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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Patrick Bahners: Kontinuitätslinien des deutschen Rechtsnationalismus

Patrick Bahners: Kontinuitätslinien des deutschen Rechtsnationalismus
Foto: Markus Spiske / Unsplash

Als Leipziger habe ich mich vergleichsweise wenig mit Neo Rauch beschäftigt. Im von mir geschätzten Museum der bildenden Künste sind zwar Werke von ihm prominent ausgestellt, aber bisher habe ich keinen Zugang zu ihnen gefunden. Es ist mir jedoch jetzt glasklar, unter welchem Licht das künftig zu tun ist.

Zum Licht geführt hat mich FAZ-Redakteur Patrick Bahners, der jüngst bei den 54. Römerberggesprächen in Frankfurt am Main anhand eines Interviews, das Rauch diesen Sommer der NZZ gegeben hat, die Kontinuitätslinien des deutschen Rechtsnationalismus nachzuzeichnen versucht.

Bahners ist in seiner Analyse sehr bedacht auf eine ausgewogene Sprache und darauf, Rauch nie als Person anzugreifen. Er lässt seine messerscharfe Analyse von Rauchs Worten für sich sprechen.

Oder wie ich es hiermit formulieren möchte: Innerhalb einer guten halben Stunde zerlegt Bahners das politische Denken Neo Rauchs nach allen Regeln der Kunst und stößt ihn – zumindest meinem Dafürhalten nach – von seinem wahrgenommenen Podest.

Und wie es aussieht, hätte ich diese Erkenntnis schon vor langer Zeit haben können. Umso irritierender, in welcher Breite er meiner Wahrnehmung nach eher unkritisch rezipiert und als handwerkliches Genie sowie intellektuelle Seele verkultet wird. Und auch ich war davon angetan, als ich vor zwei Jahren Nicola Graefs Langzeitporträt von Neo Rauch gesehen habe. Habe ich damals vielleicht nicht genau genug hingehört...?

Gesehen: Blue Jean (2022) - Naturgewalt Rosy McEwen

Georgia Oakley zeichnet zudem lesbische Liebe und Sexualität in ihrer Komplexität, ohne sich dabei in Klischees zu ergehen.

Gesehen: Blue Jean (2022) - Naturgewalt Rosy McEwen
Foto: Salzgeber

Rosy McEwen ist eine absolute Naturgewalt, die extrem tief in ihre Figur eintauchen kann und von dort unten zu gegebener Zeit eine emotionale Wahrhaftigkeit an die Oberfläche treiben kann, die ihresgleichen sucht. Georgia Oakley zeichnet zudem lesbische Liebe und Sexualität in ihrer Komplexität, ohne sich dabei in Klischees zu ergehen oder den Weichzeichner über gesellschaftliche und politische Realitäten des Englands der 1980er zu legen – jedenfalls soweit ich das aus meiner Perspektive beurteilen kann. Gefühlt befinden sich Filme und auch Serien aktuell nämlich in einer Phase, in der lesbische Liebe und Sexualität wieder eine sehr heteronormative Optik übergestülpt bekommen und irgendwie übergangen wird, dass es sehr wohl Butch- und Femme-Identitäten gibt. Gegen diesen Strich kämmt Oakley sehr bewusst und zurecht.

Und gerade deshalb fühle ich mich mit dieser Kritik fast schon schlecht. Aber mir fehlt bei BLUE JEAN irgendwie die Idee bzw. etwas, wonach gegriffen wird. Der Film lässt mich weder anders über die Gegenwart nachdenken, noch die Vergangenheit neu bewerten. Zu verkapselt fühlt sich der Stoff dafür an, zu halbherzig und lauwarm ist es, ein paarmal Margaret Thatchers menschenfeindliches Gelaber aus Radio- und Fernsehlautsprechern im Hintergrund trällern zu lassen.

★★★½☆

🇬🇧, R: Georgia Oakley, D: Rosy McEwen, Kerrie Hayes, Lucy Halliday, Lydia Page, Becky Lindsay, Maya Torres, Ellen Gowland, Amy Booth-Steel, Stacy Abalogun, Izzy Neish, Kate Soulsby, Lainey Shaw, Farrah Cave, Deka Walmsley, Gavin Kitchen, Emily Fairweather, Aoife Kennan, Scott Turnbull, Dexter Heads, Kylie Ann Ford, Edmund Wiseman, Elizabeth Shaw, Nick Figgis, Isla Bowles, Catherine Lee, Shannon McLean, Mana Azarish, Oliver Maratty Quinn, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Salzgeber

Blue Jean - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Wo und wie heute “Blue Jean” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★½ review of Blue Jean (2022)
Rosy McEwen ist eine absolute Naturgewalt, die extrem tief in ihre Figur eintauchen kann und von dort unten zu gegebener Zeit eine emotionale Wahrhaftigkeit an die Oberfläche treiben kann, die ihresgleichen sucht. Georgia Oakley zeichnet zudem lesbische Liebe und Sexualität in ihrer Komplexität, ohne sich dabei in Klischees zu ergehen oder den Weichzeichner über gesellschaftliche und politische Realitäten des Englands der 1980er zu legen – jedenfalls soweit ich das aus meiner Perspektive beurteilen kann. Gefühlt befinden sich Filme und auch Serien aktuell nämlich in einer Phase, in der lesbische Liebe und Sexualität wieder eine sehr heteronormative Optik übergestülpt bekommen und

Sterling K. Brown Performs Shakespeare While Eating Spicy Wings

Sterling K. Brown Performs Shakespeare While Eating Spicy Wings
Foto: First We Feast, Hot Ones

Seit Hot Ones diese Größe erreicht hat, bei der es selbst für A-Lister zum üblichen Teil des Press Junkets gehört und auch entsprechend uninspiriert abgefrühstückt wird, sind viele Folgen leider ziemlich langweilig geworden – da helfen auch die weiterhin auf fantastischer Recherche fußenden Fragen kaum.

Aber ab und zu gibt es sie noch, die wirklich tolle Ausnahme. Der sowieso großartige Sterling K. Brown ist eine solche. Er zeigt ehrliche Begeisterung, will das Spiel unbedingt mitspielen, setzt sich mit vereinnahmender Energie an den Tisch und weiß genau, worauf er sich einlässt. Und trotzdem gelingt es Sean Evans, ihn genau richtig aus der Bahn zu werfen, zu überraschen und für wahrhaftige Momente zu sorgen.

Bitte wieder mehr von diesem Kaliber!

Zweiter Trailer zu THE ZONE OF INTEREST mit Sandra Hüller

Kinostart ist weiterhin für den 29. Februar 2024 geplant.

Zweiter Trailer zu THE ZONE OF INTEREST mit Sandra Hüller
Foto: Leonine Studios Spielfilm

Anderthalb Monate nach Trailer número uno verweile ich in ungebrochen gespannter Erwartung... Kinostart ist weiterhin für den 29. Februar 2024 geplant.

Gesehen: May December (2023) - Problematische Normalität

Ich. Liebe. Diesen. Score. Ausrufezeichen.

Gesehen: May December (2023) - Problematische Normalität
Foto: Leonine Studios Spielfilm

Ich. Liebe. Diesen. Score. Ausrufezeichen. Dessen Klavier ist ganz nah am Synth-Sound der 1980er arrangiert und lädt damit den ganzen Film nostalgisch auf – jedoch nie, um damit konkrete Bilder aufleben zu lassen, sondern dem Publikum ein wohlig warmes Bad mit dem Gefühl des Altbekannten einzulassen, dadurch ein Gefühl der Sicherheit zu konstruieren. Form und Inhalt gehen hier eine perfekte Symbiose ein, sehen sich die Figuren doch oft dazu angehalten zu betonen, dass der ganze „schlechte“ Kram jetzt hinter ihnen liegt und man einfach nur sein Leben weiterleben möchte – was nicht viel mehr als pseudonostalgische Verklärung der Gegenwart ist.

Nach meinem Dafürhalten ist das alles auch hervorragend gespielt – allen voran natürlich die Beziehung der Figuren von Julianne Moore und dem für mich in seinem stoischen Spiel trotzdem umfassenden Ausdruck findenden Charles Melton, in der viel impliziert und wenig ausgesprochen ist. Lange lässt sich der Film Zeit das zwar Logische, aber dadurch nicht weniger Kraftvolle aus den Tiefen an die Oberfläche zu treiben.

Wir lernen Charles Meltons Joe immer mehr als jemanden kennen, der nie erwachsen werden und emotional reifen konnte – das jedoch auch nicht problematisieren kann, weil ihm dafür der Erfahrungshorizont fehlt. Das Problematische ist für ihn Normalität und sie sorgt dafür – ob nun bewusst oder nicht –, dass das auch so bleibt. Dazu lässt sich der Film erst gar nicht auf überpsychologisierende Erklärungs- bzw. Rechtfertigungsmuster ein, sondern lässt eigentlich nur ein klares Urteil zu.

Natalie Portmans Elizabeth ist eine Schauspielerin, die Julianne Moores Gracie besonders nahe kommen will. Doch letztlich ist es Gracie, die Elizabeth unterbewusst in ihr Ebenbild verwandeln will, sich so alterstechnisch auf Augenhöhe mit Joe zu begeben, sich von ihrer Schuld reinzuwaschen (und das eigentliche Problem weiterhin zu verkennen).

★★★★☆

🇺🇸, R: Todd Haynes, D: Natalie Portman, Julianne Moore, Charles Melton, Cory Michael Smith, Elizabeth Yu, Gabriel Chung, Piper Curda, D.W. Moffett, Chris Tenzis, Andrea Frankle, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Leonine Studios Spielfilm

May December - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Wo und wie heute “May December” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★★ review of May December (2023)
Ich. Liebe. Diesen. Score. Ausrufezeichen. Dessen Klavier ist ganz nah am Synth-Sound der 1980er arrangiert und lädt damit den ganzen Film nostalgisch auf – jedoch nie, um damit konkrete Bilder aufleben zu lassen, sondern dem Publikum ein wohlig warmes Bad mit dem Gefühl des Altbekannten einzulassen, dadurch ein Gefühl der Sicherheit zu konstruieren. Form und Inhalt gehen hier eine perfekte Symbiose ein, sehen sich die Figuren doch oft dazu angehalten zu betonen, dass der ganze „schlechte“ Kram jetzt hinter ihnen liegt und man einfach nur sein Leben weiterleben möchte – was nicht viel mehr als pseudonostalgische Verklärung der Gegenwart ist.

Gesehen: Mothra vs. Godzilla (1964) - Von oben herab

Sein Publikum sollte man schon ernst nehmen...

Gesehen: Mothra vs. Godzilla (1964) - Von oben herab
Foto: Anolis Entertainment

Uff, was war das denn? Mir ist klar, dass das Zielpublikum hier ganz klar Kinder waren. Aber auch die muss man doch nicht mit an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen und jeglicher Logik entbehrender Behauptungen abspeisen. Wer sein Publikum – egal welches Alters – nicht ernst nimmt, agiert immer von oben herab und hat sich die Aufmerksamkeit nicht verdient.

★☆☆☆☆

🇯🇵, R: Ishirō Honda, D: Akira Takarada, Yuriko Hoshi, Hiroshi Koizumi, Yū Fujiki, Kenji Sahara, Emi Ito, Yumi Ito, Jun Tazaki, Yoshifumi Tajima, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Anolis Entertainment

Godzilla und die Urweltraupen - Stream: Online anschauen
Wo und wie heute “Godzilla und die Urweltraupen” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★ review of Mothra vs. Godzilla (1964)
Uff, was war das denn? Mir ist klar, dass das Zielpublikum hier ganz klar Kinder waren. Aber auch die muss man doch nicht mit an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen und jeglicher Logik entbehrender Behauptungen abspeisen. Wer sein Publikum – egal welches Alters – nicht ernst nimmt, agiert immer von oben herab und hat sich die Aufmerksamkeit nicht verdient.