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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

The Eternal Daughter (2022) - Spuk in Abwesenheit

The Eternal Daughter (2022) - Spuk in Abwesenheit
Bild: A24, BBC Film, Element Pictures, JWH Films
GB/IE · R: Joanna Hogg · D: Tilda Swinton, Joseph Mydell, Carly-Sophia Davies, August Joshi, Crispin Buxton · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Der für mich interessanteste Aspekt des Films war der Umgang mit dem Konzept Spuk. Denn in THE ETERNAL DAUGHTER spuken nicht die anwesenden Geister. Das Unheimliche ergibt sich aus dem Abwesenden. Es sind abwesende Menschen, Gefühle, die verwehrte Katharsis, die wie ein böser Geist durch das alte Gemäuer ziehen. Und das hat zuverlässig eine derart unangenehme Stimmung erzeugt, die jedoch auch aufgrund der Figurenanordnung in jeder Minute empfindenswert ist.

★★★★☆

Gesehen: Mädchen in Uniform (1958)

Gesehen: Mädchen in Uniform (1958)
Romy Schneider // (c) Leonine Studios Spielfilm

Ich habe schon ein bisschen gelesen, dass diese Version im Vergleich zur Erstverfilmung (1931) des Theaterstücks/Romans von Christa Winsloe etwas glattgebügelter und weniger offensiv sein soll. Vielleicht liegt das an den Erfahrungen des Nationalsozialismus, die diese Adaption unweigerlich geprägt haben müssen. Mit der verbrannten Erde, die der Faschismus hinterließ, musste sicherlich eine neue Sensibilität gesucht und vorsichtig ertastet werden. Diesen Prozess meine ich auch in diesem Film, der sich Schritt für Schritt aus dem Schatten wagt und das Unterschwellige immer selbstbewusster hinter sich lässt, erkannt zu haben.

Diese Neuinszenierung ist geprägt von einem Schrecken, der homosexuellen Menschen systematisch unmenschliche Dinge angetan hat, und von der bedrückenden Vorahnung weiterer lebensfeindlicher Jahrzehnte für queere Menschen. MÄDCHEN IN UNIFORM beschreibt die Tabuisierung, Kriminalisierung und Entmenschlichung von Homosexualität inmitten einer Gesellschaft, in der durch Indoktrination und Propaganda so viel Unsicherheit gesät wurde, dass niemand mehr ausmachen kann, wo die Grenzen zwischen Verbündeten, Denunzianten und (Lebens-)Feinden verlaufen.

★★★★☆

🇫🇷/🇩🇪, R: Géza von Radványi, D: Romy Schneider, Lilli Palmer, Therese Giehse, Blandine Ebinger, Adelheid Seeck, Gina Albert, Sabine Sinjen, Christine Kaufmann, Danik Patisson, Ginette Pigeon, Marthe Mercadier, Paulette Dubost, Trailer, Wikipedia, Foto: Leonine Studios Spielfilm

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Klimt and The Nazi Aesthetic: Great Art Cities: Vienna

Great Art Explained ist derzeit einer meiner Lieblingschannels auf Youtube. Mit Macher James Paynes jüngstem Video zu Gustav Klimt bin ich in etwas mehr als einer Viertelstunde vor meinem Laptop dem Wesen des Wiener Jugendstiel-Künstlers gefühlt näher gekommen, als es das Kunstkraftwerk in Leipzig mit der immersiven Installation „Gustav Klimt: Gold Experience“ geschafft hat. Denn die war/ist leider ein ziemlicher Reinfall, wirkt wie eine Klimt-Powerpoint mit einer Best-of-Klassik-CD im Hintergrund und einem widerlich kalkulierenden Teil, der ausschließlich für Instagram und nie und nimmer zur Egründung Gustav Klimts gebaut wurde.

Spannend ist für mich, wie die Nazis Klimt für ihre niederen Zwecke umgedeutet haben. Obwohl ich bei Kunst eigentlich kein Freund des Umdeutungsbegriffes bin. Denn meine Perspektive ist: Die Intention und der Hintergrund des Künstlers sind nur bedingt relevant für das Lesen des eigentlichen Kunstwerks. Die Deutungshoheit liegt IMMER bei den Rezipientinnen. Nur waren die Nazis keine „einfachen“ Rezipientinnen, die schlicht eine andere Deutung von Klimts Kunst darlegten. Sie begriffen Klimts Kunst nicht als solche, sondern als praktisches Propagandawerkzeug.

Gesehen: EO (2022)

Gesehen: EO (2022)
© Rapid Eye Movies

Zuallererst will ich mal festhalten, wie wunderschön dieser Film fotografiert ist und wie erfrischend es nach ein paar aktuellen Mainstream-Filmen am Stück ist, derart gesättigte Farben im Bild zu sehen. Jedes Motiv – sei es in der Sommersonne oder im harschen Winter – strahlt eine einnehmende Wärme aus, durch ich mich direkt auf jeder Etappe des Esels angekommen gefühlt habe – ganz unabhängig von Traurigkeit und Tristesse der eingefangenen Momente. Das hat es mir umso leichter gemacht, mich auf diese Geschichte über Sehnsucht, Zugehörigkeit und Liebe einzulassen.

Interessant sind aber auch die kapitalismuskritischen Denkräume, die der Film abseits der Gefühlsebene eröffnet. Der Übersicht halber hier als kurze Liste:

· Es dauert nicht lange, da wird Eo durch Gerichtsvollzieher aus seinem Umfeld im Zirkus gerissen. Das ließe sich durchaus als Metapher für Enteignungen aus links-utopischer Perspektive lesen. Denn so offenbart der Film das kranke System, denn aus einem Ausbeuterloch einfach zur nächsten nach kapitalistischer Verwertungslogik arbeitenden Maschinerie geschoben wird, profitiert wieder nur das so weiterhin unverändert laufende System.

· Das vermeintliche Paradies erreicht der Esel zwischenzeitlich mit einem Hof, auf dem offenbar mit Kindern mit kognitiven Beeinträchtigungen gearbeitet wird. Doch der Schein trügt, denn es sind genau diese Menschen, die im Kapitalismus entweder eiskalt nicht mehr produktiver Teil einer Gesellschaft sein können oder dreist in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen ausgebeutet werden. Der Esel verschwindet.

· Eo wird von Hooligans brutalst zugerichtet und springt dem Tod in einer Tierklinik oder einem Tierheim offenbar nur knapp von der Schippe. Helfen wolle man dort den Tieren. Doch auch dort muss Eo nach seiner Genesung direkt wieder einen Karren durch die Gegend ziehen. Wert hat nur, was Wert schaffen kann.

All das und noch viele weitere Beispiele sind angesichts dessen, wonach der Esel anscheinend strebt, super traurig. Aber EO ist auch mit vielen einigen herrlich situationskomischen Momenten gespickt, die den Löffel einer Welt am Rande des Abgrunds mit Zucker füllen.

★★★★☆

🇮🇹/🇵🇱, R: Jerzy Skolimowski, D: Sandra Drzymalska, Isabelle Huppert, Lorenzo Zurzolo, Mateusz Kościukiewicz, Tomasz Organek, Lolita Chammah, Agata Sasinowska, Anna Rokita, Anna Rokita, Gloria Iradukunda, Trailer, Wikipedia, Foto: Rapid Eye Movies

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Gesehen: Slow Horses (Staffel 1)

Gesehen: Slow Horses (Staffel 1)
(c) Apple TV+

Gerade habe ich bei Apple TV+ die erste Staffel von Slow Horses mit Gary Oldman fertiggeschaut und bin davon total angetan. Die Serie hat etwas von John le Carré, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen. Mir scheint, als ob das – Cast mit einbezogen – genau das ist, was dem Agenten-/Spionage-Thriller aktuell fehlt. Darüber hinaus kann ich nur applaudieren, wie sich die erste Staffel konsequent rechtsextremistischem Inlandsterrorismus widmet und erst gar keinen Nährboden für Alte und Neue Rechte bietet. Bin gespannt, was Staffel 2 kann!

Slow Horses - Ein Fall für Jackson Lamb - Stream online
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Gesehen: Oppenheimer (2023) - Historisches Puppentheater

Als wäre Lars Eidinger ein Drehbuch geworden.

Gesehen: Oppenheimer (2023) - Historisches Puppentheater

OPPENHEIMER ist, als wäre Lars Eidinger ein Drehbuch geworden. Dieser Film hat keine einzige nuanciert angelegte und gespielte Szene. Mit jedem einzelnen Satz wird entweder bedeutungsschwangeres Foreshadowing vorangetrieben oder ein neunmalkluger Kalenderspruch über die ach so schwer überschaubare moralische Grauzone rausgehauen. Der als große Charakterstudie angelegte Film nimmt sich wahnsinnig wichtig, lässt jedoch das dazu notwendige Fingerspitzengefühl mehr als vermissen.

Leider setzt sich dieser Mangel an Subtilität auch auf visueller Ebene fort. Nur wenige Bilder können wirklich atmen, eine von Dialog und Plot losgelöste Wirkung erzielen. Die – in meinen Augen – Referenz an Werner Herzogs „Lektionen in Finsternis“ mag zwar den richtigen Ton treffen, steht im Gesamtkunstwerk OPPENHEIMER jedoch ziemlich allein auf weiter Flur.

Dazu kommt ein Namedropping sondergleichen. Es scheint, als ob manche Figuren nur wegen ihres bekannten Namens eingeführt und schließlich wie eine heiße Kartoffel fallengelassen werden. Nolan betreibt hier eine Art historisches Puppentheater, detailversessen und opulent ausgestattet, für das sogar ein Gary Oldman sich für grob über den Daumen geschätzte 120 Sekunden noch einmal den halben Tag lang in die Maske begeben muss.

Aber es ist dann eben genau dieses Puppentheater, was mich jedenfalls an dieser Stelle so fasziniert. Welches Staraufgebot Nolan offenbar mit einem Fingerschnippen herbeimanifestieren kann. Dieser genüsslich zelebrierte Größenwahn, der schon irgendwie eine Art Respekt abverlangt. Trotz all meiner Kritikpunkte habe ich mich drei Stunden lang nie gelangweilt.

Noch ein paar lose Gedanken und Anmerkungen:

  1. Christopher sollte einfach wieder mit seinem Bruder Jonathan seine Drehbücher schreiben.
  2. Ganz ohne Ironie werde ich es mir wirklich zweimal überlegen, ob ich Nolans nächstes Werk unbedingt im Kino sehen muss. Ich komme mit dieser Lautstärke tatsächlich nur sehr schwer klar. Vielleicht sollte ich mir solche Konzertgehörschutze besorgen.
  3. Wer 2023 noch solche Frauenfiguren schreibt, dem gehört wirklich der kreative Freifahrtschein entzogen.

★★★☆☆

🇺🇸/🇬🇧, R: Christopher Nolan, D: Cillian Murphy, Emily Blunt, Matt Damon, Robert Downey Jr., Florence Pugh, Josh Hartnett, Casey Affleck, Rami Malek, Kenneth Branagh, Benny Safdie, Jason Clarke, Dylan Arnold, Tom Conti, James D’Arcy, David Dastmalchian, Dane DeHaan, Alden Ehrenreich, Tony Goldwyn, Jefferson Hall, David Krumholtz, Matthew Modine, Scott Grimes, Kurt Koehler, John Gowans, Macon Blair, Trailer, Letterboxd, Wikipedia

Oppenheimer - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★★ review of Oppenheimer (2023)
OPPENHEIMER ist, als wäre Lars Eidinger ein Drehbuch geworden. Dieser Film hat keine einzige nuanciert angelegte und gespielte Szene. Mit jedem einzelnen Satz wird entweder bedeutungsschwangeres Foreshadowing vorangetrieben oder ein neunmalkluger Kalenderspruch über die ach so schwer überschaubare moralische Grauzone rausgehauen. Der als große Charakterstudie angelegte Film nimmt sich wahnsinnig wichtig, lässt jedoch das dazu notwendige Fingerspitzengefühl mehr als vermissen. Leider setzt sich dieser Mangel an Subtilität auch auf visueller Ebene fort. Nur wenige Bilder können wirklich atmen, eine von Dialog und Plot losgelöste Wirkung erzielen. Die – in meinen Augen – Referenz an Werner Herzogs „Lektionen in Finsternis“ mag