Formal meister*innenhaft und auf jeden Fall jetzt schon einer meiner Filme des Jahres!
Foto: Mubi
An diesem Ort gibt es so viele unwirkliche Räume, durch die ein super unangenehmes, desorientierendes und verlorenes Gefühl transportiert wird. Das geht Hand in Hand mit der Kamera, die mal direkt die Perspektive der Protagonistin einnimmt, mal von außen auf sie schaut. Dadurch entsteht zunehmend eine gewisse Entrücktheit, geprägt durch die bildlich vollzogene Abtrennung des Geistes vom Körper. Nicht nur wir, sondern auch die Protagonistin selbst beobachtet sich von außen – mitunter aus dem Schutz der Dunkelheit heraus, mal aus der Entfernung, mal Wange an Wange. Aber eine voyeuristische Qualität hat das immer.
Genau hier knüpft der Film auch den Anschluss von Form an Inhalt. Die im Verborgenen geleistete Arbeit der Protagonistin arbeitet nicht zwingend aktiv gegen patriarchale Strukturen, aber sie versucht, sie zumindest zu unterlaufen. Das bestehende Machtgefüge wird also durchaus trotzdem infrage gestellt. Genau das ist es, was die Protagonistin zur Zielscheibe der Mächtigen macht. Sie kann sich nie sicher sein, was – oder besser: wer – neben ihr selbst noch im Schatten lauert und es womöglich auf ihr Leben abgesehen hat.
Dazu der absichtlich enger gewählte Bildausschnitt, der hier alles andere als affektiert ist, sondern die Perspektive klug verengt. Das Bild wird so einerseits zu einem regelrechten Gefängnis für die Figuren, andererseits zu einem Korsett, mit dem die ganze Misere gerade so beisammengehalten werden kann.
★★★★½
🇬🇪/🇮🇹/🇫🇷, R: Dea Kulumbegashvili, D: Ia Sukhitashvili, Kakha Kintsurashvili, Merab Ninidze, Roza Kacheishvili, Ana Nikolava, David Beradze, Sandro Kalandadze, Tosia Doloiani, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Mubi
Time is a flat circle und ich dachte eigentlich, wir wären schon längst über den Punkt hinweg, über Advertorials aufklären zu müssen. Aber stimmt schon, die Grenze zwischen journalistischen und werblichen Inhalten ist besonders im Zeitalter der Influencer:innen noch einmal durchlässiger geworden oder hat zumindest an Trennschärfe verloren.
Warum das ganze Thema also nicht nur „alter Wein in neuen Schläuchen" ist, beleuchtet Patrick Lohmeier of Bahnhofskino-Fame in einer Episode des Dürfen die das?-Podcasts der Verbraucherzentrale Berlin – schön locker, aber in angemessener Tiefe und mit einer tollen Bandbreite an Expert:innen.
Die (Almost) Dialies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!
Seit ich darauf achte, sinnvolle Dinge zu sagen und auf Lärm zu verzichten, habe ich zu social media immer weniger beizutragen. Im Moment ist für mich Podcast das weit sinnvollere Tool.
Als 2008 RELIGOLOUS erschien, war ich gerade so noch Teenager. Das ist natürlich keine wasserdichte Rechtfertigung dafür, dass ich von dem Film recht angetan war, aber auf jeden Fall ein fruchtbarer Boden für Bill Maher, der darin quer durch die kognitiven Dissonanzen (institutionalisierter) Religion watet.
Wenn ich heute Szenen des Films sehe, ist es kaum zu ertragen, was für ein selbstgefälliger Edgelord Maher damals war. Turns out: Seit 2008 hat sich anscheinend nichts geändert – nur eben die Kampfplätze.
Big Joel, den ich für seine unerwarteten, unkonventionellen und fast schon obsessiven Deep Dives immer wieder gerne schaue, hat in fast anderthalb Stunden mal aufgedröselt, in welchen intellektuellen Sphären sich Maher heute bewegt.
In the early 1500s, two of the greatest artists of all time were working just a few rooms apart in the Vatican. Michelangelo was painting the ceiling of the Sistine Chapel at the same time Raphael was working on a painting in the Pope’s private library: The School of Athens. Both are considered masterpieces of the Renaissance. Michelangelo’s work sets out to reveal divine truth through the human form, while Raphael’s work celebrates human intellect and classical heritage. Two defining ideas of the Renaissance.
Es erscheint mir jetzt prinzipiell viel spannender als zuvor, mich mit der Kunst im Vatikan ein bisschen mehr auseinanderzusetzen. Denn mir war bisher nicht klar, wie sehr Raffael in seinem Fresko Die Schule von Athen geistige und wissenschaftliche Errungenschaften der Menschheit ins Zentrum stellte – ausgerechnet mitten im Herzen der katholischen Kirche, was für mich total widersprüchlich erscheint.
Washington Post: “Is fascism bad? The answer may surprise you”
Teen Vogue: “Here are three fun tips you can use this summer to disable an armored personnel carrier”
Die Zeit hat mal wieder eine beeindruckende Datenvisualisierung auf die Beine gestellt.
So könnte das Wetter im Jahr 2100 bei Ihnen aussehen
In Koblenz könnte es heiß wie auf Sizilien werden, in Berlin wie am Schwarzen Meer: Wir zeigen, wo Sie hinfahren müssten, um die Klimazukunft Ihrer Gemeinde zu erleben.
War der Maler ein renaissancistischer Troll? Wahrscheinlich nicht. Aber der Gedanke gefällt mir trotzdem.
Aus der Reihe TIL:
In the early 1500s, two of the greatest artists of all time were working just a few rooms apart in the Vatican. Michelangelo was painting the ceiling of the Sistine Chapel at the same time Raphael was working on a painting in the Pope’s private library: The School of Athens. Both are considered masterpieces of the Renaissance. Michelangelo’s work sets out to reveal divine truth through the human form, while Raphael’s work celebrates human intellect and classical heritage. Two defining ideas of the Renaissance.
Es erscheint mir jetzt prinzipiell viel spannender als zuvor, mich mit der Kunst im Vatikan ein bisschen mehr auseinanderzusetzen. Denn mir war bisher nicht klar, wie sehr Raffael in seinem Fresko Die Schule von Athen geistige und wissenschaftliche Errungenschaften der Menschheit ins Zentrum stellte – ausgerechnet mitten im Herzen der katholischen Kirche, was für mich total widersprüchlich erscheint.
Als 2008 RELIGOLOUS erschien, war ich gerade so noch Teenager. Das ist natürlich keine wasserdichte Rechtfertigung dafür, dass ich von dem Film recht angetan war, aber auf jeden Fall ein fruchtbarer Boden für Bill Maher, der darin quer durch die kognitiven Dissonanzen (institutionalisierter) Religion watet.
Wenn ich heute Szenen des Films sehe, ist es kaum zu ertragen, was für ein selbstgefälliger Edgelord Maher damals war. Turns out: Seit 2008 hat sich anscheinend nichts geändert – nur eben die Kampfplätze.
Big Joel, den ich für seine unerwarteten, unkonventionellen und fast schon obsessiven Deep Dives immer wieder gerne schaue, hat in fast anderthalb Stunden mal aufgedröselt, in welchen intellektuellen Sphären sich Maher heute bewegt.
Time is a flat circle und ich dachte eigentlich, wir wären schon längst über den Punkt hinweg, über Advertorials aufklären zu müssen. Aber stimmt schon, die Grenze zwischen journalistischen und werblichen Inhalten ist besonders im Zeitalter der Influencer*innen noch einmal durchlässiger geworden oder hat zumindest an Trennschärfe verloren.
Warum das ganze Thema also nicht nur „alter Wein in neuen Schläuchen" ist, beleuchtet Patrick Lohmeier of Bahnhofskino-Fame in einer Episode des Dürfen die das?-Podcasts der Verbraucherzentrale Berlin – schön locker, aber in angemessener Tiefe und mit einer tollen Bandbreite an Expert*innen.
Die heutigen Dailies unter anderem mit: der absurden Castliste des nächsten Films von Noah Baumbach, notwendigem Tierschutz für Firefox und Googles Kunsthass
Von großartigen Neuigkeiten im Kampf gegen HIV berichtet Wired: „Evidence is growing that some HIV-infected infants, if given antiretroviral drugs early in life, are able to suppress their viral loads to undetectable levels and then come off the medicine."
Daran anknüpfend bin ich drüben bei Bluesky auf diesen großartigen Thread von Darryl Mott gestoßen.
If you want a weird but true fact to talk about:
Dexter Holland, lead singer of The Offspring, was instrumental in this. His doctorial thesis in molecular biology was sequencing mRNA in HIV. The paper was also heavily cited in creating the COVID-19 vaccine.
Die (Almost) Dialies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!
Firefox geht's nicht gut, wie Caschy kurz zusammenfasst:
Schaut man aktuell auf die Zahlen, dann hat man global 149,63 Millionen aktive Anwender (Stand 28. Juli). Das sind die MAUs, also die monatlich aktiven Anwender. Ein historisches Tief für den Browser. Als Vergleich: 2024 waren es zum gleichen Zeitpunkt 155 Millionen, 2023 noch 164 Millionen. Und in den Jahren davor war es eben auch besser.
Auch, wenn der Browser sich an manchen Stellen doch eher archaisch anfühlt, ist Firefox aus Überzeugung der Browser meiner Wahl. Denn so ziemlich alle benutzbaren Alternativen basieren auf Chromium. Chromium ist zwar Open Source, aber de facto bestimmt Google, wohin die Reise geht. Im Umkehrschluss bestimmt Google, mit welchen Mitteln (und technischen Voraussetzungen) wir das Internet betreten und wahrnehmen. Und Google hat natürlich (vor allem finanzielle) Interessen daran, dass das uns präsentierte Netz einem bestimmten Bild entspricht – Stichwort Werbung.
Ich bin auch deshalb extrem gespannt, was aus Ladybird wird. Aber mehr als „We are targeting a first Alpha release for early adopters in 2026" gibt's dazu auch noch nicht zu sagen.
Annika Brockschmidt und Rebekka Endler widmen sich in ihrem Podcast Feminist Shelf Controlin zwei Episoden dem Alt-Right-Hochglanz-Frauenmagazin Evie Magazine und schlagen auch die Brücke zur Sidney-Sweeney-Jeans-Situation, Peter Thiel und die komische (fast schon zugewandte) Faszination der deutschen Feuilletons mit diesem Faschisten.
Der nächste Film von Noah Baumbach heißt JAY KELLY und diese Castliste ist der absolute Wahnsinn...
Eher nicht so der Wahnsinn ist, dass der wieder bei Netflix läuft. Zwar wird auch im deutschen Teaser „In ausgewählten Kinos ab 20. November" proklamiert, aber wenn das am Ende nur zwei Buden in Berlin sind, kriege ich wieder schlechte Laune.
I love @jasonkoebler.bsky.social take on AI in journalism discussed on the @404media.co podcast.
"If AI is so transformative here, show me the reporters publishing more high quality pieces with AI that weren't doing it before." (paraphrasing)
This is the right take. We need proof, not hype.
Mal davon abgesehen, dass THE WIZARD OF OZ damit dennoch irgendwie auf die Schlachtbank gelegt wurde, ist das ein absolut widerlicher Move von Google und nur noch eine weitere Schicht auf dem „Wir hassen Kunst und verachten alle Kunstschaffenden"-Kuchen.
So apparently, it may turn out that The Wizard of Oz at the Las Vegas Sphere wasn’t entirely made in AI and Google threw the VFX crew under the bus by claiming it was all done by artificial intelligence.
If true, then fucking yikes.
Die heutigen Dailies unter anderem mit: „Twin Peaks“ für umme, Spielepodcasts und roten Linien
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