Es wirklich schwer, diesen Vignetten etwas tatsächlich Profundes abzugewinnen.
Foto: Studiocanal, Peter Mountain
Das war mir alles zu bewusst rührselig. Das ausgemachte Ziel dieses Films scheint zu sein, um jeden Preis zu bewegen. Und dafür scheint ihm jedes noch so banale Mittel recht. Alle Hebel werden mit einer grobschlächtigen Transparenz an den zudem offenkundigen Kern gelegt. Der Film gefällt sich sehr darin, diese mit unglaublicher Bedeutung aufgeladenen Momente ausladend zu zelebrieren und Weltbewegendes zu behaupten, findet dabei aber kaum Zwischentöne. Hier ist alles derart ekstatisch überhöht, dass kaum Tiefenarbeit stattfinden kann. Diese Figuren existieren nur in Extremen und deshalb ist es wirklich schwer, diesen Vignetten etwas tatsächlich Profundes abzugewinnen.
★★½☆☆
🇬🇧, R: John Crowley, D: Florence Pugh, Andrew Garfield, John Crowley, Lee Braithwaite, Niamh Cusack, Amy Morgan, Douglas Hodge, Adam James, Aoife Hinds, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Studiocanal, Peter Mountain
War ja klar, dass sie das durchpeitschen, während alle durch den Bachmannpreis abgelenkt sind 😡
Elias Hirschl fasst bei fm4 Eröffnung...
Los geht der Bewerb wieder mal mit der üblichen Vorstellungsrunde, mit der es der ORF Kärnten Jahr für Jahr schafft, Weltfernsehen wie einen Bezirksliga-Buchstabierwettbewerb aussehen zu lassen.
und ersten Lesetag des Bachmannpreises zusammen.
Tingler sagt, früher hätte er gesagt lieber springe ich in eine Mülltonne und lasse mich anzünden als sowas zu hören, aber heute freut er sich einfach nur auf melancholische Art darüber, weil es so eine Art von Text wahrscheinlich nicht mehr lange gibt. Max Höfler beendet die Debatte mit einem eigens geschriebenen Gedicht aus Schnalz- und Spucklauten.
Creative Commons denkt auf einem Lizenzmodell herum, mit dem die eigenen Inhalte unter bestimmten Voraussetzungen für das Training von LLMs freigegeben werden können. Begrüßenswerter Ansatz, aber die großen Player am Markt haben doch längst bewiesen, dass sie das einen feuchten Kehricht interessiert.
Das Blog im Blauen Land der Realschule Murnau in Bayern hat den Schülerzeitungswettbewerb der Länder gewonnen und der Deutschlandfunk hat vor Ort vorbeigeschaut. Irgendwie bin ich traurig darüber, dass es zu meiner Zeit™ a) die technischen Möglichkeiten von heute gar nicht gab und b) die bestehende Schülerzeitung nie so richtig einen journalistischen Anspruch hatte, soweit ich das richtig erinnere.
MDR-Kulturchefin Jana Cebulla macht aktuell die Runde durch die Medienmagazine, um noch mal über das Desaster Thilo Mischke und titel, thesen, temperatmente zu sprechen. Dabei kündigt sie an, dass aus der eigentlich geplanten journalistischen Aufarbeitung des Falls nichts wird – weil man nicht noch mal allen Beteiligten schaden wolle. Dass das Streichen dieser Aufarbeitung lächerlich ist: geschenkt. Doch diese Begründung ist doch bereits ein Eingeständnis, dass am Ende einer Aufarbeitung niemand gut wegkommen wird, weil eben Fehler geschehen sind. Und die will man nun offensichtlich einfach ignorieren und aussitzen.
Die Welt steht uns offen, wir werden alle Freiheiten haben und lassen uns ungezwungen nihilistisch in die Arme des neuen Jahrtausends treiben, mit dem entweder alles besser wird oder für immer endet #Y2K
Stattdessen mahlen die Mühlen einfach weiter. Immer schneller, immer erbarmungsloser zermahlen sie die Versprechen von einer glänzenden Zukunft – einer Zukunft, in der wir weiterleben müssen. Nur wie, wo und vor allem: mit wem?
In diesen Momenten maximaler Orientierungslosigkeit gute Entscheidungen zu treffen, ist nicht leicht. MILLENNIUM MAMBO weiß das und nimmt deshalb niemals eine verurteilende Perspektive ein. Stattdessen begegnet die Kamera ihrer Protagonistin zugewandt und mit wohliger Empathie.
Das transportieren auch die Bilder, die inmitten fiebertraumartiger Vignetten eine erstaunliche Ruhe und Wärme ausstrahlen – auch aufgrund der so eindrücklichen Körnung, durch die selbst die bildliche und tatsächliche Kälte eines dichten Schneegestöbers noch das Herz mit Wärme erfüllen. Der reinen schwelgerischen Ästhetik wohnt hier Hoffnung inne, die die Protagonistin in ihrer Gänze nur (noch) nicht spüren kann.
★★★★☆
🇹🇼/🇫🇷, R: Hou Hsiao-hsien, D: Shu Qi, Jack Kao, Duan Chun-hao, Doze Niu Cheng-Tse, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Rapid Eye Movies
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Opfern, einem Querulanten und Jörg Haider
Johannes Franzen mit einem großartigen Kommentar bei Übermedien:
Und darum geht es eigentlich: Menschen, die nach allen soziologischen Kategorien zur Elite des Landes gehören, wollen sprechen, aber nicht hören, wollen kritisieren, aber nicht kritisiert werden. Wenn sie austeilen, dann ist das Meinungsfreiheit, wenn sie einstecken sollen, dann jammern sie über „soziale Kosten“. Das ist von Trumps Rhetorik, die nun rasch einer ausgedachten Linken in die Schuhe geschoben werden soll, nicht weit entfernt.
Elias Hirschl hat sich vor der Eröffnung des diesjährigen Bachmannpreises schon mal warmgeschrieben.
Der prestigeträchtigste Vorlesewettbewerb für Erwachsene, der stressigste Poetry Slam Österreichs, der Ingeborg-Bachmann-Preis, den Jörg Haider mal eine „totgelaufene und sterile Veranstaltung“ genannt hat. Doch im Gegensatz zu Jörg Haider wirkt der Bachmannpreis immer noch quicklebendig[...].
Der Maskenskandal zeigt doch aber auch mal wieder, dass die Union endlich aufhören muss, ihre Leute nur nach Geschlecht und nicht nach Kompetenz auszuwählen.
Die CDU-geführte Landesregierung setzt die Kettensäge an die Kultur.
Foto: DOK Leipzig, Lukas Diller
Heute und morgen will der Landtag in Sachsen ein letztes Mal den nächsten Doppelhaushalt besprechen. Geht der durch, wird es unter anderem für die Kultur ziemlich finster. Das DOK Leipzig setzt jetzt sogar auf Crowdfunding, um fünf Filme mit Audiodeskriptionen oder erweiterten deutschen Untertiteln ausstatten zu können. 10.000 Euro sollen dafür zusammenkommen.
Schon seit vielen Jahren zeigt das Festival Filme mit barrierefreien Fassungen. Bislang wurde die Umsetzung dieses Angebots vom Freistaat Sachsen gefördert. 2025 entfallen diese Mittel voraussichtlich vollständig[...].
Ein absolutes Armutszeugnis für das (Bundes-)Land. Das DOK Leipzig ist nicht nur eines der wichtigsten Dokumentarfilmfestivals weltweit, sondern auch das älteste überhaupt. Doch das Festival ist mehr als nur ein internationales Aushängeschild, sondern auch ganz konkret ein Ort der Begegnung – nicht nur für Sächs*innen, sondern für Menschen aus der ganzen Welt mit den unterschiedlichsten Lebensrealitäten.
Das baut ganz konkret (Denk-)Barrieren ab, schafft Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl. Aber dass das nicht die Gemeinschaft ist, die einer CDU-geführten Landesregierung vorschwebt, überrascht dann wiederum auch nicht sonderlich 🤷♂️
Wie prekär die Lage des Festivals tatsächlich ist, scheint deutlich dabei durch, wie sich Festivalleiter Christoph Terhechte in der Pressemitteilung zitieren lässt.
Wir möchten dennoch versuchen, dieses Jahr zumindest ein kleines Angebot an barrierefreien Filmen auf die Beine zu stellen. Daher wenden wir uns jetzt an alle, die dem Festival verbunden sind. Wir sind dankbar für jede Form von Unterstützung.
Dieses Gefühl, wenn der über dreieinhalb Stunden vorbereitete Befreiungsschlag mitten ins Schwarze trifft...
Foto: Arte
Jean-Pierre Léauds Figur wird mit jeder gesprochenen Silbe unsympathischer und unerträglicher. So wird aus dem idealistischen Freidenker im Verlauf von mehr als dreieinhalb Stunden ein unerträgliches Arschloch, an dessen Entwicklung sich vieles von dem ablesen lässt, was alles falsch in einer patriarchalen und binär denkenden Gesellschaft ist.
Denn vermeintlich liberale Figuren wie die von Léaud sind in der Regel selbst Vasallen des Patriarchats – ob nun bewusst oder nicht. Ihr Freiheitsbegriff bezieht sich nur auf sich selbst und in der Folge auf das eigene Geschlecht. Es ist ein Freiheitsbegriff, der gar nicht mal so insgeheim eine Hackordnung vorsieht und fast den gesamten verfügbaren Raum einnimmt.
Doch auf diesem zunächst sehr engen Raum wandeln sich die Frauen im Umfeld des Protagonisten von zunächst schemenhaften zu immer klarer gezeichneten Figuren, mit immer mehr Schichten und Dimensionen, in die sie erst hinein- und dort schließlich auch über den Protagonisten hinauswachsen.
Der finale Monolog ist eine absolute Wucht, die sich nur durch diese akribische, dreieinhalbstündige Vorbereitung entfalten kann – ein Befreiungsschlag, durch den der Protagonist zerbricht, weil seinem Ego der zuvor parasitär infiltrierte Lebensraum genommen wird.
★★★★☆
🇫🇷, R: Jean Eustache, D: Bernadette Lafont, Jean-Pierre Léaud, Françoise Lebrun, Isabelle Weingarten, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Arte
Der Film steht noch kostenlos bis zum 01. September 2025 bei Arte in der Mediathek:
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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