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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Tale of Cinema (2005) - Mehr Liebe wagen!

Hong Sang-soo mit einer provozierenden Frage

Gesehen: Tale of Cinema (2005) - Mehr Liebe wagen!
Foto: mk2 Films

Vom Titel ausgehend habe ich diesen Film vor allem als Appell ans Kino verstanden – als Aufforderung, sich wieder offensiver mit grundlegenden Themen und den großen Fragen des menschlichen Zusammenlebens auseinanderzusetzen, sich der Liebe zu widmen.

Denn auch die Liebe ist politisch und schmerzhaft sowieso. Manchmal blüht die Liebe genau dort auf, wo sie gar keinen fruchtbaren Boden hat, auf dem sie langfristig überleben könnte. Sie ist im selben Moment dem Tode geweiht, in dem sie aufkeimt. Manchmal kann man nicht ohneeinander, aber erst recht nicht miteinander sein.

Die Frage, ob man sich von dieser Welt und den Erwartungen anderer lösen muss, um wirklich frei sein, ehrlich einander lieben zu können, ist so drastisch und bitter wie berechtigt. Hong Sang-soo stellt sie eben nur etwas provozierend, vielleicht sogar in transgressiver Absicht.

★★★★☆

🇰🇷/🇫🇷, R: Hong Sang-soo, D: Kim Sang-kyung, Lee Ki-woo, Uhm Ji-won, Lee Kyung-jin, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: mk2 Films

Eine Kinogeschichte - Stream: Jetzt Film online anschauen
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A ★★★★ review of Tale of Cinema (2005)
Vom Titel ausgehend habe ich diesen Film vor allem als Appell ans Kino verstanden – als Aufforderung, sich wieder offensiver mit grundlegenden Themen und den großen Fragen des menschlichen Zusammenlebens auseinanderzusetzen, sich der Liebe zu widmen. Denn auch die Liebe ist politisch und schmerzhaft sowieso. Manchmal blüht die Liebe genau dort auf, wo sie gar keinen fruchtbaren Boden hat, auf dem sie langfristig überleben könnte. Sie ist im selben Moment dem Tode geweiht, in dem sie aufkeimt. Manchmal kann man nicht ohneeinander, aber erst recht nicht miteinander sein. Die Frage, ob man sich von dieser Welt und den Erwartungen anderer

Investigativ im Dönermilieu: Wer hat das Kebab-Logo gezeichnet?

Jetzt schon der Storytelling-Podcast des Jahres.

Investigativ im Dönermilieu: Wer hat das Kebab-Logo gezeichnet?
Foto: Daniel Lloyd Blunk-Fernández / Unsplash

Gerade macht mal wieder ein Storytelling-Podcast die Runde: OBSESSED - Döner Papers. Der dokumentiert den Versuch, den:die Urheber:in der allseits bekannten Illustration auf den Papiertaschen, in die viele Döner erst mal gepackt werden, ausfindig zu machen.

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als eine Milliarde Döner verkauft – und von fast jeder Tüte grinst uns der freundliche Dönermann an. Wir tragen das Logo auf T-Shirts und Caps, es gibt Remixes und Parodien. Das Problem ist nur: Niemand weiß, wer das Döner-Logo gezeichnet hat.

Podcast-Host Aylin Doğan will das ändern. In 6 Folgen fragt sie sich durch ganz Dönerland. Aylin trifft große Namen der Dönerbranche, sammelwütige Immobilienmakler und Grafik-Experten. Dabei taucht sie ab in Rabbit Holes, in die Ursprünge des Döners und lernt viel über den Struggle der Gastarbeiter, die den Döner nach Deutschland gebracht haben.

Spoiler: Der Versuch gelingt.

Bereits damit hat dieser Podcast aus der Schmiede Kugel und Niere für den BR so vielen Genrekollegen (die hier irgendwie auch ein bisschen persifliert werden) extrem viel voraus. Denn oft kommen die mit einer gehörigen Portion Selbstverliebtheit daher, die jede noch so kleine Sackgasse im Rechercheprozess aus nur selten angebrachter Eitelkeit miterzählen müssen. Was nur selten erkannt wird: Selbst für Journalist:innen ist das kein sonderlich bereicherndes Hörerlebnis, wenn auf dem Weg in die Sackgasse nicht wenigstens eine andere Metaebene bearbeitet wird.

Die Döner Papers tappen nicht in diese Falle. So ziemlich jede Sackgasse, in die dieser Podcast gerät, wird trotzdem mit Hintergründen ausgestattet, die zur größeren Erzählung über die Geschichte der türkischen Community in Deutschland beitragen.

Manchmal scheint mir das Skript etwas zu forciert jugendlich formuliert, aber das ist letztlich Geschmacksache. Unterm Strich ist das auch kein großer Deal, weil das nur momentweise so ist und nie den eigentlichen Inhalt überlagert.

OBSESSED - Döner Papers
Im Dönerladen treffen wir ihn ständig: Kochmütze, Schnurrbart, riesiger Dönerspieß und über ihm die heiligen zwei Worte: Döner Kebap. Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als eine Milliarde Döner verkauft – und von fast jeder Tüte grinst uns der freundliche Dönermann an. Wir tragen das Logo auf T-Shirts und Caps, es gibt Remixes und Parodien. Das Problem ist nur: Niemand weiß, wer das Döner-Logo gezeichnet hat. Podcast-Host Aylin Doğan will das ändern. In 6 Folgen fragt sie sich durch ganz Dönerland. Aylin trifft große Namen der Dönerbranche, sammelwütige Immobilienmakler und Grafik-Experten. Dabei taucht sie ab in Rabbit Holes, in die Ursprünge des Döners und lernt viel über den Struggle der Gastarbeiter, die den Döner nach Deutschland gebracht haben. Die ganze Zeit ist Aylin obsessed von einer Frage: Werde ich den Menschen finden, der das Döner-Logo gezeichnet hat?

P.S.: Lustig bezeichnend ist, dass (vermutlich die BR-Redaktion) in der ARD-Audiothek von Döner Kebap statt Kebab schreibt.

Gesehen: Little Tailor (2010) - Wo steckt Louis Garrel?

Viele Vorbilder, aber kaum eigene Akzente

Gesehen: Little Tailor (2010) - Wo steckt Louis Garrel?
Foto: Les films du clan

Von Jean-Luc Godard über Agnès Varda bis François Truffaut und vielleicht auch Jean-Pierre Melville – hier stecken wirklich die Titan:innen des französischen Kinos drin – und zwar nicht nur mit ihrer Bildsprache, sondern natürlich auch ihren Themen.

Liebe, Freundschaft, das Verhältnis zwischen Mann und Frau und die Rolle des Menschen im Kapitalismus, die kaum mit dem Streben nach Erfahrungen und dem Schöpfungsdrang vereinbar scheint – all das steckt in diesem Kurzfilm.

Aber die Frage ist doch, wie viel Louis Garrel eigentlich in dieser knappen Dreiviertelstunde steckt. Denn den großen Namen derart nachzueifern, hinterlässt einen sehr eitlen Nachgeschmack. Bevor man behauptet, mit seinen offensichtlichen Vorbildern mithalten zu können, sollte man sicherstellen, dass man wirklich etwas zu sagen hat. Was das hier sein soll, kann Garrel mit seinem Kurzfilm bis zum Schluss jedoch nicht wirklich beantworten.

🇫🇷, R: Louis Garrel, D: Arthur Igual, Léa Seydoux, Albert Igual, Sylvain Creuzevault, Lolita Chammah, Laurent Laffargue, Gilbert Beugniot, Trailer, Letterboxd, Foto: Les films du clan

Der Kurzfilm steht noch bis zum 01. Juni 2025 in der Arte-Mediathek:

Kleiner Schneider - Von Louis Garrel - Film in voller Länge | ARTE
Arthur ist fünfundzwanzig Jahre alt und arbeitet als Schneiderlehrling in der Werkstatt des achtzigjährigen Albert. Albert liebt Arthur wie seinen Sohn, der es ihm dankt, und geht bald in den Ruhestand. Er wählt Arthur als seinen Nachfolger. Doch eines Abends geht Arthur mit seinem Freund Sylvain ins Theater und verliebt sich Hals über Kopf in Marie-Julie, die Hauptdarstellerin des Stücks. Um sie zu verführen, näht Arthur ihr ein Kleid.
Kleiner Schneider - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Kleiner Schneider” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A review of Little Tailor (2010)
Von Jean-Luc Godard über Agnès Varda bis François Truffaut und vielleicht auch Jean-Pierre Melville – hier stecken wirklich die Titan:innen des französischen Kinos drin – und zwar nicht nur mit ihrer Bildsprache, sondern natürlich auch ihren Themen. Liebe, Freundschaft, das Verhältnis zwischen Mann und Frau und die Rolle des Menschen im Kapitalismus, die kaum mit dem Streben nach Erfahrungen und dem Schöpfungsdrang vereinbar scheint – all das steckt in diesem Kurzfilm. Aber die Frage ist doch, wie viel Louis Garrel eigentlich in dieser knappen Dreiviertelstunde steckt. Denn den großen Namen derart nachzueifern, hinterlässt einen sehr eitlen Nachgeschmack. Bevor man behauptet,

Gesehen: Summer of 85 (2020) - Mit Rohmer in den Abgrund

Wie „Trainspotting“, nur mit Liebe und The Cure

Gesehen: Summer of 85 (2020) - Mit Rohmer in den Abgrund
Foto: capelight pictures

François Ozon benutzt hier mit Rohmersche Mitteln das große Besteck, um uns erst zu ver- und dann hineinzuführen in den Abgrund dieser zutiefst verstörenden Geschichte, in der der Protagonist Alexis eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Denn als David in sein Leben tritt, überlagert der sehr schnell einfach alles.

David ist Täter und Opfer zugleich. Er hat den Tod seines Vaters bisher nicht überwunden und verarbeitet, konnte vermutlich offenliegende Konflikte vor dessen Tod nicht mehr lösen. Seine Psyche reagiert darauf mit totaler Abstumpfung. Um sich selbst bzw. überhaupt etwas zu spüren, bleibt David zunehmend nur die Ekstase – auf dem Motorrad, auf der Achterbahn, mit dem Segelboot bei herannahendem Gewitter auf offenem Meer.

Das macht David zu einem regelrechten Drogenjunkie. Und was passiert mit Menschen im Umfeld von Suchtkranken? Sie werden unweigerlich mit in den Abgrund gerissen, weil sie glauben, helfen und das Gegenüber noch aus dem Abgrund ziehen zu können.

David saugt Alexis emotional aus, bis fast nur noch eine leere Hülle übrig ist. Er lovebombt ihn, überwältigt ihn vorsätzlich, um ihn dann auf der Suche nach dem nächsten ekstatischen Hit eiskalt unter sich zu begraben.

Faszinierend war für mich, wie Alexis seinen Namen benutzt, um mit allem umzugehen. Je nach Situation und Gegenüber ist er mal Alexis, mal Alex – als ob er so zwei voneinander getrennte Persönlichkeiten schafft und/oder dissoziiert.

Gerne hätte ich noch mehr über Alexis erfahren. Bestimmte Aspekte in der Beziehung zu seinen Eltern und deren Weltbild werden immer wieder angedeutet und lassen eine vielschichtige Gemengelage hinsichtlich Moral, Toleranz und Akzeptanz vermuten. Aber es bleibt eben nur bei Andeutungen, alles wabert nur vage im Hintergrund herum und drängt nie wirklich hinein in diese Welt.

★★★½☆

🇧🇪/🇫🇷, R: François Ozon, D: Félix Lefebvre, Benjamin Voisin, Philippine Velge, Valeria Bruni Tedeschi, Melvil Poupaud, Isabelle Nanty, Laurent Fernandez, Aurore Broutin, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: capelight pictures

Sommer 85 - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Sommer 85” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★★½ review of Summer of 85 (2020)
François Ozon benutzt hier mit Rohmersche Mitteln das große Besteck, um uns erst zu ver- und dann hineinzuführen in den Abgrund dieser zutiefst verstörenden Geschichte, in der der Protagonist Alexis eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Denn als David in sein Leben tritt, überlagert der sehr schnell einfach alles. David ist Täter und Opfer zugleich. Er hat den Tod seines Vaters bisher nicht überwunden und verarbeitet, konnte vermutlich offenliegende Konflikte vor dessen Tod nicht mehr lösen. Seine Psyche reagiert darauf mit totaler Abstumpfung. Um sich selbst bzw. überhaupt etwas zu spüren, bleibt David zunehmend nur die Ekstase – auf dem Motorrad,

Gesehen: Gold (2013) - Inneres Fegefeuer

Hier wird gepflegt an sich selbst gescheitert.

Gesehen: Gold (2013) - Inneres Fegefeuer
Foto: Piffl Medien

GOLD ist kein Western, in dem die Figuren an den lebensfeindlichen Bedingungen an der Frontier, gnadenlosen Outlaws oder am Gesetz scheitern. Sie scheitern an sich selbst – ihrer Hybris, ihrer ununterdrückbaren Gier, ihrem Eitel, Egoismus und ihrer Herabsetzung alles Fremden. Sie wissen, wozu sie fähig sind, projizieren das auf ihre Umgebung und sind deshalb nie wirklich dazu fähig, Vertrauen in irgendwas und irgendjemanden zu fassen. Der Weg aus diesem inneren Fegefeuer ist die Liebe. Aber wie soll die in so einer Welt gedeihen?

★★★½☆

🇩🇪/🇨🇦, R: Thomas Arslan, D: Nina Hoss, Lars Rudolph, Uwe Bohm, Marko Mandić, Peter Kurth, Wolfgang Packhäuser, Rosa Enskat, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Piffl Medien

Gold - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Gibt es Gold auf Netflix, Amazon, Sky Ticket, iTunes oder Disney+ und co legal? Jetzt online Stream finden!
A ★★★½ review of Gold (2013)
GOLD ist kein Western, in dem die Figuren an den lebensfeindlichen Bedingungen an der Frontier, gnadenlosen Outlaws oder am Gesetz scheitern. Sie scheitern an sich selbst – ihrer Hybris, ihrer ununterdrückbaren Gier, ihrem Eitel, Egoismus und ihrer Herabsetzung alles Fremden. Sie wissen, wozu sie fähig sind, projizieren das auf ihre Umgebung und sind deshalb nie wirklich dazu fähig, Vertrauen in irgendwas und irgendjemanden zu fassen. Der Weg aus diesem inneren Fegefeuer ist die Liebe. Aber wie soll die in so einer Welt gedeihen?

„Träume fürs Kino": Durch die Lange Nacht mit Federico Fellini

Featuring Marcus Stiglegger, Christoph Hochhäusler und Petra Seeger

„Träume fürs Kino": Durch die Lange Nacht mit Federico Fellini

Sonderlich tief bin ich bisher noch nicht in die Filmwelt Federico Fellinis eingetaucht. Nichtmal LA DOLCE VITA habe ich gesehen; nur , NIGHTS OF CABIRIA und AMARCORD konnte ich bislang ins Tagebuch schreiben.

Natürlich habe ich trotzdem die jüngste Lange Nacht über den legendären italienischen Filmemachers gehört. Mich hat gefreut, immer wieder Einsichten und Analysen von Marcus Stiglegger, Christoph Hochhäusler und Petra Seeger kredenzt zu bekommen.

Federico Fellini schuf Kinoträume. Viermal gewann der Italiener den Oscar – und einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Er war einer der einflussreichsten Regisseure des europäischen Kinos.
Federico Fellini: Träume fürs Kino
„La strada, „La dolce vita“, „Satyricon“: Fellini schuf Kinoträume. Viermal gewann der Italiener den Oscar – und einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk.