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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Victim (2022) - Wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt

Ein geschenktes Sporttrikot erzählt alles über russischen Imperialismus.

Gesehen: Victim (2022) - Wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt
Foto: Rapid Eye Movies

Es ist wirklich gut, wie dieser Film den strukturellen Antiziganismus und den Fremdenhass per se herausarbeitet, wie sich diese Grundüberzeugungen durch alle Schichten und Lager ziehen und wie sie genutzt werden, um den Menschen ohne ökonomische Perspektive Sündenböcke hinzustellen und sich so selbst aus der Verantwortung zu ziehen. Außerdem ist zu sehen, was passiert, wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt und nur die überzeugendste Erzählung, den am meisten resonierenden Vibe erzeugt, zählt. Davon profitieren letztlich nur rechte Demagog:innen, die tragische Momente für ihre Zwecke missbrauchen und umdeuten.

Gleichzeitig zeitlos, aktueller denn je und zudem noch ziemlich clever ist die Art und Weise, wie der imperialistische Allmachtsanspruch Russlands mit nur einer einzigen Geste – dem Geschenk eines Sporttrikots in den Farben der russischen Flagge – verwoben wird. Es verortet (zumindest politisch) die Strippenzieher:innen und nutzt dafür geschickt eines der in der Vergangenheit wichtigsten Propagandawerkzeuge Russlands: den Sport.

Mein größter Kritikpunkt am Film ist die Distanz, die er stets zu seinen Figuren und deren Politik wahrt. Letztlich bleibt er so zu weit weg, um Milieustudie zu sein. Zu weit weg, um Porträt einer Mutter zu sein. Zu weit weg, um der strukturellen Xenophobie wirklich auf den Grund gehen zu können.

★★★½☆

🇨🇿 / 🇩🇪 / 🇸🇰, R: Michal Blaško D: Vita Smachelyuk, Gleb Kuchuk, Igor Chmela, Viktor Zavadil, Inna Zhulina, Alena Mihulová, Veronika Weinhold, Gabriela Míčová, Klaudia Dudová, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Rapid Eye Movies

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A ★★★½ review of Victim (2022)
Es ist wirklich gut, wie dieser Film den strukturellen Antiziganismus und den Fremdenhass per se herausarbeitet, wie sich diese Grundüberzeugungen durch alle Schichten und Lager ziehen und wie sie genutzt werden, um den Menschen ohne ökonomische Perspektive Sündenböcke hinzustellen und sich so selbst aus der Verantwortung zu ziehen. Außerdem ist zu sehen, was passiert, wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt und nur die überzeugendste Erzählung, den am meisten resonierenden Vibe erzeugt, zählt. Davon profitieren letztlich nur rechte Demagog*innen, die tragische Momente für ihre Zwecke missbrauchen und umdeuten. Gleichzeitig zeitlos, aktueller denn je und zudem noch ziemlich clever ist die Art

Gesehen: Les Créatures (1966) - Nature vs. Nurture

Agnès Varda nähert sich über den magischen Realismus dem Wesen des Menschen.

Gesehen: Les Créatures (1966) - Nature vs. Nurture
Foto: Ciné-Tamaris

Agnès Varda nähert sich über den magischen Realismus dem Wesen des Menschen. Wieviel ist naturgegeben, wieviel ist Prägung? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Dynamiken, die zuerst von außen wirken und dann hereinziehen? Für ihre Versuchsanordnung setzt Varda zumindest einen Menschen auf Null, lässt ihn seine Prägung vergessen und wirft ihn dann in eine vermeintlich gefestigte Struktur. Und sie kommt zum dem Schluss: Der Mensch kann sich für das Gute entscheiden und dafür kämpfen. Varda bedient sich dabei eines unkonventionellen Werkzeuges, das mich an Ingmar Bergmans THE SEVENTH SEAL (1957) erinnert hat, für das gleiche existenzielle Gewicht jedoch für meinen Geschmack etwas zu gimmicky ist.

★★★½☆

🇫🇷/🇸🇪, R: Agnès Varda, D: Catherine Deneuve, Michel Piccoli, Eva Dahlbeck, Marie-France Mignal, Britta Pettersson, Ursula Vian-Kübler, Jeanne Allard, Joëlle Gozzi, Bernard Lajarrige, Lucien Bodard, Pierre Danny, Louis Falavigna, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Ciné-Tamaris

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A ★★★½ review of The Creatures (1966)
Agnès Varda nähert sich über den magischen Realismus dem Wesen des Menschen. Wieviel ist naturgegeben, wieviel ist Prägung? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Dynamiken, die zuerst von außen wirken und dann hereinziehen? Für ihre Versuchsanordnung setzt Varda zumindest einen Menschen auf Null, lässt ihn seine Prägung vergessen und wirft ihn dann in eine vermeintlich gefestigte Struktur. Und sie kommt zum dem Schluss: Der Mensch kann sich für das Gute entscheiden und dafür kämpfen. Varda bedient sich dabei eines unkonventionellen Werkzeuges, das mich an Ingmar Bergmans DET SJUNDE INSEGLET (1957) erinnert hat, für das gleiche existenzielle Gewicht jedoch für meinen Geschmack etwas

Gesehen: Early Summer (1951) - Meisterhafte Melancholie

Yasujirō Ozus bleibt Film bis zuletzt von grenzenloser Empathie und Liebe getrieben.

Gesehen: Early Summer (1951) - Meisterhafte Melancholie
Foto: Shochiku

Yasujirō Ozu ist einfach ein Meister darin, dem alltäglichen Leben mit all seiner Melancholie, mit den kleinen schönen Momenten und der lauernden Unsicherheit, mit der Liebe in Familie und Freund:innenschaften Gestalt auf der Leinwand zu verschaffen. Dazu Setsuko Hara, die mit Ozus Stoffen eine perfekte Symbiose eingeht, durch die der Filmemacher sein Ansinnen kanalisieren kann.

Denn wie kann ein postfaschistisches Japan keine zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges weiter in solch einer starren, sich auf Traditionen und Etikette berufende Gesellschaft leben? Wie können derartige patriarchale Denken weiter unangefochten bestehen bleiben? Wie gelingt die Emanzipation von der Diktatur des unmenschlichen Denkens? Damit setzt sich Ozu über Setsuko Haras Figur Noriko, die das explizit sowie implizit verhandelt, auseinander.

Auf formaler Ebene wird mit unzähligen Feinheiten gearbeitet. Da gibt es den kleinen Jungen, der bei dem vermeintlich tauben Bruder seines Opas trotz lauten Schreiens scheinbar kein Gehör mehr findet, so den sinnbildlichen Bruch zwischen den Generationen verkörpert. Oder Norikos Vater, der zunächst unzufrieden mit Norikos letztlicher Ehemannsauswahl etwas resigniert über die Straße schlurft und von der vor ihm herunterkommenden Schranke am Bahngleis zum Stillstand gezwungen wird, ihm und damit sinnbildlich seinem Denken Einhalt geboten wird.

Und doch bleibt Ozus Film bis zuletzt von grenzenloser Empathie und Liebe getrieben. Ein herausragendes Werk.

★★★★½

🇯🇵, R: Yasujirō Ozu, D: Setsuko Hara, Chishū Ryū, Chikage Awashima, Kuniko Miyake, Ichirō Sugai, Chieko Higashiyama, Haruko Sugimura, Kuniko Igawa, Hiroshi Nihon’yanagi, Shūji Sano, Toyo Takahashi, Seiji Miyaguchi, Kokuten Kōdō, Matsuko Shiga, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Shochiku

Weizenherbst - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★★★½ review of Early Summer (1951)
Yasujirō Ozu ist einfach ein Meister darin, dem alltäglichen Leben mit all seiner Melancholie, mit den kleinen schönen Momenten und der lauernden Unsicherheit, mit der Liebe in Familie und Freund*innenschaften Gestalt auf der Leinwand zu verschaffen. Dazu Setsuko Hara, die mit Ozus Stoffen eine perfekte Symbiose eingeht, durch die der Filmemacher sein Ansinnen kanalisieren kann. Denn wie kann ein postfaschistisches Japan keine zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges weiter in solch einer starren, sich auf Traditionen und Etikette berufende Gesellschaft leben? Wie können derartige patriarchale Denken weiter unangefochten bestehen bleiben? Wie gelingt die Emanzipation von der Diktatur des unmenschlichen

Gesehen: Natural Born Killers (1994) - Einfache Antworten auf komplexe Fragen

Ein Film, den ich so nie von Oliver Stone erwartet hätte auch und einer, der eindeutig seine Handschrift trägt.

Gesehen: Natural Born Killers (1994) - Einfache Antworten auf komplexe Fragen
Foto: Warner Home Video

NATURAL BORN KILLERS ist gleichzeitig ein Film, den ich so nie von Oliver Stone erwartet hätte* und einer, der so eindeutig Oliver Stones Handschrift trägt**.

*Rein ästhetisch hat mich dieses Werk total hypnotisiert. Der sonst formal eher konservative Stone hat hier einen packenden Fiebertraum inszeniert, der wie das grobschlächtigere Fundament für den vier Jahre später erschienenen FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS wirkt. Dem liegt durchaus visuelles Ideenreichtum zugrunde. Stone probiert Unkonventionelles aus, spielt mit der Umkehrung und Verrückung von Perspektiven, erzählt viel über Farbe(n) und überlagert mehrere Erzählebenen.

**Inhaltlich gerät der Film dann mitunter doch ins Hintertreffen. Stone liefert auch hier einfache Antworten, die den komplexen Problemen/Fragestellungen meistens nicht gerecht werden. Er ist dann eben doch kein Sidney Lumet und NATURAL BORN KILLERS ist kein NETWORK. Nichtsdestotrotz lässt sich der Radikalität, mit der hier gesellschaftliche und mediale Obsession mit Gewalt und Sex herausgearbeitet und überhöht inszeniert wird, auch applaudieren. Auch seine Beobachtungen hinsichtlich der Rolle von Strafverfolgung und -vollzug innerhalb der daraus entstehenden Eskalationsspiralen sind pointiert, aber treffend. (Was Stone hier jedoch als obszöne Sexualität verkauft, sagt auch schon wieder viel über die scheinheilige Prüderie der US-Gesellschaft aus, von der sich der Filmemacher selbst offenbar auch nicht befreien kann.)

★★★½☆

🇺🇸, R: Oliver Stone, D: Woody Harrelson, Juliette Lewis, Robert Downey Jr., Tommy Lee Jones, Tom Sizemore, Rodney Dangerfield, Edie McClurg, Jared Harris, Russell Means, Maria Pitillo, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Warner Home Video

Natural Born Killers - Stream: Jetzt Film online anschauen
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A ★★★½ review of Natural Born Killers (1994)
NATURAL BORN KILLERS ist gleichzeitig ein Film, den ich so nie von Oliver Stone erwartet hätte* und einer, der so eindeutig Oliver Stones Handschrift trägt**. *Rein ästhetisch hat mich dieses Werk total hypnotisiert. Der sonst formal eher konservative Stone hat hier einen packenden Fiebertraum inszeniert, der wie das grobschlächtigere Fundament für den vier Jahre später erschienenen FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS wirkt. Dem liegt durchaus visuelles Ideenreichtum zugrunde. Stone probiert Unkonventionelles aus, spielt mit der Umkehrung und Verrückung von Perspektiven, erzählt viel über Farbe(n) und überlagert mehrere Erzählebenen. **Inhaltlich gerät der Film dann mitunter doch ins Hintertreffen. Stone liefert

Gesehen: Tommaso (2019) - Malick im Guten und Schlechten

Zwischen überstrapazierter Leier und vielschichtiger Selbstsabotage

Gesehen: Tommaso (2019) - Malick im Guten und Schlechten
Foto: Neue Visionen

Rein formal hat mich sehr viel von TOMMASO an die Filme von Terrence Malick denken lassen – im guten wie im schlechten Sinne. Die vielen Weitwinkel, Bildgestaltung und Spiel ganz im Zeichen des Naturalismus, immer in Bewegung, viel „aus der Hüfte“ geschossen – das weiß in seinen Bann zu ziehen. Dazu Willem Dafoes Tommaso, der ohne auch nur einen Tropfen anzurühren von seinem eigenen Alkoholismus zunehmend und nach allen Regeln der Kunst in Beschlag genommen wird. Er sucht Fehler immer nur bei anderen, nie bei sich selbst. Er gibt die Schuld für seine eigenen Unzulänglichkeiten immer anderen, nie sich selbst. Er meint, komplexe Probleme mit simplen Holzhammermethoden lösen zu können. Dieses selbstzerstörerische Verhalten, der Zwang zur Selbstsabotage – das offenbart, dass die Sucht diese Schlacht gegen den seit Jahren Trockenen bereits gewonnen hat, bevor der überhaupt wieder zur Flasche greift.

Gleichzeitig ist der Film aber auch die Leier des leidenden, zerrissenen und zunehmend verzweifelten Künstlers, die schon so überstrapaziert ist, dass man ihr keinen geraden Ton mehr entlocken kann.

★★★☆☆

🇬🇷/🇮🇹/🇺🇸, R: Abel Ferrara, D: Willem Dafoe, Cristina Chiriac, Anna Ferrara, Alessandra Scarci, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Neue Visionen

Tommaso und der Tanz der Geister - Stream: Online anschauen
Wo und wie heute “Tommaso und der Tanz der Geister” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★ review of Tommaso (2019)
Rein formal hat mich sehr viel von TOMMASO an die Filme von Terrence Malick denken lassen – im guten wie im schlechten Sinne. Die vielen Weitwinkel, Bildgestaltung und Spiel ganz im Zeichen des Naturalismus, immer in Bewegung, viel „aus der Hüfte“ geschossen – das weiß in seinen Bann zu ziehen. Dazu Willem Dafoes Tommaso, der ohne auch nur einen Tropfen anzurühren von seinem eigenen Alkoholismus zunehmend und nach allen Regeln der Kunst in Beschlag genommen wird. Er sucht Fehler immer nur bei anderen, nie bei sich selbst. Er gibt die Schuld für seine eigenen Unzulänglichkeiten immer anderen, nie sich selbst.

Gesehen: Disco Boy (2023) - Kolonialistischer Gleichmacher

Aus diesen Ober- und Untertönen einen Vibe zu machen, ohne zu trivialisieren, das ist schon stark.

Gesehen: Disco Boy (2023) - Kolonialistischer Gleichmacher
Foto: Charades

Dieser Film macht so viel richtig und richtig gut. Die Bilder erzeugen einen wirklich hypnotischen Sog. Und aus den Ober- und Untertönen der Kolonialisierung quasi einen Vibe zu machen, ohne zu trivialisieren, das ist schon stark. Aber es fühlt sich letztlich eben doch sehr risikolos und wie auf bereits bereiteten Pfaden wandelnd an. Nicht zuletzt Claire Denis’ BEAU TRAVAIL (1999) oder jüngst etwa HUMAN FLOWERS OF FLESH (2022) kommen dabei in den Sinn.

Zeitlos interessant bleibt meiner Meinung nach der Aspekt des Militärs. Als großer Gleichmacher, als Eintrittskarte zu einer besseren Zukunft präsentiert sich die Fremdenlegion auch hier. Währenddessen werden die Legionäre dazu benutzt die kolonialistisch geprägten Machtverhältnisse außerhalb Frankreichs/der Europäischen Union zu zementieren, Migrant*innen inklusive den Legionären werden weiter eiskalt ausgebeutet. Alles bleibt gleich, ist es aber weiterhin nicht. Denn Aufenthaltstitel und Pass hin oder her, das System sorgt zuverlässig dafür, dass sich nie eine wirklich (ökonomische) Perspektive auftun wird und Abhängigkeiten weiterhin bestand haben werden.

★★★☆☆

🇫🇷/🇮🇹/🇧🇪/🇵🇱, R: Giacomo Abbruzzese, D: Franz Rogowski, Morr Ndiaye, Laëtitia Ky, Leon Lučev, Matteo Olivetti, Robert Więckiewicz, Michał Balicki, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Charades

Disco Boy - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Wo und wie heute “Disco Boy” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★ review of Disco Boy (2023)
Dieser Film macht so viel richtig und richtig gut. Die Bilder erzeugen einen wirklich hypnotischen Sog. Und aus den Ober- und Untertönen der Kolonialisierung quasi einen Vibe zu machen, ohne zu trivialisieren, das ist schon stark. Aber es fühlt sich letztlich eben doch sehr risikolos und wie auf bereits bereiteten Pfaden wandelnd an. Nicht zuletzt Claire Denis’ BEAU TRAVAIL (1999) oder jüngst etwa HUMAN FLOWERS OF FLESH (2022) kommen dabei in den Sinn. Zeitlos interessant bleibt meiner Meinung nach der Aspekt des Militärs. Als großer Gleichmacher, als Eintrittskarte zu einer besseren Zukunft präsentiert sich die Fremdenlegion auch hier. Währenddessen werden