Skip to Content

André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1397 posts

Posts by André Pitz

Gesehen: Guillermo del Toro's Pinocchio (2022)

Gesehen: Guillermo del Toro's Pinocchio (2022)
David Bradley spricht Geppetto und Gregory Man Pinocchio // (c) Netflix

Was soll ich sagen? Der unbändigen kreativen Energie und diesem Dickschädel von Guillermo del Toro kann ich einfach nur größten Respekt zollen. Er hätte die ganze Nummer viel einfacher haben können, aber es musste eben Stop-Motion sein. Alleine durch diesen Kraftakt kriegt mich GUILLERMO DEL TORO’S PINOCCHIO zugegebenermaßen eigentlich schon. Durch so etwas bin ich ziemlich leicht zu begeistern und es sieht halt auch einfach richtig toll aus.

Dabei hätte der ganze Film trotz des schier grenzenlosen Stilwillens auch gehörig in die Hose gehen können. Denn nur weil del Toro in EL LABERINTO DEL FAUNO schon einmal erfolgreich faschismuskritische mit märchenartigen Elementen zusammengebracht hat, ist das noch lange keine Garantie für eine Wiederholung des Erfolgs. Doch es geht auch in PINOCCHIO noch einmal auf – und zwar, weil sich der Film nicht nur auf altbekannten Bildern im schmucken neuen Gewand ausruht, sondern auch gegenwärtige politische Beobachtungen eine Rolle spielen.

Eine besondere Rolle in GUILLERMO DEL TORO’S PINOCCHIO spielt die enge Verbandelung von (katholischer) Kirche und dem Faschismus, die Ähnlichkeit beider Systeme und wie sie voneinander profitierten. Die Bewertung eines Lebens – ist Pinocchio nun ein Lebewesen oder nicht? – erinnert einerseits an die Eugenik der Nazis und andererseits an die menschenfeindlichen Auswüchse evangelikaler Rechter, die sich wie die Kirche im Film die Entscheidungshoheit über den Lebensbegriff anmaßen.

Del Toro richtet den Blick durch die Pinocchio-Brille außerdem auf den Kapitalismus. Denn auch Pinocchio wird in ein System „geboren“, in dem er in den Augen anderer erst etwas Wert ist, wenn er selbst in ausreichendem Maße wertschöpfend agiert – also dem Zirkusmann als sensationelle lebende Puppe immer mehr Geld in die Kasse spült oder dem Faschisten den wortwörtlich unsterblichen Soldaten im Kampf um Blut und Boden mimt. Pinocchio wird also standrechtlich durch die kapitalistische Mangel gezogen, bis letztlich kaum mehr als eine leere Hülle übrig bleibt.

Wenig übrig bleibt auch, wenn es mit dem Insektensterben im Speziellen und dem Artensterben im weiteren Sinne so weitergeht. Auch dazu hat GUILLERMO DEL TORO’S PINOCCHIO etwas zu sagen. Pinocchio als Lebewesen aus Holz wird ohne Erbarmen ausgebeutet. Davon können unsere hölzernen Freunde, etwa besonders im Amazonas-Regenwald, ein Lied singen. Von der Klimakatastrophe erzählt der Film also auch – und zwar ohne wachsende Nase.

Selbstverständlich muss dabei die Rolle des Menschen – hier in Form von Geppetto – kritisch beäugt werden. Denn der bringt Pinocchio wie Frankenstein sein Monster ungefragt und ungeachtet der Konsequenzen in die Welt – und zerstört dabei Sebastian J. Crickets Lebensraum.

Trotzt klarer Haltung gibt sich der Film nicht mit einfachen schwarz-weißen Denkmustern zufrieden. Er arbeitet mit einem vielschichtigen Schuldbegriff und kann am Ende doch die Liebe siegen lassen. Hach.

★★★★½

🇺🇸, R: Guillermo del Toro, Mark Gustafson, D: Ewan McGregor, David Bradley, Gregory Mann, Burn Gorman, Ron Perlman, John Turturro, Finn Wolfhard, Cate Blanchett, Tim Blake Nelson, Christoph Waltz, Tilda Swinton, Trailer, Wikipedia

Guillermo del Toros Pinocchio - Stream: Online anschauen
Wie und wo du “Guillermo del Toros Pinocchio” online auf Netflix & anderen Anbietern ansehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.

Per Mail kommentieren.

Gesehen: Selena Gomez: My Mind & Me (2022) - PR mit Seelenstriptease

Gesehen: Selena Gomez: My Mind & Me (2022) - PR mit Seelenstriptease
Foto: Apple TV+

Wie schon mit Apples BILLIE EILISH: THE WORLD’S A LITTLE BLURRY habe ich mich auch mit SELENA GOMEZ: MY MIND & ME sehr schwer getan. Einerseits halte ich es für extrem wichtig, über psychische Erkrankungen zu sprechen, sie sichtbar zu machen und so zur Entstigmatisierung beizutragen. Und wenn Gomez das tut, wenn man als Zuschauer*in in ihren Abgrund blicken kann, dann ist das sehr direkt, ungeschönt und ehrlich.

Die filmischen Zwischentöne hingegen irritieren mich über alle Maßen und zertrümmern das mit fast schon schonungsloser Offenheit aufgebaute Kartenhaus. Denn wenn die ehrlichen Momente gebrochen werden von durch Gomez selbst eingelesenen und möglichst tiefgreifend klingenden Tagebuchzitaten, während sie sich im Hintergrund fast schon lasziv in der Badewanne räkelt, dann ist das kein Stilmittel, sondern ein Werbeclip. Das hat nichts mit einem Einblick in Selena Gomez’ Seele, sondern nur mit der Zementierung eines sorgfältig zurechtgelegten Images zu tun. Denn der Film ist immer noch von Interscope – ihrem Label – mitproduziert worden.

🇺🇸, R: Alek Keshishian, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Apple TV+

Selena Gomez: My Mind & Me - Stream: Jetzt online anschauen
Wie und wo du “Selena Gomez: My Mind & Me” online auf Netflix & anderen Anbietern ansehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A review of Selena Gomez: My Mind & Me (2022)
Wie schon mit Apples BILLIE EILISH: THE WORLD’S A LITTLE BLURRY habe ich mich auch mit SELENA GOMEZ: MY MIND & ME sehr schwer getan. Einerseits halte ich es für extrem wichtig, über psychische Erkrankungen zu sprechen, sie sichtbar zu machen und so zur Entstigmatisierung beizutragen. Und wenn Gomez das tut, wenn man als Zuschauer*in in ihren Abgrund blicken kann, dann ist das sehr direkt, ungeschönt und ehrlich. Die filmischen Zwischentöne hingegen irritieren mich über alle Maßen und zertrümmern das mit fast schon schonungsloser Offenheit aufgebaute Kartenhaus. Denn wenn die ehrlichen Momente gebrochen werden von durch Gomez selbst eingelesenen und möglichst

Gesehen: Pearl (2022)

Gesehen: Pearl (2022)
(c) Universal Pictures International Germany

PEARL ist ein wunderbares Companion Piece zu X, das viele Themen des Vorgängers aufgreift, sie jedoch in die jeweils fast schon entgegengesetzte Richtungen laufen lässt.

️ Im Geiste vereint sind beide Figuren bei Film. Für X-Mia Goth eine Möglichkeit, aus ihrem Leben, also von etwas zu fliehen. Für PEARL-Mia Goth ein Sehnsuchtsort, zu dem sie hinzufliehen versucht. Das Ziel ist gleich, doch die Bewegung eine andere.

Große Macht auf beide Figuren übt außerdem Sexualität aus – in X ein Versprechen von Freiheit und Selbstermächtigung, in PEARL das eng mit Erniedrigung und der übermächtigen Mutter verbundene Verbotene.

Beide Figuren existieren an zwei unterschiedlichen Polen der selben Fragestellung. Das ermöglicht ein spannendes Wechselspiel zwischen beiden Schicksalen – das eine (X) am Rockzipfel des amerikanischen Traums, das andere (PEARL) im mit Mut zum Cringe porträtierten amerikanischen Technicolor-Idyll, in dem das Leben zum Krampf gleich dem ins schier unendlich gezogene Grinsen während des Abspanns verkommen ist.

★★★½☆

US, R: Ti West, D: Mia Goth, Tandi Wright, David Corenswet, Emma Jenkins-Purro, Matthew Sunderland, Alistair Sewell, Amelia Reid, Trailer, Wikipedia
Pearl - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Pearl” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.

Gesehen: Amarcord (1973) - Filmisches Aufbegehren

Über den Verlust der Unschuld junger freiheitsstrebender Geister

Gesehen: Amarcord (1973) - Filmisches Aufbegehren
Foto: Warner Home Video

AMARCORD ist ein wirklich lebendiger Film, dem ein Aufbegehren gegen Autoritäten, Konservatismus, Katholizismus, Prüderie und Fremdbestimmung regelrecht innewohnt. Doch genau diese innere Verweigerung des Status quo führt dazu, dass die gezeigte Welt immer empfänglicher für die Botschaften des Faschismus wird, der wiederum eine wahnsinnig zersetzende Wirkung entfaltet und paradoxerweise genau das im Sinne hat, gegen das vorher aufbegehrt wurde. Das macht Fellinis Film letztlich zu einer bittersüßen Geschichte über den Verlust der Unschuld junger freiheitsstrebender Geister.

★★★★☆

🇮🇹/🇫🇷, R: Federico Fellini, D: Bruno Zanin, Magali Noël, Pupella Maggio, Armando Brancia, Nando Orfei, Ciccio Ingrassia, Gianfilippo Carcano, Josiane Tanzilli, Maria Antonietta Beluzzi, Giuseppe Ianigro, Stefano Proietti, Luigi Rossi, Marcello Di Falco, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Warner Home Video

I Remember - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “I Remember” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★★★ review of Amarcord (1973)
AMARCORD ist ein wirklich lebendiger Film, dem ein Aufbegehren gegen Autoritäten, Konservatismus, Katholizismus, Prüderie und Fremdbestimmung regelrecht innewohnt. Doch genau diese innere Verweigerung des Status Quo führt dazu, dass die gezeigte Welt immer empfänglicher für die Botschaften des Faschismus wird, der wiederum eine wahnsinnig zersetzende Wirkung entfaltet und paradoxerweise genau das im Sinne hat, gegen das vorher aufbegehrt wurde. Das macht Fellinis Film letztlich zu einer bittersüßen Geschichte über den Verlust der Unschuld junger freiheitsstrebender Geister.

Gesehen: 8½ (1963)

Gesehen: 8½ (1963)
Foto: Studiocanal

8½ doesn't seem to be just a self-critical Fellini but a critique of cinema itself. Is that possible? I'm not versed enough in film of that era to say for sure.

Anyways, it's insane how much talking there is in 8½ but how little actually is said. This, of course, is clearly on purpose. Because if you don't have to say anything, you better don't start talking at all – at least if you are an artist.

★★★★½

🇮🇹/🇫🇷, R: Federico Fellini, D: Marcello Mastroianni, Claudia Cardinale, Anouk Aimée, Sandra Milo, Rossella Falk, Barbara Steele, Madeleine Lebeau, Caterina Boratto, Eddra Gale, Guido Alberti, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Studiocanal

(watched as part of the 5th Annual Letterboxd Season Challenge: 2019-20366 Weird Movies Week)


Achteinhalb - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Achteinhalb” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★★★★½ review of 8½ (1963)
8½ doesn’t seem to be just a self-critical Fellini but a critique of cinema itself. Is that possible? I’m not versed enough in film of that era to say for sure. Anyways, it’s insane how much talking there is in 8½ but how little actually is said. This, of course, is clearly on purpose. Because if you don’t have to say anything, you better don’t start talking at all – at least if you are an artist. (watched as part of the 5th Annual Letterboxd Season Challenge: 2019-20 – 366 Weird Movies Week)