung der literarischen Metaphern wird mit Minimalaufwand erledigt, als ob es eine Aufgabe wäre, die man notgedrungen und gezwungenermaßen irgendwie noch abhaken musste. Hier werden kaum filmische Mittel ausgeschöpft. Deshalb wirkt dieser Roadtrip auch total abgegriffen – was bitter ist, weil mir Jasmin Schreibers Romanvorlagewirklich gefallen (€) hat.
★★☆☆☆
🇦🇹/🇮🇹/🇱🇺, R: Eileen Byrne, D: Luna Wedler, Edgar Selge, Willie Vonnemann, Martin Abram, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Oliver Oppitz, Alamode Film
Während eines kleinen Motivationslochs ist hier, bis auf die praktisch täglichen Kurzkritiken, zu lange nichts mehr passiert. Also wieder frisch ans Werk inklusive der ein oder anderen nachgeholten Nachricht der vergangenen Tage.
Felix Schwenzel ist einer meiner liebsten Ins-Internet-Schreiber. Deshalb war ich auch sehr traurig darüber, dass sein Blog wirres.net bereits so lange brach lag. Dass Felix zwischenzeitlich ersatzweise auf Tumblr ausgewichen war, hatte ich leider gar nicht mitbekommen. Aber jetzt ist wirrest.net zurück \o/ (Auch auf meiner Blogroll 😉)
560 Millionen Autofahrten und damit 2,3 Millionen Tonnen CO2 sind in den ersten Monaten nach Einführung des Deutschlandtickets eingespart worden, berichtet die taz via AFP unter Berufung auf eine Studie für die Verkehrsministerkonferenz. Was leider wohl noch nicht so gut funktioniert: bisherige ÖPNV-Fremdler:innen zu konvertieren.
Frank Westphals Blog- und Onlinemedien-Aggregator Rivva ist mittlerweile 18 Jahre alt und soll nun ein paar erhalten.
Ich will Rivva nicht nur erhalten, sondern verbessern – es gibt so viel zu tun! Ich will noch mal die beste Version von Rivva programmieren. Wieder experimentieren. Schauen, was möglich ist.
Wie genau die beste Version von Rivva nun aussehen soll, lässt Frank offen. Aber ich bin mir sicher, dass es gut wird – wenn sich ausreichend Unterstützung finden lässt.
Bevor Twitter richtig groß wurde, war Rivva fester Bestandteil meines Netzlebens. Jetzt, in einem wieder zunehmend dezentralen Netz, scheinen mir Dienste wie Rivva wieder umso wichtiger zu werden.
Ein bitterer Blick vor meine Haustür: Die vom sächsischen CDU-Chef Michael Kretschmer angeführte Minderheitsregierung plant offenbar im Doppelhaushalt 2025/26, dem DOK Leipzig die institutionelle Förderung um krasse 22 Prozent zu kürzen. Für die Umsetzung barrierefreier Angebote soll es wiederum gar keinen Cent mehr vom Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus geben.
Aber dass konservative bis rechtsoffene Regierungen ohne zu zögern vor allem bei der Kultur den Rotstift ansetzen, ist ja nun leider nichts Neues.
Der nächste bittere Blick vor die Haustür: In Chemnitz drohen einem zehn Jahre alten Schüler schwerwiegende Strafen, weil er sich gegen Nazi-Ideologie positioniert – unter anderem durch ein durchgestrichenes Hakenkreuz. Matthias Meisner zitiert beim Volksverpetzer aus dem Verweis:
In Deutschland sind Schulen verpflichtet, ein Lernumfeld zu schaffen, das frei von Diskriminierung, Gewalt und extremistischen Ideologien ist. Der Gebrauch oder das Zeigen von Symbolen, die mit verfassungsfeindlichen Organisationen oder Ideologien in Verbindung stehen, wird daher als schwerwiegender Verstoß gegen die Schulordnung gewertet. Diese Maßnahme wurde ergriffen, um alle Schülerinnen und Schüler zu schützen.
Schon schlimm, wenn man die armen Nazis diskriminiert... 🤦♂️
Ohne zunächst wirklich etwas über den historischen Hintergrund zu wissen, habe ich hier ständig ein Abkippen in den Folk-Horror erwartet. Doch das Folk lässt auf sich warten und einen irgendwann sitzen, weil dieser Horror gänzlich real ist. Das macht den Film zu einem der unangenehmsten, die ich in jüngster Zeit gesehen habe.
Ein paar Mal bemühen Veronika Franz und Severin Fiala das Bild der Berge, von denen herab kein Tal, sondern nur eine undurchdringliche Nebeldecke zu sehen ist. Es scheint, als ob dieser Nebel den Horror der Filmwelt von unserer Welt abgrenzt. Doch denken wir das einmal ein paar Zentimeter weiter: Wenn sich der Nebel irgendwann verzieht, sehen wir, dass dahinter die ganze Zeit nur ein weiterer Teil unserer Welt verborgen lag. Es ist nicht die Hölle, die Unterwelt oder ein Purgatorium. Es ist unsere Welt. Genau darin liegt für mich dieser unangenehme Horror des Films. Es ist ein Horror, dem einfach nicht zu entkommen ist. Wer das Pech hat, geboren zu werden, wird von ihm unweigerlich in Beschlag genommen.
Die von Anja Plaschg gespielte Protagonistin Agnes hat dieses Pech, auf die Welt gekommen zu sein. Weil sie (als Frau) existiert, schlägt ihr (patriarchale) Feindseligkeit entgegen. Sie wird für das Unvermögen anderer erniedrigt und bestraft. Eine Existenz in dieser Welt ist permanentes Aushalten, ein dauerhaftes Ankämpfen gegen das Verlangen, aus diesem Leben und damit wieder aus dieser Welt zu treten.
Besonders Frauen leiden unter diesem System, letztlich aber jeder Mensch. Denn auch von Agnes' Mann wird erwartet, dass er seiner Frau drölfzig Kinder macht. Aber wie soll das gehen, wenn die Arbeit von früh bis spät den Körper bereits bis zur Dysfunktion ausgelaugt hat?
Will man wirklich Kinder in diese Welt setzen? Seinen eigenen soll dieser Moloch lieber erspart bleiben. Bereits geborene sind auf dem besten Weg, zum Fortbestand dieser Welt beizutragen. Doch das muss verhindert werden...
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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