Vom Titel ausgehend habe ich diesen Film vor allem als Appell ans Kino verstanden – als Aufforderung, sich wieder offensiver mit grundlegenden Themen und den großen Fragen des menschlichen Zusammenlebens auseinanderzusetzen, sich der Liebe zu widmen.
Denn auch die Liebe ist politisch und schmerzhaft sowieso. Manchmal blüht die Liebe genau dort auf, wo sie gar keinen fruchtbaren Boden hat, auf dem sie langfristig überleben könnte. Sie ist im selben Moment dem Tode geweiht, in dem sie aufkeimt. Manchmal kann man nicht ohneeinander, aber erst recht nicht miteinander sein.
Die Frage, ob man sich von dieser Welt und den Erwartungen anderer lösen muss, um wirklich frei sein, ehrlich einander lieben zu können, ist so drastisch und bitter wie berechtigt. Hong Sang-soo stellt sie eben nur etwas provozierend, vielleicht sogar in transgressiver Absicht.
★★★★☆
🇰🇷/🇫🇷, R: Hong Sang-soo, D: Kim Sang-kyung, Lee Ki-woo, Uhm Ji-won, Lee Kyung-jin, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: mk2 Films
Gerade macht mal wieder ein Storytelling-Podcast die Runde: OBSESSED - Döner Papers. Der dokumentiert den Versuch, den:die Urheber:in der allseits bekannten Illustration auf den Papiertaschen, in die viele Döner erst mal gepackt werden, ausfindig zu machen.
Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als eine Milliarde Döner verkauft – und von fast jeder Tüte grinst uns der freundliche Dönermann an. Wir tragen das Logo auf T-Shirts und Caps, es gibt Remixes und Parodien. Das Problem ist nur: Niemand weiß, wer das Döner-Logo gezeichnet hat.
Podcast-Host Aylin Doğan will das ändern. In 6 Folgen fragt sie sich durch ganz Dönerland. Aylin trifft große Namen der Dönerbranche, sammelwütige Immobilienmakler und Grafik-Experten. Dabei taucht sie ab in Rabbit Holes, in die Ursprünge des Döners und lernt viel über den Struggle der Gastarbeiter, die den Döner nach Deutschland gebracht haben.
Spoiler: Der Versuch gelingt.
Bereits damit hat dieser Podcast aus der Schmiede Kugel und Niere für den BR so vielen Genrekollegen (die hier irgendwie auch ein bisschen persifliert werden) extrem viel voraus. Denn oft kommen die mit einer gehörigen Portion Selbstverliebtheit daher, die jede noch so kleine Sackgasse im Rechercheprozess aus nur selten angebrachter Eitelkeit miterzählen müssen. Was nur selten erkannt wird: Selbst für Journalist:innen ist das kein sonderlich bereicherndes Hörerlebnis, wenn auf dem Weg in die Sackgasse nicht wenigstens eine andere Metaebene bearbeitet wird.
Die Döner Papers tappen nicht in diese Falle. So ziemlich jede Sackgasse, in die dieser Podcast gerät, wird trotzdem mit Hintergründen ausgestattet, die zur größeren Erzählung über die Geschichte der türkischen Community in Deutschland beitragen.
Manchmal scheint mir das Skript etwas zu forciert jugendlich formuliert, aber das ist letztlich Geschmacksache. Unterm Strich ist das auch kein großer Deal, weil das nur momentweise so ist und nie den eigentlichen Inhalt überlagert.
Von Jean-Luc Godard über Agnès Varda bis François Truffaut und vielleicht auch Jean-Pierre Melville – hier stecken wirklich die Titan:innen des französischen Kinos drin – und zwar nicht nur mit ihrer Bildsprache, sondern natürlich auch ihren Themen.
Liebe, Freundschaft, das Verhältnis zwischen Mann und Frau und die Rolle des Menschen im Kapitalismus, die kaum mit dem Streben nach Erfahrungen und dem Schöpfungsdrang vereinbar scheint – all das steckt in diesem Kurzfilm.
Aber die Frage ist doch, wie viel Louis Garrel eigentlich in dieser knappen Dreiviertelstunde steckt. Denn den großen Namen derart nachzueifern, hinterlässt einen sehr eitlen Nachgeschmack. Bevor man behauptet, mit seinen offensichtlichen Vorbildern mithalten zu können, sollte man sicherstellen, dass man wirklich etwas zu sagen hat. Was das hier sein soll, kann Garrel mit seinem Kurzfilm bis zum Schluss jedoch nicht wirklich beantworten.
🇫🇷, R: Louis Garrel, D: Arthur Igual, Léa Seydoux, Albert Igual, Sylvain Creuzevault, Lolita Chammah, Laurent Laffargue, Gilbert Beugniot, Trailer, Letterboxd, Foto: Les films du clan
Der Kurzfilm steht noch bis zum 01. Juni 2025 in der Arte-Mediathek:
François Ozon benutzt hier mit Rohmersche Mitteln das große Besteck, um uns erst zu ver- und dann hineinzuführen in den Abgrund dieser zutiefst verstörenden Geschichte, in der der Protagonist Alexis eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Denn als David in sein Leben tritt, überlagert der sehr schnell einfach alles.
David ist Täter und Opfer zugleich. Er hat den Tod seines Vaters bisher nicht überwunden und verarbeitet, konnte vermutlich offenliegende Konflikte vor dessen Tod nicht mehr lösen. Seine Psyche reagiert darauf mit totaler Abstumpfung. Um sich selbst bzw. überhaupt etwas zu spüren, bleibt David zunehmend nur die Ekstase – auf dem Motorrad, auf der Achterbahn, mit dem Segelboot bei herannahendem Gewitter auf offenem Meer.
Das macht David zu einem regelrechten Drogenjunkie. Und was passiert mit Menschen im Umfeld von Suchtkranken? Sie werden unweigerlich mit in den Abgrund gerissen, weil sie glauben, helfen und das Gegenüber noch aus dem Abgrund ziehen zu können.
David saugt Alexis emotional aus, bis fast nur noch eine leere Hülle übrig ist. Er lovebombt ihn, überwältigt ihn vorsätzlich, um ihn dann auf der Suche nach dem nächsten ekstatischen Hit eiskalt unter sich zu begraben.
Faszinierend war für mich, wie Alexis seinen Namen benutzt, um mit allem umzugehen. Je nach Situation und Gegenüber ist er mal Alexis, mal Alex – als ob er so zwei voneinander getrennte Persönlichkeiten schafft und/oder dissoziiert.
Gerne hätte ich noch mehr über Alexis erfahren. Bestimmte Aspekte in der Beziehung zu seinen Eltern und deren Weltbild werden immer wieder angedeutet und lassen eine vielschichtige Gemengelage hinsichtlich Moral, Toleranz und Akzeptanz vermuten. Aber es bleibt eben nur bei Andeutungen, alles wabert nur vage im Hintergrund herum und drängt nie wirklich hinein in diese Welt.
GOLD ist kein Western, in dem die Figuren an den lebensfeindlichen Bedingungen an der Frontier, gnadenlosen Outlaws oder am Gesetz scheitern. Sie scheitern an sich selbst – ihrer Hybris, ihrer ununterdrückbaren Gier, ihrem Eitel, Egoismus und ihrer Herabsetzung alles Fremden. Sie wissen, wozu sie fähig sind, projizieren das auf ihre Umgebung und sind deshalb nie wirklich dazu fähig, Vertrauen in irgendwas und irgendjemanden zu fassen. Der Weg aus diesem inneren Fegefeuer ist die Liebe. Aber wie soll die in so einer Welt gedeihen?
★★★½☆
🇩🇪/🇨🇦, R: Thomas Arslan, D: Nina Hoss, Lars Rudolph, Uwe Bohm, Marko Mandić, Peter Kurth, Wolfgang Packhäuser, Rosa Enskat, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Piffl Medien
Natürlich habe ich trotzdem die jüngste Lange Nacht über den legendären italienischen Filmemachers gehört. Mich hat gefreut, immer wieder Einsichten und Analysen von Marcus Stiglegger, Christoph Hochhäusler und Petra Seeger kredenzt zu bekommen.
Federico Fellini schuf Kinoträume. Viermal gewann der Italiener den Oscar – und einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Er war einer der einflussreichsten Regisseure des europäischen Kinos.
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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