Skip to Content

André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1345 posts

Posts by André Pitz

Die Causa Jimmy Kimmel – einmal ernst, einmal lustig erklärt

Exzellenter Medienjournalismus von Oliver Darcy und Jon Passantino als Hauptgang, Jon Stewart und Maria Ressa als Digestif.

Die Causa Jimmy Kimmel – einmal ernst, einmal lustig erklärt
Foto: Meg von Haartman / Unsplash

Die regelrechte Panik von Disney, vor dem autokratischen Trump-Regime in Ungnade zu fallen, hat diese Woche de facto Jimmy Kimmel seinen Job gekostet. Pragmatisch betrachtet wird das für Kimmel kein Problem sein. Er wird sehr weich fallen. Doch was dieser vorauseilende Gehorsam für Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit in den USA bedeutet und wie groß die Reihe an Dominosteinen sein wird, die nun umfallen wird, lässt sich wirklich schwer abschätzen. Nur dass am Ende dieser Reihe nichts Gutes stehen wird, steht wohl außer Frage.

Hier zwei Takes, die mir selbst noch einmal beim Entwirren des sich nun entfaltenden Durcheinanders geholfen haben:

Oliver Darcy und Jon Passantino sind exzellent vernetzt und schreiben mit Status einen der besten Newsletter für die US-amerikanische Medienlandschaft. In ihrem korrespondierenden Podcast Powerlines sprechen sie, wie es zu Kimmels de facto Absetzung kam, welche wirtschaftlichen sowieso politischen Kräfte wie welchen Einfluss darauf hatten und wie es von hier aus weitergehen könnte.

Als Digestif bietet sich danach Jon Stewart an, der sich im komplett vergoldeten Daily Show-Studio dem Thema nähert.

Klar, man kann jetzt darüber streiten, ob Jon Stewart seine besten Zeiten auch schon lange hinter sich hat. Aber ein paar Schmunzler sind da schon dabei 😉 Auf jeden Fall und wie immer lohnenswert ist dann das sich (auch thematisch) anschließende Gespräch von Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa, die als Journalistin und Medienunternehmerin auf den Philippinen unter Rodrigo Duterte massive Repressionen erfuhr und sich zeitweise konkret in Lebensgefahr befand. Man könnte also meinen, dass wenn jemand weiß, wo die Reise für eine solche Machenschaften tolerierende USA hingeht, dann ist sie das.

Sehr interessant am 18. September 2025 Featured Post

Die heutigen Dailies unter anderem mit: einem süffisanten Spiegel, Kinderfragen und vorauseilendem Gehorsam.

Sehr interessant am 18. September 2025
Foto: Kajetan Sumila / Unsplash

Ich muss schon sehr oft ob dieser mehr oder weniger unterschwelligen Süffisanz in der Spiegel-Version der neuen Recherche zu den Machenschaften von Jan Marsalek grinsen 😅

Es geht noch einige Male hin und her, die Reporter fragen, ob der mutmaßliche Marsalek nicht doch telefonieren wolle. Die Antwort: »Sehr interessant.« Dann bricht der Austausch ab.

Sehr interessant ist auch, was Reporter alles in Russland herausfinden können, wenn sie erst einmal über eine Handynummer einer gesuchten Person verfügen. Insbesondere mit geleakten Standortinformationen. Damit lässt sich ein dichtes Bewegungsprofil des Nutzers erstellen. Jedes Mal, wenn das Telefon eine Funkzelle nutzt, wird die Lage des dazugehörigen Funkmasts erfasst.
(S+) Enthüllt: Das geheime Leben von Wirecard-Boss Jan Marsalek in Moskau
Erfolglos fahnden deutsche Polizisten seit Jahren nach dem mutmaßlichen Wirecard-Milliardenbetrüger und Agenten Jan Marsalek. Jetzt hat ein Rechercheteam um den SPIEGEL ihn in Moskau enttarnt.

Ohne Paywall gibt es Erkenntnisse aus der Recherche etwa beim Standard und The Insider zu lesen.

Neue Enthüllungen: Jan Marsalek soll im Ukrainekrieg für Russland gekämpft haben
Der österreichische Ex-Wirecard-Manager lebt als Spion in Russland. Seine Freundin soll gestohlene Handys aus Österreich nach Moskau transportiert haben
Our Jan in Moscow: The secret Russian life of Europe's most notorious fugitive-turned-spy
Ever since the summer of 2020, when German payments giant Wirecard collapsed after failing to account for €1.9 billion in missing assets, its former COO Jan Marsalek has been a wanted man. The Insider previously traced Marsalek to Russia, where the Austrian national enjoys a colorful life under the protection of the Kremlin’s security services. After making minor alterations to his appearance via cosmetic surgery, Marsalek freely walks around central Moscow accompanied by his new girlfriend, an FSB employee. Initially recruited by the GRU, Marsalek has recently been cooperating extensively with the FSB, making frequent appearances at the Lubyanka. In addition, Marsalek regularly travels to the occupied territories of Ukraine to carry out “combat missions” – accompanied by soldiers of the Russian special forces.

Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!

Newsletter kostenlos abonnieren ❣

Die kürzesten und härtesten Rezensionen der Welt liest man manchmal auf TikTok.

Anton Rainer (@antonrainer.bsky.social) 2025-09-16T16:27:20.831Z

Der Musikjournalist Malte Hemmerich rollt das komplizierte und nicht ganz klare Vermächtnis von Dmitri Schostakowitsch auf und geht der Frage nach, ob er nun opportunistischer Propagandist im Sinne Stalins, Propagandist wider Willen oder subtiler Widerständler war.

„Vier Töne gegen Stalin” - Ein Podcast über das komplizierte Vermächtnis von Dmitri Schostakowitsch
Opportunistischer Propagandist, Propagandist wider Willen oder subtiler Widerständler?

Eigentlich ein No-Brainer von Spin-off: Bei Alles gesagt? ist Zeit-Co-Chefredakteur Jochen Wegner auch dafür bekannt, in seinen Worten, „Kinderfragen" zu stellen. Daraus ist jetzt das eigene Podcastformat Nur eine Frage entstanden.

Jochen Wegners „Kinderfragen” gibt’s jetzt als eigenständigen Podcast
Zum Start von „Nur eine Frage” spricht Jochen Wegner mit dem Neurowissenschaftler Anil Seth und der oberen Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer.

Völlig irre, dieser vorauseilende Gehorsam...

ABC Pulls ‘Jimmy Kimmel Live!’ Indefinitely After Host’s Charlie Kirk Comments
Nexstar, one of the biggest owners of US TV stations, said will preempt Jimmy Kimmel’s late night show due to the host’s Charlie Kirk remarks.

Memo Jeftic (@memoklick.bsky.social) 2025-09-17T09:39:55.738Z

Der Horror liegt hier nicht in einer fernen Dystopie begründet, sondern darin, dass dieser Weltzustand nur einen Lidschlag entfernt scheint.

Gesehen: Planet B (2024) - Thiels Wunschtraum
Der Horror liegt hier nicht in einer fernen Dystopie begründet, sondern darin, dass dieser Weltzustand nur einen Lidschlag entfernt scheint.

Aufgeblasen, übermäßig deskriptiv und doch einen interessanten Take zu Filmen wie „Candyman" (1992) an die Oberfläche befördernd.

Gesehen: Woodlands Dark and Days Bewitched: A History of Folk Horror (2021) - Darlings auf Gemeinplätzen
Aufgeblasen, übermäßig deskriptiv und doch einen interessanten Take zu Filmen wie „Candyman” (1992) an die Oberfläche befördernd.

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHH

Endless Screaming (@infinitescream.bsky.social) 2025-09-18T16:40:54.20785300Z

Gesehen: Woodlands Dark and Days Bewitched: A History of Folk Horror (2021) - Darlings auf Gemeinplätzen

Aufgeblasen, übermäßig deskriptiv und doch einen interessanten Take zu Filmen wie „Candyman" (1992) an die Oberfläche befördernd.

Gesehen: Woodlands Dark and Days Bewitched: A History of Folk Horror (2021) - Darlings auf Gemeinplätzen
Foto: Severin Films, NSM Records

Wir haben alle alles sagen lassen und auch alle dabei gefilmt, also kommt es auch in unseren Film – so repetitiv und mitunter belanglos es auch sein mag. So jedenfalls haben sich diese 193(!) Minuten für mich angefühlt. Das ist natürlich übertrieben, aber hier sind trotzdem nicht genug Darlings über die Klinge gesprungen.

Mindestens die Hälfte des Films ist mit „Und dann" beschäftigt, vergisst dabei aber das „Und deshalb" weitestgehend. Es wird beschrieben, dass etwas passiert ist, aber meist nicht, warum etwas passiert ist. Erst, als die Motive in der Filmgeschichte klarer und offensichtlicher werden und sich damit leichter in Bezug zum Weltgeschehen setzen lassen, kommt auch der Film mit seinen Talking Heads mehr ins Erklären und weg vom Beschreiben.

Ein sonderlich hohes Niveau erreicht er dabei jedoch leider nicht. Vielmehr wird sich auf viele Gemeinplätze zurückgezogen und in der Betrachtung auf die simpelste Symbolik beschränkt. Wirklich spannend wurde es für mich nur, als die strukturelle Nähe zum Folk-Horror von Filmen wie CANDYMAN (1992) beschrieben wurde, weil das tatsächlich perspektiverweiternd war.

Ansonsten ist die Perspektive des Films doch arg verengt. Denn die meisten der Talking-Heads sind weiß, viele männlich – und es fühlt sich einfach total paternalistisch an, von denen die Bezüge zur Rolle der Frau oder zu rassistischen Strukturen erklärt zu bekommen. Ich will gar nicht deren Expertise in Abrede stellen. Aber damit decken sie eben nur einen Teil des Perspektivspektrums ab.

🇺🇸, R: Kier-La Janisse, Trailer, Letterboxd, Foto: Severin Films, NSM Records

Den Film streamen:

Woodlands Dark and Days Bewitched: A History of Folk Horror
Wo und wie heute “Woodlands Dark and Days Bewitched: A History of Folk Horror” im Stream online auf Netflix uvm. schauen - inkl. Kostenlos Option!

Die Kritik auf Letterboxd:

A review of Woodlands Dark and Days Bewitched: A History of Folk Horror (2021)
Wir haben alle alles sagen lassen und auch alle dabei gefilmt, also kommt es auch in unseren Film – so repetitiv und mitunter belanglos es auch sein mag. So jedenfalls haben sich diese 193(!) Minuten für mich angefühlt. Das ist natürlich übertrieben, aber hier sind trotzdem nicht genug Darlings über die Klinge gesprungen. Mindestens die Hälfte des Films ist mit „Und dann” beschäftigt, vergisst dabei aber das „Und deshalb” weitestgehend. Es wird beschrieben, dass etwa passiert ist, aber meist nicht, warum etwas passiert ist. Erst, als die Motive in der Filmgeschichte klarer und offensichtlicher werden und sich damit leichter in

Die Kritik als Tonspur:

audio-thumbnail
WOODLANDS DARK AND DAYS BEWITCHED (2021, Kier-La Janisse)
0:00
/176.168344

Alle Filmkritiken als Podcast abonnieren: RSS · Apple Podcasts · Spotify

Die Kritik im Video: Youtube · Instagram · Tiktok

Gesehen: Planet B (2024) - Thiels Wunschtraum

Der Horror liegt hier nicht in einer fernen Dystopie begründet, sondern darin, dass dieser Weltzustand nur einen Lidschlag entfernt scheint.

Gesehen: Planet B (2024) - Thiels Wunschtraum
Foto: Splendid Film

Aude Léa Rapin legt den Finger präzise in die zahlreichen offenen Wunden unserer Zeit, indem sie ausgewählte Aspekte, Phänomene und Entwicklungen gerade so weit weiterdenkt, dass sie zu jeder Zeit immer noch in Griffweite scheinen. Der Horror liegt hier nicht in einer fernen Dystopie begründet, sondern darin, dass dieser Weltzustand nur einen Lidschlag entfernt scheint.

In dieser Welt gehen Plattform- und Überwachungskapitalismus Hand in Hand mit politischer Repression. Das Schaffen von rechtsfreien und außergerichtlichen Räumen, in denen Schattenbehörden frei von Regulierung und öffentlicher Kontrolle agieren, ist natürlich längst keine ferne Zukunftsmusik mehr. Allerspätestens in der Folge des 11. Septembers 2001 mit Bezug zu den Gefangenenlagern als Teil des US-Militärstützpunktes Guantanamo Bay scheint sich sogar ein gewisser Gewöhnungseffekt eingesetzt zu haben. Heute lechzen die Innenministerien ob der undurchsichtigen Versprechen von Fascho-Thiels Palantir.

Aude Léa Rapin verknüpft ihren Film eng mit der Klimakrise und der politischen Weigerung, ihr überhaupt das bare minumum entgegen zu setzen. Die Proteste dagegen werden politisch wie von einem radikalisierten Teil der Gesellschaft delegitimiert und instrumentalisiert, um Repression zu rechtfertigen und Korruption zu verstetigen. Dass längst jegliche Verhältnismäßigkeit abhanden gekommen scheint, zeigt etwa, dass auch bei uns offen über eine „Klima-RAF" fantasiert wird und der mediale Diskurs darum so gestrickt ist, als ob das ein in der Realität verankertes Argument wäre.

Der Film spielt sich jedoch, genau wie meine Gedanken hier, viel zu sehr auf eben dieser Abstraktionsebene ab. Filmisch präsentiert, erzählt und erklärt bekommen wir kaum einen Teil dieser Welt. Anderthalb Texttafeln zu Beginn reichen jedoch nicht wirklich, um eine kohärente, vielschichtige und dadurch umfassend glaubhafte Welt zu konstruieren. Der Film ruht sich zu sehr auf seinen theoretischen Überlegungen auf Drehbuchebene aus, so produktiv auch immer die sein können.

★★★☆☆

🇧🇪/🇫🇷, R: Aude Léa Rapin, D: Adèle Exarchopoulos, Souheila Yacoub, Eliane Umuhire, India Hair, Paul Beaurepaire, Jonathan Couzinié, Théo Cholbi, Amine Hamidou, Léo Chalié, Grace Seri, Marc Barbé, Thierry Hancisse, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Splendid Film

Den Film streamen:

Planet B - Gefangen in einer anderen Welt - Stream: Online
Wo und wie heute “Planet B - Gefangen in einer anderen Welt” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!

Die Kritik auf Letterboxd:

A ★★★ review of Planet B (2024)
Aude Léa Rapin legt den Finger präzise in die zahlreichen offenen Wunden unserer Zeit, indem sie ausgewählte Aspekte, Phänomene und Entwicklungen gerade so weit weiterdenkt, dass sie zu jeder Zeit immer noch in Griffweite scheinen. Der Horror liegt hier nicht in einer fernen Dystopie begründet, sondern darin, dass dieser Weltzustand nur einen Lidschlag entfernt scheint. In dieser Welt gehen Plattform- und Überwachungskapitalismus Hand in Hand mit politischer Repression. Das Schaffen von rechtsfreien und außergerichtlichen Räumen, in denen Schattenbehörden frei von Regulierung und öffentlicher Kontrolle agieren, ist natürlich längst keine ferne Zukunftsmusik mehr. Allerspätestens in der Folge des 11. Septembers 2001

Die Kritik als Tonspur:

audio-thumbnail
PLANET B (2024, Aude Léa Rapin)
0:00
/178.2117

Alle Filmkritiken als Podcast abonnieren: RSS · Apple Podcasts · Spotify

Die Kritik im Video: Youtube · Instagram · Tiktok

Jochen Wegners „Kinderfragen" gibt's jetzt als eigenständigen Podcast

Zum Start von „Nur eine Frage" spricht Jochen Wegner mit dem Neurowissenschaftler Anil Seth und der oberen Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer.

Jochen Wegners „Kinderfragen" gibt's jetzt als eigenständigen Podcast
Porträt: Andreas Chudowski/Die Zeit, Cover: Lea Dohle/Die Zeit, Montage: Ich

Eigentlich ein No-Brainer von Spin-off: Bei Alles gesagt? ist Zeit-Co-Chefredakteur Jochen Wegner auch dafür bekannt, in seinen Worten, „Kinderfragen" zu stellen. Daraus ist jetzt das eigene Podcastformat Nur eine Frage entstanden.

"Können Maschinen denken?", "Ist Demokratie die beste Staatsform?", "Ist Armut erblich?". Das sind einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, und auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. In dem Video- und Audio-Podcast Nur eine Frage stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner sie der bestmöglichen Expertin, dem bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden konnten.

Zum Start gibt es ein Gespräch mit dem Neurowissenschaftler Anil Seth zur Frage „Gibt es mich wirklich?" und mit Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (aka die Wirtschaftsweisen), zur Frage „Ist die Rente sicher?"

Nur eine Frage
In dem neuen ZEIT-Video- und Audio-Podcast “Nur eine Frage” stellen wir den besten Experten die großen Fragen der Zeit – so lange, bis wir klare Antworten bekommen.

Bisher jedoch misslich: Wenn ich den Podcast mit dem Podcatcher meiner Wahl, Pocket Casts, abonniere, wird mir lediglich die natürlich eher nicht so speicherfreundliche Videoausgabe angeboten. Nur das Audio bekomme ich gerade beim Testen nur über die Podcast-App von Apple. (Keine Ahnung, was Spotify macht. Dort höre ich Podcasts aus Prinzip nicht.)

„Vier Töne gegen Stalin" - Ein Podcast über das komplizierte Vermächtnis von Dmitri Schostakowitsch

Opportunistischer Propagandist, Propagandist wider Willen oder subtiler Widerständler?

„Vier Töne gegen Stalin" - Ein Podcast über das komplizierte Vermächtnis von Dmitri Schostakowitsch
Foto: Dmitri Schostakowitsch im Publikum der Bachfeier 1950 in Leipzig

Durch Empfehlung von Alexander Matzkeit bin ich auf den vierteiligen Podcast Vier Töne gegen Stalin – Der Fall Schostakowitsch gekommen. Also eigentlich sind das vier zusammenhängende Episoden des Podcasts Alles Geschichte. Aber Potato, Potatoe.

Jedenfalls rollt der Musikjournalist Malte Hemmerich darin das komplizierte und nicht ganz klare Vermächtnis von Dmitri Schostakowitsch auf und geht der Frage nach, ob er nun opportunistischer Propagandist im Sinne Stalins, Propagandist wider Willen oder subtiler Widerständler war.

Wirklich gut gefallen hat mir die Auswahl an Gesprächspartner*innen, die Schostakowitschs Kompositionen, deren Feinheiten und ästhetische Symbolkraft wirklich klar greifbar machen. Das behaupte ich jedenfalls nicht nur als Schostakowitsch-, sondern auch als Laie in Sachen klassischer Musik.

Pluspunkt ist auch, dass die vier Episoden nicht mit Gewalt in so ein bereits völlig ausgeleiertes und bis zum Erbrechen wiederverwendetes True-Crime-Förmchen gepresst wurde.

Außerdem bin ich so auch auf Malte Hemmerichs SWR-Podcast Score Snacks aufmerksam geworden, in dem er sich tiefgreifend mit der Musik großer und kleiner Filme auseinandersetzt.

Was mir hingegen so gar nicht gefallen hat: Alle vier Folgen tragen sehr offensiv diesen „Krass, was für einen Aufriss Stalin um ein paar Noten gemacht hat; ist doch nur Musik"-Gestus vor sich her. Das lässt mehrere Schlüsse zu, die alle nicht sonderlich für die Redaktion sprechen:

  1. Man versucht sich hier auf vermeintliche Augenhöhe mit einem Publikum zu begeben, dem man nicht zutraut, Kunst ernst zu nehmen.
  2. Dieser Gestus infantilisiert Musik im Speziellen und Kunst im Allgemeinen regelrecht, spricht ihr ihr Potenzial und ihre Macht ab.
  3. Man ist selbst davon überrascht, welche Macht die Kunst haben kann.

(Direktlink)